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	<title>Kultur &#8211; Anja Röhl</title>
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	<title>Kultur &#8211; Anja Röhl</title>
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		<title>Little Flower trio &#8211; wunderbare Musik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jul 2024 07:45:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[mit JULIAN ERDEM, drums &#38; compositionCAN OLGUN, piano &#38; rhodesKEISUKE MATSUNO, guitar &#38; effects Die New Yorker Band: LITTLE FLOWER TRIO hat gestern, am Samstag, den 20. Juli um 21h erfolgreich im Jazzclub Donau 115 ein Konzert gegeben. gespielt. Das Publikum war tief berührt und begeistert. Die drei Musiker Julian Erdem, Can Olgun und Keisuke...]]></description>
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<p>mit</p>



<p class="has-text-align-center">JULIAN ERDEM, drums &amp; composition<br>CAN OLGUN, piano &amp; rhodes<br>KEISUKE MATSUNO, guitar &amp; effects</p>



<p>Die New Yorker Band: <strong>LITTLE FLOWER TRIO</strong> hat gestern, am Samstag, den 20. Juli um 21h erfolgreich im Jazzclub <strong>Donau 115</strong> <a href="https://facebook.com/events/s/little-flower-trio-at-donau115/504108038827882/" title="ein Konzert">ein Konzert</a> gegeben. gespielt. Das Publikum war tief berührt und begeistert.</p>



<p>Die drei Musiker Julian Erdem, Can Olgun und Keisuke Matsuno verbindet eine lange Freundschaft und gemeinsame Jahre in der Jazzmetropole New York City. Zusammen experimentierten sie mit einer besonders weichen Art von Jazz, die auf Musik, Melodie und Klang aufbaut. Die Musik von Julian Erdem verarbeitet diese Arbeit. Sie hat einen besonders weichen, leicht schwermütigen Klang, der sich gut zum Träumen eignet, sie schafft eine Atmosphäre, die zwischen Melancholie, Hoffnung und Vergebung schwebt. Sein unverwechselbarer Stil lässt sich immer wiedererkennen und nur scher kategorisieren. Manche Songs basieren auf einer Melodie, einer klaren Form oder geschriebenen Stimmen. Andere bestehen aus subtil verbundenen Klängen, bei denen die Übergänge eher spürbar als vorhersehbar sind. Julian Erdems Kompositionen sind vielseitig und doch wie durch einen roten Faden durch emotionale Tiefe verbunden. Da die Musiker sich seit Jahrzehnten kennen, haben sie gemeinsam viele musikalische Schlüsselmomente erlebt. Sie spielten schon zusammen in einer Highschool-Bigband, sie schätzen und verarbeiten die Jazztradition. Ihre Liebe zur improvisierten Musik verbindet sie innig miteinander. Aufgrund ihrer gemeinsamen Geschichte verstehen sie sich blind und ihr Spiel spiegelt das wider, sie wirkt leicht und freundlich, tief und emotional berührend, sie symbolisiert die Verbundenheit aller Menschen miteinander. Beim Komponieren hat Julian Erdem immer den Klang und die musikalische Identität seiner Mitmusiker im Sinn. Auch dadurch entsteht eine untrennbare Verbindung zwischen der Musik und den Musikern, etwas Friedliches, Geschwisterliches, etwas, was den Zuschauern neben einer besonderen Tiefe, Trost gibt. Hier ihr jüngstes </p>



<p class="has-text-align-center"><a href="https://open.spotify.com/album/2Txu2HWIOEND2h4pS6YTdi?si=_VDg5_laSIiqIsz-xF6lsA" title="Album">Album</a></p>



<p>Am Mittwoch, den 31.7. um 21h werden nun diese drei Musiker: <a href="http://julianerdem.com">Julian Erdem</a>, <a href="https://canolgun.com/" title="Can Olgun">Can Olgun</a>,  <a href="https://keisukematsuno.tumblr.com/" title="Keisuke Matsuno">Keisuke Matsuno</a> im <strong>Jazzclub Schlot</strong> mit <a href="https://kunstfabrik-schlot.de/event/little-flower-trio-special-guest/" title="„special guest“">„special guest“</a> ein zweites Mal auftreten, diesmal noch mit dem eng mit ihnen befreudeten Bassisten <a href="https://matthiaspichlermusic.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mathias Pichler</a>. Nehmt die Gelegenheit wahr und kommt vorbei:&nbsp; &nbsp; <br><br><br><br></p>
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		<title>Münsteraner Flugblatt von 1958</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Nov 2017 08:22:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich möchte hier ein Flugblatt dokumentieren, dass die Journalistin Ulrike Meinhof als junge Studentin zur Aufrüstung der Bundeswehr geschrieben hat, damals als erklärte Pazifistin. Danach hat sie bis 1970 lange als eine anerkannte und Deutschland weit bekannte, investigative Journalistin gewirkt. Zum Schluss hatte sie sich einige Jahre mit der Aufdeckung von Grausamkeiten in Fürsorgeheimen beschäftigt....]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich möchte hier ein Flugblatt dokumentieren, dass die Journalistin Ulrike Meinhof als junge Studentin zur Aufrüstung der Bundeswehr geschrieben hat, damals als erklärte Pazifistin. Danach hat sie bis 1970 lange als eine anerkannte und Deutschland weit bekannte, investigative Journalistin gewirkt. Zum Schluss hatte sie sich einige Jahre mit der Aufdeckung von Grausamkeiten in Fürsorgeheimen beschäftigt. Ihre journalistische Biografie wird oftmals, aufgrund ihrer weiteren biografischen Entscheidungen, vergessen. Weiteres dazu <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrike_Meinhof">hier</a>:</p>
<p>Ulrike Meinhof</p>
<p>Stud.phil.                                                                                                                            Münster (Westf.), den 15.Mai 1958</p>
<p>Brief an die Studentenschaft</p>
<p><strong>Wir Studenten und die atomare Aufrüstung der Bundeswehr</strong></p>
<p>Es soll hier zur Frage der atomaren Aufrüstung der Bundeswehr Stellung genommen werden. Wir Studenten können und dürfen in dieser Auseinandersetzung nicht länger schweigen, und ich meine, es müsste uns gelingen, in ein offenes Gespräch über diese Frage zu kommen.</p>
<p>Man sagt uns, dies sei eine Frage der Parteipolitik, und man sagt uns, der Protest gegen die atomare Aufrüstung sei demokratisch illegal. Andererseits aber heißt es im Grundgesetz, dass in unserer Demokratie alle Gewalt vom Volke ausginge und unser Parlament sei für die Mehrheitsverhältnisse des Volkes. Und das heißt doch unmissverständlich, dass die Verantwortung für das, was ein Parlament beschließt, vom Volke zu tragen ist. Was aber ist, wenn das Parlament in einer lebenswichtigen Frage nicht mehr die Meinung des Volkes repräsentiert? Da gibt es nur zwei Antworten: Entweder wir schweigen, wir geben zu, dass wir nicht mehr demokratisch regiert werden, wir finden uns damit ab und versuchen, vor uns selbst zu rechtfertigen, dass wir verantwortungslos sind. Oder aber wir sprechen; wir halten fest am Grundgesetz und treten für das, was an Verantwortung auf uns liegt, ein. In jedem Falle aber muss eines gesagt werden: Die Frage der atomaren Aufrüstung geht  j e d e n  von uns an, insofern  j e d e r  von einem Atomkrieg betroffen wäre,  j e d e r  von einer friedlichen Lösung der Spannungen zwischen Ost und West,  j e d e r  von einer Diktatur östlicher Prägung. Ich glaube, hierüber dürfen wir uns auch mit den Fürsprechern der atomaren Aufrüstung einig wissen. – Aber was ist eigentlich los, wenn wir unter Umständen nicht mehr das Recht haben sollten, zu einer Lebensfrage von so großer Bedeutung Stellung zu nehmen?</p>
<p>Es ist eine Verkehrung der Tatsachen, hier noch von Parteipolitik zu sprechen. Die Mahnrufe Pius XII.- ist das Parteipolitik? Die Reden Albert Schweizers, Bertrand Russels und John Priestleys, die Erklärung der fast 15 000 Frauen, die u.a. von Gertrud von Le Fort und Ina Seidel unterschrieben wurde, der Aufruf der Hamburger Ärzte und vieler anderer – ist das Parteipolitik? Die Auseinandersetzung um die Frage allein in den letzten Wochen lässt keinen Zweifel darüber, dass der Widerstand gegen die atomare Aufrüstung quer durch alle Parteien, alle Konfessionen, alle Berufsgruppen, ja  –  aller Völker geht. Das hat nichts mehr mit Parteipolitik zu tun.</p>
<p>Man will durch die atomare Aufrüstung der Bundeswehr die Russen vor einem Angriff abschrecken. Am Rande sei daran erinnert, dass schon Tirpitz den Aufbau seiner Flotte mit der Theorie der Abschreckung begründete (gegen England) &#8211; sie hat den Krieg nicht abgewendet, und Hitler sprach von Abschreckung durch Rüstung (gegen Frankreich); und so wenig diese historischen Ereignisse mit unserer Situation vergleichbar sind, sie sollten uns misstrauisch machen gegen diese Theorie. Besonders aber dann, wenn man andererseits weiß, dass eine Vermehrung der Atomwaffen besitzenden Länder die Gefahr eines Krieges, der „aus Versehen“ entsteht, erhöht.</p>
<p>Es war ein „Versehen“, dass es nicht schon vor einigen Wochen losging, als amerikanische Radargeräte fälschlich meldeten, „dass sich größere Bomberverbände…im Anflug auf die Vereinigten Staaten befänden“, und als der verantwortliche Luftwaffengeneral Power – Gott sei Dank &#8211; lange genug mit dem Befehl zum Gegenschlag zögerte, bis sich die Meldung als Irrtum erwies (s. „Wehr- und Wirtschaft“ Heft 2/3, 1958).  &#8211;  Wir wollen dies Risiko nicht eingehen; wir wollen nicht dass „Hunderte von Millionen Menschen“ ermordet werden, wir wollen nicht, dass unsere Kinder als Idioten geboren werden, blind, mit durchlöcherten Knochen, bauchlos und ohne Beine, Gehirn und was des Entsetzlichen mehr ist. Wissen wir denn nicht, dass Wasserstoffbomben, auf Ost-Berlin und Prag abgeworfen, &#8211; und so ist es für den sog. „Gegenschlag“ geplant &#8211; bis über London hinaus &#8211; bei entsprechender Windrichtung – die Bevölkerung mit hoher Sterblichkeitsziffer verseuchen, d.h. zu 80%?  Ich selbst muss ehrlichen Herzens sagen, wer eine russische Diktatur mehr fürchtet als einen Atomkrieg, den wird niemanden daran hindern können, in solchem Fall Selbstmord zu begehen; mich aber und Millionen andere soll er leben lassen und die Sünde des Selbstmords nicht durch die Sünde des Kollektivmords unter der Bezeichnung „Schicksal“ beschönigen.</p>
<p>Man tut uns bitter unrecht, wenn man uns vorwirft, wir hätten vor der Drohung des Ostens kapituliert und trieben nun unser Geschäft mit der „Atompanik“. Tatsachen zur Kenntnis nehmen und daraus seine Konsequenzen ziehen, das hat nichts mit „Panikmache“ zu tun. Was wir wollen, ist dies: Wir wollen uns in den aufreibenden Kampf der politischen Auseinandersetzung begeben und nicht in den tödlichen Kampf einer militärischen Auseinandersetzung. Wir glauben, dass man eine militärische Auseinandersetzung ernstlich nur vermeiden kann, wenn man das Denken in militärischen Kategorien verlässt, und alle moralischen, ethischen und politischen Kräfte einsetzt, um aus der spannungsvollen gegenwärtigen Situation herauszukommen. Wir sind davon überzeugt, dass unsere heutigen Probleme: Erhaltung der Freiheit und des Friedens, nicht befriedigend gelöst werden können, wenn man auf dem Vulkan der Atomwaffen Politik macht, der, wenn er ausbricht, alles zerstört, was erhalten werden sollte.</p>
<p>Man soll uns nicht sagen, diese Auffassung sei unrealistisch. Sie fußt im Kern auf einem sehr bitteren Realismus. Wir alle wissen, dass die Sicherheit, die uns eine atomare Aufrüstung der Bundeswehr geben soll, keine echte Sicherheit ist. Dem würde auch Herr Strauß kaum widersprechen. Wir wissen umgekehrt, dass wir auch ohne Atomwaffen keine unbedingte Sicherheit haben. Wir brauchen das nicht zu leugnen. Unser Problem ist dieses: Welche Unsicherheit hält uns die Möglichkeit offen, Mensch zu bleiben, welches Risiko dürfen wir auf uns nehmen: Das Risiko der Massenvernichtung oder das Risiko der menschlichen und psychischen Anfechtung? Und wir glauben, dass wir uns für Letzteres entscheiden müssen, weil wir damit im Bereich des menschlich Möglichen bleiben, in einem Bereich, den zu bewältigen wahrscheinlicher ist als die Möglichkeit, einen Atomkrieg zu überstehen.</p>
<p>Und noch eins: Gott hat seine Kirche in Russland durch 40 Jahre atheistischer Propaganda hindurch erhalten, wunderbar erhalten &#8211; haben wir da ein Recht und eine echte Begründung dafür, das sog. „Christliche Abendland“ in die Hand von Massenvernichtungsmitteln zu geben? – Wir glauben, dass der Mensch in  j e d e r  Situation, unter jedem System, in  j e d e m  Staat die Aufgabe hat, Mensch zu sein und seinen Mitmenschen zur Verwirklichung seines Menschseins zu helfen, und dass es nicht darum gehen darf, sich dieser Aufgabe durch das Risiko der Massenvernichtung zu entziehen. Es ist nicht an uns, den, der unsere Situation und Aufgabe anders beurteilt, zu schmähen. Aber es darf auch nicht an den Andersdenkenden sein, den, der zu großen persönlichen Opfern bereit ist, zu verfemen.</p>
<p>So lassen Sie mich abschließend eine Bitte aussprechen: Wenn in der nächsten Zeit innerhalb der Studentenschaft Äußerungen gegen die atomare Aufrüstung der Bundeswehr ausgesprochen werden und zu Protesten aufgefordert wir und wenn dann einige unter Ihnen ihrem Widerspruch gegen unsere Unternehmungen Ausdruck geben wollen, so tun Sie es bitte nicht in der Form der persönlichen Diffamierung und politischen Denunziation. Ich meine, diese Auseinandersetzungen sind unserer nicht würdig. Wir wollen für unser Menschsein eintreten an unserem Teil; dazu gehört, dass man es uns nicht schwermacht, das Menschsein des Andersdenkenden zu respektieren.-</p>
<p>D i e  F r a g e  d e r  a t o m a r e n  A u f r ü s t u n g  i s t  e i n e  F r a g e   d e r  M e n s c h l i c h k e i t  u n d  d e s   G e w i s s e n s.  W i r  m ü s s e n  u n s  d a r ü b e r  i m  K l a r e n  s e i n,  d a s s  w i r      f ü r  d a s,  w a s  g e s c h i e h t,  v e r a n t w o r t l i c h  s i n d,  d e n n  n o c h  l e b e n  w i r  i n        e i n e r   D e m o k  r a t i  e.  W i r  w o l l e n  u n s  n i c h t  n o c h  e i n m a l  w e g e n                       „V e r b r e c  h e n  g e g e n   d i e  M e n s c h l i c h k e i t“  v o r  G o t t  u n d  d e n  M e n s c h e n     s c h u l d i g  b e k e n n e n  m ü s s e n.  U n d  e s  w ä r e  e i n  V e r b r e c h e n,  m i t  M i t t e l n     d e s  M a s s e n m o r  d s      K r i e g   z u   f ü h r e n, &#8211;  g a n z  g l e i c h g ü l t i g,  a u f  w e l c h e  r   S e i t e  m a n  s t e h t  –  e i n  V e r b  r e c h e n,  f ü r  d a s  e s  k e i n e,  a b e r  a u c h  g a r             k e i n e  E n t s c h u l d i g u n g  g i b t.</p>
<p>Herausgeber: Studentischer Arbeitskreis für ein kernwaffenfreies Deutschland, Münster (Westf.)</p>
<p>Margarete Auener, stud.theol.                                                                              Ulrike Meinhof, stud.phil.</p>
<p>Erich Dangschat, cand.med.                                                                     Arnold Wilhelm Röhrig, cand.phil.</p>
<p>Franz-Jacob Gerth, stud.theol et phil.                                                 Heinrich Schieche, stud.theol.</p>
<p>Harald Hartung, cand.phil.                                                                        Jürgen Seifert, cand.iur.</p>
<p>Werner Otto Jedamzik, stud.iur.                                                            Karl-Heinz Stanzick, stud.rer.nat.</p>
<p>Manfred Kock, stud.theol.                                                                        Wolfgang Sünkel, cand.phil.</p>
<p>Lothar-Wilhelm Koring, cand.iur.                                                          Günter Weigand, cand.rer.pol.</p>
<p>Armin Leutbecher, stud.rer.nat.                                                                            Ingrid Witting, stud.rer.pol.</p>
<p>Peter Meier, cand.theol.                                                                           Friedrich Franz Ziegler, cand.iur.</p>
<p><em>(Der Text ist rechtschreibkoorigiert abgeschrieben, Original im Stadtarchiv Münster)</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kleiner Mann,  was nun? &#8211;  In neuer Fassung   &#8211;   Rezension</title>
		<link>https://anjaroehl.de/kleiner-mann-was-nun-in-neuer-fassung-rezension/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jul 2017 12:55:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach dem neuerlichen Welterfolg des ersten antifaschistischen Nachkriegsroman: „Jeder stirbt für sich allein“, kam Ende 2016 jetzt auch der Arbeitslosenroman „Kleiner Mann, was nun?“ ungekürzt heraus, eine Überraschung, auch dieser Roman, oft als trivial und &#8222;kleinbürgerlich&#8220; verlacht,&#160; hat nun die Dimension Balzacs oder Zolas: Ist große realistische Literatur! Durch Zufall konnte Briefen entnommen werden, dass...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach dem neuerlichen Welterfolg des ersten antifaschistischen Nachkriegsroman: „Jeder stirbt für sich allein“, kam Ende 2016 jetzt auch der Arbeitslosenroman „Kleiner Mann, was nun?“ ungekürzt heraus, eine Überraschung, auch dieser Roman, oft als trivial und &#8222;kleinbürgerlich&#8220; verlacht,&nbsp; hat nun die Dimension Balzacs oder Zolas: Ist große realistische Literatur!</strong></p>
<p>Durch Zufall konnte Briefen entnommen werden, dass es noch irgendwo eine Urfassung geben müsste, diese wurde gefunden und ausgewertet, und siehe da, über 25 % des Romans waren einer Kürzung zum Opfer gefallen, mehrmals berichtet Fallada ironisch, dass man dies der höheren Töchter und des Verlags willen getan habe. Es kann aber sein, dass sich hier bereits die aufkommende Naziherrschaft ( Ende 1932 gab es mehrere größere Wahlerfolge der Nazis) als Schere in den Köpfen der Verlagslektoren bemerkbar gemacht hat.</p>
<p><strong>Weniger unschuldig, dafür vielschichtiger</strong></p>
<p>Nun hat Aufbau erstmals die ungekürzte Fassung von &#8222;Kleiner Mann, was nun?&#8220;&nbsp; vorgelegt. Es macht keinen Spaß Stelle um Stelle zu vergleichen, aber unbedingt, alles noch einmal zu lesen. Siehe da, unser Held Pinneberg ist weniger unschuldig, weniger schüchtern, weniger unbedarft, dafür vielschichtiger, echter. Auch erfüllt Lämmchen, seine Frau, viel weniger das typische bürgerliche Rollenbild, sie konterkariert es an vielen Stellen durch handfeste proletarische Eigenarten, auch sie also: Vielschichtiger, beide sind viel stärker in der Entwicklung befindliche Charaktere.</p>
<p><strong>Tiefgreifendere Analysen</strong></p>
<p>Man kann es auf die einfache Formel bringen, dass Fallada nicht nur freier und differenzierter über Sexualität spricht, mehr aus dem sozialen Leben der Endphase der Weimarer Republik sehen lässt (ähnlich wie in „Wolf unter Wölfen“), sein Klassenstandpunkt tiefgreifendere Analysen liefert, sondern dass er selbst auch deutlicher in seiner dichterischen Qualität hervortritt. Der noch aus der späten Nazizeit sich bis in unsere Tage erhaltene Standpunkt, es handele sich bei ihm um Trivialliteratur, ist damit ein weiteres Stück widerlegt.</p>
<p><strong>Bis in den Abgrund hinein</strong></p>
<p>Es war überhaupt seltsam, dass man ihm bis weit in die germanistischen Seminare der FU Berlin in den 80er Jahren anhängte, er sei ein irgendwie nicht ganz echter Dichter, ganz im Gegensatz zu Thomas Mann, Trakl, Benn, Grass, Lenz, Böll und anderen. Doch ist nicht der ein Dichter, der dem Volk aufs Maul schaut? Fallada hat das getan und zwar gründlich und bis in die kleinste Kleinigkeit und bis in den tiefsten Abgrund hinein. Die neue Version macht dies deutlich, besonders, wenn man nun auch versteht, welche Szenen und warum sie gestrichen wurden.</p>
<p><strong>Gestaltung des Arbeitslosenelends hochaktuell</strong></p>
<p>Hans Fallada hat oft selbst ein wenig von dem erlitten und durchlebt, worunter seine Protagonisten leiden und an was sie sich abarbeiten, merkwürdigerweise ist ihm dies nicht als besonderes Verdienst angerechnet, sondern oft als Makel vorgeworfen worden, so als sei das Beweis für eine mindere dichterisch-gestalterische Qualität. In dem&nbsp; neuen Kleinen Mann,&nbsp; bekanntlich die Gestaltung des Arbeitslosenelends, heuer wieder hochaktuell, wird deutlich, wie stark seine dichterische Gestaltungskraft ist.</p>
<p><strong>Beispiel: Tilgung der Robinsonszene und Konsequenzen</strong></p>
<p>Ein Beispiel ist die Tilgung einer besonders reflektierenden Szene, in der der Held über seine Situation nachdenkt, was offenbar so nicht sein durfte: Die Tilgung der &#8222;Robinsonszene&#8220; in der alten Druckversion, dort flicht Fallada im Wechsel zwischen Erzählerkommentar und personaler Erzählweise eine längere Kindheitserinnerung ein, die den Anti-Helden Pinneberg zutreffend im Sinne Krakauers (Die Angestellten, 1930) charakterisiert, sie beschreibt, wie er sich gern, wenn ihm wieder die Umwelt übel mitgespielt hat, in den Tagtraum Robinsoninsel und dazu noch „Erdhöhle“ zurückziehe und diese Phantasie sofort uninteressant werde, wenn ein Freitag auftrete, also am liebsten: Keinen Menschen mehr. Dazu wurden vom&nbsp; Erzähler politisch-analysierende Kommentare dieser Stelle beigefügt: Geldnot, Kündigungsfurcht, würdelose Behandlung, Lebenssattheit der Großen, das alles hat den Angestellten verstört.</p>
<p><strong>Scharfer und eindeutiger antinazistischer Standpunkt</strong></p>
<p>Als diese Szene wegfiel, mussten mit ihr sämtliche weiteren politischen Kommentare, die sich auf diese Insel-, und Höhlenphantasie bezogen, u.a. scharfe Analysen der Gründe, warum die armen geknechteten Leute zu den Nazis abwandern, mit sehr scharf und eindeutig antinazistischen Standpunkt vertreten, auch in einer Szene, die ihm in der alten Druckversion als antisemitisch ausgelegt wurde, findet sich in der nun vorgelegten Urversion, die genau gegenteilige Aussage.</p>
<p><strong>Die Axt für das gefrorene Eis von heute<br />
</strong></p>
<p>Es lohnt sich also unbedingt, den um 100 erweiterten ungekürzten Roman neu, von vorn bis hinten zu lesen und auf sich wirken zu lassen. An vielen Punkten ist er moderner, schärfer und selbstbewusster als die gekürzte, zahnlos gemachte Fassung von 1932. das Buch kann sich sogar als Axt für das gefrorene Eis von heute lesen lassen, weniger, wie es Kafka forderte, für das eigene Innere, als vielmehr für die verkrusteten Zustände unserer Gesellschaft, die hier sichtbar werden und sich damit entlarven.</p>
<p><strong>Hans Fallada und Siegfried Krakauer</strong></p>
<p>Vielleicht war auch das 1980 nur für einige wenige Vordenker voraussehbar, dass wir noch einmal wieder solch eine Armut haben würden, wie damals, soviel Existenzangst, von der die satten Bürger nichts ahnen, soviel Unterschiede zwischen reich und arm.&nbsp; Entspricht Hans Fallada in der Literatur nicht Siegfried Krakauer in der damaligen Wissenschaft? Liefert er nicht eine glasklare materialistische Perspektive auf die Klassenwidersprüche der neuen Schicht, der kleinen Angestellten, genau wie sie Siegfried Krakauer in seiner Studie, Die Angestellten, 1930,&nbsp; darlegte?</p>
<p><strong>Stimme, Würde, Kraft</strong></p>
<p>Fallada gibt in der neuen Fassung der unterdrückten und sozial isolierten Schicht in seinen Figuren mehr Stimme, mehr Würde,mehr Kraft, ähnlich, wie es Emile Zola in Frankreich mit seinem Roman &#8222;Der Totschläger&#8220; tat: Würde, Kraft und ein Menschenbild, das ein Recht darauf hat, wahrgenommen zu werden. Und was Zola seinerzeit für das Pariser Unterschichts-Proletariat tat, das hat Fallada für die neuen Schichten der Mittelschichten getan. Nichts anderes ist große Dichtung. Eine, die gesellschaftliche Wahrheit sichtbar und fühlbar macht, eine, aus der revolutionäre Kraft entstehen kann.</p>
<p>Diese musste wohl offenbar abgeschwächt werden, die alte Druckversion an vielen Stellen gemäßigter, manchmal sogar gänzlich verharmlosend. Trotzdem hat sich damals das Buch unter der Bevölkerung mit den immerhin über 50% Linkswählern, kurz vor Hitlers Machtergreifung, noch millionenfach verbreitet. Seine Kraft konnte in der abgeschwächten Form nicht ausreichend sichtbar werden. Zumindest nicht im Sinne einer Verhinderung des NS-Faschismus in Deutschland.</p>
<p>Umso wichtiger, dass wir es heute in ungekürzter Form vorliegen haben. Es hat das Buch: „Kleiner Mann, was nun“, durch seine Hundert neuen Seiten an politischer Schärfe, an soziologischer Analyse und dichterischer Kraft gewonnen! Auch seine Frauenfigur ist lebhafter, wacher, klarer und überlegter als in der gekürzten Fassung.</p>
<p><strong>Fazit der Ergänzung: Fallada muss auf einer Ebene mit Emile Zola, Honore´Ballzac und Anton Tschechov diskutiert werden und endlich auch in Deutschland bei den Germanisten Anerkennung finden.</strong></p>
<p>Leider wird auch heute noch sehr stark der biografische Ansatz der Werksanalyse betrieben, eben sind sowohl im Steffen-Verlag, als auch bei Aufbau neue Biografien zum 70. Todestag herausgekommen, große, dicke Fleißarbeiten, die in den 30.000 Seiten erhaltenen Briefen Falladas, ein unerschöpfliches Reservoir zu neuen Auslegungen und Interpretationen finden.&nbsp; Es ist gut, dass es geschieht, aber sie ergänzen noch allzu oft nur den pathologisierenden Ansatz des Psychiaters Neumärker, der erst 2015, noch vor den beiden Biografen jetzt, die Geschichte des Hans Fallada wieder, wie schon Jürgen Mantey, als eine Krankengeschichte abgeliefert hat.</p>
<p>Die deutsche, besonders die westdeutsche Literaturwissenschaft muss aber stattdessen das Werk Hand Falladas in einen historisch-literarischen Kontext stellen, muss es stilistisch, als eine fortschrittlich, die Zeiten überdauernde Kraft anerkennen und ihm einen bedeutenden Platz einräumen, und die historischen, psychologischen, literarischen, philosophischen, und die politische Bedeutung seines Werkes aus sich selbst heraus untersuchen und an Beispielen dokumentieren. Da ist nich viel zu tun. Danke zunächst an den Aufbau-Verlag für die Nachforschung nach dem Ursprungstext.</p>
<p>Es lohnt sich, das Buch zu bestellen, <a href="http://www.aufbau-verlag.de/index.php/kleiner-mann-was-nun-3740.html">hier! </a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Who builds bunkers, also drops bombs &#8211; remembering the painter Herbert Weitemeier</title>
		<link>https://anjaroehl.de/who-builds-bunkers-also-drops-bombs-remembering-the-painter-herbert-weitemeier/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Oct 2016 07:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Herbert Weitemeier]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Short introduction of the painter Herbert Weitemeier, of whom I am happy to show some pictures in the studio Kiehlufer 43 on request]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-right"><strong>Art from places called cities: A forgotten painter from Berlin-Kreuzberg.</strong></p>



<p>The view of a Kreuzberg building facade. Interlocked old buildings. The houses appear curved. They twist and seem to be pushed into&nbsp;each other like layers of earth. It&#8217;s as if someone has broken them open, revealing their interiors. Amidst them, tiny people. They sway&nbsp;individually, between the shafts, dancing, fleeing, and falling. They are ghosts mingling with birds, taking flight and growing larger towards&nbsp;the sky.</p>



<p>Looking closer, the houses resemble faces. Dark holes for windows, the facades blurred in gray. Everything is black, brown, dirty, half-ruined. Torn posters hang on the wall, providing brighter colors. In the background, a bunker stands like a fortress. On it is written in red&nbsp;letters: &#8222;Who builds bunkers also drops bombs!&#8220; An adaptation of: &#8222;Those who burn books will ultimately burn people.&#8220; Both are&nbsp;encapsulated in the painting: war, destruction, rearmament, new destruction. Herbert Weitemeier painted this in 1994, four years before&nbsp;his death.</p>



<p><strong>Kohlfurter</strong></p>



<p>Kohlfurter Straße in Berlin-Kreuzberg is short. It&#8217;s easy to overlook. It lies within a complex of new buildings planned in the 1960s. The&nbsp;street was created a hundred years earlier, with narrow houses and modest apartments built cheaply for factory workers from Poland.&nbsp;The street starts from Wassertorplatz and leads to the canal. To the north, it is bounded by the elevated railway track, marking the course&nbsp;of the former Berlin city wall, leading south along the main artery of Skalitzer Straße.</p>



<p>Ambitious architects promised millions to create an entirely new neighborhood here in the 1960s. Around 30,000 residents were to be&nbsp;&#8222;relocated&#8220; from their old buildings left by the war. After the plans were announced, property owners stopped investing. Tenants were&nbsp;supposed to move away. Property owners let their buildings decay or drove out the tenants. This led to a situation in Kreuzberg in the&nbsp;sixties and early seventies, reminiscent of the immediate post-war period: areas filled with ruins, wastelands, and heaps of rubble. The&nbsp;squatter movement emerged in response to this. It is thanks to them that the construction plans stalled.</p>



<p>Kohlfurter Straße Number 39 is a remnant. It survived the so-called urban renewal with the wrecking ball. On March 12, 1935, the painter&nbsp;Herbert Weitemeier was born there. His father taught him how to draw. He was talented. Then came the war, and he only saw his father&nbsp;when he got leave from the front. The war affected everything, even Herbert&#8217;s daily life when he was seven, the air raid alarm dominated&nbsp;his daily rhythm.</p>



<p><strong>Simply gone</strong></p>



<p>In late 1944, he and his brother were taken to a distant relative in Aussig, now Ústí nad Labem in the Czech Republic. Everything&nbsp;seemed calm there; the aunt was kind, but one day, she was gone. &#8222;Just gone,&#8220; said the neighbor, and Herbert immediately decided to&nbsp;return to Berlin. He and his brother traveled with refugee streams and endured six months of hardship. He had recurring dreams of it: low-flying planes, death, and constant beatings and shouting. On their way back to Berlin, the two brothers ended up in some kind of&nbsp;institution, where they were watched by nuns, tied up, beaten, interrogated, scolded, and beaten again. Yet they managed to escape.&nbsp;Since then, he has been known as Jimmy.</p>



<p>Children marauded through eroding frontlines. They lived almost like animals and stole wherever they went. It was best when they formed&nbsp;gangs, as Brecht sang about in the &#8222;Kinderkreuzzug&#8220; (Children&#8217;s Crusade).</p>



<p>It is not known how they managed to finally return home, but it is known that the two brothers constantly quarreled. The war had left its&nbsp;mark on them. And outside, everything was broken. Ruins instead of houses, and where there were streets, there were only narrow paths&nbsp;between piles of stones. Their house on Kohlfurter Straße was still standing. A younger sister had died, and the older one urged him to&nbsp;draw. There was nothing to eat or heat the house with; everything had to be stolen, and their father never came back and would never&nbsp;come back. The mother and sister raised five boys together.</p>



<p>Piles of rubble and ruins were their playgrounds and trading places. The children played with shards, pieces of iron, household scraps,&nbsp;and perhaps weapons that could be found everywhere, with cigarettes useful for trading, and with alcohol that facilitated forgetting.</p>



<p>When Herbert turned 13, he wanted to be an artist in the circus. Instead, he became an apprentice in a carpentry workshop. His sister&nbsp;told him not to waste his talent. In the end, he passed the entrance exam to the art school without a high school diploma. He was very&nbsp;proud of that.</p>



<p><strong>The compulsion to paint</strong></p>



<p>It is said that you can&#8217;t fool war children, especially not those who had preserved their images of horror and could not forget. They, like&nbsp;Weitemeier, had to produce; they couldn&#8217;t do otherwise.</p>



<p>Pure art was not his focus. He was a realist; abstract art meant nothing to him. He wanted to draw and paint and had a thousand plans&nbsp;for it. The time he spent at university, until they expelled him, was time taken away from painting or making money, at least that&#8217;s how he&nbsp;saw it.</p>



<p>He went to the Paris Art School for half a year. To be able to live in France, he painted colorful flower and beach impressions that he sold&nbsp;to tourists. In Germany, he did odd jobs unrelated to painting. This allowed him to live and paint for a while.</p>



<p>When he painted too much, he fell into financial distress. Then he had to pawn his razor and his space heater and sit by candlelight in the&nbsp;evening, just so he could buy more paint and canvas. Most of the time, he painted on large plywood panels that he framed with darkly&nbsp;painted strips. He almost always chose giant formats that required a ladder.</p>



<p>The landlady of the &#8222;Kleine Weltlaterne,&#8220; his regular pub on Kohlfurter Straße, persuaded him to exhibit paintings by him and other artists.&nbsp;This led to a whole movement. There was attention. The &#8222;Kreuzberger Boheme&#8220; was a loose association of painters and authors, printers&nbsp;and graphic artists, bohemians, and other eccentrics, all of whom wanted to &#8222;say something.&#8220;</p>



<p>From 1960, he had solo and group exhibitions until the 1990s. In his paintings, he depicted what he had experienced and what he saw.&nbsp;He never painted his war experiences, but they indirectly shine through. Like in his urban desert ruins: &#8222;Areas called cities,&#8220; as his friend&nbsp;Roland Neumann put it. In 1979, Peter Sauernheimer, on the occasion of an exhibition by Jimmy in Charlottenburg, attempted to find&nbsp;poetic words for what the paintings meant to him: &#8222;Take a look at the procession of fragile houses, resembling sunken rocks in the sea,&nbsp;and yet, people live in them / Go into the courtyards, where the small grass fights in vain against jaundice.&#8220;</p>



<p>For a while, Jimmy lived in South France with a woman and a son. In 1995, he was diagnosed with Amyotrophic Lateral Sclerosis, a rare nerve disease. Over the course of it, he suffered paralysis that originated from his hands. A tragedy. He continued to paint until 1996 when the brush slipped from his hand. In 1997, his son Sebastian organized a final major exhibition for him in Vallauris on the Cote D’Azur. He passed away in 1998.</p>



<p>Weitemeier&#8217;s art speaks for itself. It tells stories, not just one, but several. It doesn&#8217;t bore; you can get lost in it. You always discover new things. You can move within his paintings. This work is largely forgotten today, and that needs to change.</p>



<p></p>



<p><a href="https://fhxb-museum.de/fhxb_lp/objekte.php?type=t&amp;s=1774">https://fhxb-museum.de/fhxb_lp/objekte.php?type=t&amp;s=1774</a></p>



<p><a href="https://www.weitemeier-jimmy.de/">https://www.weitemeier-jimmy.de/</a></p>



<p><a href="https://www.herbertweitemeier.de/werkbiographie">https://www.herbertweitemeier.de/werkbiographie</a></p>



<p><a href="https://kunsthandel-stradmann.de/gemaelde/herbert-weitemeier-variete/">https://kunsthandel-stradmann.de/gemaelde/herbert-weitemeier-variete/</a></p>



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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="HpMsYU7xRA"><a href="https://anjaroehl.de/herbert-weitemeier-ein-vergessener-maler/">Wer Bunker baut, wirft auch Bomben &#8211; Erinnerung an den Maler Herbert Weitemeier</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Wer Bunker baut, wirft auch Bomben &#8211; Erinnerung an den Maler Herbert Weitemeier&#8220; &#8212; Anja Röhl" src="https://anjaroehl.de/herbert-weitemeier-ein-vergessener-maler/embed/#?secret=skHFJVkBTE#?secret=HpMsYU7xRA" data-secret="HpMsYU7xRA" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>Der lange Schatten der Täter &#8211; Buchrezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Jul 2016 09:05:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Nachdem Alexandra Senfft viel über ihre Familie nachgedacht, aufgearbeitet und geschrieben hat, hat sie sich nun auf die Suche gemacht und andere getroffen. Menschen, die in irgendeiner Weise ebenfalls etwas mit Nazitätern und ihren Schatten zu tun hatten. Sie ist die Enkelin von Hanns Ludin, der seine braune Karriere bei der SA begonnen hatte und...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nachdem Alexandra Senfft viel über ihre Familie nachgedacht, aufgearbeitet und geschrieben hat, hat sie sich nun auf die Suche gemacht und andere getroffen. Menschen, die in irgendeiner Weise ebenfalls etwas mit Nazitätern und ihren Schatten zu tun hatten. Sie ist die Enkelin von Hanns Ludin, der seine braune Karriere bei der SA begonnen hatte und im Krieg zum Gesandten Hitlers in der Slowakei aufgestiegen war.</strong></p>
<p>Ergebnis ihrer Spurensuche sind interessante Porträts und Interviews, die im Laufe vieler Begegnungen und Gespräche entstanden sind. Dabei traf sie auch Nachkommen von Naziopfern – in ihrem Buch »Der lange Schatten der Täter« beschreibt sie ihre Scheu, ihre Scham, versucht sich in Versöhnung.</p>
<p>Eingangs schildert sie einen Naziprozess gegen einen uralten Mann: Schon am ersten Tag wird der Termin nach zehn Minuten verschoben, alle Zeugen, von weither angereist, müssen wieder gehen und auf den nächsten Termin Monate später warten. Unerträgliche Verschleppungstaktik; trotzdem wichtig, dass dieser Prozess stattfindet, finden die Zeugen, die aus Israel angereist sind.</p>
<p><strong>Da mussten sie eben zuschlagen, es ging nicht anders</strong></p>
<p>Was das Buch von anderen dieser Richtung unterscheidet, ist die Tatsache, dass es sich vor allem mit der psychodynamischen Wirkung der Nazitäterschaft innerhalb der Familien befasst. Dezidiert beschreibt Senfft, was die Mischung aus Schweigen, Mauern und gefühlskalter Rechtfertigung unvorstellbarer Morde in den Seelen der Nachkommen anrichtet – und dass die »Nazis nicht nur ihre Opfer ein Leben lang leiden ließen, sondern auch ihre Kinder« (S. 60). Dies relativiert nicht ihre Taten. Im Gegenteil, es ist ein wichtiger Mosaikstein der Faschismusforschung: Treusorgende Väter waren sie nur zum Schein, im Inneren der Familie waren ihnen ihre Kinder beinahe ebensolche Feinde wie einst ihre Gegner. Unfassbar blieb ihnen, dass sie, vor denen man einst gezittert hatte, sich bei den eigenen Kindern nicht durchsetzen konnten. Da mussten sie eben zuschlagen; ging nicht anders.</p>
<p><strong>Leben erschwert</strong></p>
<p>Die Nachkommen erzählen alle, dass sie an einer Wand abprallten, einer Wand aus Strafen, Schuld und Vorwürfen, einer Wand aus Fremdbeschuldigung und Selbstmitleid, einer Wand, die sie sich nicht erklären konnten und die ihnen den Weg zu ihren Eltern verbaut, den zum Leben erschwert hat.</p>
<p><strong>Ich bin ein Nazi-Enkel</strong></p>
<p>Ein Buch des Staunens und der Wut. Eine eindeutige Stellungnahme gegen die Naziverbrecher in der eigenen Familie. Stefan Ochaba zum Beispiel sagt: »Ich bin kein Kriegsenkel, ich bin ein Nazi-Enkel«, und wendet sich damit gegen die Moderichtung, alle eigenen Unzulänglichkeiten auf die Kriegstraumata der Eltern zurückzuführen und als »Kriegsenkel« zum Teil unkritisch mit Vertriebenenverbänden zusammenzuarbeiten.</p>
<p><strong>Athmosphäre der Feindseligkeit, des beredten Schweigens und lauernder Fremdbeschuldigung</strong></p>
<p>Das Buch kann als exemplarisch gelten, da es in Deutschland von Nazitätern nur so wimmelte, die sich in den 1950er Jahren sämtlich als harmlos-unwissende Mitläufer eingestuft haben. Um diese Lüge und Selbsttäuschung aufrechterhalten zu können, schufen sie eine Atmosphäre der Feindseligkeit, des beredten Schweigens und lauernder Fremdbeschuldigung. Sie ergingen sich in immer gleich klagenden Flucht- , Hunger-, Vergewaltigungsgeschichten, die auf Täter-Opfer-Umkehr hinausliefen. Damit verbunden waren stereotype Abwehr, redundantes Gefasel von »Kriegszeiten« als Abenteuerroman, unter dem der Faschismus verborgen wurde. Nichts erinnern, nichts hören, nichts sehen: So wuchsen die Nachkommen der ersten Generation nicht nur in Un-, Halb- und Lückenwissen auf, sondern in einer Atmosphäre von Lüge, Kälte und Mittäterschaft. Wenn der Faschismus überhaupt privat thematisiert wurde, so schloss sich immer die eigene Familie aus, denn da hatte es nur gute Nazis, allenfalls verirrte Mitläufer gegeben. Wo die Täterschaft auf der Hand lag, sprach man von Idealismus und Selbstlosigkeit, und der ununterbrochenen großen Sorge, die dem Familienoberhaupt wegen seiner großen Sippe oblegen hatte. Da konnten sich die Kinder also noch damit abplagen, dass es ihretwegen geschehen war. Die Haltung, dass keiner eine andere Wahl gehabt und es daher eine persönliche Schuld nicht gegeben hätte, wurde von allen Porträtierten als unerträglich empfunden.</p>
<p><strong>Emotionale Säureattacken</strong></p>
<p>Alexandra Senffts Buch wirkt wie eine Reise durch das Erinnern. Es schildert Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden, die zu Freunden geworden sind, es zeigt Wege auf, mit dem Erbe der Nazis aufdeckend umzugehen und es als Auftrag zu verstehen, ähnliche Entwicklungen für alle Zeiten zu verhindern. Beispiel: Quentin van Veer, Nachkomme von Ludendorff-Rechten, die nach 1945 weiterhin Naziideologie vertreten. Er schreibt, dass er sich durch seine Eltern heute zwar nicht mehr »schuldig« fühlt, aber »besudelt und beschämt«, auch erlitt er Grausamkeit: Seine Mutter machte mit einer Hand »helfende Gesten«, mit der anderen war sie zu emotionalen Säureattacken fähig.</p>
<p><strong>Das Ringen der Aufdecker gegen die Abwehr</strong></p>
<p>Als Kind fühlte sich Quentin wie ein dressierter Affe. Als er sein Studium erfolgreich beendet hatte, empfing ihn die Mutter mit den Worten: »Mit deinem Doktor kannst du gerade mal Hotelzimmer aufräumen!« Niklas Frank erzählt, seine Tochter habe einmal gesagt, dass sie nur durch die Aufdeckungsbemühungen des Vaters »frei und ehrlich aufwachsen konnte«.</p>
<p>Senffts Porträts gehen immer wieder durch den Filter ihrer eigenen Erfahrungen, sie fühlt sich den Menschen verwandt, die sie trifft, erzählt von sich und ihrem Erleben. Das Buch beschreibt das Ringen der »Aufdecker« gegen massive Abwehr, Drohungen und Beschuldigungen der Verwandten, ihre neuen Freunde in den Reihen der Antifaschisten und ihre innerliche Gesundung von den autoritär-unterdrückerischen Praktiken ihrer Nazieltern.</p>
<p>Nachkommen von Nazi-Tätern stellen sich ihrer Familiengeschichte:</p>
<p><a href="https://www.jungewelt.de/2016/07-13/058.php">https://www.jungewelt.de/2016/07-13/058.php</a></p>
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		<title>Murmeln, mumbeln, Flüstertüte   &#8211;   Buchrezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 May 2016 12:55:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[jw / Feuilleton, 13.5.16 Das Buch: »Murmeln, Mumbeln, Flüstertüte – Lexikon der Bewegungssprache«, herausgegeben von Ines Wallrodt und Niels Seibert ist ein überraschend wirkendes Buch. Eigentlich ein Lexikon, regt es einen aber an, es von vorn, wie ein kleines Geschichtsbuch zu lesen, dazu ist es noch amüsant. Zuerst wollte ich nur kurz mal reinschauen: Das...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>jw / Feuilleton, 13.5.16</em></p>
<p><strong>Das Buch: »Murmeln, Mumbeln, Flüstertüte – Lexikon der Bewegungssprache«, herausgegeben von Ines Wallrodt und Niels Seibert ist ein überraschend wirkendes Buch. Eigentlich ein Lexikon, regt es einen aber an, es von vorn, wie ein kleines Geschichtsbuch zu lesen, dazu ist es noch amüsant.</strong></p>
<p>Zuerst wollte ich nur kurz mal reinschauen: Das Vorwort verspricht eine Entschlüsselung szenetypischer Begriffe aus »linken Zusammenhängen«. Ich las mich nicht nur fest, sondern begann es, neugierig geworden, nach einer Weile von vorn, Seite für Seite, wie ein richtiges Buch, zu lesen. Es hat mich amüsiert. Und schlauer bin ich auch dadurch geworden. Plötzlich war ich mitten drin in einem Geschichtsaufriss meiner politischen Herkunft, in den lockeren, undogmatischen Zusammenhängen, wie sie sich seit Rudi Dutschke und der Kommune I in Westberlin und in Westdeutschland ab Ende der 60er Jahre formiert hatten. Und dann auch in Brokdorf, Gorleben, Wackersdorf bei den Anti-AKW-Protesten, oder im Hüttendorf gegen die Startbahn 18 West oder bei den Antifas, bis zu den Demos gegen die Weltwirtschaftsgipfel. Stets ging und geht es um spontane, direkte und spektakuläre Aktionen nach großangelegten, um Basisdemokratie ringenden Theoriediskussionen, um Bürgerinitiativen, Ankettungsaktionen, Flashmobs.</p>
<p><strong>Selbstironisch und erhellend</strong></p>
<p>In diesem Buch wird das ganze große Feld der außerparlamentarischen Bewegung seit 1965 abgesteckt, beschrieben, kontextualisiert und auf sehr witzige Art analysiert. Das ist alles sehr selbstironisch, erhellend, niemals denunzierend und aus einer klaren Sympathie heraus formuliert. Ines Wallrodt ist <em>ND</em>-Redakteurin und Niels Seibert Aktivist, er kommt aus autonomen Gruppen. Sie haben 20 Autoren versammelt, um die »Bewegungssprache« zu erklären – durchaus auf dialektisch-materialistische Art. Wenn es zum Beispiel heißt: »Nichts kann so nervenaufreibend sein wie eine stundenlange, jeden radikalen Reflex einschläfernde Latschdemo&#8230;«, wird dem gleich die »Nachttanzdemo« als flotte Alternative gegenübergestellt, die in den frühen nuller Jahren in Frankfurt am Main unter dem Motto »Deutschland den Schlaf rauben« organisiert wurde.</p>
<div><a href="https://www.jungewelt.de/bannercount.php?id=1051&amp;link=http%3A%2F%2Fwww.jungewelt.de%2Faktion%2Findex.php"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.jungewelt.de/bannerdeliver.php?id=1051&amp;tsp=1463143172" alt="Jetzt am Kiosk" width="300" height="250"></a></div>
<p><strong>Bewusstes Sprechen</strong></p>
<p>Und immerzu geht es um bewusstes Sprechen. Man erfährt, dass der Begriff »Volksküche« antiquiert sei, weil mit dem Wort »Volk« oft reaktionär hantiert wird. Es heißt nun nicht mehr »Vokü«, sondern »Küfa« (Küche für alle). Bei der Erklärung des Begriffs »radikal« wird sowohl Bezug genommen auf Karl Marx (radikal kommt von Wurzel, und die Wurzel für den Menschen ist der Mensch) als auch auf eine früher einmal in Westberlin berühmte und verbotene Zeitschrift gleichen Namens, deren Macher und Leser verfolgt wurden.</p>
<p><strong>Freie politische Aktionen , Kampf gegen die Ohnmacht</strong></p>
<p>Dieses Lexikon sollte unbedingt von allen Ossis gelesen werden, die den Westen bis 1989 nur aus dem Fernsehen kannten und meinen, alles, was die »Westlinken« erreicht haben, sei Pillepalle, weil doch der Kapitalismus seit der Übernahme der DDR gesiegt habe. Das ist viel zu unbeweglich gedacht. In »Murmeln, Mumbeln, Flüstertüte« geht es um freie politische Aktionen, um den Kampf gegen die Ohnmacht. In diesem Buch schreiben Autorinnen und Autoren der Jahrgänge 1962 bis 1989.&nbsp; <strong><em>Sehr empfehlenswert !</em></strong></p>
<p><strong><em></em></strong><em>Ines Wallrodt, Niels Seibert (Hg.): Murmeln, Mumbeln, Flüstertüte. Unrast, Münster 2016, 128 S., 9,80 Euro</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Sei wachsam   &#8211;   Reinhard Mey mit neuem politischem Lied</title>
		<link>https://anjaroehl.de/reinhard-mey-mit-politischem-lied/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Feb 2016 22:35:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[https://www.facebook.com/krankeneuewelt/videos/854250971314085/?fref=nf Sei wachsam &#8211;  Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen&#8230; &#8230; Ich hab’ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit Nach ‘nem bißchen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit. Doch sag die Wahrheit und...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.facebook.com/krankeneuewelt/videos/854250971314085/?fref=nf">https://www.facebook.com/krankeneuewelt/videos/854250971314085/?fref=nf</a></p>
<p><strong>Sei wachsam &#8211;  </strong></p>
<p><strong>Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen</strong></p>
<p><strong>Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen</strong></p>
<p><strong>Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen</strong></p>
<p><strong>Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen&#8230;</strong></p>
<p>&#8230;</p>
<p>Ich hab’ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit</p>
<p>Nach ‘nem bißchen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit.</p>
<p>Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu lachen</p>
<p>Sie wer’n dich ruinier’n, exekutier’n und mundtot machen</p>
<p>Erpressen, bestechen, versuchen, dich zu kaufen.</p>
<p>Wenn du die Wahrheit sagst, laß draußen den Motor laufen</p>
<p>Dann sag sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:</p>
<p>Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.</p>
<p>Sei wachsam</p>
<p>Präg’ dir die Worte ein!</p>
<p>Sei wachsam</p>
<p>Fall nicht auf sie rein!</p>
<p>Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt</p>
<p>Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!</p>
<p>Sei wachsam</p>
<p>Merk’ dir die Gesichter gut!</p>
<p>Sei wachsam</p>
<p>Bewahr dir deinen Mut.</p>
<p>Sei wachsam Und sei auf der Hut!</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Aufklären ohne zu entmutigen &#8211; zur Bedeutung Ulrike Meinhofs 2014</title>
		<link>https://anjaroehl.de/aufklaren-ohne-zu-entmutigen-zur-bedeutung-ulrike-meinhofs-2014/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2014 21:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[7.10.14, jw-feuilleton Nicht der Wirklichkeit, der Wahrheit nachgehen &#8211; Ulrike Meinhof (in: Bambule, Berlin 1971, S. 97) Viele junge Leute wissen nicht mehr, dass Ulrike Meinhof bis 1970 als Journalistin eine große Breitenwirkung im gesamten deutschsprachigen Raum entfaltet hatte. Ihre Texte wurden von vielen Menschen gelesen, das Spektrum ihrer Leserschaft ging vom wertkonservativen, christlichen Intellektuellen...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;" align="right"><em>7.10.14, jw-feuilleton<br />
</em></p>
<p align="right"><em>Nicht der Wirklichkeit, der Wahrheit nachgehen &#8211; Ulrike Meinhof</em></p>
<p align="right"><em>(in: Bambule, Berlin 1971, S. 97)</em></p>
<div>
<p><strong>Viele junge Leute wissen nicht mehr, dass Ulrike Meinhof bis 1970 als Journalistin eine große Breitenwirkung im gesamten deutschsprachigen Raum entfaltet hatte. Ihre Texte wurden von vielen Menschen gelesen, das Spektrum ihrer Leserschaft ging vom wertkonservativen, christlichen Intellektuellen bis zum subproletarischen Jugendlichen. Kaum jemand kritisierte so scharf, pointiert und überzeugend Restauration und Reaktion in der Bundesrepublik.</strong></p>
<p>Was auch nicht mehr bekannt ist: Sie war eine wichtige Protagonistin der Heimkinderbefreiungsbewegung in Westdeutschland. <em>(s.u.a. in Wensierski, Peter: Schläge im Namen des Herrn, 2006)</em> Durch ihre Reportagen wurde das Elend der Heimkinder überhaupt erst kenntlich – als ungebrochene faschistische Kontinuität von Zucht, Ordnung und Wahn. Über Mädchen aus einem Westberliner Heim hat sie 1970 mit Eberhard Itzenplitz ein Fernsehspiel gedreht, das erst 24 Jahre später ausgestrahlt wurde. Denn zehn Tage vor dem ursprünglichen Sendetermin in der <em>ARD </em>hatte sich Ulrike Meinhof an der erfolgreichen Gefangenenbefreiung von Andreas Baader beteiligt. Danach war sie in den Untergrund abgetaucht. Sie wurde wegen »Mordversuch« gesucht.</p>
<p><strong>Identität nie geklärt</strong></p>
<p>Denn bei der Baader-Befreiung, die in einem wissenschaftlichen Institut in Westberlin stattfand, wo sich Ulrike Meinhof zusammen mit dem Häftling Andreas Baader treffen konnte, um über ein gemeinsames Buchprojekt zu reden, war dem Institutsangestellten Georg Linke in die Beine geschossen worden. Und zwar von einem vierten Mann, dessen Identität nie geklärt werden konnte (anders als die der Befreierinnen Ingrid Schubert, Irene Goergens und Gudrun Ensslin). Sie alle waren mit Baader durch ein geöffnetes Fenster gesprungen und dann mit zwei Autos geflüchtet.</p>
<p><strong>20.000 Verfahren wegen vermeintlich staatsfeindlicher Handlungen</strong></p>
<p>Diese Gefangenenbefreiung wurde unter vielen Jugendlichen und Intellektuellen bejubelt. Sie sahen darin eine endlich erfolgte Gegenwehr gegen die vom Staat ausgehenden Repressalien. Im Zuge der Proteste Ende der 60er Jahre gab es 20 000 Verfahren gegen junge Menschen wegen vermeintlich staatsfeindliche Handlungen – weil sie Mehl auf Politiker geworfen hatten oder Flugblätter für Arbeiter oder gegen den Krieg in Vietnam oder die Apartheid in Südafrika verteilt hatten.</p>
<p><strong>Hinter den Eltern stehen die Lehrer</strong></p>
<p>In diesem gesellschaftlichen Klima gründeten Baader, seine Befreier und noch paar andere 1970 die Rote Armee Fraktion mit der Hoffnung auf eine revolutionäre Umwälzung. Sie glaubten, »rote Armee aufbauen« zu können, wie es in ihrem Papier zur Befreiung hieß. Sie wollten die gesellschaftlichen »Konflikte auf die Spitze treiben«. Das Konfliktpotential stellten sie sich so vor: »Hinter den Eltern stehen die Lehrer, das Jugendamt, die Polizei. Hinter dem Vorarbeiter steht der Meister, das Personalbüro, der Werkschutz, die Fürsorge, die Polizei. Hinter dem Hauswart steht der Verwalter, der Hausbesitzer, der Gerichtsvollzieher, die Räumungsklage, die Polizei.«</p>
<p><strong>Gegen den Krieg in Vietnam</strong></p>
<p>Man positionierte sich gegen den Krieg der USA in Vietnam, dem damals schon zwei Millionen Zivilisten zum Opfer gefallen waren. Die RAF richtete sich gegen den Staat, nicht gegen die Individuen: »Die Frage, ob die Gefangenenbefreiung auch dann gemacht worden wäre, wenn wir gewusst hätten, dass ein Linke dabei angeschossen wird – sie ist uns oft genug gestellt worden – kann nur mit Nein beantwortet werden.«</p>
<p>Der westdeutsche Staatsapparat bezeichnete die RAF als »Kriminelle«, verfolgte sie aber als Staatsfeinde mit neuartigen Gesetzen, Fahndungsmethoden und Haftstrafen, die umstandslos auf die gesamte linke Szene ausgeweitet wurden. Und die linke Szene war damals noch sehr stark.</p>
<p><strong>Von 6900 Ausschwitz-Beschäftigten 29 verurteilt</strong></p>
<p>Eine heutige Geschichtsschreibung hätte dringend zu klären, inwieweit damals tatsächlich die Gefahr einer realen Refaschisierung drohte, denn zahllose Ämter in Legislative, Exekutive und Judikative waren immer noch mit Funktionären aus der Nazi-Zeit besetzt. Die wenigen verurteilten NS-Täter wurden ab Beginn der 50er Jahre vorzeitig aus den Gefängnissen entlassen worden. Von den 6900 Auschwitz-Beschäftigten wurden beispielsweise nur 29 verurteilt, davon neun in der BRD und 20 in der DDR.</p>
<p><strong>Widerstandsrecht?</strong></p>
<p>Als Mitglied der RAF wurde Ulrike Meinhof am 9. Mai 1976 erhängt in ihrer Zelle im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim gefunden. Die Gruppe hatte für ihre Verteidigung, das grundgesetzlich garantierte Widerstandsrecht, gegen einen ihrer Einschätzung nach erneut faschistisch agierenden Staat in Anspruch genommen. Doch der Staat ließ sich auf eine politische Diskussion nicht ein, gerade weil der politische Charakter seiner Repressionsbemühungen nicht zu leugnen war. Nicht nur von ihren Unterstützern wurden die inhaftierten RAF-Mitglieder Politische Gefangene genannt. Vom Staat wurden sie in Isolationshaft gehalten.</p>
<p><strong>Ihre journalistischen Texte verschwanden aus dem öffentlichen Bewusstsein</strong></p>
<p>Wurde das intellektuelle Wirken Ulrike Meinhofs von den bürgerlichen Medien zunächst aufgespalten in die »bürgerliche« Journalistin und die »verrückt gewordene« RAF-Mitgründerin, so war es in der BRD bald allgemein verdächtig, sich überhaupt mit ihr zu beschäftigen. Ihre journalistischen Texte, die sie bis 1969 für die Zeitschrift <em>Konkret</em> verfasst hatte, <em>( Meinhof, Ulrike: Die Würde des Menschen ist antastbar, Berlin 2004)</em> verschwanden fast ganz aus dem öffentlichen Gedächtnis. Ihre Veröffentlichungen zur Heimpädagogik werden zwar manchmal erwähnt, aber so gut wie nie zitiert, ebenso kennt man ihre Texte zur Frauenarbeit nicht,  und undenkbar scheint es, sie in Fach- oder Schulbüchern zu zitieren.</p>
<p><strong>Doktorarbeit aus Finnland</strong></p>
<p>In der Öffentlichkeit herrschen negative Bewertungen vor. Meist erfährt man nur etwas über sie im Rahmen der Darstellungen des »bewaffneten Kampfes«. Ihr journalistisches Werk bleibt ausgeklammert.  Neben den Populär-Biografien, die zunächst vor allem mit bibliografischem Anhang, der sich aus Veröffentlichungen ihres Ex-Mannes speiste, über sie gedruckt wurden, kam es zu der Biographie von Jutta Ditfurth und seit 2010 zu der ins Deutsche übersetzten Doktorarbeit der Finnin Katriina Lehto-Bleckert.  Erst die letzten beiden Biografien beschäftigen sich eingehend mit ihrem journalistischen Werk. Die Doktorarbeit der Letho-Bleckert ist dabei sehr empfehlenswert und enthält umfangreiches unbekanntes Quellenmaterial sowie eine Fülle von Originalzitaten aus Briefen.</p>
<p><strong>Eigene Lösungen auszuprobieren</strong></p>
<p>Meinhofs journalistischen Texte sind aber wichtig, sie hatten auch deshalb einen so großen politischen Einfluss auf das Bewusstsein der neuen und alten Linken, der Linksliberalen und auf einen Teil des evangelisch-wertkonservativen Spektrums, weil sie den Lesern nicht Meinung aufgedrängen, sondern Wissen darlegen, begründet und dezidiert belegt.</p>
<p><strong>Pointiert, genau und wissenschaftlich belegt</strong></p>
<p>Sie zeigte schon in den 60-iger Jahren mit großer Argumentationsdichte  die Kontinuität typischer Wege von Benachteiligung auf: Kriegselend, Kriegstrauma, alleinerziehende Mütter, uneheliche Kinder,  Ungerechtigkeit der weiblichen Entlohnung der Arbeit, Fürsorgeerziehung, Heimaufenthalt, Psychiatrie- und Sträflingsschicksal. Dabei zeigte sie an jedem Punkt die gesellschaftliche Verantwortung der Politik für diese Phänomene. Sie wandte sich gegen die wissenschaftlich längst wiederlegte Annahme der aus der Nazi-Zeit stammenden Theorie der Vererbbarkeit devianten Verhaltens. Sie argumentierte dabei pointiert, genau und wissenschaftlich belegt in jedem popuär-journalistischen Kommentar.</p>
<p>Sie machte in ihren Kolumnen jeweils konstruktive, praktisch machbare politische Vorschläge und beschäftigte sich viel mit der Gegenkraft, die die unterdrückten Menschen schon von sich aus zeigten. Hier bewies sie großes Einfühlungsvermögen in Menschen. Dies sowohl in Führungskräfte, Staatsmänner, als auch in Menschen aller Schichten, deren Lage sie genauestens analysierte und beschrieb. Den Menschen aus den „Randgruppen“ widmete sie ihre besondere Aufmerksamkeit, war sie doch mit Herbert Marcus der Meinung, dass aus ihnen einst, wie vorher aus den organisierten Proletariern, bedeutende gesellschaftsverändernde Kräfte ausgehen würden. (s.a.: <em>Herbert Marcuse:</em> <em>Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft</em>, <em>Neuwied, Berlin 1967</em> <em>und München 2004)</em></p>
<p><strong>Oft bezog sie sich auf Meinungsumfragen, Wahlergebnisse</strong></p>
<p>Oft bezog sie sich zu Beginn ihrer Kolumnen auf Meinungsumfragen, Wahlergebnisse, öffentliche Reaktionen, sie wertete sie aus und zog ihre Schlüsse daraus, sie machte den Leser und seine Reaktionen zu einem Thema, sie spiegelte, was diese dachten und taten, wieder, sie analysierte die versteckten und heimlichen Reaktionen der Menschen, selbst die, die man als defensiv empfand, (wie psychosomatische Krankheiten) als Versuche, sich aufzulehnen und abzugrenzen, gegen das, was man ihnen aufdrängen wollte durch die Politik.</p>
<p><strong>Aufklären ohne zu entmutigen</strong></p>
<p>Ihre Kolumnen enthielten als Quintessenz, dass die Menschen im Grunde schon oft dabei sind, eigene Lösungen auszuprobieren. Sie appellierte nicht an die Fähigkeit ihrer Mündigkeit, im Sinne einer moralischen Aufforderung, sondern zeigte, inwiefern sich die Menschen schon da und dort und in besonderer Weise mündig gezeigt hatten.</p>
<p>Ulrike Meinhof konnte aufklären, ohne zu entmutigen. Das ist eine ganz besondere Fähigkeit. Denn Aufklären ist oft eine undankbare und mühselige Aufgabe.</p>
<p>Die literaturhistorische und ideengeschichtliche Auswertung der journalistischen Texte von Ulrike Meinhof steht aus. Das Urteil, das im Mai 1970 öffentlich über sie verhängt wurde, sollte nach 44 Jahren endlich einer Analyse weichen.</p>
</div>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p><em>Meinhof, Ulrike: Bambule, Fernsehspiel; Buch (Bambule – Fürsorge, Sorge für wen?) Südwestfunk, 1970; Als Drehbuch erschienen Wagenbach, Berlin 1971, Neuauflage 2002)</em>.</p>
<p><em>Peter Brückner: Ulrike Meinhof und die deutschen Verhältnisse. Wagenbach, Berlin 1976<br />
</em></p>
<p><em>Erdem, Isabel:  Staatlicher und publizistischer Umgang mit der Stadtguerillabewegung in der BRD,Neue Kritik aus Schule und Hochschule • Heft Nr. 6 • Februar 2004 )</em></p>
<p><em>RAF, Das Konzept Stadtguerilla, April 1971; Dokumentiert in: Rote Armee Fraktion &#8211; Texte und Materialien zur Geschichte der RAF, Berlin 1997, S. 30</em></p>
<p><em><a href="http://www.zeit.de/2013/29/berufsverbote-radikalenerlass-1972">http://www.zeit.de/2013/29/berufsverbote-radikalenerlass-1972</a>: Nazis rein, Linke raus</em></p>
<p><em>Spiegel, 25.8.14: Von ca 6900 Ausschwitzbeschäftigten waren nur 29 verurteilt worden, davon 9 in der BRD und 20 in der DDR<br />
</em></p>
<p><em>Letho, Katriina:Ulrike Meinhof 1936-1976, tectum verlag 2011)</em></p>
<p><em>Paul Brune: Heimkinder, Straffällige, Psychiatriekranke.</em> <em>NS-Psychiatrie und ihre Folgen</em><em>, </em><em>DVD + Begleitheft, 2005)</em></p>
<p><em>*Warum wurde nach dem Mann, der bei der Baader-Befreiung geschossen hat, nie gefahndet, warum wurde seine Identität nie zweifelsfrei aufgedeckt? Siehe dazu die spärliche Forschungslage:</em></p>
<p><em><a href="http://www.rafinfo.de/hist/kap04.php">http://www.rafinfo.de/hist/kap04.php</a>: „Die vier Befreier &#8211; Ingrid Schubert, Irene Goergens, Gudrun Ensslin und der Mann, der auf Linke geschossen hatte (seine Identität wurde nie geklärt) entkamen zusammen mit Baader und Meinhof durch ein Fenster und fuhren in zwei Wagen davon.“  </em></p>
<p><em>Regine Igel: Terrorismus-Lügen, München 2012, S. 49–56: …vermummter Mann, der die Schüsse abgab, bei dem es sich nach Recherchen der Journalistin <span style="color: #000000;"><span style="color: #000000;">Regine Igel</span> u</span>m den 1939 geborenen Hans-Jürgen Bäcker gehandelt haben soll. Klar ist es also nicht und wurde je nach ihm mit einem riesigen Fahndungsplakat inklusive 10.000 DM Belohnung gesucht?</em></p>
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		<title>Mestlin &#8211; Erzählsalon DDR &#8211; Fragt doch die Leute</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Sep 2014 16:24:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[jw / feuilleton/ 10.9.14 Das kleine mecklenburgische Dorf Mestlin ist deutlich zweigeteilt. Es gibt den historischen Kern um eine Kirche aus Feld- und Backsteinen (13./14. Jahrhundert). Südwestlich davon wurde in den 1950er Jahren ein sozialistisches Musterdorf gebaut. An einem zentralen Platz wurden Schule, Poliklinik, zweigeschossige Wohnhäuser und ein Kulturhaus errichtet. Letzteres als monumentaler Gegenentwurf zum...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>jw / feuilleton/ 10.9.14</em></p>
<p><strong>Das kleine mecklenburgische Dorf Mestlin ist deutlich zweigeteilt. Es gibt den historischen Kern um eine Kirche aus Feld- und Backsteinen (13./14. Jahrhundert). Südwestlich davon wurde in den 1950er Jahren ein sozialistisches Musterdorf gebaut. An einem zentralen Platz wurden Schule, Poliklinik, zweigeschossige Wohnhäuser und ein Kulturhaus errichtet. Letzteres als monumentaler Gegenentwurf zum Gotteshaus. Zeitweise kamen mehr als 50000 Besucher pro Jahr über die Freitreppe in den neoklassizistischen Bau, der mit seinen zwölf Fensterachsen auch baufällig noch Eindruck macht. Zur Zeit beherbergt er die Fotoausstellung »Was ist die DDR für dich?« . Im Rahmenprogramm wird am kommenden Sonntag der dritte »Erzählsalon« zum Thema veranstaltet. »Wer miterzählen möchte, ist herzlich eingeladen«, läßt Gastgeberin Katrin Rohnstock mitteilen.</strong></p>
<p>In der Erzählwerkstatt wird niemand kommentiert, erklärt Rohnstock zu Beginn des &#8222;Erzählsalons&#8220; am vorigen Mal, 10. August 2014, nur so könnten die Erinnerungen, die man bewahren wolle, ungehindert fließen. Die Frage, was die DDR den Menschen heute bedeute, ist in den umliegenden Dörfern und Städtchen aufwendig plakatiert worden. So fanden viele Interessierte den Weg über die zum Teil eingerüstete Treppe in den Saal im Obergeschoß des Kulturhauses. So locker die Runde bei Kaffee und Kuchen beginnt, bald ist sie von Traurigkeit erfüllt. Es geht um Flüchtlingselend, um Waisenkinder &#8230; Die Erzählenden waren in ihren frühen Lebensjahren durchweg nicht privilegiert, sondern gehörten zu den Ärmsten.</p>
<p><strong>Der DDR etwas verdanken: Berufsausbildung, Abitur, Studium</strong></p>
<p>Bis zum Zweiten Weltkrieg herrschte in Mestlin der Gutsherr. Strom gab es nur in seinem Haus. Nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus kamen verhältnismäßig viele Flüchtlingskinder. Einige finden sich nun hier im hohen Alter zusammen und erzählen, was sie der DDR alles zu verdanken hatten: Heim und Auskommen, Berufsausbildung, Abitur, Studium. Sie wurden Lehrer oder Verwaltungsangestellte. Ohne die Hilfe des sozialistischen Staates hätten sie auf solch ein sinnerfülltes Arbeitsleben kaum hoffen können, so lautet die einhellige Überzeugung. Nach 1989 war der gesellschaftliche Abstieg der Normalfall. Die Lebenswege führten ins Abseits, endeten in Sackgassen.</p>
<p><strong>Heute haben wir die Vorschriften der Werbung</strong></p>
<p>Auch jüngere Stimmen werden laut. Eine Frau hatte in der »Wende«-Zeit gerade ihre Ausbildung abgeschlossen. Die DDR sei ihre Kindheit gewesen, mit Reiten für 50 Pfennig, Zeichenzirkel, Theatergruppe, vielen Büchern. Sie habe sich dann umorientieren und, wie mit einem Makel behaftet, immer durchbeißen müssen. Das Fremde sei ihr fremd geblieben, sagt sei, obwohl die Freiheit ja heute größer sein solle, nichts mehr vorgeschrieben werde. Stimmt das wirklich? fragt ein anderer, heute haben wir die Vorschriften der Werbung.</p>
<p><strong>Ein Schwimmbecken mit Baumaterialien vollgeschüttet</strong></p>
<p>Jeder sei heutzutage auf sich allein gestellt, meint eine Frau, die ihre Kinder mittlerweile im Westen großzieht. Im Osten, wo sie aufgewachsen ist, verbringt sie ihre Ferien. Kritik an der Obrigkeit zu üben, habe sie erst lernen müssen, aber Angst habe sie damals nicht gehabt. Heute sei das oft der Fall. Eine ehemalige Kindergärtnerin erinnert sich, dass sofort nach der Wende ein teurer Umbau ihrer Kita veranlaßt worden sei. Ein gerade von Eltern hergerichtetes Schwimmbecken sei mit Baumaterialien zugeschüttet worden, die heute noch darin lägen. Alles sei schlechtgemacht worden, die DDR-Erzieher sollen nichts als Verbrecher großgezogen haben, sagt sie, und bricht in Tränen aus.</p>
<p><strong>Mehrmals der Satz: Die DDR war mein Leben</strong></p>
<p>Die Erzählungen ähneln einander, sind aber doch verschieden. Kinder seien hoch geschätzt worden, wird gesagt, »Klar, zum Rekrutieren«, entgegnet einer, will seine Geschichte aber nicht erzählen. Rohnstock ermutigt ihn. Er muss nicht. Es folgen Beispiele, wie billig alles war. Mehrmals fällt der Satz: »Die DDR war mein Leben«. Es geht um die Geborgenheit durch Institutionen, die große Bedeutung von Kindern. Wieviel Zeit man für sie hatte! Wenn eines krank wurde, bekamen die Eltern unbegrenzt frei – heute sind es nur zehn Tage im Jahr.</p>
<p><strong>Keine Selbstbestimmung den DDR-Bürgern nach der Wende gelassen </strong></p>
<p>Es geht um den Stolz von Frauen in »Männerberufen« , aber auch darum, dass man »ausgespitzelt« oder auf der Straße kontrolliert wurde – vor allem in Berlin. Rohnstock lässt alles so stehen. Von Manipulation kann keine Rede sein. Eine Frau aus dem Westen schämt sich dafür, dass der Osten nach 1989 wie von einem feindlichen Staat besetzt gewirkt habe, gar keine Selbstbestimmung habe man den Bürgern gelassen.</p>
<p><strong>Dass ich mir etwas erarbeitet hatte</strong></p>
<p>»Jemandem erzählen, was ich früher gemacht habe, dass es einen Wert hatte, dass ich mal jemand war, dass ich eine Geschichte hatte, dass ich Verdienste hatte, dass ich mir etwas erarbeitet hatte &#8230;«, heißt es in Hans Falladas Roman »Kleiner Mann – was nun«. Solche Erinnerungen an die DDR sind für die Bewahrung der Geschichte unerläßlich. Und sie fließen wohl kaum irgendwo so ungehindert wie in diesem Kulturhaus in Mestlin, das eine Bürgerinitiative zwar erst zum kleinen Teil saniert, aber schon mit viel Leben erfüllt hat.</p>
<h5><em>Nächster Erzählsalon mit Katrin Rohnstock am 14.9., 11 bis 13 Uhr</em></h5>
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			</item>
		<item>
		<title>Erstes internationales Erzählfestival in Berlin &#8211;  Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 15:39:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Viel wird heute über das Buch und sein Verschwinden debattiert, aber etwas anderes ist schon lange verschwunden und soll jetzt wiederbelebt werden: Das Erzählen.  Manche kennen es als besonders schöne Kindheitserinnerung, in alten Büchern liest man davon, dass Großeltern oder Mütter einem Kind zum Schlafen eine Geschichte erzählen. Dabei denken sie sich etwas unmittelbar aus...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.anjaroehl.de/wp-content/uploads/2014/09/6.9.14-Lange-Nacht-1.jpeg"><img decoding="async" class="alignleft size-thumbnail wp-image-3665" title="6.9.14 Lange Nacht 1" src="http://www.anjaroehl.de/wp-content/uploads/2014/09/6.9.14-Lange-Nacht-1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Viel wird heute über das Buch und sein Verschwinden debattiert, aber etwas anderes ist schon lange verschwunden und soll jetzt wiederbelebt werden: Das Erzählen.  </strong></p>
<p>Manche kennen es als besonders schöne Kindheitserinnerung, in alten Büchern liest man davon, dass Großeltern oder Mütter einem Kind zum Schlafen eine Geschichte <em>erzählen</em>. Dabei denken sie sich etwas unmittelbar aus und entwickeln es je nach Beziehung mit demjenigen, je nach eigener Stimmung in dem Moment, je nach gesellschaftlich-historischer Situation, in der sie gerade leben, weiter. Die Erzählenden wissen dabei selbst noch nicht wo es hingehen soll, sie sind aktiv-kreativ vor den Augen und Ohren der Zuhörer, sie erfinden im selben Moment, wo sie mitteilen, Kinder lieben das. Jeder, der das schon einmal ausprobiert hat, wird es von seinen Kindern immer wieder gesagt bekommen haben: „Erzähl mir eine Geschichte, eine ausgedachte!“ Der Witz daran, die Zuhörer wohnen einem Akt unmittelbarer Offenheit und Entwicklung bei, sie beeinflussen ihn sogar, beflügeln ihn durch ihr Stauen, Nachfragen und Drängeln auf die oder jene „Lösung“.</p>
<p><strong>Wo in langen Nächten die Menschen eng zusammen sitzen</strong></p>
<p>Erzählen ist eine uralte Technik menschlicher Kultur, sie liegt lange vor jeder Verschriftlichung. Und sie ist eine Kultur der Ärmsten, die kein Buch hatten und der Schriftsprache nicht mächtig waren.  Das Erzählen diente immer dem Verarbeiten, dem Trost, dem Ermutigen. Eine Mutter in einem palästinensischem Flüchtlingslager wird ihren Kindern in den schlimmsten Situationen Geschichten erzählen, Geschichten aus uralten, aus besseren Zeiten. So war es im feudalen Mittelalter unter den geknechteten Bauern, so ist es überall da, wo in langen Nächten die Menschen eng zusammensitzen und sich gegenseitig Mut machen wollten. So geht es auch Menschen in Gefangenschaft, in Schützengräben, in Bombenkellern. Erzählen dient dem Nicht-Verzweifeln an der Realität.</p>
<p><strong>Aus Traum und Sehnsucht eine Vorstellung von dem, was man sich wünscht</strong></p>
<p>Viele Erzählgeschichten folgen unbewusst Märchenmustern, formen sie aber um, neu, vermischen sie, mit Mythen, mit Realitätseinsprengseln. So wird aus Wirklichkeit und Irrealität eine neue, bessere Wahrheit, aus Traum und Sehnsucht eine Vorstellung von dem, was man sich wünscht, und daraus das, was man einstmals vielleicht erreichen könnte. Die Erzählkunst wird neuerdings wieder mehr gepflegt, Erzählwerkstätten haben sich gegründet, Erzähler finden ihr Publikum auf Märkten, ein Verein zur Förderung der Erzählkunst ist entstanden, sogar einen Studiengang „Erzählen“ gibt es schon.</p>
<p><strong>Viele waren überrascht und begeistert</strong></p>
<p>Nun hat letzten Freitag bis Sonntag ( 5 &#8211; 7.9.) das „Erste Festival des freien Erzählens“ in Berlin stattgefunden. Dabei waren internationale ErzählerInnen zu hören, (koreanisch, italienisch, osteuropäisch, arabisch…), als auch Geschichten von Zauber-, Wasserwelten-weltenweit, von Nachtwesen, von Beziehungen,  von Lust und Leidenschaft, nach dem Motto: Wer´s glaubt, ist selig. Highlight des Festivals aber war die Nacht vom Samstag auf Sonntag, wo am 6. September um 20 Uhr drei Erzählerinnen, Kathleen Rappolt, Janine Schweiger und Christine Lander einen gemeinsamen Sack voller Geschichten öffneten. Es waren 40 &#8211; 50 Gäste da, plus die Erzählerinnen, viele waren durch die Presseankündigungen neugierig geworden, kannten Erzählkunst noch nicht und waren überrascht und begeistert, viele trugen sich in den Newsletter für zukünftige Erzählveranstaltungen ein.</p>
<p><strong>Mitgetragen in andere Welten</strong></p>
<p>Eine Lektorin, die normalerweise Lesungen besucht, stellte fest: &#8222;Erzählen ist  so unmittelbar, viel direkter als Lesungen, aber es ist eben auch nicht Schauspiel, was ich nicht so mag. Ich kann mir meine eigenen Bilder machen und unglaublich kreativ werden und werde von den Erzählerinnen mitgetragen in eine andere Welt. Ich werde jetzt öfter auf Erzählveranstalt-ungen gehen. Eine Expertin der Erzählkunst, Rachel Clarke, Storyteller mit schottischem Ursprung, stellte lapidar fest: &#8222;Eine lange Nacht mit Erzählerinnen auf so hohem Niveau mit so vielen unbekannten Geschichten habe ich bisher noch nirgends erlebt.&#8220;</p>
<p><strong>Es gibt keine mediale Verwertbarkeit &#8211; nur den Moment</strong></p>
<p>Die Erzählenden waren alles Frauen. Die Veranstalterinnen nach dem Grund gefragt, meinten: Erzählen ist eine Kunst, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt wird – vielleicht, weil man es einfach und überall tun kann, man benötigt keinen Verlag, keine Medien, keine Schreibmaschine, keinen Computer, man kann damit nicht berühmt werden, es gibt keine mediale Verwertbarkeit &#8211; nur den Moment. Der ist dafür einzigartig, spannend aus dem Moment heraus und unvergesslich für alle, die daran teil haben. Erzählen ist der Frauen- und Familienrolle seit Hunderten von Jahren tradiert, vielleicht hängt es damit zusammen. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch Erzähler gibt. Jürgen Kretzschmar ist einer von ihnen, er hat sich nach seiner Arbeitszeit diesem Medium verschrieben und immer mehr Lust darauf bekommen. „Je mehr Spaß es mir macht, desto stärker kann ich auch das Publikum begeistern“, sagt er dazu.</p>
<p><strong>Worte fließen aus ihnen heraus</strong></p>
<p>Erzählerinnen sind Menschen, die sich mit ihren Geschichten auf ein Glatteis begeben, sie haben außer den Bildern im Kopf keine Sicherheit, keinen auswendig gelernten Text im Kopf. Sie improvisieren sprachlich, müssen ganz präsent sein, die Worte fließen aus ihnen heraus, jedes Mal anders, und jedes Mal doch auch auf hohem Niveau – sonst könnten sie nicht fesseln. Geschichtenerzählerinnen und -erzähler werden immer besser, je öfter sie erzählen, sie müssen täglich proben, um schnell und gekonnt die Worte parat zu haben für jedes beliebige Bild, was ihnen in den Kopf schießt. Sprachtempo, Rhythmus, Gestik und Mimik muss beherrscht werden, das Publikum muss überrascht, mitgerissen, und in Bann gezogen werden.</p>
<p><strong>Das Publikum wurde einbezogen</strong></p>
<p>Zum Abend der langen Erzählerinnennacht kamen Kathleen Rappolt, eine junge Erzählerin mit grünem Kleid und roten Lippen vor einen leuchtend roten Vorhang, sie wurde von zwei Seiten durch Christine Lander und Janine Schweiger ergänzt, die ebenfalls grün angezogen waren. Die drei begannen: Aufgaben, die sie lösen mussten um die Gunst eines imaginären Prinzen zu erringen:  Mit der goldenen Else dank magischem Schenkeldruck über Berlin fliegen und Strom für die lange Nacht erzeugen, alle Bundesparlamentarier von der Bundestags-Glaskuppel aus zum Lachen bringen, oder einfach nur drei schöne Männer in Berlin zum Küssen finden….Das Publikum wurde einbezogen.</p>
<p><strong>Auch Internationales</strong></p>
<p>Die Potsdamer Erzählerin Suse Weisse erzählte aus Schottland, wo Jack in seinem Suff einen Dornbusch mit einer alten frierenden Frau verwechselte. Ein Lügenmärchen von Carmela Marinelli kam dazu, das auf italienische Traditionen zurückging, die Koreanerin Soogi Kang brachte auch eine Geschichte von Ihrer Heimat auf die Bühne &#8211; in der ein Junge einem alten Mann mit einer List half, den Fluch eines Stolpersteins ins Gegenteil zu verwandeln. Die Cottbusser Erzählerin Dörte Hentschel erzählte eine Geschichte aus Australien, die sie dort von einer australischen Erzählerin gehört hatte und das Publikum sang mit zur Unterstützung im Kampf gegen einen Riesen. Auch eine Amerikanerin war da,  Lydia Baldwin erfand eine  witzige Froschballade.</p>
<p><strong>Das Verhalten der Helden darf kritisiert, umgebaut werden</strong></p>
<p>Alles erzählt auf eine neuartige, moderne Weise, Elemente des Alltags werden eingebaut, Inkonsequenzen, Unerwartetes. Eine Brücke zur heutigen Welt. Jder  kann mittun. Es gibt nichts Vorgegebenes. Das Verhalten der Helden darf kritisiert, umgebaut, anders gedeutet werden, als es die enge Märchentradition vorschreibt.</p>
<p><strong>Mit Hühnern, Kühen und Salzstangen</strong></p>
<p>Die Erzählerinnen warfen manchmal auch nur Stichworte in den Raum &#8211; schon fand sich  eine andere, der eine Geschichte einfiel. Auf derselben Bühne stand man in der Ukraine, lief durch die Wüste, folgte einem Menschenfresser in sein Wohnzimmer, worin er jeden Abend von neuem den König braten ließ oder tanzte im Supermarkt mit Hühnern, Kühen und Scheunentoren und trank Cola und aß Salzstangen dazu.</p>
<p><strong>Geschichten erzählen aktiviert</strong></p>
<p>Nach zweieinhalb Stunden war das Publikum noch nicht müde. Als es zur Abstimmung durch Applaus kam, hätten alle gern noch mehr Geschichten gehört. Am Ende wurde das Prinzenmotiv gebrochen, die Konkurrenz zwischen den Erzählerinnen aufgehoben.  Bei Wein, Bier und eigenen Geschichten wurde dann die lange Nacht noch ein bisschen länger. Geschichten erzählen aktiviert, macht Spaß, Mut und Lust, seine Phantasie zu gebrauchen!  <a href="http://www.berlin-erzählt.de">www.berlin-erzählt.de</a></p>
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