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	<title>Theaterkritiken &#8211; Anja Röhl</title>
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	<title>Theaterkritiken &#8211; Anja Röhl</title>
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	<item>
		<title>Die Kiebitzsteiner &#8211; Ein Kabarettbesuch in Halle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 10:38:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein wunderbares Kabarett mit langer Geschichte kennen- und lieben gelernt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bis vor kurzem nicht einmal wusste, ob Halle ein eigenes Kabarett besitzt, und freute mich darum umso mehr, als ich von den im Internet von den Kiebitzsteiner las. Im Kabarett <strong>&#8222;<a href="https://www.kiebitzensteiner.de/">Kiebitzsteiner</a>&#8220; </strong>das Programm <strong><a href="https://www.kiebitzensteiner.de/events/im-freibad-grenzenloser-spass-11/">&#8222;Im Freibad&#8220; </a></strong>versprach die unterschiedlichsten menschlichen Begegnungen zu Wasser und zu Lande.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir allerdings da waren, war uns weniger nach Freibad, sondern nach warmer Bude, da wir durchgefroren waren, von einem langen Weg von fünf Kilometern, den wir zurücklegen mussten, weil wir mit einem Rolli-Fahrer unterwegs waren, der bei der Tram leider bei der entsprechenden Haltestelle nicht aussteigen durfte, sondern bis zur Endhaltestelle mitfahren musste, da es vorher keinen geeigneten Ausstieg gegeben hat und dort eine Rampe nicht bekannt war. Nun mussten wir also von dort wieder zurücklaufen und rollern, über zahllose nicht abgeschrägte Bordsteinkanten. Der Weg als Rolli &#8211; Fahrer in dieses &#8222;Freibad&#8220;, war also etwas beschwerlich, der Aufenthalt dort bot dafür reichlich Unterhaltung, von komödiantisch bis gesellschaftskritisch. So ging es nicht nur um die Befindlichkeiten der Gattung Mensch, sondern auch um die Probleme die verschiedene Insekten, Mücken und Wespen mit uns Menschen haben.&nbsp;Die Mücken beklagten sich z.B. darüber, was sie mit unserem Blut alles zu schlucken hätten, von Quecksilber bis Plastikteilchen, ein ungewöhnlicher satirischer Seitenhieb auf die Umweltverschmutzung, die also über uns sogar den Mücken schadet.&nbsp;Die Szene mit den zwei Wespen hatte mehrere Ebenen, zunächst die direkte, es handelte sich um eine dominante Wespe, die Donald Trump verdächtig ähnlich war, und eine Wespe, die dadurch sehr albern wirkte, dass sie alles nachplapperte, was ihr großes angehimmeltes Vorbild so alles an Angeberischem und Überheblichem&nbsp;von sich gab. Dabei waren ihre Augen halb durch ein Käppi verdeckt, was den Vorteil hatte, dass sie ihr Vorbild gar nicht richtig ansehen brauchte, sie konnte blindlings folgen. Diese Szene war köstlich witzig, der ganze Saal tobte. Zweifelsohne, weil hier die satirische und die politische Ebene 1A zusammentrafen, ohne dass es aufdringlich war oder in Agitprop ausartete.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="787" height="1024" src="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-787x1024.jpg" alt="" class="wp-image-7566" style="width:325px;height:auto" srcset="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-787x1024.jpg 787w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-231x300.jpg 231w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-768x1000.jpg 768w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-1180x1536.jpg 1180w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-1574x2048.jpg 1574w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2.jpg 1967w" sizes="(max-width: 787px) 100vw, 787px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Später in einem Gespräch erzählten die Schauspieler ausführlich von ihrer langen Tradition, das <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kiebitzensteiner" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kiebitzensteiner">Kabarett gibt es in Halle schon seit 1967</a></strong>, was uns sehr zum Staunen brachte! Und dass ihre Arbeitsweise immer so war, nämlich schon durch 20 Jahre DDR -Zeit hindurch, dass sie die politischen Erkenntnisse satirisch so gut verpackt, geschickt, immer so etwas &#8222;versteckt&#8220; gegeben hätten, was sie als ihre besondere literarische und künstlerische Herausforderung angesehen haben und das Publikum dies immer sehr zu schätzen wusste, dann auch weiterhin, in den so genannten &#8222;Westzeiten&#8220;.&nbsp;Diese eher poetische Art des Kabaretts hätten Sie also nach der Wende beibehalten, beziehungsweise inzwischen weiterentwickelt und zu einem gewissen Markenzeichen gemacht. Sie seien ein kleines Privattheater ohne Subventionen, die jeweils eng mit den Autoren zusammenarbeiten, und ihr Spiel auf der Bühne in einem gemeinsamen Arbeits- und Entdeckungsprozess mit dem gesamten Spielteam erst entwickeln.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr witzig war auch, dass durch das ganze Stück ein Runninggag führte, nämlich der, dass man einfach nie einen Handwerker kriegt, und wenn, dann nur zu bestimmten Bedingungen, die immer absurder wurden, sowie zu astronomischen Preisen. Konkret war es so, dass die Protagonistin, wie spielte sich angeblich selbst, als Leiterin des Theaters, dringend für dessen Renovierung Handwerker brauchte, diese Dringlichkeit ließ sie jede Bedingung annehmen, aber die Bedingungen wurden immer unerfüllbarer und darin bestand der Witz, der durch das ganze Stück führte. Das Lachen im Saal bewies, dass mindestens jeder zweite ähnliche Erfahrung mit den immer seltener werdenden Handwerkern gemacht hat. Kunststück, alle wollen ja heute nur noch im IT Bereich arbeiten oder im KI Bereich, aber wer macht dann die echte Arbeit, die man mit zwei Händen tun muss? Das bleibt offen.&nbsp;Dies eröffnet nun der Generation 75+ einen interessanten Markt, da sie früher noch ein Handwerk gelernt haben, nun besteht ganz wunderbar die Chance, die Preise und Bedingungen ins Absurde zu steigern.&nbsp;Am Ende hatten sie dann zwar einen Termin mit einem Handwerker, dafür gehörte Ihnen aber das Theater nicht mehr.&nbsp; Noch eine Szene ist besonders erwähnenswert, weil sie ein bisschen philosophisch war, sie beschäftigte sich mit dem Phänomen des Loches. In Anleihe an Kurt Tucholsky, machte sich dort ein Mensch Gedanken über den Inhalt eines Loches, im Verhältnis zum Nicht-Loch, das war hoch philosophisch und eine Verneigung vor dem großen Satiriker, den heute kaum noch jemand auf die Bühne bringt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><a href="https://www.kiebitzensteiner.de/ueber-uns/" data-type="link" data-id="https://www.kiebitzensteiner.de/ueber-uns/">Das Ensemble</a></strong> hat jeden Witz, jede Anspielung, jede Gestik und Mimik hochprofessionell gegeben, es war eine wirkliche Freude, die politischen Anspielungen waren feinfühlig und treffsicher gesetzt, ohne sich aufzudrängen. Ganz besonders herausragend waren diese drei: Stefanie Hottinger, Micha Kost und Malte Georgi. Tolles Kabarett, sehr zu empfehlen!!!</p>
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		<title>Sommersaison 2026 im Rostocker Volkstheater &#8211; zwei Musicals</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 16:19:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Sommersaison im Volkstheater Rostock hatte zwei spannende Musicals, die das Publikum begeisterten, weil beide zum Thema hatten, aus dem Gewöhnlichen auszubrechen. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Sommersaison in Rostock spielt sich seit Jahren in der ehemaligen Neptunwerft ab. Um 1910 war die Neptunwerft mit rund 1.500 Beschäftigten der größte Industriebetrieb Mecklenburgs. Die Halle 207, die 1911 als Schiffsschlosserei errichtet wurde, ist eine großartige Kulisse für Glitzer und Glimmer, Musik und Spiel an hellen und lauen Sommerabenden. An diesem Ort ist die Geschichte der Werft spürbar geblieben und gleichzeitig kann hier künstlerische Vielfalt aufblühen. &#8222;Genietete Stahlstützen, historische Hebetechnik und patiniertes Mauerwerk schaffen eine Atmosphäre&#8220;, die die schwere Arbeit, die hier einst geleistet wurde, noch immer sichtbar macht.</strong> <strong>Ich sah hier im Sommer zwei amerikanisch betitelte Musicals, einmal &#8222;The adams family&#8220;, die Dramatisierung eines morbiden Comics aus den 1930er Jahren, in dem alle böse sind und am Ende doch die Liebe siegt, und &#8222;The time is now&#8220;, eine Art Ost-Variante der Linie eins, in der ein 18-jähriges Mädchen aus Bad Sülze in die große Stadt Berlin reist, von ihrem Freund mit Hinweis, er hätte &#8222;jemanden anderen kennengelernt&#8220; aus der Wohnung gewiesen wird und nachher in einer WG Abenteuer erlebt.  </strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>The addams family</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beim ersten handelt es sich um ein Musical in zwei Akten*, in der eine unkonventionelle Familie, erfunden von <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Addams">Charles Addams</a></strong>, (ein amerikanischer Kartoonist, der einst seine Biofamilie in einem Comic karikierte) im Mittelpunlkt steht. Die zwei Kinder, der etwa zwölfjährige Sohn und seine vielleicht 17-jährige Schwester Wednesday leben mit ihrer Familie mitten im Central Park in New York.  Aber nicht in einem normalen Haus, sondern in irgend etwas Unterirdisch-morbidem, wo Gift gemischt wird, geschimpft und gehasst, und gequält wird. Dort läuft alles der Spießbürgermoral entgegengesetzt. Themen wie Tod, Schmerz, Dunkelheit, sind jedenfalls positiv konotiert. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-7554" style="width:628px;height:auto" srcset="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich-1024x683.jpg 1024w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich-300x200.jpg 300w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich-768x512.jpg 768w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich.jpg 1080w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Der kleine Bruder wundert sich also sehr, das ihn eines Tages die große Schwester nicht mehr mit Elektroschocks quält. Diese hat sich verliebt, was dem morbiden Charakter der Familie, die immer hassen muss, eigentlich widerspricht und noch dazu in Lucas, einen attraktiven jungen Mann aus bester Familie. Plötzlich ist der bitterbösen Schwester Wednesday das Leben ihrer Familie peinlich. Aber, wie es so kommt, die Eltern des Gutbürgerlichen sind auch nicht ohne Geheimnisse und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Der Stoff scheint derart berühmt zu sein, das das Publikum bereits den gesamten Inhalt kannte. Die wilde Musik, die schwarzen Kostüme, die an die Gotics erinnerten, das Kontertkarieren jeglicher Form von Sitte und Anstand, geben dem Stoff seinen Pepp. <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Addams">Charles Addams</a></strong>, ein berühmter Comiczeichner der 1930er Jahre, hat in seinen Figuren (the Addams Family), offenbar seine eigene Kindheit verarbeitet, er soll schon als Schüler in der Schule diese Comicfiguren gemalt und geschaffen haben. Die Comics haben mehrere TV-Serien inspiriert nd sind noch heute berühmt und lebendig, obgleich sich alles um Tod, Schmerz und Bosheit dreht. Von dort aus trotzdem auf Werte wie Liebe, Vertrauen und Zuneigung zu kommen, ist die Kunst des Stückes. Der Komponist Andrew Lippa und seine beiden Tony-prämierten Autoren Marshall Brickman und Rick Elice haben daraus nun eine rabenschwarze Comedy für die Bühne geschaffen, die zu standing ovations führte und auch nach dem  Volkstheatersommer noch im Großen Haus zu sehen ist. Ganz großartig und sehr frei und frech, die Hauptdarstellerin Wednesday ( Kirsten Scott) sowie ihre Mutter (Martha Luise Urbanik), aber auch die Tanzcompagnie des Theaters, alle haben mitreißend und wild gespielt, und das Publikum mitgenommen. Eine Sonderrolle hat ein Onkel Fester gespielt, (hier gegeben vom Urgestein Frank Buchwald, großartig in Mimik und Gestik, wie der Teufel persönlich) sein Spiel war sehr skuril, oft unerklärlich, etwas surrealistisch und sehr eigenwillig. Handelt es sich um eine heinmliche Vorbildfigur des Autors? Für Menschen wie mich, die ich noch nie etwas von der &#8222;Addams family&#8220; gehört hatte, da ich kein TV schaue, war dieses Musical eine interessante, meinen Musik- und Sehgeschmack bereichernde Erfahrung. * The addams family: Buch von Marshall Brickman und Rick Elice / Musik und Songtexte von Andrew Lippa / Basierend auf den Figuren erfunden von Charles Addams / Deutsch von Anja Hauptmann</p>



<h2 class="wp-block-heading">The time is now</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beim zweiten Musical handelt es sich um Teil einer Serie, die seit einigen Jahren im Sommertheater Rostock von der dortigen Dramaturgie ausgedacht, entwickelt und mit Musik-, Spiel- und Tanzensembles auf die Bühne gebracht wird. In den einzelnen Stücken wird jeweils einem vergangenen Jahrzehnt musikalisch und szenisch nachgespürt. Es liefen schon die 80er, und die 90er Jahre. Nun die Nuller. Das Ganze wird mit Schlagern aus dem Jahrzehnt unterfüttert. Diesmal geht es um das 2000er Jahrzehnt*. Nach dem Aufbruch in den 90ern, die die Eltern des Mädchens Johanna, Gabriele und Andreas (super gespielt von Katrin Heller und Bernd Färber), einstmals mitgemacht haben, der dann aber irgendwo steckenblieb und rückwärts lief, will die Tochter vorwärts laufen, raus aus Bad Sülze, rein nach Berlin, in die Weltmetropole.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kannte keinen von den Schlagern, die das Ganze begleiteten, weil ich mehr auf Liedermacher stehe, aber das Publikum sprang auf und konnte teilweise mitsingen. Die Eltern, das Mädchen, der ungetreue Freund, die WG-Mitglieder spielten alle köstlich echt und überzeugend, sie waren wunderbar typisch gestaltet, auch die Geschichte war nett. Sie zeigte eine Generation to go, die immer auf dem Sprung ist, sich entwickeln will. An ein Vorwärtskommen glaubt. Sie zeigt Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensformen, auch andersgeschlechtliche Liebe wurde damals etwas Normales. Liebevoll wurden auch die Eltern beschrieben, sie ließen sich mitziehen, besuchten ihre Tochter und erlebten selbst auch nochmal einen kleinen Aufbruch in die Welt ihrer verborgenen Sehnsüchte. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-7555" style="width:606px;height:auto" srcset="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02-1024x683.jpg 1024w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02-300x200.jpg 300w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02-768x512.jpg 768w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02.jpg 1080w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Fasziniert hat mich das Punkymädchen Sandra, gespielt durch Malin Steitz. Diese hat sie derart fassettenreich gespielt, es war absolut herausragend! Allein ihre Körperpräsenz, aber auch ihre Gestik, Mimik, Sprache, alles stimmte, als wäre sie selbst nie etwas anderes gewesen, als dieses kleine Punkymädchen, einsam, und doch Trost spendend, aufreizend und doch auch schüchtern, mutig, wild, spielerisch und doch auch moralisch. Ich musste über längere Passagen immer wieder nur ihr zuschauen, wunderbare, faszinierende Bühnenpräsenz! Malin Steitz hat gespielt, als ginge es um ihr Leben, und doch leicht, gleichsam schwebend, sprang sie von Szene zu Szene, kreuz und quer über die Bühne. Aber auch Katharina Otte als Johanna war sehr gut. Die perfekte Gegenfigur, neu in Berlin, scheu, etwas traurig, aber langsam freier werdend, glücklicher, aber auch nachdenklich. Auch sie gab ihrer Figur viel Wahrhaftiges, es hat Spaß gemacht und war toll anzuschauen! Musik und Tanz war wild und laut und hat auf jeden Fall viele angeregt zum Mitsingen. Ein gelungener Abend in der alten Werfthalle, wo man in der Pause mal eben an den mit rotglühender Sonne übergossenen Rostocker Hafen schlendern konnte.  * The time is now, Dramaturgie: Arne Bloch, Musikalische Leitung: Cindy Weinhold, Inszenierung: Catharina Fillers, Choreografie: Keith Chin plus Tanzcompagnie, Bühne: Olaf, Kostüme: Andrea Eisensee, Video: Marc Willenberg. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Die Haspler &#8211; Improtheater &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 11:52:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Sehr spannendes Programm im Impro-Theater: Die Haspler in Rostock]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Improvisationstheatergruppe in Rostock und MV: Die Haspler</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2007 steht die Improvisationstheatergruppe <strong><a href="https://www.haspler.net/" data-type="link" data-id="https://www.haspler.net/">„Die Haspler“</a></strong> für spontane Geschichten, überraschende Wendungen und die Freude am gemeinsamen Spiel. Mit zwölf Ensemblemitgliedern bringen sie Erstaunliches auf die Bühne: Keine Texte, kein vorher festgelegter Ablauf. Alles entsteht irgendwie live auf der Bühne. An diesem Tag sind die Haspler im Peter-Weiß-Haus zu Gast, und hat ein anderes Impro-Ensemble zu Gast, es soll ein imaginäres Wettspiel werden, welches Team &#8222;das Bessere&#8220; ist. Das Ganze ist natürlich ironisch gemeint, und das imaginäre Wettspiel wird zur Kritik an sportlichen Wettkämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Peter-Weiß-Haus ist ein Kulturzentrum Rostocks, mit schönem Außenbereich, in der KTV, dem Studentenviertel von Rostock, gelegen, in dem sich viele freie Gruppen treffen, es eine freie Lebensmittelausgabestelle gibt und auch das Literaturzentrum Rostocks seit langem schon zuhause ist. Ich habe noch nie ein solches Spiel gesehen. Eine Moderatorin, verkleidet als Richterin, gibt ein Stichwort, fragt das Publikum und tut so, als ob sie sehr streng mit ihren spielenden Gruppen sein wird. In kleinen 2er und 3er-Gruppen treten nun, wie in einem Sportwettkampf, die aus Greifswald gegen die aus Rostock an. Die Lacher, die sie im Publikum hervorrufen, sowie das Erstaunen über ihr Impro-Talent bestimmen die Bewertung. Mit mehrfach ironischen Brüchen begeistern und erhellen sie die Gemühter des Publikums. Nichts kann geübt werden, alles muss sich im Moment entwickeln, ich staune. Es ist äußerst amüsant und auch lehrreich. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spielenden schauen zu Beginn in gespielter Angst auf die Richterin und müssen zu jedem Begriff, den die Richterin vom Publikum erfragt, Szenen entwickeln, die möglichst spannend sind. Das Talent beider Gruppen ist wirklich groß, es kommt einem schier unmöglich vor, was die da machen. Wie schaffen sie, so schnell auf interessante Ideen zu kommen? Man lernt auch erstaunliche Techniken kennen, z.B. die eine Gruppe spielt etwas pantomimisch, dazu muss die andere Gruppe den Text improvisieren. Es war keine Minute langweilig, es ging immer um Substantielles, und man geht nach Hause voller Ehrfurcht über diese außergewöhnlichen Talente.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Weltuntergang in Rostock &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 07:29:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Theatergruppe "Bühnenschipper" spielt den Welteruntergang von Jura Soyfer beeindruckend gut]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Weltuntergang von der Theatergruppe Bühnenschipper</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses großartige, prophethische Stück von<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jura_Soyfer" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Jura_Soyfer"> <strong>Jura Soyfer</strong></a> aus dem Jahr <strong>1936</strong> habe ich in Rostock in einer Kunstschule wirklich erstaunlich gut gegeben gesehen, die Laien spielten es mit großer Überzeugungskraft und äußerst professionell. Es war am 5. Juli 2026, im Laien-Theater der <strong><a href="https://www.sarah-bansemer.de/">Sarah Bansemer</a></strong> in der Jugendkunstschule Artus in Rostock Reutershagen. Ich erwartete nichts Besonderes, aber der Titel hatte mich neugierig gemacht. Ging es nicht um ein hochaktuelles Thema? Erst nachher las ich, dass der Autor es schon 1936 geschrieben hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn sieht man die Planeten des Weltalls um die Sonne herum als Figuren zusammenkommen und beraten. Es sind Spielerinnen mit Planetenköpfen- und Bäuchen. Etwas stimmt mit der Erde nicht, „sie entzieht sich der Vollkommenheit der Schöpfung“. Etwas ist dissonant. Die Sonne bestellt den Mond, er soll Auskunft geben. Die Erde ist krank, sagt er, sie hat die Menschen! Die Planeten beraten, wie sie helfen können. Da spaziert ein Komet herein, er will zu einer von ihm heftig geliebten Sternschnuppe, deshalb hat er sich auf den Weg gemacht. Die Planeten und die Sonne sagen, er soll bitteschön einen kleinen Umweg machen und die Erde „ein bißchen anstupsen“, damit sie sich von den Menschen befreit und wieder gesundet. Der Komet mag nicht so recht, aber gut, wenn es nicht lange dauert…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Erde passiert danach Folgendes:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Professor hat es berechnet und ist sich sicher: „Ein Komet rast auf die Erde zu!“ Er verlautbart der Menschheit ihr bevorstehendes Ende. Er besucht den Präsidenten: „In nur wenigen Tagen wird ein Komet auf der Erde einschlagen und diese vernichten“. Der Präsident nimmt ihn nicht ernst. Ab da folgt man ihm und seiner vergeblichen Odyssee, die er, erst durch die Behörden und schließlich durch die Länder der ganzen Welt antritt. Denn: Niemand will seine Warnungen anhören. Aber schlimmer noch, alle wollen Profit aus der Katastrophe herausholen. Denn die Leute kaufen mehr, wenn der Weltuntergang vor der Tür steht, sie konsumieren eifriger, sie verkaufen und kaufen neu und beleben die Wirtschaft und sein Interesse daran, dass die Menschheit überlebt, interessiert sie überhaupt nicht. Die Paralelen zu heute sind unübersehbar. Das Ensemble spielt mit großem Ernst, mit Leidenschaft und Galgenhumor. 1936 schrieb Jura Soyfer dieses Stück, das aktueller nicht sein könnte: Eine wissenschaftliche Erkenntnis hält der Menschheit ihre Handlungen vor. Man könne den Kometen noch „umlenken“, erklärt der Professor, aber keiner hört ihm zu, lächelnd wird er verabschiedet, stattdessen wendet sich das Interesse der Mächtigen den Aktienkursen, den Profiten und dem eigenen Wohl zu.  Allerdings nimmt das Ganze ein unerwartetes Ende, das hier nicht veraten wird!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Abgesehen vom Inhalt, der erschreckend in unsere heutige Zeit passt, und hier sehr gut dramaturgisch verdichtet war, haben auch die Spielerinnen sehr überzeugt. Man merkte ihnen an, dass sie das Thema etwas anging, dass es sie berührte, was sie da spielten, dass es nicht nur &#8222;ein Spiel&#8220; für sie war, sondern ihnen aus der Seele sprach und sie eine Botschaft transportieren wollten.  Sarah Bansemer ist mit ihrem Ensemble ein wirklich großer Wurf gelungen!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<item>
		<title>Die Dreigroschenoper im Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin sehr im Sinne Brechts inszeniert &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jun 2026 10:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Wunderbare Polly im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin - Rezension]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Man weiß es, aber nur selten findet es eine extra Erwähnung im Titel, dass an diesem Stück im wesentlichen Elisabeth Hauptmann mitgeschrieben hat. Nicht nur das, es gab auch ein Originalstück und das war von ganz jemand anderem, nämlich von John Gay, nämlich: <em>Beggar’s Opera</em>  aus dem Jahre 1728, eine im Bettlermilieu spielende Satire, die bei ihrer Erstaufführung 1728 in London Stadtgespräch war und seit 1920 erneut in London und anderen englischen Städten erfolgreich wiederaufgeführt wurde, mit fast 1500 Aufführungen hatten die grade alle Rekorde gebrochen. Schnell übersetzte Elisabeth Hauptmann und Brecht und Weill bearbeiteten sie dann. Brecht ist einer, der gern kollektiv arbeitet. Warum nicht? Aber dann bitte auch mit Nennung der kollektiven Urheberschaft. Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin hat jetzt sowohl Elisabeth Hauptmann, gleich im Titel mitgenannt, als auch wurde das Stück inhaltlich und durch Kostümierung, ein wenig auf das englische Vorbildstück zurückgeführt. So hat man die Dreigroschenoper noch nie gesehen, in Kostümen, die gemischt waren aus den 20er Jahren des 20. und des 18. Jahrhunderts. Das wirkte originell und ein wenig clownesk, aber sehr gut zum Stück passend. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Theater-Zelt im Schweriner Schlossgarten, in brütendster Hitze am 19. Juni, war am Premierentag der Dreigroschenoper, in der Regie des Patrick Wengenroth ein Orchester mit vielen Bläsern aufgefahren, was die Weill´sche Musik zu einem großen Klangerlebnis machte. Sehr gelungen war die Besetzung der Polly, ( Jennifer Sabel), sie kam einerseits puppenhaft naiv, ein wenig steif und ungelenk daher, schaffte aber andererseits eine interessante Widersprüchlichkeit zwischen ihrer Anbetung des Mackie und einer gleichzeitigen Schnoddrigkeit und Kälte zu geben. So gelang es ihr, den im Brechttheater geforderten V-Effekt wirklich hervorzurufen und eine gute Distanz zu ihrer Figur aufzubauen, das war sehr gekonnt. Die Besetzung des Meckie Messer (Rudi Klein), die Figur wurde abwechselnd lustig wie Mozart und schmierig wie ein Rocker angelegt, insgesamt etwas zu weich, oder zu jung, sein Gesang war allerdings sehr gut. Sebastian Reck und Antje Trautmann gaben Herrn und Frau Peacham mit sehr viel Kraft und Präsenz, das war von beiden höchste Schauspiel- und Gesangskunst, sie trugen das ganze Stück. Das Orchester war ebenfalls spitzenmäßig und die übrigen Frauenrollen wurden charakterstark, schön und sehr originell, vor allem so gespielt, dass jede als eine eigenständige Persönlichkeit deutlich herauskam. Herausragend die Idee, dem Moritatensänger (Jochen Fahr) etwas Besonderes zu verleihen, indem er nicht nur die Brechttexte des Stückes, sondern gleich noch alle Regieanweisungen der nächsten Szene gleich mit vortrug. Dies wirkte durch seine oft todernste Miene köstlich komisch.  In den Nebenrollen glänzte der &#8222;neue Bettler&#8220;, Filch, ( Christoph Götz) später auch Constapler, der sehr genau sämtliche Gefühle eines verlorenen und verlassenen Menschen, auf seinem Gesicht, in Mimik und Gestik, perfekt widerspiegeln konnte. Tiger Brown war mir etwas zu brav angelegt, Lucy aber wieder sehr überzeugend. Joanna Damberg als Spelunkenjenny überzeugte durch eine wunderschön glockenhelle Stimme und eine sehr gut gespielte verhaltene Tragik. Etwas redundant kam es rüber, dass nach jeder zweiten Szene der riesige Vorhang, vorher umständlich hochgezogen, plötzlich in einem Akt der Kraftmeierei in Fetzen herabgerissen wurde. Das blieb m.E. ohne Inhaltsbezug. Sehr beeindruckend war auch der Gesang der Polly, der nie ins Sentimentale abkippte, unfassbar, wie sie das hinbekommen hat, denn was selbst bei Lotte Lenya u.a. in historischen Filmen so hell und rührselig klingt, das hat sie, mit derselben Stimme, demselben Text und derselben Melodie doch selten unsentimental, klar und mit genau der richtigen Prise von Distanz bravorös hinbekommen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Ganzen wurde das Stück mit klarem Gesellschaftsbezug gegeben, die diesbezüglichen Texten in der Dreigroschenoper (&#8222;Die im Dunklen sieht man nicht&#8220;&#8230; und: &#8222;Was ist der Raub einer Bank gegen den Besitz einer Bank?!&#8220;) wurden mit großer Wärme, Ernsthaftigkeit und Leidenschaft vorgetragen. Mit glaubwürdiger Kritik auch der heutigen ungerechten Verteilung. Im Programmheft heisst es, dass die &#8222;Brutalität der Mächtigen&#8220; immer danach strebt, ihr &#8222;System der Ungerechtigkeit&#8220; zu erhalten, auch wenn es &#8222;erbarmungslos alle verschlingt!&#8220; Die Songs sind es zehnmal wert, sich dieses Stück in Schwerin anzuschauen, super gespielt, super gesungen, lohnenswert, sich diese Musik, die nun selbst schon wieder 100 jahre alt ist und immer wieder neu aktuell, immer wieder anzuhören. Ich habe sie als kleines Kind immerzu angehört, da meine Eltern ein Studententheater betrieben, wo Brecht, Borchert und Villion mit einer Prise Peter Rümkorf gemischt wurden. Brecht/Weill-Songs, gesungen von Ernst Busch, gehörten zu meinen ersten Kindheitsliedern, ich kann sie fast alle auswendig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was noch dazu zu sagen wäre: </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Brecht benutzte für &#8222;seine&#8220; Bettler- Oper, in der die ungeheure Kälte des Menschen, wie sie sich im Wirtschaftssystem zeigt, am Pranger steht, u.a. etliche Balladen von Francois Villion, dann von Richard Kipling, die Ballade: Svrew-guns, die Brecht zum Kanonen-Song anregte. Karl Kraus steuerte die 2. Strophe des Eifersuchtslieds bei, dazu dichtete Brecht, und Weill vertonte. Und noch in der letzten Nacht vor der Premiere, wurde der Auftakt, der Meckie Messer-Song ergänzt, der zum größten Renner des ganzen Stückes wurde, nur weil der Hauptdarsteller seine Figur zu wenig in das Stück eingeführt fand. Also man muss sagen, mit der Kollektivarbeit, das hat Bert Brecht ernst genommen. Die Dreigroschenoper wurde seinerzeit der größte Publikums-Erfolg der Weimarer Republik. Die Straßen hallten wieder von den Liedern aus dieser Oper, sie wurden überall gesungen. Leider hat auch das den Faschismus nicht verhindert. Auch in Schwerin tagten am Tag der Premiere der Dreigroschenoper die Enkel der NS-Großväter, die für ihre Taten nie ernsthaft zur Verantwortung gezogen wurden, ich begegnete ihnen zufällig, da ich im Schlosscafe zur Toilette gehen wollte. Weiß livrierte Kellner traten mir in den Weg, geschlossene Veranstaltung. Fast nur Männer: Der Landes-Parteitag einer Partei, die man schon vor mindestens 10 Jahren hätte verbieten müssen und die sich nun erneut wieder aufmacht, sich demokratisch wählen zu lassen, um erneut eine Diktatur zu errichten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <strong><a href="https://www.mecklenburgisches-staatstheater.de/programm/die-dreigroschenoper.html" data-type="link" data-id="https://www.mecklenburgisches-staatstheater.de/programm/die-dreigroschenoper.html">Dreigroschenoper im Schweriner Theaterzelt</a></strong>, am <strong>12.7.26 zum letzten Mal!</strong></p>
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		<title>Caligula &#8211; vom Freiluftgefangenentheater in der JVA Tegel &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 09:42:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Ungeheuer dicht und wirkungsvoll gespielt: Die Geschichte des Gewaltherrschers Caligula mit Dante´schen Elementen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Schon lange kennt die Menschheit den Typus Tyrann: Kalt, machtbesessen, mörderisch. Völker scheinen hilflos, ob dieser Heimsuchung. Menschen lassen sich mitziehen von seiner Blutrunst. Das<strong> Gefängnistheater AufBruch </strong>wählte ein antikes Vorbild um etwas darzustellen, was uns auch heute wieder aktuell bedroht: Gewaltherrschaft einzelner Männer, die die Welt an den Abgrund führen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Caligula ist ein junger römischer Kaiser.</strong> Nach dem Tod seiner geliebten Schwester darf er keine Trauer zeigen, denn das Verhältnis war ein verbotener Inzest. Seine Trauer wendet sich in Hass und Menschenfeindschaft. Er entlässt alle Sklaven und macht sie sich damit zu gefälligen Untertanen und enteignet alle Besitzenden und quält ihre Frauen. Gerechtigkeit, sagt er, Gleichheit, aber in Wahrheit tobt sich hier nur Sadismus aus. Die Macht berauscht ihn, warum tut sie das? Bald füllt sich hinter ihm ein sichtbarer Keller mit Leichen, sie winden sich in Krämpfen und Schmerzen, die Dante,sche Hölle, am Ende wird er von seinen eigenen Toten erstickt. Das Gefängnistheater bringt diesen Stoff auf die Freiluft-Bühne in Tegel, in der hintersten Ecke des historischen Gefängnistrakts, in dem schon vor mehr als hundert Jahren die Gefangenen der ersten missglückten Revolution in Deutschland einsaßen, danach die Hitleropfer, später die 68er-Studenten, dazu Mörder, Räuber, Diebe zu allen zeiten, Menschen, denen die Welt keine goldenen Brücken baute. Heute dienen die alten Mauern mit den überdimensionalen Zahlen nur noch als Theaterkulisse. Genial die Idee, Dante und Camus zu mischen, die sich beide mit dem Thema SCHULD beschäftigt haben. Welche Kreise der Hölle muss solch ein Herrscher durchwandeln, bevor auch er die seiner Schuld gemäßen Strafe findet? Dieser wird von seinen Toten zerrissen, die er selbst freilässt. Die Hölle, das sind die anderen, schrieb Sartre, sie liegt mitten unter den Menschen, und &#8222;zwischen Willkür und Gesetz taumelt der Mensch&#8220; (Zitiert nach dem sehr ausführlichen Programmheft: <em>Ein bleierner Zustand, im Hier und Jetzt.</em>)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch heutige Tyrannen taumeln, wir kennen sie gut: An einem Tag wollen sie ein ganzes Land vernichten, am anderen Tag Frieden stiften, dazwischen kassieren sie an der dazu passend taumelnden Börse ab und lachen sich eins. Tyrannen taumeln zwischen ihren Launen, dem einen schmeicheln sie, den anderen demütigen sie, den nächsten töten sie. Wir kennen die Namen, sie versetzen uns in Angst und Schrecken. Es ist so leicht, mit Gewalt zu herrschen. Heute und damals und immer war es das. Und doch stürzt die Gewalt eines Tages. Das zu wissen, ist wichtig! Hier und leider, wie so oft, stürzt der Tyrann erst ganz zum Schluss. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Caligula ist eine Charakterstudie: Er probiert aus, was erlaubt ist und lernt: Es ist alles erlaubt. Der Tyrann stellt seine Untertanen auf die Probe: Wie weit lassen sie sich treiben, und wie viel können sie erdulden, bevor sie sich widersetzen? Er demütigt, er enteignet, er mordet. er weidet sich in der Angst seiner Gegner. Jeder kann es werden, wenn man ihn lässt. Die Welt muss Zügel entwickeln für solche Tendenzen im Menschlichen. Sonst geht es schief. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spieler sind ungeheuerlich, sie schaffen es, diese Abgründe auf die Bühne zu bringen, dass einem der Atem stockt. Sie, die Eingeschlossenen, die von aller Welt verlassenen, in einer Knaststadt hinter Mauern einsitzenden, vielfach schuldig an der Welt gewordenen, sie schaffen das Spiel von Gewaltherrschaft, die sich ins Unermessliche dehnt, authentisch zu geben. Und sie machen es auf eine ganz besondere Weise. Sie zeigen wie ein Gewaltherrscher auch immer etwas von Rebellentum an sich hat, darauf beruht seine Faszination. Rebellen können sich leicht zu Gewaltherrschern entwickeln, sie kehren ins Gegenteil, was sie einst forderten. Und sie zeigen es gut: Die Hölle beginnt da, &#8222;wo der Mensch glaubt, alles zu dürfen&#8220;.  Hölle als &#8222;Erfindung der Menschheit&#8220;, wo die Verdammten, wie Dante es zeigte, gefangen sind im Echo ihrer Taten. &#8222;Schuld ist eingeschrieben in ihre Körper&#8220;, Strafe als &#8222;immerwährende Wiederholung&#8220;. <strong>Starkes Stück, starke Regie, starkes Spiel! </strong>Jeder der Spieler überzeugt, wirklich, jeder! Das Ensemble tritt hier in großer Besetzung auf, und doch verschwimmen in den Volkszenen die Personen nicht, sie sind alle, jeder auf seine Weise, noch einzeln sichtbar, als besondere Charaktere.  Und die Hauptdarsteller? Besser hätte man es nicht treffen können! Wie immer übertreffen sie alle Charakterdarsteller, die ich je auf bürgerlichen Bühnen sah! Ein Jammer, dass die Stücke des Gefangenentheaters AufBruch nicht länger als einige wenige Wochen zu sehen sind.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Begleitet wurden die Spieler durch Musiker der Berliner Band 17 HIPPIES, auch deren Einsatz war großartig, sehr originell, mit sehr viel Anklang an die neue Musik, ungeheuer passend zu den Szenen, das Gefangenenensemble der JVA Tegel hat wirklich Großartiges geleistet. Diesen Abend vergisst man so leicht nicht. Er sitzt einem in den Knochen, fährt einem in die Seele, verstört und gibt zum Nachdenken Anlass. Wie können wir die Welt ändern? Können wir es, wir müssen! Das ist der Apell dieses Stückes aus dem Knast in Berlin. Man fragt sich: Warum kann es nicht Theaterspiel als Dauereinrichtung in jedem Gefängnis geben? Ich kann mir nichts Wirkungsvolleres zur Aufarbeitung der Schuld von Gefangenen und von uns allen, vorstellen. Danke an den Regisseur und alle Beteiligten!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CALIGULA. INFERNO.</strong> nach Camus und Dante vom <strong>Freiluftgefangenentheater in der JVA Tegel</strong>, in der Regie von <strong>Peter Atanassow</strong>, <em>(Die Gefangenen sagen, sie haben alles, was sie können, allein ihm zu verdanken, der Regisseur sagt dasselbe über seine Spieler) </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Premiere war am:</strong> 9. Juni 2026, <strong>Noch weitere Vorstellungen:</strong> 23., 24., 29. und 30. Juni sowie 2. Juli 2026 jeweils um 17.30 Uhr, <strong><a href="https://www.gefaengnistheater.de/karten" data-type="link" data-id="https://www.gefaengnistheater.de/karten">anmelden!</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Danke an alle Spieler des Gefangenenensemble der JVA Tegel<br></strong>Adrian Zajac, Alex, André S., Atak, Baris Can, Eddy A., Fabi, H. Peter Maier C.d.F., Horst Grimm, Jan M., Marco, Muhammet, Norman, Paco, Paul E., Rico, Robert, Robin, Ronny B., Senad, Sven, Taui.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Begleitet durch Musiker der 17 HIPPIES</strong><br>Benjamin Ostarek (Klarinette), Reinhard „Koma“ Lüderitz (Schlagwerk, Sackpfeife), Volker „Kruisko“ Rettmann (Akkordeon), Michael &#8222;Moe&#8220; Jaksch (Kontrabass, Zither)<br><strong>sowie</strong> <strong>am Klavier</strong> Vsevolod Silkin</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Regie</strong> Peter Atanassow <strong>Bühne</strong> Holger Syrbe <strong>Kostüme</strong> Anne Schartmann <strong>Dramaturgie</strong> Franziska Kuhn <strong>Musikalisches Konzept und Arrangements </strong>Christopher Blenkinsop (17 HIPPIES) <strong>Musikalische Einstudierung Gesang</strong> Vsevolod Silkin <strong>Choreographie</strong> Suzann Bolick <strong>Produktionsleitung</strong> Sibylle Arndt <strong>Regieassistenz</strong> Marlene Zuz <strong>Kostümassistenz</strong> Elena Chant <strong>Technik</strong> Mo Koulaghassi, Lukas Maser <strong>Grafik</strong> Dirk Trageser</p>
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		<title>Das Rostocker Volkstheater hat ein sehr hohes Niveau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 06:40:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Volkstheater Rostock kann sich sehen lassen, sieben großartige Aufführungen im letzten Halbjahr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rostock – mon amour!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe in der letzten Zeit sieben großartige Theateraufführungen im <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Volkstheater Rostock</a></strong> angesehen, das Volkstheater ist ein Vierspartentheater mit Anbindung an die HMT, der Hochschule für Musik, Theater und Tanz, die dort in der Altstadt, in einem alten Kloster ansässig ist. Ich hatte dort zu tun und gelangte nur in Abständen in die Aufführungen, zuerst im November, da sah ich: <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/die-ratten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Ratten</a></strong>, sehr gut inszeniertes und gespieltes Sozialstück von Gerhard Hauptmann, die Parallelen zu heute berühren einen tief, es wurde mit sehr viel Einfühlung in den heutigen Pauperismus und die unter ihm leidenden Personen gegeben, die man sich, erschreckend aktuell, sehr gut vorstellen konnte.  Ist es wahr, dachte man, dass die Abtreibungsfreiheit für Frauen immer noch nicht erreicht hat, ganz im Gegenteil, immer mehr eingeschränkt wird?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann sah ich im Januar das Vierspartenstück <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/amadeus/" data-type="link" data-id="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/amadeus/">Amadeus</a></strong>, über den Mythos der Mozartvergiftung durch Salieri, ein wunderbares Kostümtheater mit einem verzweifelten Salieri und einem lustigen Mozart, auch sehr tiefgründig gespielt, vor allem, weil Neid, Missgunst und Rachsucht allgemein menschliche Probleme sind, und diese hier sehr gründlich ausgeleuchtet wurden. Im Februar sah ich die wunderbare Komödie von <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ben_Jonson" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Ben_Jonson">Ben Johnson,</a></strong> einem völlig unbekannten Shakespeare-Zeitgenossen, <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/volpone-oder-der-fuchs/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Volporone, oder der Fuchs</a></strong>, über Geld, Geiz und Gier, unfassbar gut gespielt, wo die Charaktere durch Tiere symbolisiert wurden, einzigartig gut gespielt, die Spieler haben wirklich alle Charaktereigenschaften, die durch Aussicht auf Geld ausgelöst werden können, in ihren Figuren ausgedrückt, außerordentlich! Leider wurde es nur sehr kurz gespielt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann im März sah ich das <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/anatevka-fiddler-on-the-roof/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Musical Anatevka</a></strong>, werkgetreu und tragisch gegeben, mit einer großen Verbeugung vor den osteuropäisch-jüdischen Dorfgemeinschaften, die immer wieder vertrieben und schließlich im Holocaust für immer vernichtet wurden, mit einer berührenden, ganz kurzen Versöhnungsszene zwischen den jüdische Dörflern und den russischen Soldaten im gemeinsamen Tanz. Ausgesprochen gut besetzt, mit einem nachdenklichen, weichen, seine eigenen Maximen immer wieder infrage stellenden <strong>Tevje</strong>, wunderbar kraftvoll gespielt von <strong><a href="https://www.facebook.com/volkstheater.rostock/videos/vorgestellt-frederic-b%C3%B6hle/978858224622193/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frederic Böhle</a></strong>, der wie geschaffen für seine Rolle war, sogar mit eigenen Beziehungen zur Klezmer-Musik, genial die Ausgestaltung seines Zweifelns, seiner Gedankenspiele, seiner Worte, die er mit Gott spricht, sein Mut, der sich immer wieder aufrichtet, aber auch seine Trauer, sehr unsentimental inszeniert, eine einzige Verbeugung vor der Geschichte und dialektischen Debattenkultur des jüdischen Volkes. Auch sehr genial wurde hier <strong>Jente</strong> gegeben, die Heiratsvermittlerin, <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/anatevka-fiddler-on-the-roof/katrin-heller/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Katrin Heller</a></strong> verlieh ihrer Figur etwas köstlich Hexenhaftes, was trotzdem etwas Humoristisches hatte, sie war im Grunde die Gegenspielerin von Tejve, die die alte Zeit in aller Starrsinnigkeit verkörperte und trotzdem liebevollgestaltet wurde. Die Vielschichtigkeit und Widerspräcuhlichkeit, die ein Spielender in seiner Figur ausdrücken kann, macht die Qualität aus, denn das kommt dem Menschlichen am nächsten, hier ist es wunderbar gelungen! </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war ich im April auf der kleinen Bühne im Ateliertheater, bei <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/fischer-fritz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fischers Fritz</a></strong>, einem Kammerstück, in dem das brisante Thema der häuslichen Pflege komödiantisch, mit viel ernstem Witz, sehr realitätsnah, auf die Bühne gebracht wurde und im Mai war ich in der <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/tschick/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Road Opera“ Tschick</a></strong>, wo Ludger Vollmer schwere, an Schönberg angelehnte Musik, in der Adaptation eines Jugendfilms, tatsächlich schafft, 14-jährigen nahezubringen. Dazu wurde das Medium Video-Installation äußerst feinfühlig und originell in die Theaterszenen, sozusagen „eingewebt“. Denn es wurden nicht irgendwo hinten oder seitlich, flimmernde Filmszenen laufen gelassen, &nbsp;die Filmszenen traten in die Szene ein, gingen aus ihr hervor, die Schauspieler wanderten durch die Leinwand, wie durch einen Nebel, es war ein ästhetischer Hochgenuss, den die Jugendlichen auch staunend bewunderten. (Man merkte es daran, wie still sie wurden) &nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich da zufällig und nur in einem kleinen Ausschnitt ansah, denn es gibt 20 Premieren in jeder Spielzeit, war einfach umwerfend. Die Stücke, Opern, Komödien, Dramen werden nicht nur toll gespielt, inszeniert, musikalisch und künstlerisch begleitet, sondern auch passend zur Tagespolitik und gesellschaftlichen Situation ausgesucht, immer mit einem sozialkritischen Blick, immer mit einem Anreiz zum Nachdenken, zur vertiefenden Erkenntnisgewinnung gegeben, so dass die Stücke wirklich zu einem Hochgenuss des Denkens und Empfindens werden. Die Schauspieler, die dort arbeiten, sind legendär, es sind einzigartige Charakterschauspieler unter ihnen, wie <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/katharina-paul/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Katharina Paul</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/bernd-faerber/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bernd Färber</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/frank-buchwald/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frank Buchwald</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/malin-steitz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Malin Steitz</a>, </strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/ulrich-k-mueller/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Ulrich K. Müller</strong></a> und <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/hagen-ritschel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hagen Ritschel</a></strong>, um nur einige wenige zu nennen, die absolut herausstechen, sie tragen die Stücke mit ungeheurer Professionalität, mit Einfallsreichtum, Witz, Dramatik, Ernsthaftigkeit, mit so viel Würde, geistiger und körperlicher Präsenz, so viel Kompetenz, dass es für jeden Regisseur eine Freude sein muss, hier zu arbeiten. Man gewinnt sie lieb, sie bekommen standing-ovations bei jeder Aufführung. Sie wechseln die Dialekte, die Sprachen, die Typen, die sie spielen, sie können auf der Klaviatur der Gefühle wirklich alles ausdrücken, und schaffen es, ihre Figuren mit scheinbarer Leichtigkeit, und trotzdem Tiefe und Authentizität zu geben, eine große Kunst!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rostock lohnt sich!</strong> Das ist die einzige Empfehlung, die ich jedem Kulturinteressierten geben kann! Das Volkstheater mit seiner großen, und mit seinen kleinen Bühnen, Ateliertheater und Warnemünde, aber auch die Bühne 602, mit ihrem vielfältigen Angebot, ihren Winter- und Sommerstücken im Klostergarten und mit dem ungeheuer vielfältigen Musikangebot steht dem in nichts nach, dann gibt es noch drei Kabarettbühnen in Rostock und weitere Veranstaltungsstätten mit Schauspiel, Musik und Kunst über das ganze Jahr verteilt, einfach eine wunderbare Kulturstadt!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anja Röhl</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Foto: Volkstheater: Frederic Böhle als Tevje, großartig in Anatevka</p>
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		<title>NEIN zum Geld &#8211; in der Compagnie de Comedie in Rostock &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 22:09:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Sehr gut verdichtete, bittere Komödie der französischen Theaterautorin Flavia Coste , bei der es ums Geld geht und was es mit uns macht]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Geld spielt neuerdings täglich eine immer überraschendere Rolle. Es wird überall benötigt und überall ausgegeben, Milliarden für Panzer und Waffen, steigende Gewinne bei Millionären, Verrückte, die so viel Geld haben, dass sie sich ganze Erdteile kaufen können, und immer mehr Menschen, die so wenig Geld haben, dass sie in Abfalleimern wühlen müssen. Steigende Profite, sinkende Einkommen, Ungerechtigkeiten, Verzweiflung, alles geht ums Geld. Überall ist die Rede davon: Geld, Geld, Geld. Kürzungen im Sozialen, bei Theatern, Schwimmbädern, Kultur. Einsparungen bei Schulen, Krankenhäusern, Spielplätzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu dieser Zeit kann man in der Hafenstadt Rostock, im <strong><a href="https://compagnie-de-comedie.de/" data-type="link" data-id="https://compagnie-de-comedie.de/">Theater Compagnie de Comedie</a></strong>, in der Bühne 602, direkt am Hafen, ein Stück ansehen, das mit GELD, seiner Bedeutung und seiner Bewertung zu tun hat, und dabei vor allem sein schädliches, den menschlichen Charakter ins Schlechte veränderndes Wesen auf frappierende Weise entlarvt. Eine bittere Komödie der französischen Theaterautorin <strong><a href="https://landgraf.de/biografien/flavia-coste/" data-type="link" data-id="https://landgraf.de/biografien/flavia-coste/">Flavia Coste</a></strong>, mit dem Titel: „<strong>Nein zum Geld“,</strong> deren erstes Theaterstück nach der Uraufführung 2017 in Paris, durch eine „beneidenswerte Begabung für einen ideen- und trickreichen Handlungsaufbau, dialogische Situationskomik und genau gezeichnete Charaktere“ von sich Reden gemacht hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es beginnt harmlos, ein junger, mäßig erfolgreicher Architekt mit Frau und Baby, lädt seine Mutter und seinen besten Freund, mit dem er in einem Start-up arbeitet, zum Abendessen ein. Nachdem das Publikum die Protagonisten etwas kennengelernt hat, die Mutter ist von köstlicher Komik, sie erzählt von ihren lustigen Versuchen, Liebhaber zu treffen, über den Arbeitsfreund vermuten sie, kurz bevor er kommt, dass er schwul sei, weil man bei ihm nie eine Frau sieht, seine junge Frau, erfährt man, ist Lehrerin mit festem Gehalt, die das risikoreiche Architektur-Unternehmen der beiden haushaltsmäßig stützt, druckst er herum, er wolle etwas erzählen. Er windet sich dabei und wirkt seltsam, er wolle sein Verhalten während der letzten zwei Monate erklären, sagt er, er liebe sie alle drei und wolle seinen liebsten Menschen etwas Wichtiges mitteilen, er redet und redet, um den heißen Brei. Die anderen stutzen. Was ist passiert? Die Mutter ruft aus: Hast du einen Menschen totgefahren? Endlich soll er reden. Nun sagt er, er habe im Lotto gewonnen. Waas? Wieviel? Und es werden schließlich nur noch Zahlen gerufen: 500? 1000? 10.000? Eine Million? Immer lächelt der junge Mann und zeigt mit den Fingern nach oben. Die drei werden zunehmend nervös und springen auf. Als feststeht, dass er 167 Millionen gewonnen hat, beginnen alle zu schreien, zu brüllen, zu kreischen. Richard als einziger bleibt ruhig, lächelt… Ihr habt vergessen, zu Ende zuzuhören, sagt er, ich habe den Preis nicht angenommen. Die anderen erstarren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von hier aus entspinnt sich ein köstliches Feuerwerk spannender Dialoge und Szenen, diese sind voller Überraschungen und Dramatik. Dabei stimmt alles: Dramatisch perfekt verdichtet, spannende, ungeheuer gut passende Dialoge voller Authentizität und Lebendigkeit, unglaubliche Situationskomik und dabei mit tiefernster, wertvoller Botschaft und super gespielt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Besondere, das Publikum kann sich sehr in die drei Erstaunten, Erbosten und zunehmend Entsetzen einfühlen! Denen ist bald jeder Appetit vergangen, die wollen kein Fest mehr feiern, sie haben keine ruhige Minute mehr, und vor Wut auf den Mann, der den Gewinn ablehnen will, geraten sie immer mehr in Raserei. Richard, die Hauptperson, der immer wieder betont, er habe das aus Liebe zu ihnen gemacht, wird dabei zunehmend als verspinnert, verblendet und verrückt wahrgenommen, er gerät ins Abseits. Er beteuert: Ich habe mir alle Lottogewinner der letzten 30 Jahre angeschaut, sie sind alle wahnsinnig geworden, ich will nicht, dass ihr so werdet! Blödsinn, sagt die Mutter, nachdem sie sich von einem Anfall erholt hat: Du hättest an Wohltätigkeitsorganisationen spenden können! Unsere Firma sanieren, sagt der Freund, dem Kind eine gute Schule ermöglichen, sagt die Frau. Und wütend finden alle drei: Keiner lehnt sowas ab!!! <em>„Früher war Geld nur ein Tauschmittel, heute verleiht Geld Macht über alle Menschen. Ich will das nicht! Nicht für mich und nicht für euch! Weil ich euch liebe!“</em> Richard bleibt auch dann stark, als sich herausstellt, dass noch drei Stunden bleiben, um den Schein doch noch einzulösen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man denkt, diese Story ist einfach, aber das ist sie nicht, denn in ihr wickelt sich eine böse Methapher ab, etwas passiert, was genau dem entspricht, was Richard voraussah. Es gibt am Ende keine Freundschaft mehr. Und das Publikum wird mitgerissen, zuerst im Lachen, dann im entsetzten Erkennen einer der bittersten Realitäten unserer Zeit. Das kleine Kammerspiel mit vier Spielern ist ein echtes Highlight und unbedingt zu empfehlen! Nach Hause geht man mit Zwerchfellmuskelkater durchs Lachen und einer erfrischend deutlichen Erkenntnisklarheit über das Wesen des Geldes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der letzten Szene hält das Premierenpublikum zunächst inne, denn der Schluss ist allzu überraschend, aber dann gibt es Standing ovations, immer wieder müssen die Spieler auf die Bühne. Das Publikum nimmt das Stück nun nicht mehr als einfaches Mittelstandsdrama, sondern als Lehre, als Bild über den Wahnsinn unserer Zeit wahr, denn es hat etwas Seltsames erlebt, man konnte sich einfühlen in die drei Menschen, denen plötzlich 167 Millionen über alles gingen. Man hat verstanden, warum sie auf ihren Freund wütend waren, sich von ihm hintergangen fühlten, ihre Freundschaft sich verabschiedet hat. Dabei ist die Besetzung, in der Compagnie de Comedie, die im Sommer eines der besten Freilufttheater Deutschlands im Rostocker Klostergarten anbietet, bestens: Die beiden männlichen Schauspieler, Marcus Müller, der den Richard so herrlich hibbelig, verplant und naiv spielt und Peer Roggendorf, der hier erstaunlich ruhig den typischen Franzosen gibt, geben ihre Figuren super passend, ebenso auch die beiden Frauen Angela Schlabinger als Mutter und Lydia Wilke, als Richards Frau Claire, die mit ungeheuer viel Witz und Echtheit ihre Figuren spielen.  Alle sind dabei sehr aufgeregt, temperamentvoll, aber durchaus dem Gegenstand angemessen, denn, ehrlich gesagt, wem ginge es nicht so, dass er ausrasten würde, wenn ein enger Freund, Mann oder Sohn 167 Millionen gewinnen würde? Die Gefühle der drei sind keineswegs übertrieben, sondern realitätsnah und authentisch getroffen, es geht ja nicht um 100 oder 1000 Euro. Man kann ihnen lange folgen und gefühlsmäßig mitgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und als dann alles kippt, da wird plötzlich das Stück zur politischen Parabel. Aus dem privaten Kammerspiel wird Ernst. Etwas, was uns alle angeht. Da wird einem klar, es geht nicht mehr nur um den Gewinn des Richard und die Verzweiflung seiner Liebsten, es geht &nbsp;um die Menschheit und ihren Fortbestand, um das, was Geld mit uns macht. Und das letzte Lachen bleibt einem schmerzhaft im Halse stecken. &nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unbedingt hingehen, lohnt sich. Nicht abhalten lassen. Es gab ungeheuren Applaus bei der Premiere, als die Hände müde wurde, wurde getrampelt. Das Publikum war mehr als amüsiert, es war bewegt worden. Großartig! &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Reservierungen: 0381/ 203 60 84<br>Kartenvorverkauf in der BÜHNE 602<br>Warnowufer 55, 18057 Rostock<br>Mo – Fr von 10:00 – 12:00 Uhr<br>Fr von 14:00 – 18:00 Uhr<br>(Keine Kartenzahlung möglich)</p>



<p class="wp-block-paragraph">oder Online:<br><a href="http://www.mvticket.de/b602shop">http://www.mvticket.de/b602shop</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">NEIN ZUM GELD!<br>Komödie von Flavia Coste<br>Aus dem Französischen von Michael Raab<br>Regie: Angelika Zacek<br>Mit ANGELA SCHLABINGER, LYDIA WILKE, MARCUS MÖLLER und PEER ROGGENDORF</p>
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		<title>Don Quijote im Volkstheater Rostock &#8211; etwas vergaloppiert &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2026 06:28:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Don Quijote in Rostock - Bis auf Malin Steitz als Sancho, im Ganzen etwas wenig überzeugend ]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Komödie von Peter Jordan / Sehr frei nach Miguel de Cervantes</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon länger läuft in Rostock das Stück Don Quijote in einer freien bearbeitung von Peter Jordan im Ateliertheater der großen Bühne. Sancho Panza tritt dort als Clown auf und will von seinem Herrn weg, weil ihm der ein Fall für den Psychiater zu sein scheint. Mit wunderbarer Körpersprache gewinnt hier Malin Steitz zunächst die Herzen der Zuschauer. Aber das Stück verliert durch eine wenig stringente Handlung und Dramaturgie, Dulcinea als auseinandernehmbares Pferd, Spanientänzerin und strenge in einer roten Phantasie-Uniform steckenden Beamtin tanzt zwar schön, wirkt aber puppenhaft künstlich und der Don als verwirrter Spinner ist nicht mal lustig, die Weltrettungsphantasie glaubt man ihm nicht.<br><br>Peter Jordan hat sich hier in seiner frei nach Cervantes-Bearbeitung des historischen Stoffes mE vergaloppiert. Die drei Spieler:innen, besonders Malin Steitz als Sancho, versuchen durch ihr wunderbar clowneskes Körperspiel alles herauszuholen, was geht, so dass man durchaus interessante Momente hat, denn sie ist eine wirklich begnadete Schauspielerin, aber im Ganzen ist es vergeblich, das Stück berührt nicht, es packt einen nicht, es verwirrt nur und besonders die Bezüge von damals zu heute wirken gewollt, wie angeklebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Ateliertehater des Volkstheaters Rostock: Inszenierung: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/simon-jensen/">Simon Jensen</a>, Bühne und Kostüme: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/isabelle-kaiser/">Isabelle Kaiser</a>, Dramaturgie: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/arne-bloch/">Arne Bloch</a>, Regieassistenz und Inspizienz: Karla Prager, Spielende: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/hagen-ritschel/">Hagen Ritschel</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/malin-steitz/">Malin Steitz</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/anouk-warter/">Anouk Warter</a></p>
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		<title>Volpone oder der Fuchs im Volkstheater Rostock</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Feb 2026 09:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Volpone im Rostocker Theater: Tolle Komödie mit 400 Jahre alter Kritik an der Anbetung des Mammons und menschlicher Abgründe]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Was passiert, wenn man reich ist, umgeben von feinen Freunden, und man plötzlich sterbenskrank wird und jeder dieser Freunde plötzlich nur noch an das Geld denkt, dass man möglicherweise erben könnte? Ein uralter Theaterstoff. Besonders, wenn derjenige, über dessen Besitz die Aasgeier herfallen, noch am Leben ist und alles miterleben muss, wie King Lear zum Beispiel oder andere. Das Stück eines Shakespeare-Zeitgenossen, des zu Unrecht vergessenen Dichters Ben Johnson (1562), hat dieses Thema sehr originell aufbereitet und die Regisseurin Jule Kracht hat diesen Stoff in einer superben Besetzung am Volkstheater Rostock grandios inszeniert. Da stimmt wirklich alles, jeder Witz sitzt, jede Geste, jedes Minenspiel. Und  alles dreht sich um die uralte Geißel der Menschheit, das Geld und seine ungeheure Macht, die über Leichen geht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hauptperson, der reiche Volpone, als Fuchs charakterisiert, gibt vor, sterbenskrank zu sein, und muss erleben, wie aus Freunden plötzlich habgierige Raubvögel werden, die auf sein Erbe schielen. Sie überhäufen ihn mit großzügigen Geschenken, schmeicheln ihm, tun so, als wären sie um seine Gesundheit besorgt, aber werden durch einen Trick, den sich Volpone und sein Diener Moska ausgedacht haben, auf entlarvende Weise an der Nase herumgeführt.  Während des Spiels im Spiel verwandeln sich Menschen in fabelartige Tiere, was ihren Charakter noch deutlicher sichtbar macht. Die Hauptperson ist der Fuchs, (sehr gut gegeben von Hagen Ritschel), sein Diener Mosca ist einer Schmeißfliege nachempfunden, die sich jedem Dreck anhaftet, man behält sie noch lange im Gedächtnis! Sie wiegt jeden der &#8222;Freunde&#8220; des angeblich sterbenden Hausherrn in dem Glauben, dass derjenige nun schon als Hauptbegünstigter ausgewählt wurde, macht Hoffnungen, kassiert Geschenke ein, verspricht, umschmeichelt, stachelt die Gier der Bewerber immer mehr an, wunderbar verschlagen und galant, mit starkem Körpereinsatz, gespielt, ein großes Bravo für Katharina Paul.  Der Charakter einer Schmeißfliege, die alles für seinen Herrn und dessen Vorteil zu tun bereit ist, und sich dabei an jeden anderen ebenso manipulativ anschmeicheln kann, ist wunderbar getroffen. Und auch die  Erbschleicher und betrogenen Betrüger Voltore (Geier), super durch Ulrich K. Müller gespielt, Corbaccio (Rabe), perfekt durch den Charakterdarsteller Frank Buchwald, und Corvino (Krähe), durch Joshua Walton gegeben, wurden mit viel Leidenschaft, Können und echtem Engagement gespielt. Auch die Kostüme waren wunderbar originell konzipiert, mein besonderes Lob geht dabei auch an die Kostümbildnerin Nora Lau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während nun diese &#8222;Vögel&#8220; alle moralischen Prinzipien aufgeben, haben Volpone und sein Diener Mosca auch viel Spaß. Am Ausplündern und auch an der ungeheuren Macht, die das Geld verleiht. Rabe, Geier, Krähe, Fuchs, Fliege, wunderbar gut getroffene Typen von Raffgier. Am Ende verheddern sich alle im Netz der ausgespannten Lügen und Versprechungen und keiner &#8222;kann mehr vor seinen eigenen Begierden sicher sein&#8220;, wie es im Programmheft dazu heißt. Der Trick, den sich das Betrügerpaar Volpone und Mosca ausgedacht hat, wendet sich am Ende gegen sie selbst, lässt am Ende alle kläglich scheitern. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine starke Botschaft gegen die Grundfesten, auch unseres heutigen Wirtschaftssystems, des kapitalistischen, dem angeblichen Sieger in der Geschichte, wo alles nur auf das schiere Anhäufen von Geld, Macht und Besitz ankommt, und das Menschliche auf der Strecke bleibt. Das Stück hält so, auch 400 Jahre nach seiner Uraufführung noch immer der Gesellschaft den Spiegel vor, ist die Idee des Anhäufens von Geld und Macht doch offenbar auch heute noch aktueller als je!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine tolle Idee, sehr gute Umsetzung am Rostock Volkstheater, großes Lob an Jule Kracht! Leider viel zu früh abgespielt! </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hintergrund: </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Stück Volpone ist ein satirisches Stück von Ben Jonson aus dem Jahr 1606. Dieser war einer der bedeutendste Dichter der Renaissance. Der nur 8 Jahre jüngere Benjamin Johnson, überlebte Wiliam Shakespeare, zu dem er einen berühmten Nekrolog geschrieben hat, um mehr als 21 Jahre und sah sich stets eher als einen Gelehrten an, dem griechische und römische Vorbilder heilig waren und der neben Dramen vor allem Lyrik hinterließ, legte großen Wert auf eine Klarheit der Form und Schlichtheit des Ausdrucks. Dadurch trug er maßgeblich zu der Entstehung des Ideals eines schlichten Stils <em>(plain style)</em> bei. Ausgehend von der römischen Komödie begründete er eine neue Form der satirischen Sittenkomödie, die bis in das 18. Jahrhundert bestehen blieb. In seinem wichtigsten Stück Volpone kritisiert er menschliche Gier und Täuschung. Es erzählt die Geschichte von Volpone, einem Venezianer, der seinen eigenen Tod vortäuscht, um gierige Anwärter mit Hilfe seines Dieners Mosca um ihr Geld zu betrügen. Durch ihre Machenschaften satirisiert das Stück die korrupten Bürger Venedigs und deren Besessenheit mit Geld und Überfluss. Am Ende führt Volpones Mangel an Selbstbeherrschung dazu, dass er von Mosca überlistet wird. Er wird ins Gefängnis geschickt, während die gierigen Anwärter öffentlich gedemütigt werden. Das Stück gilt als eines von Benjamin Jonsons besten Werken und bleibt eines der besten Beispiele für die Jakobäische Komödie.</p>
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