<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Vermischtes, Politik &#8211; Anja Röhl</title>
	<atom:link href="https://anjaroehl.de/category/vermischtes-roehl/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://anjaroehl.de</link>
	<description>Autorin</description>
	<lastBuildDate>Thu, 05 Aug 2021 07:27:04 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/02/cropped-ChatGPT-Image-14.-Feb.-2026-20_57_57-32x32.png</url>
	<title>Vermischtes, Politik &#8211; Anja Röhl</title>
	<link>https://anjaroehl.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Ist Würde antastbar?</title>
		<link>https://anjaroehl.de/ist-wuerde-antastbar/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/ist-wuerde-antastbar/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Apr 2019 20:54:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=4746</guid>

					<description><![CDATA[Neuerdings sieht man Werbeplakate mit dem Titel: Würde ist unantastbar! Es ist gut, dass dieser oberste Verfassungsgrundsatz auf Werbeplakaten gedruckt wird, jedoch Würde wird in der Praxis andauernd verletzt. Die Würde aller HarzIV- Empfänger wird durch ein System von Abhängigkeit und Kontrolle so verletzt, dass keine Menschenrechte mehr wahrgenommen werden können. Die Würde aller Alten...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Neuerdings sieht man Werbeplakate mit dem Titel: Würde ist unantastbar!</b></p>
<p><strong style="color: initial;">Es ist gut, dass dieser oberste Verfassungsgrundsatz auf Werbeplakaten gedruckt wird, jedoch Würde wird in der Praxis andauernd verletzt.</strong></p>
<p><strong>Die Würde aller HarzIV- Empfänger</strong> wird durch ein System von Abhängigkeit und Kontrolle so verletzt, dass keine Menschenrechte mehr wahrgenommen werden können.</p>
<p><strong>Die Würde aller Alten und Kranken</strong> wird verletzt, weil die Sozialsysteme Krankenhaus und Altenheime „wirtschaftlich“, also profitorientiert arbeiten sollen. Somit werden die Betroffenen zu Waren. Profitorientierung in der Pflege und in der Krankenbetreuung führt dazu, darüber nachzudenken, welche Handlungen sich noch „lohnen“, das ist unmenschlich.</p>
<p><strong>Die Würde aller Kinder</strong> wird verletzt, indem zunehmend Massenkitas gebaut werden, wo unterbezahlte, schlecht oder einfach zu billig ausgebildete Menschen mit viel zu großen Kindergruppen (12 gleichaltrige Kleinkinder auf eine Erzieherin) arbeiten müssen. In Dänemark kommt eine Erzieherin auf 4 Kinder, das wäre menschenwürdig! Die Würde von Kindern wird auch verletzt, da sie zu Millionen, ohne dass sie dafür können, in Armut und Demütigung aufwachsen müssen.</p>
<p><strong>Die Würde aller Behinderten</strong> wird verletzt durch zahllose äußere Behinderungen, immer noch vorhandene Diskriminierung, sowie alle möglichen Reglementierungen und die Unmöglichkeit als Behinderter Geld zu verdienen und trotzdem Hilfe zur Assistenz zu erhalten.</p>
<p><strong>Die Würde von Kritikern des Staates</strong> wird verletzt, weil man sie als „linke Chaoten“ denunziert und vom Verfassungsschutz beobachten, sowie von der Polizei zusammenprügeln lässt, sie werden in der Boulevardpresse durch gezielte Kampagnen so verunglimpft und öffentlich rufgemordet, dass oft ihre Lebensläufe zerstört werden und sich so die dringend notwendige gesellschaftliche Kritik nicht mehr äußern kann. In Folge breitet sich neuerdings eine rechte Art von Staatskritik aus, dem sich zunehmend Verzweifelte anschließen.</p>
<p><strong>Die Würde der arbeitenden Menschen</strong> wird verletzt, weil man ihre Lebensleistung verunglimpft, da man die Rentenbeiträge so niedrig zusammengekürzt hat und viel zu spät ausbezahlt, so dass die, die am schwersten gearbeitet haben, oft nicht mehr bekommen als die, die nie gearbeitet haben.<span class="Apple-converted-space"> Die Würde alle arbeitenden Menschen wird aber auch verletzt dadurch, dass ihre Arbeitsbedingungen und die Aneignung, Bestimmung und Verwendung ihrer gesellschaftlichen Produkte von Ausbeutern zu ihren eigenen Zwecken bestimmt und genutzt werden, die egoistisch und profitorientiert sind und nicht dem Gemeinwohl nützen.</span></p>
<p><strong>Die Würde derjenigen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind,</strong> weil sie psychisch traumatisierte, geschwächte, oder der entfremdeten Arbeit auf lange Sicht nicht gewachsene Menschen sind, und sie zwar gut eine befriedigende und sie interessierende Arbeit leisten könnten, aber keine entfremdete mehr, wird dadurch verletzt, dass man ihr eigenes Selbstbildnis zerstört und sie zu Schmarotzern erklärt und sie zu Hunderttausenden außerhalb der Gesellschaft stellt und wie Hunde behandelt, indem sie durch schwere Sanktionen bestraft und reglementiert.</p>
<p><strong>Die Würde alleinerziehender Mütter</strong> wird verletzt, indem man sie mit der gesellschaftlichen Erziehung, die von ihnen verlangt, sich 24 Stunden am Tag zurückzustellen, allein lässt und Ihnen das Gefühl gibt, dass es Privatsache sei, für die kommenden Generationen zu sorgen.</p>
<p><strong>Die Würde der psychisch kranken Menschen</strong> wird verletzt, indem man ihnen weniger bis gar nicht die Gelegenheit gibt, ihre Probleme aufzuklären und durchzuarbeiten, sondern sie stattdessen an die Pharmaindustrie verkauft und sie mit betäubenden Mitteln eindeckt, die billiger sind, Profit abwerfen und sie künstlich zu willig-stumpfen Menschen macht.</p>
<p><strong>Die Würde der DDR- Bürger</strong> wurde 1989 und wird bis heute verletzt, indem man ihnen keine Gelegenheit ließ, ihren souveränen, auch international anerkannten Staat zu verbessern und zu bewahren, sondern man ihnen ein System von Skrupellosigkeit und Besetzung aufdrängte, Ihnen Ihr Volksvermögen stahl und sie in Lebensverhältnisse zwang, die ihnen demütigend, rückschrittlich und fremd waren. Dazu denunzierte man ihre Gesellschaft als „zweite Diktatur“ und setzte sie somit der Nazizeit gleich. Jeder einzelne von ihnen erlebt seither täglich Demütigungen und Verletzungen der Würde, wenn es um die vergangene Geschichte des Staates geht, in dem sie gelebt, gewirkt und gearbeitet haben.</p>
<p><strong>Die Würde aller Menschen, die den Holocaust und den Faschismus überlebt haben</strong>, wird ständig verletzt, dadurch, dass sie und ihre Familien und Freunde von 1945 an bis heute immer noch und schon wieder als Staatsfeinde behandelt werden, Verboten und Lebenserschwernissen ausgesetzt sind und ihre Erinnerungen an die staatlich angeordneten Menschheits-Verbrechen öffentlich angezweifelt, kleingeredet und totgeschwiegen werden, und ihre organisationen (VVN) als linksradikal gelten und vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Ganz abgesehen von dem Skandal, dass Zahllose von den Täterinstitutionen, heute wieder reich und mächtig geworden sind, und niemals zur Verantwortung gezogen wurden und auch nie selbst ihre Opfer, zb.  Zwangsarbeiterinnen finanziell auch nur minimal entschädigt haben.</p>
<p><strong>Die Würde aller Frauen</strong> wird verletzt, indem sie öffentlich die Rolle einer Ware bekommen, einer Gespielin des Mannes, von Beginn an zum Püppchen ausstaffiert, zum Bild gemacht, zum Schmuck erklärt, mit der Funktion, der Lust und dem Wohlgefallen, dem Prestige des Mannes zu dienen, und da mit diesem öffentlichen Bild ein entsprechender Selbstwert entsteht, nämlich der eines nur relativen Menschen, eine freie Entwicklung zu einem gleichwertigen Menschen kaum noch ungebrochen möglich ist. Die Jahrhunderte und Jahrtausende alten Strukturen patriarchaler Vorherrschaft, die eine chronische Demütigung der Frauen ausmachen, werden so nicht überwunden, sondern weiterhin, trotz vorgeblicher Gleichberechtigung zementiert.</p>
<p><span class="Apple-converted-space"><strong> Die Würde von Frauen wird durch die Erstarkung religiöser Ideologien verletzt,</strong> die auf dem Fundament der Unterdrückung von Frauen eine Unzahl an Vorschriften, Ge- und Verboten, aufgebaut sind, und in der Selbstbestimmung von Frauen, wie im Zeigen des unbedeckten weiblichen Gesichts, der Haare, der Arme und Beine von Frauen, ähnlich wie im Mittelalter, eine schwere Sünde und schuldhaftes Vergehen sehen und dieses mit schweren Verboten, zT mit dem Tod bestrafen.  Ebenso betrifft dies alle Ideologien, die Frauen, ähnlich wie Sklaven, zum Eigentum von Männern oder zur käuflichen Ware erklären.<br />
</span></p>
<p><strong>Die Würde von Menschen in den Ländern, in denen unsere Industrie Milliardengeschäfte mit Waffen macht,</strong> werden verletzt, wenn aus Machtinteresse und Geschäftemacherei an ihren Verletzungen und Häuserzerstörungen und von ihren Todesfällen profitiert wird und sie dann, als Opfer dieser Kriege, an der Flucht aus diesen Ländern gewalttätig gehindert und im Mittelmeer versenkt werden. Ebenso, wenn ihnen, falls ihnen eine Flucht gelingt, hierzulande Rassismus entgegen gebracht wird.</p>
<p><strong>Aus all den Menschen, deren Würde verletzt wird, wird eine Armee heranwachsen, die entweder, wenn Sie Hoffnung und Kraft bekommt, die Gesellschaft zum Guten hin umkrempeln könnte, oder die, wenn sich niemand um ihre Belange kümmert, zerstörerisch auf die jetzige Gesellschaft einwirken wird. </strong></p>
<p>Denn noch nie in der Geschichte haben sich Menschen auf Dauer gefallen lassen, dass ihre Würde zerstört wird. Das hat Karl Marx durch umfangreiche historische Studien nachgewiesen. Es entstehen daraus gewaltige Kräfte, die schon ganze Weltreiche hinweggefegt haben.</p>
<p><strong>Gelingt es uns also, alle Menschen, deren Würde verletzt wird, zu vereinen, </strong>Ihnen Aufmerksamkeit zu widmen, sich für ihre Belange zu interessieren, Ihnen Mut zu machen, gemeinsam Projekte zu entwickeln, die zeigen, dass sie etwas bewirken können, dann kann man etwas zum Positiven verändern. Gelingt das nicht, wird sich die Kraft der Verletzten und Entwürdigten, der Erniedrigten und Beleidigten entladen und zwar zerstörerisch und meist auch festhaltend an vermeintlich stärkeren, skrupelloseren Ideologien, die ihnen Hilfe versprechen.</p>
<p><strong>Ich sehe viele Menschen in Deutschland, die an vielen Stellen etwas dagegen tun, das Würde zerstört wird. Diese Handlungen können zusammen eine große Wirkung entfalten, um die zerstörenden Strukturen einzudämmen.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/ist-wuerde-antastbar/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Legalisierter sexueller Missbrauch &#8211; Was vom Menschen übrig bleibt &#8211; Rachel Moran &#8211; Rezension</title>
		<link>https://anjaroehl.de/was-vom-menschen-ubrig-bleibt-die-wahrheit-uber-prostitution/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/was-vom-menschen-ubrig-bleibt-die-wahrheit-uber-prostitution/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Dec 2015 19:40:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=4004</guid>

					<description><![CDATA[jw / 27.11.15 Rachel Moran war in ihrer Zeit in der Prostitution der vollen Überzeugung, sie tue es freiwillig und sei kein Opfer, sondern eine stolze, selbstbewusste Frau. Trotzdem hat sie immer gewusst, dass diese Lebensweise eine des Hasses und der Gewalt war. Heute ist die Irin Journalistin. In ihrem Buch »Was vom Menschen übrig...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>jw / 27.11.15</em></p>
<p><strong>Rachel Moran war in ihrer Zeit in der Prostitution der vollen Überzeugung, sie tue es freiwillig und sei kein Opfer, sondern eine stolze, selbstbewusste Frau. Trotzdem hat sie immer gewusst, dass diese Lebensweise eine des Hasses und der Gewalt war. Heute ist die Irin Journalistin. In ihrem Buch »Was vom Menschen übrig bleibt« schildert sie, wie sie in dieses Milieu hineingeriet – und wendet sich gegen die Legalisierung des »Gewerbes«.</strong></p>
<p>Moran kam aus einer dysfunktionale Familie. Die Mutter hatte fünf Kinder, war medikamentenabhängig, psychisch krank und bettelarm. Frühe Erfahrungen mit Gewalt und Ausgegrenztsein. Mit 14 haut sie von zu Hause ab, schlägt sich als Straßenkind durch. Packend beschreibt sie, dass Obdachlosigkeit nicht nur kein Bett, keine Wohnung, kein Essen bedeutet, sondern aus tausenderlei weiteren »Keins« besteht. Sie sei Prostitutierte geworden, um der Armut zu entrinnen und wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Es war ein folgerichtiger Schritt für sie. Sie kannte sich in dieser von Hoffnungslosigkeit geprägten Welt aus, nährte in sich denselben Hass auf die Bessergestellten. Aber sie brauchte nun nicht mehr zu betteln. Das erfüllte sie mit Stolz und Genugtuung. So hat sie diesen Lebensstil (Moran verwendet niemals den Begriff »Beruf«) als den ihren angenommen. Ihr Gefühl aber sagte ihr, dass es für sie und ihresgleichen gar keine wirkliche Wahl gab.</p>
<p><strong>Lebensgefahr</strong></p>
<p>Rachel Moran erzählt von ihrem Leben in der Prostitution schonungslos und ehrlich. Lange Jahre glaubt sie, die Bedingungen dort selbst und frei bestimmen zu können. Sie redet sich ein, wenn sie sich nicht auf Geschlechtsverkehr einließe, könne sie es aushalten. Aber schon bald und immer wieder erlebt sie Situationen, die sie nicht unter Kontrolle hat, in denen es den »Kunden« gelingt, vorher ausgemachte Regeln gewaltsam zu brechen. Nicht selten gerät sie dabei in Lebensgefahr. Das Besondere an Morans Buch sind ihre Geschichten aus dem Milieu. So berichtet sie von einer Freundin, die von einem auf den anderen Tag verrückt geworden ist, nachdem sie sich auf ein »Gruppenangebot« eingelassen hat, das in Wirklichkeit nichts anderes als eine Massenvergewaltigung war.</p>
<p><strong>Es bestimmt der Freier</strong></p>
<p>In der Welt der Prostitution, wie Moran sie beschreibt, ist der Berufsgedanke die Idee, die den Frauen Selbstachtung und Anerkennung geben soll. Das funktioniert aber nur nach außen, und nur, solange sich sie sich nicht in der erniedrigenden Situation selbst befinden. Denn darin bestimmt letztlich der Freier, was angenehm und erfüllend ist – für ihn. Nicht eine ihrer Freundinnen, schreibt Moran, habe nach dem Akt nicht mit Ekel und Abscheu von ihren Freiern gesprochen. Das aber darf nicht ruchbar werden, denn die Männer sollen schließlich glauben, die Frau mache es gern. Nirgends wurde der Gegensatz zwischen der Behauptung, dass dieser Lebensstil »Beruf« sei, und der Realität besser beschrieben als in diesem Buch. Sie nimmt sich dabei selbst als Zeugin. Sie spricht nicht als Sozialarbeiterin über Menschen, deren Lebensumstände sie nur aus Büchern kennt. Sie spricht aus dem inner circle einer „anderen Welt, in der die Verhaltensweise sich zu prostituieren die einzig denkbare Lebensformel ist“.</p>
<p><strong>Das Gewalttätige wird ubiquitär</strong></p>
<p>Zugleich macht Moran klar, dass sich die Ideologie des erlaubten Kaufens von Körperteilen und intimen Handlungen nachweislich auch auf das allgemeine Frauenbild auswirkt: Es wird sexistischer. Die zur »Dienstleistung« erklärten Handlungen werden nun auch von den geliebten Frauen zuhause verlangt. Das Gewalttätig-Fordernde wird ubiquitär.</p>
<p><strong>Wir hatten keinen Anspruch darauf, von Missbrauch zu sprechen</strong></p>
<p>Moran beschreibt, wie sich sie und ihre Freundinnen ihre Erlebnisse immer und immer wieder in der Sprache von Missbrauchsopfern erzählten: &#8222;Wenn wir über die sexuellen Handlungen sprachen, die unseren Körpern aufgezwungen wurden, verwendeten wir Ausdrücke wie „abartig“, „abscheulich“, „ekelerregend“, „abstoßend“ und „widerlich“.&nbsp; In Bezug auf besonders grausame ­Kunden benutzten wir für gewöhnlich Ausdrücke wie „Bastard“, „Drecksack“, „Dreckschwein“ und „dreckiges Tier“.&nbsp; Diese Wörter habe sie von zahllosen Frauen gehört. Doch in all dem anschaulichen Vokabular habe sie einen Ausdruck selten gehört, und zwar: Missbrauch. Warum nicht?&nbsp; &#8222;Wir hatten von „Berufs“ wegen keinen Anspruch darauf, von Missbrauch zu sprechen&#8220;.</p>
<p><strong>Man willigt ein</strong></p>
<p>Das kommt daher: &#8222;Man willigt ein und akzeptiert ein Entgelt für den sexuellen Missbrauch am eigenen Körper. Man durchlebt all die negativen Gefühle, die mit sexuellem Missbrauch einhergehen, aber weil man eingewilligt hat, hat man sich praktisch selbst geknebelt. Man hat im wahrsten Sinne des Wortes sein Recht darauf verwirkt, seiner eigenen Sichtweise Ausdruck zu geben.&#8220;</p>
<p><strong>Moran kämpft heute als Autorin und Bloggerin gegen die Verharmlosung und Legalisierung der Prostitution. Zugleich ist sie Europakoordinatorin der Organisation »Survivors of Prostitution-Abuse Calling for Enlightenment« (Überlebende von Prostitutionsmissbrauch für Aufklärung), kurz SPACE.</strong></p>
<p><strong>Rachel Moran: Was vom Menschen übrig bleibt. Die Wahrheit über Prostitution. Tectum Verlag, Marburg 2015, 380 S., 17,95 Euro</strong></p>
<p><strong>Am 4./5. Dezember fand in München (Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24) die Fachtagung »Stop Sexkauf« statt, veranstaltet von dem gleichnamigen Netzwerk und dem Münchner Verein Kofra. Programm: </strong><a href="http://kurzlink.de/stopsexkauf"><strong>http://kurzlink.de/stopsexkauf</strong></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/was-vom-menschen-ubrig-bleibt-die-wahrheit-uber-prostitution/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reinhard Lauterbach zur Situation in der Ukraine</title>
		<link>https://anjaroehl.de/reinhard-lauterbach-zur-situation-in-der-ukraine/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/reinhard-lauterbach-zur-situation-in-der-ukraine/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2014 16:55:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=3682</guid>

					<description><![CDATA[UKRAINE IM KRIEG GESPRÄCH MIT REINHARD LAUTERBACH Am Nachmittag des 16. August versammelten sich im Begegnungszentrum der Linkspartei Stralsund mehr als 40 Interessierte aller Altersgruppen, um Reinhard Lauterbach zu hören. Einige waren extra aus Rostock, Schwerin und Berlin-Spandau gekommen. Lauterbach, ausgewiesener Kenner der ost­europäischen Völker und ihrer Sprachen, arbeitet seit über 25 Jahren als Journalist...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>UKRAINE IM KRIEG</strong><br />
GESPRÄCH MIT REINHARD LAUTERBACH</p>
<p>Am Nachmittag des 16. August versammelten sich im Begegnungszentrum der Linkspartei Stralsund mehr als 40 Interessierte aller Altersgruppen, um Reinhard Lauterbach zu hören. Einige waren extra aus Rostock, Schwerin und Berlin-Spandau gekommen. Lauterbach, ausgewiesener Kenner der ost­europäischen Völker und ihrer Sprachen, arbeitet seit über 25 Jahren als Journalist und Korrespon­dent für Osteuropa. Er lebt in Poznan. Viele verfol­gen täglich seine Reportagen, Kommentare und Berichte aus der Ukraine und zum mo­mentanen Kriegsgeschehen.</p>
<p><strong>Große, aktuelle Kriegsgefahr</strong></p>
<p>Dr. Marianne Linke, die Kreisvorsitzende der Linkspartei Stralsund, eröffnete die Ver­sammlung mit der Erinnerung an den Beginn des ersten und des zweiten Weltkriegs. Be­reits die diesjährigen Sommer­filmtage der Stralsunder Linkspartei waren diesen Ereignis­sen gewidmet. Sie stellte die große aktu­elle Kriegsgefahr heraus und verwies auf die ein­seitige, Konflikt anheizende Berichterstattung vieler Massenmedien. Um hier ein Gegenge­wicht zu setzen, sei Reinhard Lauterbach, ein kenntnisrei­cher und unabhängiger Journa­list, eingeladen worden.</p>
<p><strong>Er zitierte Menschen vor Ort</strong></p>
<p>Reinhard Lauterbach charakterisierte zunächst die aktuelle, dynamisch-angespannte Lage und stellte ausführlich seine Quellen vor: Internetseiten der verschiedensten engli­schen, US-amerikani­schen, russischen, ukrainischen, polnischen und griechischen Repor­ter und Konfliktparteien sowie ei­gene Reisen in der Region. Er zitierte Menschen vor Ort, aus Interviews, aus Berichten und Filmen. Er beschrieb, wie er täglich die Informationen der Aufständischen mit denen Kiews und Russlands abgleicht, seine Wissensfülle ist gi­gantisch.</p>
<p><strong>Bemerkenswerte Asymmetrien</strong></p>
<p>Sein Fazit: Es sei ein Krieg im Gange, der durch bemerkenswerte Asymmetrien ge­kennzeichnet sei. Auf Seiten der ukrainischen Armee und hier vor allem bei den zwangs­mobilisierten Wehrpflichtigen kombiniere sich eine erdrückende waffentechni­sche Überle­genheit mit verbreiteten Zweifeln am Sinn und an der Berechtigung dieses Krieges, wäh­rend bei den Aufständischen, die auch durch russische Freiwillige unterstützt werden, eine unterlege­ne Bewaffnung mit Widerstandswillen und hoher Motivation ausgeglichen werde.</p>
<p><strong>Eigene Kinder in den Krieg?</strong></p>
<p>Im Hinterland der Ukraine entwickele sich zudem eine Art Gerechtigkeitsdebatte: Warum schicken die Politiker nicht ihre eigenen Kinder in den Krieg? Charakteristisch sei, dass in­zwischen die große Mehrheit der Einberufungsbescheide einfach ignoriert werde.</p>
<p><strong>30 russische Provokateure verschwunden</strong></p>
<p>Zum Massenmord im Gewerkschaftshaus in Odessa schilderte Lauterbach die eklatanten Wider­sprüche, in die sich die ukrainischen Machthaber verwickelten. Zunächst hieß es, das Ganze sei durch 30 russische Provokateure inszeniert worden, die dann auch alle ih­ren verdienten Tod gefunden hät­ten. Nachdem die Leichen jedoch als Ortsansässige iden­tifiziert wurden, lautete die nächste Version: Genau diesen 30 russischen Provokateuren sei die Flucht aus dem brennenden Haus gelungen. In der Bevölkerung wird das sarkas­tisch als „Das Wunder der Auferstehung der Verdächtigen“ kommentiert.</p>
<p><strong>Das Wesen des Ukrainischen Nationalbewusstseins</strong></p>
<p>Abschließend gab Reinhard Lauterbach einen verdichteten Überblick über die Entste­hung des ukrainischen Nationalbewusstseins im Gefolge der russisch-u­krainisch-deutschen Geschichte seit der ersten polnischen Teilung, erklärte die zwiespältige Rolle Po­lens, erhellte die blutige Kollaboration der ukrainischen Nationalisten mit der deutschen Wehrmacht und SS im zweiten Weltkrieg und die Verherrlichung gerade dieser Mordgehil­fen durch die jetzigen Kiewer Regierungsparteien.</p>
<p>All das war nicht nur ungeheuer spannend und lehrreich, es war auch präzise, differen­ziert, bestens belegt und begründet. Viele Fragen wurden gestellt, auf die Reinhard Lau­terbach dezidiert und ausführlich antwortete. Nach Veranstaltungsschluss wurde noch lange weiter diskutiert. <em><strong></strong></em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/reinhard-lauterbach-zur-situation-in-der-ukraine/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Prostitution, ein deutscher Skandal    &#8211;    Buchrezension</title>
		<link>https://anjaroehl.de/prostitution-ein-deutscher-skandal-buchrezension/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/prostitution-ein-deutscher-skandal-buchrezension/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jul 2014 10:24:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=3600</guid>

					<description><![CDATA[Alice Schwarzer ist bei Männerbünden verhaßt, bei Linken umstritten. Der von ihr Ende 2013 initiierte und von vielen Prominenten unterzeichnete »Appell gegen Prostitution« hat heftige Kritik ausgelöst. Darin wird unter anderem die »Ächtung und, wenn nötig, auch Bestrafung der Freier, also der Frauenkäufer« gefordert. Ich habe mir das von Schwarzer herausgegebene Buch »Prostitution – ein...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Alice Schwarzer ist bei Männerbünden verhaßt, bei Linken umstritten. Der von ihr Ende 2013 initiierte und von vielen Prominenten unterzeichnete »Appell gegen Prostitution« hat heftige Kritik ausgelöst. Darin wird unter anderem die »Ächtung und, wenn nötig, auch Bestrafung der Freier, also der Frauenkäufer« gefordert. Ich habe mir das von Schwarzer herausgegebene Buch »Prostitution – ein deutscher Skandal« angesehen und festgestellt, daß es sich vor allem mit Beweisführung beschäftigt.</strong></p>
<p>Der Versuch, mit dem 2002 in Kraft getretenen Prostitutionsgesetz die Arbeitsbedingungen der in der Branche Tätigen zu verbessern, ist, so die Ausgangsthese, kläglich gescheitert.</p>
<p>Wie es dazu kam, ergründen im Buch zehn Autorinnen und ein Autor in 27 Reportagen. Alle Begründungen werden durch Selbstauskünfte Betroffener belegt. Alle Autorinnen haben mit Prostituierten gesprochen, sich als Arbeitsuchende in Flatratebordells ausgegeben, Interviews mit Freiern geführt, sich in asiatischen Prostitutionsurlaubshotels eingebucht. Sie haben die abseitigsten Stätten besucht, beobachtet, fotografiert, aufgeschrieben. Bei den Frauen im Gewerbe war von Freiwilligkeit nie die Rede, aber viel von Elend und Not. Von Druck durch den Freund, von Geldsorgen, von Ekel, Angst, Perspektivlosigkeit. Erfahrungen von Gewalt gab es immer, sehr oft auch von Demütigung und sexuellem Mißbrauch. Das Gefühl, nun wenigstens Geld dafür bekommen zu wollen.<strong></strong></p>
<p><strong>Männer, die ihnen weh taten</strong></p>
<p>Die von ihnen verlangte Feinfühligkeit im Umgang mit den Freiern empfanden die meisten als besondere Belastung. Lust und Zärtlichkeit vorzutäuschen, während sie sich in Wahrheit ekelten, die Männer ihnen weh taten und im Befehlston mit ihnen umgingen. Die alltägliche Erfahrung von Entfremdung: Sich selbst als künstlich, marionettenhaft zu erleben. Körperliche Folgen: Pilzerkrankungen, schmerzhafte Schleimhautverletzungen durch die Handlungen eines Fremden, der in der Frau einen Gegenstand sieht, den er gemietet hat, Schäden an empfindlichen Stellen, die eigentlich nur liebevoll berührt werden wollen. Das alles sei oft nur mit Alkohol, Drogen, Medikamenten auszuhalten, erzählen die Frauen. »Ich fühle mich am Abend wie ein öffentliches Klo«, sagt eine.</p>
<p><strong>Pro Tag 100 Euro Miete</strong></p>
<p>Bettina Flitner schreibt über ihre Ermittlungen in einem »Wellness-Puff«, wo die jungen Mädchen für ein Zimmer pro Tag über 100 Euro Miete zahlen müssen, während sich die Freier für 80 Euro stundenlang »vergnügen« können. Doch nicht nur die hier Ausgebeuteten, sondern sämtliche Prostituierten, die danach gefragt wurden, wünschten sich nichts sehnlicher als den Ausstieg – selbst Sexarbeiterinnen im Domina-Studio in St. Pauli.</p>
<h3>Gesetz als Bumerang</h3>
<p>Fazit: Die in Deutschland 2002 eingeführten Rechte für Prostituierte haben sich in der Praxis eigentlich nur für Bordellbesitzer, Zuhälter und Frauenhändler positiv ausgewirkt. Dagegen werden von den Frauen trotz HIV/AIDS vermehrt ungeschützter Verkehr und erniedrigende Praktiken verlangt. Sichtbar wird: Durch die Lockerung der gesetzlichen Regelungen bekamen finanzstarke Bordellbetreiber so viele Möglichkeiten zur Profitmaximierung, daß die Frauenselbstbestimmung, die durch das Gesetz gefördert werden sollte, völlig auf der Strecke geblieben ist.</p>
<p><strong>Das Gesetz wirkt als Bumerang</strong></p>
<p>Die Idee der Freiwilligkeit der Prostitution wurde von Pieke Biermann in den 80er Jahren in den gesellschaftlichen Diskurs eingebracht – mit dem Ziel des Schutzes der Frauen in der Branche vor der gesellschaftlichen Ächtung. Dies wirkt heute eher als Bumerang. Denn natürlich entspricht es eher den Wunschvorstellungen von Freiern, daß die Frauen »es« gern tun.</p>
<p><strong>Immer gegen Entfremdung gewesen</strong></p>
<p>Wir als Linke sollten hier unsere »repressive Toleranz« (Herbert Marcuse, 1968) gegenüber dem Geschäft mit sexuellen Dienstleistungen dringendst überdenken. Denn sind wir nicht sonst auf allen Gebieten dagegen, daß Menschen zum Objekt degradiert werden? Sind wir nicht immer gegen Unterdrückung, selbst, wenn sie von Betroffenen subjektiv als nicht so schlimm erlebt wird? Ob es Ausbeutung der Sklaven durch ihre »Besitzer« oder die des Proletariers durch den Kapitalisten ist: Marxisten sind dem stets entgegengetreten. Zwar sagen einige Prostituierte, sie verkauften ihren Körper freiwillig. Aber welche Art von Freiwilligkeit ist das? Wohl keine viel größere als die der Slumbewohnerin, die ihre Niere einem Organhändler überläßt. Auch Tagelöhner haben ihre Arbeit oft behalten wollen, da sie ihnen Brot und Unterkunft garantierte, die sie als Freie später verloren haben. Die Verdinglichung des Frauenkörpers, der gegen Geld zur Fremdbenutzung auf Zeit freigegeben wird, ist unabhängig davon, ob einige den Akt als freiwillig empfinden, eine menschenunwürdige Tatsache. Der Grünen-Politiker Volker Beck formulierte einmal, es interessiere ihn nicht, wer in unserem Staat was wem verkaufe. Uns als Linke sollte es schon interessieren.</p>
<p><strong>Den Schatten nicht mehr brauchen</strong></p>
<p>Sebastian Haffner hat 1968 in »Emanzipation und Ehe« bereits das »Sterben der Ehe« vorausgesagt und war für eine freiwillige Bindungskultur eingetreten – aber nicht auf Basis von Tauschgeschäften, sondern auf Basis von Gleichwertigkeit und Liebe. Er kritisierte die Doppelmoral lebenslangen Ehezwangs – und sah hier die Wurzel der Prostitution: »Die Ehekultur hat in Tausenden von Jahren ihrer Geschichte immer die Prostitution wie einen Schatten hinter sich hergezogen. Die kommende Liebeskultur wird diesen Schatten vielleicht nicht mehr brauchen, vielleicht nicht mal mehr ertragen.«</p>
<p><strong>Verbot hat in Schweden zur Abmilderung der Zustände geführt</strong></p>
<p>Prostitution zu legalisieren, heißt es am Ende des Buches von Schwarzer und Kolleginnen, habe immer zu ihrer »Enthumanisierung« beigetragen. Beispiele aus skandinavischen Ländern werden angeführt. So habe das Verbot in Schweden zu einer Abmilderung der Zustände geführt und nicht zu einer Verlagerung in die Illegalität, wie von den Gegnern des Verbots vorausgesagt wurde. Einer EU-Studie zufolge hat Schweden heute, 14 Jahre nach Einführung der Freierbestrafung, im Gegensatz zu Deutschland, das den größten habe, auch bezogen auf die Bevölkerungszahl den kleinsten Frauenhandelsmarkt.</p>
<h3>Ausbeuter schwächen</h3>
<p>Am Ende des Buches formuliert Sabine Constabel, eine Sozialarbeiterin aus einem Prostituiertenhilfsprojekt, an Politik und Gesellschaft gerichtete Forderungen. Constabel betreut seit 22 Jahren Prostituierte im Treff »La Strada« und im Café Strichpunkt in Stuttgart. Sie hat die Demütigungen und die Gewalt, die die Frauen aushalten müssen, die sie mehr als 20 Jahre begleitet hat, aus nächster Nähe erlebt. Die Forderungen richten sich nicht, wie vielfach unterstellt wurde, gegen die Prostituierten, sondern »gegen die Ausbeuter, die Bordellbesitzer und Zuhälter, die Mädchen-und Frauenhändler«. Konkret geht es Constabel – und den anderen Autorinnen – um ein Verbot der Werbung für besonders entwürdigende Praktiken, um eine Anhebung des Einstiegsalters auf 21 Jahre und die Schaffung von Schutzräumen, niederschwellige Ausstiegsangebote und ein Bleiberecht für Opfer von Menschenhandel. Dies dient der Stärkung von Mädchen und Frauen, die in dieser Branche arbeiten müssen.</p>
<p>Zur Schwächung der Profiteure werden u.a. Erlaubnis- und Anzeigepflichten für Prostitutionsbetriebe, die Verschärfung der Tatbestände des Menschenhandels sowie die Wiedereinführung der Strafbarkeit von Förderung der Prostitution verlangt. Dazu die Festlegung von Mietobergrenzen und nach dem schwedischen Modell Strafen für jene, die »illegale und unmenschliche Prostitutionsformen« in Anspruch nehmen.</p>
<p><strong>Auch Männer lehnen es ab ihre Sexualität in Form von Geschäftsbeziehungen auszuleben</strong></p>
<p>Im Netz kann man übrigens auch Foren finden, in denen Männer nein zur Prostitution sagen. Sie lehnen es ab, ihre Sexualität in Form von Geschäftsbeziehungen auszuleben, sondern wollen dies nur mit Respekt vor dem anderen Menschen, vor seiner und ihrer Freiheit und Lust tun. Soll aber Sexualität eines Tages nur noch freie Begegnung freier Menschen sein, müssen die kriminellen Machenschaften zur Ausbeutung und Demütigung beschränkt und abgeschafft werden. Dafür habe ich im Buch viele Argumente gefunden.<strong><em></em></strong></p>
<p><em>Alice Schwarzer (Hg.): Prostitution, ein deutscher Skandal &#8211; Wie konnten wir zum Paradies der Frauenhändler werden?. Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln 2013, 336 Seiten, 9,99 Euro</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/prostitution-ein-deutscher-skandal-buchrezension/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wannseekatastrophe bis zum Kanzleramt</title>
		<link>https://anjaroehl.de/wannseekatastrophe-bis-zum-kanzleramt/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/wannseekatastrophe-bis-zum-kanzleramt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Aug 2013 04:24:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=3114</guid>

					<description><![CDATA[Eine Veranstaltung unter dem Motto „Wahlprüfsteine“ in Bezug auf den strahlenden, unzureichend gesicherten Atomreaktor Wannsee, fand letzte Woche, unweit des seit Jahrzehnten umstrittenen Instituts statt, wo Parteienvertreter aus: SPD, Grüne, Linke, Piraten, FDP und CDU auf dem Podium saßen und ihre Weltsicht zum Besten gaben. Politiker positionierten sich Während die SPDlerin sich als aus der...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><strong>Eine Veranstaltung unter dem Motto „Wahlprüfsteine“ in Bezug auf den strahlenden, unzureichend gesicherten Atomreaktor Wannsee,</strong> fand letzte Woche, unweit des seit Jahrzehnten umstrittenen Instituts statt, wo Parteienvertreter aus: SPD, Grüne, Linke, Piraten, FDP und CDU auf dem Podium saßen und ihre Weltsicht zum Besten gaben<span style="mso-spacerun: yes;">.<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><strong>Politiker positionierten sich<br />
</strong></p>
<p class="MsoNormal">Während die SPDlerin sich als aus der Friedens- und Anti-AKW-Bewegung kommend outete und sehr authentisch rüberkam, fand die junge Grüne, <span style="mso-spacerun: yes;"> </span>dass die Sicherung unbedingt nachgebessert und ein Krebsregister angelegt werden müsse, ein FDP-Vertreter grinste die Zuschauer unsicher-unverschämt an, freute sich aber, als er darauf gestoßen wurde, dass man den Rückbau als interessante Innovation vermarkten könne und der CDUler fand, dass Experten besser Bescheid wüssten als er, obgleich auch er zur Tschernobyl-Elternschaft gehört hätte. Der Vertreter der Linken versteifte sich darauf, dass ein solches Institut aus einem städtischen Wohngebiet verbannt gehöre (womöglich etwa nach Gorleben?)</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Emotional, naiv, auf Forschung pfeifend</strong></p>
<p class="MsoNormal">Insgesamt hatte man sämtliche dort gesagten Sätze schon tausendmal auf ähnlichen Veranstaltungen gehört, einschließlich der Arroganz, die herauszuhören war, gegen die ungeduldigen, angeblich emotionalen, naiven, auf Forschung pfeifenden und natürlich völlig inkompetenten im Publikum sitzenden Interessierten und BI-Mitglieder.</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Physiker aus dem Publikum </strong></p>
<p class="MsoNormal">Hoffnungsvoll war, dass sich aus dem Publikum sowohl hochkarätige Physiker zu Wort meldeten, die mit vielen konkreten und sehr überzeugenden Messdaten, Störfallzahlen, und Fakten zum Katastrophenplan aufwarten konnten, als auch ein ehemaliger Mitarbeiter des Instituts, der beweisen konnte, das zusamme mit den abgebrannten Stäben aus Wannsee waffenfähiges Plutonium in die USA verschifft wurde.</p>
<p><strong>Klagen Sie doch!  </strong></p>
<p class="MsoNormal">Daraufhin rieten FDP und CDU den Zuschauern, sich doch der juristischen Mittel des Rechtsstaats zu erinnern: “Klagen Sie doch, wenn Sie finden, dass da etwas nicht rechtsstaatlich zugeht!“, riefen die beiden Vertreter einmütig den im Publikum Sitzenden zu, wohl mit der Hoffnung, sich hier selber aus der politischen Verantwortung für ein Institut zu entziehen, dass, falls es havariert, im Umkreis von 20 km bis zum Bundeskanzleramt geräumt werden müsste. So jedenfalls der Piraten-Feuerwehrmann, der sich als <span style="mso-spacerun: yes;"> </span>ziemlich bodenständig erwies, er könne als Feuerwehrmann nur sagen, es dauere zu lange bis die Züge ausrückten, nach 20 Minuten wären erst 6 Mann vor Ort, von ABC-Zügen ganz zu schweigen. Der Katastrophenplan könne niemals umgesetzt werden, er sei für die sofortige Schließung, Punktum.</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Ein Wunder</strong></p>
<p class="MsoNormal">Wann sitzen Politiker mal oben und fragen die Zuschauer: „Erzählen Sie uns, was ihr Anliegen ist, was sie herausgefunden haben, wir hören zu, wir interessieren uns für Ihr Anliegen und wir werden versuchen, es in unseren Gremien umzusetzen!“ Das wäre mal ein Wunder, wenn es solche Politiker einmal gäbe.</p>
<p class="MsoNormal">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p class="MsoNormal"><em><strong>Infos:</strong> </em></p>
<p class="MsoNormal"><em>Der Atomreaktor am Wannsee ist ein &#8222;kleiner&#8220; Reaktor zu Forschungszwecken, trotzdem findet in ihm Kernspaltung statt, die im Falle der Havarie eine Evakuierung im Umkreis von 20 km sofort notwendig macht. </em></p>
<p class="MsoNormal"><em>Auch gibt das Institut Niedrigstrahlung ab, besonders Tritium, für das es, da es extrem selten vorkommt, keine Grenzwerte gibt.  Die Strahlung soll sich im selben Bereich wie im Umfeld von Brokdorf bewegen. </em></p>
<p class="MsoNormal"><em>Die Betreibergesellschaft verteilt eifrig Flugblätter, dass die Forschung gänzlich ungefährlich und alles Lüge sei, was die Gegner verbreiten.</em></p>
<p class="MsoNormal"><em>Näheres <a href="http://atomreaktor-wannsee-dichtmachen.de">hier</a></em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/wannseekatastrophe-bis-zum-kanzleramt/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sie nennen es Rettungspaket</title>
		<link>https://anjaroehl.de/rettungspakete-und-andere-marchen/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/rettungspakete-und-andere-marchen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Aug 2013 19:20:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=3039</guid>

					<description><![CDATA[ 26.4.13 / Politischer Text zum Begriff  &#8222;Rettungspaket&#8220;  Eine merkwürdige Stimmung kommt seit einer Weile schon im Lande auf, man merkt es gut in Zügen, wo man die Gespräche aller Umsitzenden mithört. Es wird sich lautstark erbost über die Tatsache, dass man den Spaniern, den Portugiesen, den Griechen und Zyprioten ein Milliardenschweres „Rettungspaket“ nach dem anderen...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"> <em>26.4.13 / Politischer Text zum Begriff  &#8222;Rettungspaket&#8220; </em></p>
<p class="MsoNormal"><strong>Eine merkwürdige Stimmung kommt seit einer Weile schon im Lande auf, man merkt es gut in Zügen, wo man die Gespräche aller Umsitzenden mithört. </strong>Es wird sich lautstark erbost über die Tatsache, dass man den Spaniern, den Portugiesen, den Griechen und Zyprioten ein Milliardenschweres „Rettungspaket“ nach dem anderen hinterherwirft, während zuhause die Schulen verrotten, die Lebensmittel, Mieten, Strom und Heizung immer teurer werden und sich die solcherart Beschenkten dann auch noch zu beschweren wagen. Darüber empört man sich, darüber wütet man landauf, landab, immer hübsch im Einklang mit den Boulevardblättern, wodurch eine Art Soli-Gefühl aufkommt: Wir sitzen hier in der Scheiße, uns rettet keiner und Frau Merkel reist überall auf der Welt herum und verschenkt unser Geld.</p>
<p class="MsoNormal"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Wem dient diese Argumentation? Was folgt aus ihr? Entspricht sie der Realität?</strong></p>
<p class="MsoNormal">Nein! Was Rettungspaket genannt wird, ist ein Knebelvertrag im Würgegriff der Kredithaie. Die selbst ernannten Geldgeber vergeben Kredite des dem eigenen Volk geraubten Geldes an sämtlichen Institutionen der Demokratie vorbei.<span style="mso-spacerun: yes;">  </span>Es wird kein Geld verschenkt, es wird nur immer mehr Geld ausgeliehen. Und das Ausleihen bringt nur einer Partei Geld, nämlich dem Ausleiher, das weiß jeder Bausparer, wenn er 20 Jahre nur Zinsen abzahlen muss. Und in diesem Falle hat man die betreffenden Länder schon derart mit überhöhten Zinsen belastet, dass sie nicht mehr weiter können. So brauchen sie neue Kredite, die sie noch weiter ausbluten lassen. Gespart wird bei der Mehrheit und die Mehrheit ist arm, und wird bei diesem Vorgang immer ärmer und ärmer. Damit verbunden ist ein Rückfall der Einzelnen in vorelektrifizierte Zeiten.</p>
<p class="MsoNormal"><strong>In die Steinzeit zurückbomben, das wollte man 1991 im Irakkrieg</strong></p>
<p class="MsoNormal">„In die Steinzeit zurück“, das wird nun auf kaltem Wege praktiziert. Vorteil dieser Methode ist, dass sie vermeintlich unblutig und nicht mit Bombengeschwadern daherkommt und dass man sie zuhause bei den eigenen prekarisierten Schichten auch gleich gut gebrauchen kann. Wofür? Zum Zwecke der Fremdabwertung mit dem Nebeneffekt ersatzmäßiger Selbstaufwertung. Die eigenen Armen und vom Arbeitsmarkt Ausgeschlossenen bekommen ein Ventil, wo sie Wut ablassen können. Aha, da geht „unser Geld“ hin, steht in den Boulevardzeitungen und unsere Armen leben vom Container- und Tafelfraß. Und sie wüten gegen die faulen Griechen, die „immer noch nicht genug haben“.</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Verschwiegen wird und in den Abgrund geführt</strong></p>
<p class="MsoNormal">Verschwiegen wird, dass es um Kredite geht, die wie bei einer kriegerischen Besetzung das letzte an Geld aus dem Land herauspressen. Angeblich erfordert das die Exportwirtschaft. Tatsache ist, das es das<span style="mso-spacerun: yes;">  </span>Land an den Abgrund führt. Normalerweise benutzt ein mächtiger Staat dieserart wirtschaftliche Versklavung an nie abzahlbare Kredite,  bevor er einen Krieg führen will, diese Methode kennt man aus dem Vorfeld des ersten, aber auch des zweiten Weltkriegs, sie ist Historikern durchaus bekannt, Rosa Luxemburg schrieb viel darüber.</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Hauptziel: Solidarität verhindern</strong></p>
<p class="MsoNormal">Das Hauptziel, Solidarität zu verhindern, ergibt sich dabei als etwas nicht Geplantes, wie ein Nebeneffekt. Das Vertuschen und Verharmlosen bringt dies hervor.  Das eindeutig falsche Bezeichnen von kriegerischen Handlungen, die mit Waffen vorgenommen werden, zum möglichst effizienten Töten von Menschen gebaut, mit Begriffen wie „Friedenseinsätze“ und &#8222;Auslandsoperationen&#8220; ist ein Betrug.  Dieser Betrug braucht zur Glaubwürigkeit eine Abwertung der Opfer. So wird Solidarität zwischen den Armen hier und dort verhindert. Rosa Luxemburg hat dieserart Lügen als integraler bestandteil von Kriegspropaganda gegeißelt. <span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Ihrer Meinung nach (zB im Junius-Papier) ist eine Abwertung der Opfer für einen Staat unbedingte Voraussetzung zum Krieg führen, denn niemand lässt sich aus freien Stücken zum Mörder an seinesgleichen machen.</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Unzufriedenheit muss umgelenkt werden</strong></p>
<p class="MsoNormal">Im Volk muss die durch den Kapitalismus hervorgerufene Unzufriedenheit umgelenkt werden und zwar auf möglichst angeblich faule und schmarotzende Menschen und Völker, die heutzutage indirekt und vorsichtig, Schritt für Schritt abgewertet werden. Auch soll das Volk selbst drauf kommen, die Regierenden sagen: Wir helfen ihnen doch bloß, sie aber können einfach nicht mit Geld umgehen und wenn unsere Regierenden dorthin Waffen liefern und Konflikte schüren, so heißt es, dass diese menschen dort einfach immer diese religiösen Kämpfe führen müssen, da könne man garnicht anders, als Waffen liefern, sonst würde jemand anderer den Gewinn abschöpfen.  Lautstark wird über die „andere Arbeitshaltung der Südländer“ geklagt, die wegen ihrer Siesta die Wirtschaft ihres Landes ruiniert hätten, obgleich es doch, wenn man genau hinschaut, eindeutig der Euro gewesen ist, der die Länder heruntergebracht hat. Und zwar mit Vorsatz, denn das genau war der Plan,der Sinn aller Rettungsschirme ist  die Vorherrschaft Deutschlands in Europa abzusichern, das deutsche Kapital zu retten, da Griechen, Portugiesen, Spanier millionenhaft durch Rückzahlungsplichten an die Deutsche Bank und andere angeschmiedet werden.</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Lasst euch nicht aufhetzen</strong></p>
<p class="MsoNormal">Aber überall wird demonstriert, die Menschen gehen auf die Straße und glauben nicht mehr, was gesagt wird. Das ist die große Chance. Und solche Leute wie Bradley Manning und Julian Assange.  Man sollte es laut von allen Plätzen ausrufen: Lasst euch nicht gegen euresgleichen aufhetzen, mit den griechischen Prekarisierten habt ihr mehr gemein als mit jedem der Multimilliardäre, die hierzulande unsere Politiker regieren.<span style="mso-spacerun: yes;">  </span></p>
<p class="MsoNormal"><strong>Bereit machen für kommende Kriege?</strong> <strong>Neinsagen lernen!</strong></p>
<p class="MsoNormal">Die Voraussetzungen für Kriege, um dem aufgehäuften Milliardenkapital Expansionsmärkte zu erschließen, sind in den letzten Jahren durchaus geschaffen worden: Ehemals selbstbewusste Proletarier wurden massenweise zu Überflüssigen gemacht, während die Profiteure gesellschaftlich erarbeiteten Reichtums weltweit ungeahnte Höhen erklimmen konnten. So greift ein Vorgang in den anderen und schon sind die einen Menschen des anderen Feind, und so sie alle aufeinander gehetzt werden durch Faulheitsparolen und Sprüche vom Untermenschentum und angeblich südländischer Verschlampungs-Mentalität, so ist da eine große Gefahr: Dies soll bereit machen für kommende Kriege, die mit den Worten: Jetzt reichts aber, eingeleitet werden. Diese Worte werden dabei leider eben nicht an diejenigen gerichtet, die das Ganze verursacht haben, nämlich die Gesetze und Strukturen eines maroden, ins Chaos führenden Wirtschaftssystems, sondern sie werden von den willfährigen Objekten staatlicher Propaganda im vorauseilenden Gehorsam auf Nebenschauplätze gelenkt, wo der Hass der Unterdrückten und Enttäuschten sich auf Ihresgleichen entlädt. Ein fataler Prozess, der die nächsten Kriege zur Gewissheit macht. Ist nichts dagegen zu tun? Ich finde doch, ein  einziger Satz, auf Parolen geschrieben, auf Plakaten gedruckt, von der Siegessäule herabwehend, der Satz könnte heißen: <em style="mso-bidi-font-style: normal;">„Sie nennen es Rettungspaket, es ist Ausbeutung und führt zu Kriegen“</em></p>
<p class="MsoNormal">Wichtig ist, dass wir die Sprache entlarven. Eine Flut von ins Gegenteil verkehrter Worte ist in den letzten Jahren über uns hereingebrochen, <strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Reform</strong> heißt heute Sparmaßnahmen, <strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Friedenseinsätze </strong>werden Kriege genannt, <strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Wirtschaftshilfe </strong>nennt sich der  Waffenhandel. Unsere öffentliche Sprache ist auf Betrug eingestellt.</p>
<p class="MsoNormal"><em><br />
</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/rettungspakete-und-andere-marchen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Made in Bangladesh</title>
		<link>https://anjaroehl.de/made-in-bangladesh/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/made-in-bangladesh/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Aug 2013 18:32:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=3035</guid>

					<description><![CDATA[18.1.13 / politischer Kommentar Vor zehn Tagen brannte eine Kleiderfabrik namens Tzreen Fashion nieder, mehr als 100 Leute kamen ums Leben. Ein tragischer Unfall oder Vorsatz?  220 000 Sweatshirts sollten im Monat Dezember an C&#38;A, Kik, Karstadt ausgeliefert werden. Die Baugenehmigung sah drei Stockwerke vor. Hunderte von Arbeitern versammeln sich seither Tag für Tag vor...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><em>18.1.13 / politischer Kommentar</em></p>
<p class="MsoNormal"><strong>Vor zehn Tagen brannte eine Kleiderfabrik namens Tzreen Fashion nieder, mehr als 100 Leute kamen ums Leben. Ein tragischer Unfall oder Vorsatz? </strong></p>
<p class="MsoNormal">220 000 Sweatshirts sollten im Monat Dezember an C&amp;A, Kik, Karstadt ausgeliefert werden. Die Baugenehmigung sah drei Stockwerke vor. Hunderte von Arbeitern versammeln sich seither Tag für Tag vor der Rauch geschwärzten Fabrik und schreien ihre Trauer und Wut gegen die verbrannten Mauern.</p>
<p class="MsoNormal">Ein achtjähriges Mädchen steht ganz vorn bei den Polizisten am Tor. Sie hat beide Eltern verloren. Ihr Vater hat sich per Handy von ihr verabschiedet: „Ich werde sterben“. Sie bleibe hier, sagt das Mädchen, bis sie das Gehalt ihrer Eltern bekommen habe. Seit vier Monaten habe Tazreen keine Gehälter gezahlt. Im rußigen Schutt liegt ein „Kinder-Sommerset, zweiteilig“ für 7,99 EU,<span style="mso-spacerun: yes;">  </span>Rehana Aktar, 30, hat überlebt, weil sie am Tag der Katastrophe krank war. Vier Verwandte verbrannten bei lebendigem Leibe in den Flammen der Textilfabrik aus einem einzigen Grunde, weil es dann für die Besitzer „höhere Kosten“ und weniger Millionen-Profite gegeben hätte: Keine Notausgänge, keine Feuerlöscher, keine Sprungtücher, keine Rettungsleitern und sechs Stockwerke mehr als baupolizeilich erlaubt.</p>
<p class="MsoNormal">Die großen Modemarken sind stärker als Bangladeshs Regierung ( Hasan Ashraf, 35, geboren in Dhaka, Forscher im Netzwerk Asien und Europa): &#8222;Westliche Hersteller übernehmen keine Verantwortung. Die Produktionskette ist feingliedrig und verwickelt,<span style="mso-spacerun: yes;">  </span>es ist fast unmöglich sie zu überwachen. Wenn in der vereinbarten Zeit nicht geliefert würde, sei der Gewinnverlust zu bezahlen, als Folge würden in Fabriken die Türen zugesperrt, bis die Produktion durchgezogen ist. Der Verbraucher ist ein Verführter. Die Klamotten kommen in Wahrheit nicht aus der Galerie sondern aus der Galeere.&#8220;</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Wer ein Wühltisch-T-shirt für 2,99 kauft, der muss wissen, das an solchem Kleidungsstück Blut klebt.</strong></p>
<p class="MsoNormal">Um 18.45 hörte Mohammed Rajib, 22, eine Glocke, die Vorarbeiter sagten: Macht weiter!</p>
<p class="MsoNormal">Paar Minuten später: Schreie, Weinen, Rufe, die Vorarbeiter und Manager waren verschwunden. Aus dem Treppenhaus kam eine Rauchsäule, die nahm den Atem. Dann fiel das Licht aus, die Leute flüchteten nach oben ins vierte Stockwerk. Dort drängten sich 250 Menschen um ihre Handys. Arbeiter rissen die Stahlstreben aus der Verankerung in den Wänden um dadurch einen Weg nach draußen frei zu machen. Rajib sprang.</p>
<p class="MsoNormal">Der Verbraucher des Westens ist in dem krakenhaften System der Textilströme der zweite Übeltäter, der unfreiwillige Komplize, er folgt angeblich seiner gierigen Natur. Erst empört er sich, dann greift er zum Schnäppchen. Man hat ihn aber  genau dazu abgerichtet. Mit den 300.- die ihm monatlich zugewiesen sind, kann er sich internationale Soildarität nicht leisten.Die dagegen aufbegehrende Arbeiterführerin Kalpona Akter zählt die Todesdrohungen nicht mehr, die sie bekommt.</p>
<p class="MsoNormal">Vor Wochen starben in Karachi, Pakistan, 250 Menschen bei einem Zulieferer von Kik. In Bangladesh ist die Textilbranche mächtiger als einst in Deutschland der bergbau. 42 % der parlamentsabgeordneten besitzen selbst Textilfabriken, zu ihnen gehören Medienunternehmen und Zeitungen.</p>
<p class="MsoNormal">Laut dem Fachmagazin „Cotton Bangladesh“ kostet eine Arbeitsstunde 23 Cent. Die Polizei arbeitet mit Gestapomethoden, erschieße immer wieder Arbeiter, die sich auflehnen. Die meisten Menschen dort sind auf diese Arbeitsplätze angewiesen. Jedoch schon 12 Cent mehr pro T-shirt reichen, laut verdi, damit die Frauen in Bangladesh 50 Eu mehr im Monat verdienen.</p>
<p class="MsoNormal">Jede tote Arbeiterin kostet den Fabrikherrn 17.000 Eu, das ist der Durchschnitt der Entschädigung, die dann, wenn sie eingefordert, eingeklagt und mittels teurem RA durchgesetzt wird, gezahlt wird. Angeblich habe alles der Verbraucher in der Hand, sagt Tschibo-Chef Lohrie ( Quelle: STERN, nr. 50,S. 34 ff)<span style="mso-spacerun: yes;"> Ist es so? Haben wir es in der Hand, was dort unten in unserem Namen geschieht? Nein, das haben wir nicht, aber wir können etwas dazu beitragen, dass es nicht mehr weitergeschieht. Von dem Moment an, wo wir es wissen. Das ist unsere verdammte Pflicht! </span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/made-in-bangladesh/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kaufen, wo die Kanonen donnern</title>
		<link>https://anjaroehl.de/kaufen-wo-die-kanonen-donnern/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/kaufen-wo-die-kanonen-donnern/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Jan 2013 11:18:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=2995</guid>

					<description><![CDATA[Immer, wenn ich das vermute, was einige Jahre später aktenkundig wird, dass fundamentalistische angebliche Islamkämpfer, die Hunderte von Zivilisten in die Luft jagen, waffenstrotzende, vermeintlich Aufständische, die fürs Steinigen von Frauen eintreten, oder Massaker verübende Kindersoldaten vom CIA bezahlt werden, der im Auftrag internationaler Konzerne agiert, dann sagen mir regelmäßig manche Leute, dass ich eine Verschwörungstheoretikerin sei....]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Immer, wenn ich das vermute, was einige Jahre später aktenkundig wird, dass fundamentalistische angebliche Islamkämpfer, die Hunderte von Zivilisten in die Luft jagen, waffenstrotzende, vermeintlich Aufständische, die fürs Steinigen von Frauen eintreten, oder Massaker verübende Kindersoldaten vom CIA bezahlt werden, der im Auftrag internationaler Konzerne agiert, dann sagen mir regelmäßig manche Leute, dass ich eine Verschwörungstheoretikerin sei.</p>
<p>Dass eine rechte Gewalttätertruppe, die NSU, die bisher nicht mal bekannt war, vom Staatsschutz, den man, statt SS, heute VS nennt, nicht nur bezahlt, sondern auch aufgebaut, unterstützt, gedeckt, getarnt und ausgebildet wurde, das hätte ich aus diesem Grunde bisher niemals laut zu vermuten gewagt.</p>
<p><strong>Keine Satire, ein Börsenblatt</strong></p>
<p>Kürzlich stach mir die Überschrift einer Zeitschrift ins Auge, als ich an der Kasse eines Supermarktes stand, auf der Titelseite hieß es: „Kaufen, wo die Kanonen donnern“. Beim Näherkommen sah ich, dass es sich um kein Satire-, sondern um das deutsche Börsenblatt handelte. Ein Professor Max Otte (ein relativ berühmter Berater diverser Politiker, einschließlich von Frau Merkel) empfahl seinen Mitanlegern da zu investieren, wo gerade „Krisen“ die Welt erschüttern würden. Das sei eine schon über hundert Jahre alte Weisheit von Finanzgenies, an die man sich halten solle. Mitgeliefert wurde eine Statistik weltweiter „Krisen“ (unschwer als Umschreibung von Kriegen erkennbar), deren Grafikkurve erst Kurseinbrüche und nachher steile Aufschwünge verzeichnete. Auch Herr Maischberger war dafür und noch ein anderer „Experte“.</p>
<p><strong>Europäische Aktien werden wie eine Rakete abgehen</strong></p>
<p>Selten hört man es so klar aus der sauberen Industrie-Etage unserer Klassenge-sellschaft, selbst unter Ihresgleichen herrscht oft ein Um-den-heißen-Brei-Herumreden.  Nun stand es hier ganz klar und deutlich: Krisen sind gut, denn die brauchen wir, um die „Wirtschaft“ anzukurbeln. Und wortwörtlich: „<em>Bei Schwäche zugreifen. Wenn sich dann die ersten Lichtblicke am Horizont zeigen, werden europäische Aktien wie eine Rakete abgehen.“</em>  Wer in Krisenzeiten investiert, gewinnt! (Der Aktionär, Börsenpflichtblatt, N. 32/12, S. 14)</p>
<p><strong>Krieg führt man wegen dem Gewinn</strong></p>
<p>Ich hatte schon 1998, auf dem Kriegsparteitag der Grünen, Brechts Mutter Courage zitiert: &#8222;Krieg führen die Leute wegen dem Gewinn!“ und doch gehen über viele aufgeklärte Menschen, die sich nach Selbsteinschätzung für zumindest linksliberal halten, immer noch jedem angeführten „humanitären“ Kriegsgrund auf den Leim, wo ein ehemaliger Verbündeter nach dem anderen plötzlich als Bösewicht aus dem Hut gezaubert wird.</p>
<p><strong>Kriege bringen Aufschwung</strong></p>
<p>Dabei bedeutet die Börsenblattempfehlung doch nichts anderes als: Kriege bringen den Aufschwung, denn nach der Zerbombung ist das Land geschwächt und kann kein ernstzunehmender Konkurrent um die eigenen Rohstoffe mehr da sein, die wird man dann quasi &#8222;geschenkt&#8220; bekommen, es muss auch erst wieder aufgebaut werden, daran kann man auch verdienen und eine um 30-50% verringerte Bevölkerung lässt sich leichter als Absatzmarkt erschließen, wenn sie alles verloren hat.</p>
<p>An anderer Stelle resümiert der illustre Professor darüber, dass europäische Aktien &#8222;<em>im Süden extrem heruntergeprügelt“</em> worden seien, dass das für ihn aber unter den Begriff <em>„Einkaufsmöglichkeit“</em> falle, dazu: <em>„wenn Griechenland abbröckeln würde, wäre mir das ganz recht, denn letztlich gehört dieses Land nicht in die Eurozone.“</em> (ebenda: S. 15)</p>
<p><strong>Parlamentarier sind abhängig</strong></p>
<p>Ich weiß nicht, warum, wenn man von Interessen spricht und wie die Klassen sie jeweils durchsetzen, und wen sie dafür angestellt haben, man immer so auf Unverständnis stößt, wenn man von den Interessen der herrschenden Finanzmonopolmagnaten spricht.  Die Parlamentarier sind nun mal von ihnen abhängig, sie können doch gar nichts ohne sie tun. Das hat Sartre in seinem Roman „Räderwerk“ meisterhaft beschrieben. Der nach einer Revolution neugewählte Präsident hat sich kaum auf dem  halbverrußten Stuhl seines Vorgängers niedergelassen, als schon ein Ölmagnat des Landes durch eine Seitentür eintritt und seine Bedingungen stellt, ohne die der arme Mann keinen weiteren Tag regieren kann. Wenn also eine Volksmeinung erzwingt, dass man Energie sparen sollte, um das Polkappenschmelzen aufzuhalten, so erhöhen die Energiegesellschaften eben ihre Preise und der Staat vergibt hochenergieverschwenderische Aufträge. Das künstliche Wachstum muss erhalten, verbessert, in die Höhe getrieben werden, egal, ob es die Pole abschmelzt, Kriege entfesselt, Krebs über Land und Leute bringt.</p>
<p><strong>Eine sich selbst immer wieder zerstörende Wirtschaftsform</strong></p>
<p>Das ist das Chaos des Kapitalismus, einer sich selbst immer wieder zerstörenden Wirtschaftsform, die man auch als staatlich gefördertes Verbrechertum betrachten könnte und die momentan sogar schon dabei ist, Teile ihrer bürgerlichen Schichten und die ihrer Unterstützer zu verlieren. Das sind gefährliche Zeiten, wenn das passiert, dann drohen die Kriege nicht nur in den Absatz- und Rohstoffländern, dann drohen sie unter den kapitalistischen Staaten selbst und gefährden unser das bequeme Dasein. Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man, in diesem Fall facht es Kriege an. Wo werden also demnächst „Kanonen donnern“? Man darf gespannt sein, Tatsache ist, die Börsenblattabonnenten reiben sich schon die Hände. Momentan wird der Süden Europas vom Norden ausgepresst und erwürgt, in den Zeitungen verbreitet man aber, es werde Geld verschenkt.</p>
<p><strong>Systematische Aufreizung zum Kriege</strong></p>
<p>Das kommt einer systematischen Aufreizung zum Kriege gleich, denn was wird diesen Ländern schließlich anderes übrig bleiben? Den Deutschen, versteht sich, wird dann wieder erfolgreich eingeredet werden, sie seien angegriffen worden und selbstverständlich müssen sie sich dann wieder wehren mit großem Trara. Wenn daraus dereinst der 3. Weltkrieg entstanden sein wird, will es wieder niemand vorausgesehen haben.  Aber ich weiß, ich bin ein Verschwörungstheorieanhänger. Hier ist es doch ruhig, sagen die, die nachher am meisten schreien werden. Befürchtungen, dass es nicht  ruhig bleiben wird, wird jetzt mit den unbemannten Dronen entgegengehalten, das wäre etwas Feines, ein neues Spielzeug am Kriegshimmel. Die Menschen in den Gebieten, wo diese programierten Robotermörder jetzt schon seit Jahren herumfliegen, verzeichnen eine Zunahme von schweren psychischen Angst-Erkrankungen.</p>
<p><strong>Wehe, wenn das Unrecht erkannt wird</strong></p>
<p>Die Ruhe hierzulande gleicht einem Lähmungszustand, der dumm und kalt macht, weil man dumm und kalt sein muss, um das alles nicht wahrnehmen zu müssen. Die einzigen, die offen nach Kanonen rufen, sind die M.O. &#8211; Parlamentsberater der Börsenszene. Die Hartz IV-gelähmten Massen triezen bislang noch ihre Kinder. Aber wehe, wenn sie aufwachen! Wehe, wenn das Unrecht erkannt wird. Doch auch das kann womöglich noch zu einer börsenfreundlichen Zerstörungsaktion umgelenkt werden, davor graut mir.</p>
<p>Es gibt es nur eins: Entmachtung der Börse, Entflechtung der Konzerne, Banken in die Hände des Volkes! Öffentliche Kriegstreiber in Sicherheitsverwahrung.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/kaufen-wo-die-kanonen-donnern/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv     &#8211;     Buchrezension</title>
		<link>https://anjaroehl.de/lieber-aktiv-als-radioaktiv-buchrezension/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/lieber-aktiv-als-radioaktiv-buchrezension/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 21:33:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=2528</guid>

					<description><![CDATA[jw Feuilleton / 22.3.12 Wer sehen will, wie wir in der BRD Revolution gemacht haben oder es zumindest versucht haben, sollte sich die beiden Teile von »Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv« anschauen, gerade in der »Bibliothek des Widerstands« erschienen. Denn wer von den Jüngeren bisher angenommen hat, dass es in den 1970er Jahren eine...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>jw Feuilleton / 22.3.12</em></p>
<p><strong>Wer sehen will, wie wir in der BRD Revolution gemacht haben oder es zumindest versucht haben, sollte sich die beiden Teile von »Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv« anschauen, gerade in der »Bibliothek des Widerstands« erschienen.</strong></p>
<p>Denn wer von den Jüngeren bisher angenommen hat, dass es in den 1970er Jahren eine Mittelstands-Hausfrauen-Müsli-Flower-Power-Bewegung gegeben habe, die mit Protesten gegen Atomkraftwerke befasst war und die niemals soziale oder gar antikapitalistische Ziele verfolgt hätte, der oder die wird große Augen machen.</p>
<p>»Hinterwäldlerisch, fortschrittsfeindlich, naiv«, so charakterisierten die Lobbyisten der AKW-Konzerne und die von ihnen beeinflussten Politiker die »lieben« AKW-Gegner, die »bösen« waren »Chaoten«, »Spinner«, »angereiste Gewalttäter« und natürlich »Studenten, die nicht arbeiten wollen«. Dass eine solche Spaltung des Widerstands auf den Demonstrationen vor Ort nicht griff, dass es im Gegenteil zu einer ungeheuren Solidarität quer durch alle Schichten kam – das war das eigentlich Revolutionäre an diesem Kampf.</p>
<p><strong>Ohne Agitation </strong></p>
<p>Unabhängig und zunächst gänzlich unbemerkt von den kommunistischen Gruppen, die es damals zu Hauf gab und die sich Parteien nannten und die einen Großteil ihrer Zeit damit verbrachten, aufeinander loszugehen, formiert sich Anfang der 1970er Jahre im südwestlichen Zipfel der BRD eine nicht nur atomkritische, sondern eine unmerklich auch staats- und kapitalismuskritisch werrdende Volksbewegung. Ganz ohne Agitation und Propaganda vor den Uni- und Fabriktoren, mitten in der Provinz, im Weinanbaugebiet Wyhl am Kaiserstuhl.</p>
<p>Man sieht das im Film »S’Wespennäscht – Die Chronik von Wyhl 1972 bis 1982« von der Medienwerkstatt Freiburg. Da werden aus staatsgläubigen, CDU wählenden Weinbauern zornige Demonstranten. Zuerst erfahren sie von den Plänen, bei ihnen auf dem Land nicht nur ein neues Atomkraftwerk, sondern eine Art modernes Ruhrgebiet errichten zu wollen. Die Politiker erzählen ihnen etwas von Energieversorgung und Arbeitsplätzen, sie aber rechnen aus: Da entstehen keine Arbeitsplätze für uns, sondern da entsteht Technik, die Arbeitsplätze vernichtet. Noch dazu wird danach keiner mehr ihren Wein kaufen. Dann erkundigen sie sich: Das neue AKW ist ungleich stärker als die Hiroshima-Bombe, ginge es hoch, würden sofort Zehntausende sterben. Geht es nicht hoch, droht Leukämie. Zudem verheißt ein geplantes Bleiwerk weitere Erkrankungen. Also sammeln die Bauern Unterschriften dagegen und kommen in einem Dreivierteljahr in der Region auf 96000 Unterschriften. In den Gemeindevertretungen taucht eine neue Parole auf: »Wir lassen uns keinen Fortschritt der Selbstzerstörung aufdrängen!«</p>
<p><strong>Unser Profit: Leukämie </strong></p>
<p>Vor allen spektakulären Aktionen, vor den ersten Demos, vor der allerersten Bauplatzbesetzung, nehmen die Weinbauern zuerst die Demokratie ernst, sie machen Eingaben, stellen Anfragen und Anträge. Dazu müssen sie sich erst mal sachkundig machen. Sie lassen sich beraten von Ärzten und Physikern und kommen aus dem Wundern nicht mehr heraus. Denn je mehr sie sich informieren wollen, je mehr sie nachfragen, desto reservierter reagiert die CDU-Landesregierung unter Hans Filbinger. Dabei war das die Partei, der sie Jahrzehnte lang vertraut hatten. Und wenn ein Politiker aus Stuttgart sich herbei bequemt, dann werden die Vertreter der neugegründeten Bürgerinitiativen nicht eingelassen. »Was haben wir euch getan?« fragen sie. Doch die begreifen schnell, denn sie sind  nicht dumm.  »Unser Profit: Die Leukämie!«</p>
<p>Aus dem Staunen entwickelt sich Wut, es reift die Erkenntnis: Die Politiker sind gekauft, und die Atomindustrie ist ohne Skrupel. Und wer etwas dagegen hat, den sucht der Polizeistaat heim. Die Polizisten kommen mit Pferden und Hunden. Und Wasserwerfern. Die Menschen sind fassungslos. Ein Bauer ruft: »Den Baader müsste man holen, dann würden’s Rennen kriegen, die Megawattspinner!«</p>
<p>Eine Anwohnerin beschreibt, wie sie nachts mit 39 Grad Fieber im Bett liegt und unablässig Polizeisirenengroßfahrzeuge an ihrem Fenster Richtung Bauplatz vorbeirasen hört. In einem Gebiet, in dem es bislang nur zwei Polizisten gegeben habe. Da hält sie nichts mehr, berichtet sie, sie steht auf und kocht Kaffee, backt Kuchen und schleppt Brot und Suppe zu den Demonstranten. Überall kam die Unterstützung spontan zustande. Langsam werden sich die Einheimischen ihrer Kraft bewusst. Im Film sieht man die ersten Traktorendemos, selbstbewusst lachende Menschen auf ihnen. Plötzlich ist auch die Vorerfahrung präsent: »Wir haben nicht vergessen: DDT und Contagan«.</p>
<p>In Wyhl entfaltet sich für alle Beteiligten gleichermaßen überraschend ein revolutionäres Bewußtsein, wie man es seit 1848 unter deutschen Bauern in Deutschland nicht mehr gekannt hat. Interessanterweise wird einem das erst richtig durch den Abstand klar, wenn man sich heute diese Filme anschaut. Die Parolen, die Gesichter, die Lernprozesse der Bauern. Dazu die Schreie beim Abtransport vom Bauplatz, die schrecklichen Schreie, weil die Polizei mit Pferden über die Menschen trampelt, über die Sitzenden hinweg angreift. Sechs Polizisten auf eine Wehrlose, die an den Haaren vom Boden hochgerissen und meterweit geschleift wird. Wütende Prügelorgien, fassungsloses Schreien, entfesselte Staatsbeamte, eine Staates, der den Profit vor seinen Bürgern schützt und keine Gnade kennt.</p>
<p><strong>Eines Tages wird der kleine Mann besser dastehen, als der höchste Mann in der Regierung</strong></p>
<p>Aber, die Staatsmacht erreicht nichts, nicht zu diesem Zeitpunkt, alles prallt an den tapferen Winzern ab, wichtige Erkenntnisse wachsen: »Der Staat selber ist es, der Gewalt ausübt!« und: »Eines Tages wird der kleine Mann besser dastehen als der höchste Mann in der Regierung!« Und die »Zugereisten« verbrüdern sich mit den Bauern und helfen ihnen auf den Feldern und auf den Höfen. In »Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv«, dem bekanntesten Film über diese Zeit (von Nina Gladitz, 1976) wird unterbrochen gesungen. Mit Freude erkenne ich den damals von uns allen hoch verehrten Liedermacher Walter Mossmann. Auch eine revolutionäre Kultur ist also geschaffen worden.</p>
<p><strong>Wie man mit einer einzigen Axt ganze Häuser baut</strong></p>
<p>Es kommen Intellektuelle und Studenten, Lehrer und Wissenschaftler, Pfarrer und Ärzte, die merken, daß man ihnen in ihren Schulen und Universitäten zu wenig beigebracht hat. Sie lernen nun beispielsweise, wie man mit einer einzigen kleinen Handeisensäge aus dem Baumarkt und der Muskelkraft von vielen einen Bauzaun zu Fall bringen kann. Oder wie man mit einer einzigen Axt ganze Häuser baut. Eine eigene Volkshochschule wird auch bald gegründet. Und dann der Sieg: Wyhl ist nicht durchsetzbar. Eine grandiose Erfahrung: Man muß nur zusammenhalten.</p>
<p><strong>Sofort hart zuschlagen</strong></p>
<p>Auch vom 1976 einsetzenden Widerstand gegen das AKW Brokdorf gibt es tolle Filmaufnahmen von all den Szenen, die so viele Linke meiner Altersgruppe leibhaftig miterlebt haben: die endlosen Fußmärsche, weil alle Straßen abgesperrt waren, die unglaublich brutalen Polizisten, die keine Menschen in uns sehen. Doch unsere Menge dagegen, und keine Angst.</p>
<p><strong>Der Atomstaat hatte auch gelernt: Sofort hart zuschlagen</strong></p>
<p>Der »Atomstaat« (Robert Jungk) hatte auch etwas gelernt und das hieß: sofort hart zuschlagen. Und wieder versuchen, einen Keil zu treiben zwischen die angeblichen Gewalttäter und die Lokalbevölkerung. Was abermals nicht gelang, die Ortsansässigen verbanden sich mit den »Studenten«. 1981 kam es in der Wilstermarsch zur bis dato größten Demo gegen die Atomindustrie, 100000 Demonstranten standen 10000 Polizisten gegenüber. Es kam zu tumultartigen Szenen.</p>
<p><strong>Noch sind wir ruhig</strong></p>
<p>Ebenso 1986 in Wackersdorf, Oberpfalz. Eine Frau empört sich vor laufender Kamera: »Ein Politiker der CDU hat gesagt, daß man die WAA (Wiederaufbereitungsanlage) nur in der Oberpfalz bauen könne, das heißt ja nichts anderes, als daß die Oberpfälzer die größten Deppen von Deutschland wären. Das der sich man nicht täuscht!« Ein anderer ergänzt: »Noch sind wir ruhig!« Ein Arzt sagt, im Hintergrund Schrankwand und Hirschgeweih: »Wir müssen uns jetzt wehren, nicht erst in zehn Jahren, wenn das Ding gebaut ist, da ist es zu spät«. Ein Bauer meint: »Wir haben gelernt, auch mit anderen Sachen nicht mehr zufrieden zu sein, wir haben erkannt, daß die Politiker uns belügen und betrügen«. Und: »Krieg ist der Zweck vom Ganzen! Aber wir wollen Mensch sein und Mensch bleiben!«</p>
<p><strong>Vor Ort Knüppel</strong></p>
<p>Gegen diese Kraft der Menschen und gegen alle diese Bewegungen, die die BRD von Süden bis Norden und wieder zurück erschütterten, wurde eine ungeheure Repressionsmaschinerie in Gang gesetzt. Vor Ort gab es Knüppel, in den Medien – allen voran die Springerpresse – Denunziation und für die Führer der Bewegung lukrative Posten. Aber erst, als die erste Welle der Bewegung abebbte. Der Anti-AKW-Protest machte die Grünen groß, und als sie endlich in der Bundesregierung saßen, versuchten sie die Bewegung klein zu machen – Es gelingt aber nicht, Jürgen Tittins »Atomausstieg« empfanden viele als Witz. Sein Opportunismus ist  durchschaubar und auch die Stuttgart 21 &#8211; Bewegung gibt nicht auf, nur weil die Grünen den Schwanz einziehen.</p>
<p><strong>Grohnde wurde gebaut &#8211; Wackersdorf nicht</strong></p>
<p>Brokdorf wurde gebaut, Grohnde wurde gebaut – aber Wackersdorf nicht. Ursprünglich sollten in der BRD 99 Atomkraftwerke gebaut werden. Dieses Programm konnte deutlich reduziert werden. Unberechenbar sei die Bewegung gewesen, schreibt Reimar Paul, auch für sie selbst – ein Lehrstück dafür, dass sich revolutionäre Bewegungen am allerwenigsten voraussagen lassen, da es ihr Wesen ist, dass sie sich sprunghaft entwickeln.</p>
<p><em>»Lieber heute aktiv als morgen radioakativ«, Teil 1 und Teil 2, Bibliothek des Widerstands Band 18 und 19, Laika Verlag, Hamburg 2011 und 2012, insgesamt 8 DVDs, je Band 29,90 Euro</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/lieber-aktiv-als-radioaktiv-buchrezension/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Fukoshima-Arbeiter wegen &#8222;Übelkeit&#8220; ins Krankenhaus</title>
		<link>https://anjaroehl.de/fukoshima-arbeiter-wegen-ubelkeit-ins-krankenhaus/</link>
					<comments>https://anjaroehl.de/fukoshima-arbeiter-wegen-ubelkeit-ins-krankenhaus/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Apr 2011 14:28:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vermischtes, Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.anjaroehl.de/?p=1887</guid>

					<description><![CDATA[Heute sei der erste Arbeiter in Fukoshima „wegen Übelkeit“ ins Krankenhaus „gegangen“, so hieß es im Radio. Na so was, wegen „Übelkeit“!  Die Medien sind doch unübertroffen in ihrem Informationswert, vor Tagen hieß es, dass in Tschernobyl seinerzeit 28 Arbeiter gestorben wären. Wir aber wissen, dass nicht nur die IAEO (internationale Atombehörde, eng mit den Betrieberfirmen...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute sei der erste Arbeiter in Fukoshima „wegen Übelkeit“ ins Krankenhaus „gegangen“, so hieß es im Radio.</strong> <strong>Na so was, wegen „Übelkeit“!  Die Medien sind doch unübertroffen in ihrem Informationswert, vor Tagen hieß es, dass in Tschernobyl seinerzeit 28 Arbeiter gestorben wären. </strong></p>
<p>Wir aber wissen, dass nicht nur die IAEO (internationale Atombehörde, eng mit den Betrieberfirmen verbandelt) lügt, sondern auch unsere hier so wertfrei daherkommenden DPA-Pressemeldungen.</p>
<p><strong>Haarzellen, Blutzellen, Darmzellen!</strong></p>
<p>&#8222;Der erste&#8220;, hieß es, dies kann schon nicht stimmen, weil man schon mal welche unter einer blauen Plane ins Krankenhaus laufen sah, die wollten ihr Gesicht nicht zeigen, obgleich doch die radioaktive Brühe in ihre Schuhe gelaufen war.  Warum wohl nicht?  Erinnern wir uns: Radioaktivität zerstört die sich schnell teilenden Zellen: Haarzellen, Blutzellen, Darmzellen. Folgen: Haarausfall, Blutungen aus Mund, Augen, Nase und überall unter der Haut, also Blaufärbung, solche Bilder sollen nicht gezeigt werden, die müssen versteckt werden, will man sich nicht die Kugel geben, wenn man dort Regierungspräsident oder Betreiberfirma ist.</p>
<p><strong>Die Wendung &#8222;übel geworden&#8220; suggeriert etwas Vertrautes</strong></p>
<p>Die Wendung „übel geworden&#8220; suggeriert etwas Vertrautes, kann jedem passieren, nicht so schlimm.  &#8222;Gegangen&#8220; hieß es weiter, das kann auch nicht stimmen, denn es hieß danach, er hätte &#8222;aus Schwäche&#8220; nicht mehr laufen können. Aber &#8222;gegangen&#8220; hört sich besser an als &#8222;eingeliefert worden&#8220;, irgendwie aktiver, als habe er noch eine Chance, als sei das Schlimmste, was jeder argwöhnt, die Strahlenkrankheit, noch nicht eingetreten. Himmel nochmal! Wer soll das glauben?</p>
<p><strong>Unabhängige Informationen </strong></p>
<p>Wir müssen diesen Verharmlosungen unabhängige Informationen entgegensetzen. Dr. Sebastian Pflugbeil, die Gesellschaft für Strahlenschutz, die IPPNW, Greenpeace, sie alle gehen von weit über 200.000 Toten nach Tschernobyl aus und mehr als fünfmal soviele Krebskranke und Menschen mit Genschäden.</p>
<p><strong>Es herrscht ein weit in die Zukunft hinein wirkender  Krieg </strong></p>
<p>Es herrscht Krieg, wenn ein Atomkraftwerk hochgeht, es herrscht ein momentaner und ein weit in die Zukunft hinein wirkender Krieg. Ein Krieg gegen das eigene Volk, ein Krieg gegen junge Menschen und Kinder, ein Krieg, der ein Verbrechen ist. Dieses als „Restrisiko“ zu titulieren, gar  einkalkulieren zu wollen, oder es mit Märchenmeldungen wie den obigen kleinzureden, ist aber schon das zweite Verbrechen, das geahnt werden muss.</p>
<p><strong>Keine Märchen mehr</strong></p>
<p>Lassen wir uns keine Märchen erzählen, informieren wir uns selbst und informieren wir die Menschen. Widerstand gegen diejenigen, die diesen Krieg Technik nennen und es wagen, unsere lächerlichen Konsumbedürfnisse mit solch einem Verbrechen bezahlen zu wollen.</p>
<p><strong>Abschalten Sofort!</strong>   </p>
<p><a href="http://www.mahnwache-kanzleramt.de">www.mahnwache-kanzleramt.de</a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://anjaroehl.de/fukoshima-arbeiter-wegen-ubelkeit-ins-krankenhaus/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
