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	<title>Anja Röhl</title>
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		<title>Die Dreigroschenoper in Schwerin &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jun 2026 10:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Wunderbare Polly im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin - Rezension]]></description>
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<p>Man weiß es, aber nur selten findet es eine extra Erwähnung im Titel, dass an diesem Stück im wesentlichen Elisabeth Hauptmann mitgeschrieben hat. Nicht nur das, es gab auch ein Originalstück und das war von ganz jemand anderem, nämlich von John Gay, nämlich: <em>Beggar’s Opera</em>  aus dem Jahre 1728, eine im Bettlermilieu spielende Satire, die bei ihrer Erstaufführung 1728 in London Stadtgespräch war und seit 1920 erneut in London und anderen englischen Städten erfolgreich wiederaufgeführt wurde, mit fast 1500 Aufführungen hatten die grade alle Rekorde gebrochen. Schnell übersetzte Elisabeth Hauptmann und Brecht und Weill bearbeiteten sie dann. Brecht ist einer, der gern kollektiv arbeitet. Warum nicht? Aber dann bitte auch mit Nennung der kollektiven Urheberschaft. Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin hat jetzt sowohl Elisabeth Hauptmann, gleich im Titel mitgenannt, als auch wurde das Stück inhaltlich und durch Kostümierung, ein wenig auf das englische Vorbildstück zurückgeführt. So hat man die Dreigroschenoper noch nie gesehen, in Kostümen, die gemischt waren aus den 20er Jahren des 20. und des 18. Jahrhunderts. Das wirkte originell und ein wenig clownesk, aber sehr gut zum Stück passend. </p>



<p>Im Theater-Zelt im Schweriner Schlossgarten, in brütendster Hitze am 19. Juni, war am Premierentag der Dreigroschenoper, in der Regie des Patrick Wengenroth ein großes Orchester aufgefahren, was die Weill´sche Musik zu einem großen Klangerlebnis machte.  Sehr gelungen war die Besetzung der Polly, ( Jennifer Sabel), sie kam einerseits puppenhaft naiv, ein wenig steif und ungelenk daher, schaffte aber andererseits eine interessante Widersprüchlichkeit zwischen ihrer Anbetung des Mackie und einer gleichzeitigen Schnoddrigkeit und Kälte zu geben. So gelang es ihr, den im Brechttheater geforderten V-Effekt wirklich hervorzurufen und eine gute Distanz zu ihrer Figur aufzubauen, das war sehr gekonnt. Für die Besetzung des Meckie Messer (Rudi Klein) habe ich schon bessere Lösungen gesehen, Hier waren sowohl die Ausführung der Rolle, mit nur wenig persönlicher Kraft und Autorität, als auch Kostüm und Haarfrisur, die zwischen Mozart und Rocker pendelten, für mich etwas zu jung und nicht gut zur Figur passend angelegt. Herr und Frau Peacham waren wieder sehr gelungen, das Orchester absolut spitzenmäßig und die übrigen Frauenrollen auch schön und sehr originell und unterschiedlich angelegt. Der Moritatensänger war mir in dieser Aufführung leider die am wenigsten schlüssige Person, hier hat es die Regie m.E. etwas übertrieben mit der Anpassung an Brechts Vorgaben permanenter Veröffentlichung sämtlicher Kontextualisierungen, es wirkt in dieser Inszenierung wie angeklebt, nicht zugehörig. Auch die Diebe sind ein wenig zu blass, Tiger Brown zu brav angelegt,  Lucy aber wieder sehr überzeugend. Etwas redundant kam es rüber, dass nach jeder zweiten Szene der riesige Vorhang, vorher umständlich hochgezogen, plötzlich in einem Akt der Kraftmeierei in Fetzen herabgerissen wurde. Das blieb m.E. ohne Inhaltsbezug. </p>



<p>Sehr beeindruckend war der Gesang der Polly, der nie ins Sentimentale abkippte, unfassbar, wie sie das hinbekommen hat, denn was selbst bei Lotte Lenya im Original so hell und rührselig klang, das hat sie, mit derselben Stimme, demselben Text und derselben Melodie doch selten unsentimental, klar und mit genau der richtigen Prise von Distanz  bravorös hinbekommen!   </p>



<p>Gut war, dass das Stück mit klarem Gesellschaftsbezug gegeben wurde, im Programmheft ist davon die Rede, dass die &#8222;Brutalität der Mächtigen ihr System der Ungerechtigkeit&#8220; immer streben zu erhalten, auch wenn es &#8222;erbarmungslos alle verschlingt!&#8220; Die Songs sind es zweimal wert, sich dieses Stück in Schwerin anzuschauen, super gespielt, super gesungen, lohnenswert, sich diese Musik, die nun selbst schon wieder 100 jahre alt ist und immer wieder neu aktuell, immer wieder anzuhören. Ich habe sie als kleines Kind immerzu angehört, da meine Eltern ein Studententheater betrieben, wo Brecht, Borchert und Villion mit einer Prise Peter Rümkorf gemischt wurden. Brecht/Weill-Songs, gesungen von Ernst Busch, gehörten zu meinen ersten Kindheitsliedern, ich kann sie fast alle auswendig. </p>



<p><strong>Was noch dazu zu sagen wäre: </strong></p>



<p>Brecht benutzte für die Oper u.a. etliche Balladen von Francois Villion, dann von Richard Kipling, die Ballade: Svrew-guns, die regte Brecht zum Kanonen-Song an, Karl Kraus steuerte die 2. Strophe des Eifersuchtslieds bei, dazu dichtete Brecht, und Weill vertonte, noch in der letzten Nacht vor der Premiere, den Meckie Messer-Song, der zum größten Renner des ganzen Stückes wurde, nur weil der Hauptdarsteller seine Figur zu wenig in das Stück eingeführt fand. Also man muss sagen, mit der Kollektivarbeit, das hat Bert Brecht ernst genommen. Die Dreigroschenoper wurde seinerzeit der größte Publikums-Erfolg der Weimarer Republik. Die Straßen hallten wieder von den Liedern aus dieser Oper, sie wurden überall gesungen. Leider hat auch das den Faschismus nicht verhindert. Auch in Schwerin tagten am Tag der Premiere der Dreigroschenoper die Enkel der NS-Großväter, die für ihre Taten nie ernsthaft zur Verantwortung gezogen wurden, ich begegnete ihnen zufällig, da ich im Schlosscafe pinkeln gehen wollte. Weiß livrierte Kellner traten mir in den Weg, geschlossene Veranstaltung. Fast nur Männer: Der Landes-Parteitag einer Partei, die man schon vor mindestens 10 Jahren hätte verbieten müssen und die sich nun erneut wieder aufmacht, sich demokratisch wählen zu lassen, zu unser aller Schaden. </p>



<p>Die <strong><a href="https://www.mecklenburgisches-staatstheater.de/programm/die-dreigroschenoper.html" data-type="link" data-id="https://www.mecklenburgisches-staatstheater.de/programm/die-dreigroschenoper.html">Dreigroschenoper im Schweriner Theaterzelt</a></strong>, am <strong>12.7.26 zum letzten Mal!</strong></p>
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		<title>Caligula &#8211; vom Freiluftgefangenentheater in der JVA Tegel &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 09:42:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Ungeheuer dicht und wirkungsvoll gespielt: Die Geschichte des Gewaltherrschers Caligula mit Dante´schen Elementen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Schon lange kennt die Menschheit den Typus Tyrann: Kalt, machtbesessen, mörderisch. Völker scheinen hilflos, ob dieser Heimsuchung. Menschen lassen sich mitziehen von seiner Blutrunst. Das<strong> Gefängnistheater AufBruch </strong>wählte ein antikes Vorbild um etwas darzustellen, was uns auch heute wieder aktuell bedroht: Gewaltherrschaft einzelner Männer, die die Welt an den Abgrund führen können.</p>



<p><strong>Caligula ist ein junger römischer Kaiser.</strong> Nach dem Tod seiner geliebten Schwester darf er keine Trauer zeigen, denn das Verhältnis war ein verbotener Inzest. Seine Trauer wendet sich in Hass und Menschenfeindschaft. Er entlässt alle Sklaven und macht sie sich damit zu gefälligen Untertanen und enteignet alle Besitzenden und quält ihre Frauen. Gerechtigkeit, sagt er, Gleichheit, aber in Wahrheit tobt sich hier nur Sadismus aus. Die Macht berauscht ihn, warum tut sie das? Bald füllt sich hinter ihm ein sichtbarer Keller mit Leichen, sie winden sich in Krämpfen und Schmerzen, die Dante,sche Hölle, am Ende wird er von seinen eigenen Toten erstickt. Das Gefängnistheater bringt diesen Stoff auf die Freiluft-Bühne in Tegel, in der hintersten Ecke des historischen Gefängnistrakts, in dem schon vor mehr als hundert Jahren die Gefangenen der ersten missglückten Revolution in Deutschland einsaßen, danach die Hitleropfer, später die 68er-Studenten, dazu Mörder, Räuber, Diebe zu allen zeiten, Menschen, denen die Welt keine goldenen Brücken baute. Heute dienen die alten Mauern mit den überdimensionalen Zahlen nur noch als Theaterkulisse. Genial die Idee, Dante und Camus zu mischen, die sich beide mit dem Thema SCHULD beschäftigt haben. Welche Kreise der Hölle muss solch ein Herrscher durchwandeln, bevor auch er die seiner Schuld gemäßen Strafe findet? Dieser wird von seinen Toten zerrissen, die er selbst freilässt. Die Hölle, das sind die anderen, schrieb Sartre, sie liegt mitten unter den Menschen, und &#8222;zwischen Willkür und Gesetz taumelt der Mensch&#8220; (Zitiert nach dem sehr ausführlichen Programmheft: <em>Ein bleierner Zustand, im Hier und Jetzt.</em>)</p>



<p>Auch heutige Tyrannen taumeln, wir kennen sie gut: An einem Tag wollen sie ein ganzes Land vernichten, am anderen Tag Frieden stiften, dazwischen kassieren sie an der dazu passend taumelnden Börse ab und lachen sich eins. Tyrannen taumeln zwischen ihren Launen, dem einen schmeicheln sie, den anderen demütigen sie, den nächsten töten sie. Wir kennen die Namen, sie versetzen uns in Angst und Schrecken. Es ist so leicht, mit Gewalt zu herrschen. Heute und damals und immer war es das. Und doch stürzt die Gewalt eines Tages. Das zu wissen, ist wichtig! Hier und leider, wie so oft, stürzt der Tyrann erst ganz zum Schluss. </p>



<p>Caligula ist eine Charakterstudie: Er probiert aus, was erlaubt ist und lernt: Es ist alles erlaubt. Der Tyrann stellt seine Untertanen auf die Probe: Wie weit lassen sie sich treiben, und wie viel können sie erdulden, bevor sie sich widersetzen? Er demütigt, er enteignet, er mordet. er weidet sich in der Angst seiner Gegner. Jeder kann es werden, wenn man ihn lässt. Die Welt muss Zügel entwickeln für solche Tendenzen im Menschlichen. Sonst geht es schief. </p>



<p>Die Spieler sind ungeheuerlich, sie schaffen es, diese Abgründe auf die Bühne zu bringen, dass einem der Atem stockt. Sie, die Eingeschlossenen, die von aller Welt verlassenen, in einer Knaststadt hinter Mauern einsitzenden, vielfach schuldig an der Welt gewordenen, sie schaffen das Spiel von Gewaltherrschaft, die sich ins Unermessliche dehnt, authentisch zu geben. Und sie machen es auf eine ganz besondere Weise. Sie zeigen wie ein Gewaltherrscher auch immer etwas von Rebellentum an sich hat, darauf beruht seine Faszination. Rebellen können sich leicht zu Gewaltherrschern entwickeln, sie kehren ins Gegenteil, was sie einst forderten. Und sie zeigen es gut: Die Hölle beginnt da, &#8222;wo der Mensch glaubt, alles zu dürfen&#8220;.  Hölle als &#8222;Erfindung der Menschheit&#8220;, wo die Verdammten, wie Dante es zeigte, gefangen sind im Echo ihrer Taten. &#8222;Schuld ist eingeschrieben in ihre Körper&#8220;, Strafe als &#8222;immerwährende Wiederholung&#8220;. <strong>Starkes Stück, starke Regie, starkes Spiel! </strong>Jeder der Spieler überzeugt, wirklich, jeder! Das Ensemble tritt hier in großer Besetzung auf, und doch verschwimmen in den Volkszenen die Personen nicht, sie sind alle, jeder auf seine Weise, noch einzeln sichtbar, als besondere Charaktere.  Und die Hauptdarsteller? Besser hätte man es nicht treffen können! Wie immer übertreffen sie alle Charakterdarsteller, die ich je auf bürgerlichen Bühnen sah! Ein Jammer, dass die Stücke des Gefangenentheaters AufBruch nicht länger als einige wenige Wochen zu sehen sind.  </p>



<p>Begleitet wurden die Spieler durch Musiker der Berliner Band 17 HIPPIES, auch deren Einsatz war großartig, sehr originell, mit sehr viel Anklang an die neue Musik, ungeheuer passend zu den Szenen, das Gefangenenensemble der JVA Tegel hat wirklich Großartiges geleistet. Diesen Abend vergisst man so leicht nicht. Er sitzt einem in den Knochen, fährt einem in die Seele, verstört und gibt zum Nachdenken Anlass. Wie können wir die Welt ändern? Können wir es, wir müssen! Das ist der Apell dieses Stückes aus dem Knast in Berlin. Man fragt sich: Warum kann es nicht Theaterspiel als Dauereinrichtung in jedem Gefängnis geben? Ich kann mir nichts Wirkungsvolleres zur Aufarbeitung der Schuld von Gefangenen und von uns allen, vorstellen. Danke an den Regisseur und alle Beteiligten!</p>



<p><strong>CALIGULA. INFERNO.</strong> nach Camus und Dante vom <strong>Freiluftgefangenentheater in der JVA Tegel</strong>, in der Regie von <strong>Peter Atanassow</strong>, <em>(Die Gefangenen sagen, sie haben alles, was sie können, allein ihm zu verdanken, der Regisseur sagt dasselbe über seine Spieler) </em></p>



<p><strong>Premiere war am:</strong> 9. Juni 2026, <strong>Noch weitere Vorstellungen:</strong> 23., 24., 29. und 30. Juni sowie 2. Juli 2026 jeweils um 17.30 Uhr, <strong><a href="https://www.gefaengnistheater.de/karten" data-type="link" data-id="https://www.gefaengnistheater.de/karten">anmelden!</a></strong></p>



<p><strong>Danke an alle Spieler des Gefangenenensemble der JVA Tegel<br></strong>Adrian Zajac, Alex, André S., Atak, Baris Can, Eddy A., Fabi, H. Peter Maier C.d.F., Horst Grimm, Jan M., Marco, Muhammet, Norman, Paco, Paul E., Rico, Robert, Robin, Ronny B., Senad, Sven, Taui.</p>



<p><strong>Begleitet durch Musiker der 17 HIPPIES</strong><br>Benjamin Ostarek (Klarinette), Reinhard „Koma“ Lüderitz (Schlagwerk, Sackpfeife), Volker „Kruisko“ Rettmann (Akkordeon), Michael &#8222;Moe&#8220; Jaksch (Kontrabass, Zither)<br><strong>sowie</strong> <strong>am Klavier</strong> Vsevolod Silkin</p>



<p><strong>Regie</strong> Peter Atanassow <strong>Bühne</strong> Holger Syrbe <strong>Kostüme</strong> Anne Schartmann <strong>Dramaturgie</strong> Franziska Kuhn <strong>Musikalisches Konzept und Arrangements </strong>Christopher Blenkinsop (17 HIPPIES) <strong>Musikalische Einstudierung Gesang</strong> Vsevolod Silkin <strong>Choreographie</strong> Suzann Bolick <strong>Produktionsleitung</strong> Sibylle Arndt <strong>Regieassistenz</strong> Marlene Zuz <strong>Kostümassistenz</strong> Elena Chant <strong>Technik</strong> Mo Koulaghassi, Lukas Maser <strong>Grafik</strong> Dirk Trageser</p>
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		<title>Das Rostocker Volkstheater hat ein sehr hohes Niveau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 06:40:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Volkstheater Rostock kann sich sehen lassen, sieben großartige Aufführungen im letzten Halbjahr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Rostock – mon amour!</strong></p>



<p>Ich habe in der letzten Zeit sieben großartige Theateraufführungen im <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Volkstheater Rostock</a></strong> angesehen, das Volkstheater ist ein Vierspartentheater mit Anbindung an die HMT, der Hochschule für Musik, Theater und Tanz, die dort in der Altstadt, in einem alten Kloster ansässig ist. Ich hatte dort zu tun und gelangte nur in Abständen in die Aufführungen, zuerst im November, da sah ich: <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/die-ratten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Ratten</a></strong>, sehr gut inszeniertes und gespieltes Sozialstück von Gerhard Hauptmann, die Parallelen zu heute berühren einen tief, es wurde mit sehr viel Einfühlung in den heutigen Pauperismus und die unter ihm leidenden Personen gegeben, die man sich, erschreckend aktuell, sehr gut vorstellen konnte.  Ist es wahr, dachte man, dass die Abtreibungsfreiheit für Frauen immer noch nicht erreicht hat, ganz im Gegenteil, immer mehr eingeschränkt wird?</p>



<p>Dann sah ich im Januar das Vierspartenstück <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/amadeus/" data-type="link" data-id="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/amadeus/">Amadeus</a></strong>, über den Mythos der Mozartvergiftung durch Salieri, ein wunderbares Kostümtheater mit einem verzweifelten Salieri und einem lustigen Mozart, auch sehr tiefgründig gespielt, vor allem, weil Neid, Missgunst und Rachsucht allgemein menschliche Probleme sind, und diese hier sehr gründlich ausgeleuchtet wurden. Im Februar sah ich die wunderbare Komödie von <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ben_Jonson" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Ben_Jonson">Ben Johnson,</a></strong> einem völlig unbekannten Shakespeare-Zeitgenossen, <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/volpone-oder-der-fuchs/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Volporone, oder der Fuchs</a></strong>, über Geld, Geiz und Gier, unfassbar gut gespielt, wo die Charaktere durch Tiere symbolisiert wurden, einzigartig gut gespielt, die Spieler haben wirklich alle Charaktereigenschaften, die durch Aussicht auf Geld ausgelöst werden können, in ihren Figuren ausgedrückt, außerordentlich! Leider wurde es nur sehr kurz gespielt. </p>



<p>Dann im März sah ich das <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/anatevka-fiddler-on-the-roof/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Musical Anatevka</a></strong>, werkgetreu und tragisch gegeben, mit einer großen Verbeugung vor den osteuropäisch-jüdischen Dorfgemeinschaften, die immer wieder vertrieben und schließlich im Holocaust für immer vernichtet wurden, mit einer berührenden, ganz kurzen Versöhnungsszene zwischen den jüdische Dörflern und den russischen Soldaten im gemeinsamen Tanz. Ausgesprochen gut besetzt, mit einem nachdenklichen, weichen, seine eigenen Maximen immer wieder infrage stellenden <strong>Tevje</strong>, wunderbar kraftvoll gespielt von <strong><a href="https://www.facebook.com/volkstheater.rostock/videos/vorgestellt-frederic-b%C3%B6hle/978858224622193/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frederic Böhle</a></strong>, der wie geschaffen für seine Rolle war, sogar mit eigenen Beziehungen zur Klezmer-Musik, genial die Ausgestaltung seines Zweifelns, seiner Gedankenspiele, seiner Worte, die er mit Gott spricht, sein Mut, der sich immer wieder aufrichtet, aber auch seine Trauer, sehr unsentimental inszeniert, eine einzige Verbeugung vor der Geschichte und dialektischen Debattenkultur des jüdischen Volkes. Auch sehr genial wurde hier <strong>Jente</strong> gegeben, die Heiratsvermittlerin, <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/anatevka-fiddler-on-the-roof/katrin-heller/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Katrin Heller</a></strong> verlieh ihrer Figur etwas köstlich Hexenhaftes, was trotzdem etwas Humoristisches hatte, sie war im Grunde die Gegenspielerin von Tejve, die die alte Zeit in aller Starrsinnigkeit verkörperte und trotzdem liebevollgestaltet wurde. Die Vielschichtigkeit und Widerspräcuhlichkeit, die ein Spielender in seiner Figur ausdrücken kann, macht die Qualität aus, denn das kommt dem Menschlichen am nächsten, hier ist es wunderbar gelungen! </p>



<p>Dann war ich im April auf der kleinen Bühne im Ateliertheater, bei <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/fischer-fritz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fischers Fritz</a></strong>, einem Kammerstück, in dem das brisante Thema der häuslichen Pflege komödiantisch, mit viel ernstem Witz, sehr realitätsnah, auf die Bühne gebracht wurde und im Mai war ich in der <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/tschick/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Road Opera“ Tschick</a></strong>, wo Ludger Vollmer schwere, an Schönberg angelehnte Musik, in der Adaptation eines Jugendfilms, tatsächlich schafft, 14-jährigen nahezubringen. Dazu wurde das Medium Video-Installation äußerst feinfühlig und originell in die Theaterszenen, sozusagen „eingewebt“. Denn es wurden nicht irgendwo hinten oder seitlich, flimmernde Filmszenen laufen gelassen, &nbsp;die Filmszenen traten in die Szene ein, gingen aus ihr hervor, die Schauspieler wanderten durch die Leinwand, wie durch einen Nebel, es war ein ästhetischer Hochgenuss, den die Jugendlichen auch staunend bewunderten. (Man merkte es daran, wie still sie wurden) &nbsp;&nbsp;</p>



<p>Was ich da zufällig und nur in einem kleinen Ausschnitt ansah, denn es gibt 20 Premieren in jeder Spielzeit, war einfach umwerfend. Die Stücke, Opern, Komödien, Dramen werden nicht nur toll gespielt, inszeniert, musikalisch und künstlerisch begleitet, sondern auch passend zur Tagespolitik und gesellschaftlichen Situation ausgesucht, immer mit einem sozialkritischen Blick, immer mit einem Anreiz zum Nachdenken, zur vertiefenden Erkenntnisgewinnung gegeben, so dass die Stücke wirklich zu einem Hochgenuss des Denkens und Empfindens werden. Die Schauspieler, die dort arbeiten, sind legendär, es sind einzigartige Charakterschauspieler unter ihnen, wie <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/katharina-paul/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Katharina Paul</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/bernd-faerber/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bernd Färber</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/frank-buchwald/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frank Buchwald</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/malin-steitz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Malin Steitz</a>, </strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/ulrich-k-mueller/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Ulrich K. Müller</strong></a> und <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/hagen-ritschel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hagen Ritschel</a></strong>, um nur einige wenige zu nennen, die absolut herausstechen, sie tragen die Stücke mit ungeheurer Professionalität, mit Einfallsreichtum, Witz, Dramatik, Ernsthaftigkeit, mit so viel Würde, geistiger und körperlicher Präsenz, so viel Kompetenz, dass es für jeden Regisseur eine Freude sein muss, hier zu arbeiten. Man gewinnt sie lieb, sie bekommen standing-ovations bei jeder Aufführung. Sie wechseln die Dialekte, die Sprachen, die Typen, die sie spielen, sie können auf der Klaviatur der Gefühle wirklich alles ausdrücken, und schaffen es, ihre Figuren mit scheinbarer Leichtigkeit, und trotzdem Tiefe und Authentizität zu geben, eine große Kunst!</p>



<p><strong>Rostock lohnt sich!</strong> Das ist die einzige Empfehlung, die ich jedem Kulturinteressierten geben kann! Das Volkstheater mit seiner großen, und mit seinen kleinen Bühnen, Ateliertheater und Warnemünde, aber auch die Bühne 602, mit ihrem vielfältigen Angebot, ihren Winter- und Sommerstücken im Klostergarten und mit dem ungeheuer vielfältigen Musikangebot steht dem in nichts nach, dann gibt es noch drei Kabarettbühnen in Rostock und weitere Veranstaltungsstätten mit Schauspiel, Musik und Kunst über das ganze Jahr verteilt, einfach eine wunderbare Kulturstadt!</p>



<p><strong>Anja Röhl</strong></p>



<p>Foto: Volkstheater: Frederic Böhle als Tevje, großartig in Anatevka</p>
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		<item>
		<title>Über die Birne-Bücher des Günter Herburger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 00:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Literaturwissenschaftliche Einordnung der Kinderbücher des Schriftstellers Günter Herburger]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[Literaturwissenschaftliche Einordnung der Kinderbücher des Schriftstellers Günter Herburger]]></content:encoded>
					
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		<title>Kinder der Kriegs- und Führerkinder</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 22:31:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pädagogik]]></category>
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					<description><![CDATA[Kriegs- und Führerkinder nennen wir die  Kinder, die von 1938 bis 1945 in der Zwangsorganisation der Hitlerjugend sein mussten und davon traumatisch geprägt wurden]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vortragsauszug, gehalten am 30.3. 12, auf dem 26. Jahreskongress der GPPP:</strong></p>
<p><strong>Aus: Die Wohlgesinnten, Littell</strong>: <em>„Man hat in Russland nie von den KZs in Lublin oder Schlesien gehört, aber der einfache Straßenbahnschaffner in Berlin oder Düsseldorf  weiß, dass dort Menschen verbrannt werden. Ganz Deutschland ist ein riesiges Gespinst von Gerüchten…. Ermutigend ist,  dass die Menschen trotzdem die Partei und den Staat unterstützen, sie glauben noch an den Führer und den Endsieg. Und was beweist das? Das der nationalsozialistische Geist zu <strong>der Wahrheit</strong> im Alltag unseres Volkes geworden ist, &#8230; bis in den letzten Winkel vorgedrungen. Daher wird er überdauern, selbst wenn wir den Krieg verlieren. (Littell, S. 768)</em></p>
<p><strong>Immer noch Krieg – Eine biografische Sicht</strong></p>
<p><strong>Ich bin ein Kind von Kriegs- und Führerkindern, meine Eltern pflegten zu sagen, dass der Krieg ihnen die Jugend genommen hätte. Meine Kindheit verlief unmittelbar und unbedingt unter dem von meinen Eltern erlebten Faschismus- und Kriegsvorkommnissen, ohne die Erziehung zum Krieg meiner Eltern und ihrer Zwangs-Organisierung von 1939-1945 in der Hitlerjugend wäre meine Kindheit anders verlaufen. </strong></p>
<p>Ich werde ihnen jetzt hier etwas von meinen Eltern erzählen. Keineswegs will ich diese damit bloß und als schlechte Menschen hinstellen. Sie sollen hier nur Beispiel sein. Sie stehen hier stellvertretend.  Ich nehme sie und mich als Studienobjekte, da ich sie und mich in den ersten 15 Jahren meines Lebens besser als alle anderen Menschen der Welt kennengelernt habe.</p>
<p>Ich nehme sie als Studienobjekte für das, was Erika Mann in ihrer Untersuchung: „10 Millionen Kinder“ vorausgesagt hat, nämlich die unglaublichste Charakterverbiegung der Kinder durch <a href="_wp_link_placeholder" data-wplink-edit="true"><strong>die besondere Nazi-Erziehung zum Hass und zum Krieg</strong></a>. Ich will ihnen etwas davon erzählen, wie das im Konkreten entstanden sein mag und beleuchte dann kurz, wie es sich ausgewirkt hat. Zum ersten berufe ich mich auf meine persönlichen Erkundungen, Schlussfolgerungen und Vermutungen, zum zweiten nehme ich mich selbst als Studienobjekt. Sie sehen, ein durch und durch subjektiver Bericht, der keine Allgemeingültigkeit behauptet.</p>
<p>Meine Eltern, das ist mein Fazit, handelten durchaus folgerichtig, ihrer Zeit, ihren Einflüssen und ihren Erlebnissen entsprechend. Sie gingen den Weg einer unbewussten Verarbeitungsstrategie. Sie stehen hier stellvertretend für eine Generation, die eine Kindheit im prosperierenden Nazi-System verlebte, in die ein lange vorausgesagter Krieg wie etwas Selbstverständliches einfiel, der sich zu einer zunehmenden Katastrophe mit unvorhersehbaren Folgen für sie auswuchs. Ihre Namen sind austauschbar, und doch ist es eine ganz persönliche, ganz private und ganz konkrete Geschichte.* Nicht der Krieg mit seinen Bomben hat das Leben meiner Eltern bestimmt, von ihnen waren sie sogar  weitestgehend verschont geblieben, sondern der Krieg als Einstellung, als Lebenshaltung, als Ziel, als Sinn, als Pflicht, als Angst, als die Vorstellung von grässlichen Feinden, die ihre Familie, ihr Land und ihr Zuhause bedrohen, als Vorstellung, dass man unbedingt „siegen“ müsse, als etwas die gesamte Gesellschaft sozial Durchziehendes, als etwas, mit dem sie schon in den ersten Schuljahren aufwuchsen, eng mit der Ideologie von Stärke und Kampf, Waffen und Sieg verknüpft, mit dem Gefühl einer unbedingten Notwendigkeit für die Obrigkeit einzutreten, da diese schon wisse, was sie täte und mit wachsamem Misstrauen, imaginären Feinden gegenüber, verbunden mit der Bereitschaft, in jedem Feind, wie verlangt, übermenschliche Bösartigkeiten zu entdecken. Unklar vernebelt hat sich dies mit dem immer gegenwärtigen, aber abstrakt gebliebenen Gefühl des Sterbens verbunden, sowohl des eigenen, als heldenhafte Tat, für etwas unklar Wichtiges, als auch das des Feindes, das man als „notwendig“, als erleichternden Ausweg aus einer Bedrohung phantasierte.</p>
<p><strong>Beide wuchsen sie seit ihrem Kindergartenalter im Gefüge der Nazi-Kriegspropaganda heran und die Werte der Nazis, sowie die ständige Propaganda für einen Krieg wurde ihnen zum dauerhaften Kindheitsbegleiter. Erst als ständige Bedrohung, gegen die man sich wappnen müsse, dann als real eingetretener Ernstfall, der nun immer und überall herrschte&#8230;</strong></p>
<p><em>Der vollständige Text (33.000 Zeichen) im Tagungsband:  26. Jahrestagung der </em><a href="http://www.psychohistorie.de/">Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie, GPPP</a><em> </em></p>
<p><em>Kontaktadresse: Prof. Dr. Winfried Kurth und Dipl.-Soz. Heike Knoch Georg-August-Universität Göttingen Büsgeninstitut – Abteilung Ökoinformatik Büsgenweg 4, 37077 Göttingen Telefon (0551) 39-9715, (0172) 5664458, Fax (0551) 39-3465 E-Mail: wk@informatik.uni-goettingen.de Internet: www.uni-goettingen.de/de/72781.html</em></p>
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		<title>NEIN zum Geld &#8211; in der Compagnie de Comedie in Rostock &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 22:09:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Sehr gut verdichtete, bittere Komödie der französischen Theaterautorin Flavia Coste , bei der es ums Geld geht und was es mit uns macht]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Geld spielt neuerdings täglich eine immer überraschendere Rolle. Es wird überall benötigt und überall ausgegeben, Milliarden für Panzer und Waffen, steigende Gewinne bei Millionären, Verrückte, die so viel Geld haben, dass sie sich ganze Erdteile kaufen können, und immer mehr Menschen, die so wenig Geld haben, dass sie in Abfalleimern wühlen müssen. Steigende Profite, sinkende Einkommen, Ungerechtigkeiten, Verzweiflung, alles geht ums Geld. Überall ist die Rede davon: Geld, Geld, Geld. Kürzungen im Sozialen, bei Theatern, Schwimmbädern, Kultur. Einsparungen bei Schulen, Krankenhäusern, Spielplätzen.</p>



<p>Zu dieser Zeit kann man in der Hafenstadt Rostock, im <strong><a href="https://compagnie-de-comedie.de/" data-type="link" data-id="https://compagnie-de-comedie.de/">Theater Compagnie de Comedie</a></strong>, in der Bühne 602, direkt am Hafen, ein Stück ansehen, das mit GELD, seiner Bedeutung und seiner Bewertung zu tun hat, und dabei vor allem sein schädliches, den menschlichen Charakter ins Schlechte veränderndes Wesen auf frappierende Weise entlarvt. Eine bittere Komödie der französischen Theaterautorin <strong><a href="https://landgraf.de/biografien/flavia-coste/" data-type="link" data-id="https://landgraf.de/biografien/flavia-coste/">Flavia Coste</a></strong>, mit dem Titel: „<strong>Nein zum Geld“,</strong> deren erstes Theaterstück nach der Uraufführung 2017 in Paris, durch eine „beneidenswerte Begabung für einen ideen- und trickreichen Handlungsaufbau, dialogische Situationskomik und genau gezeichnete Charaktere“ von sich Reden gemacht hat.</p>



<p>Es beginnt harmlos, ein junger, mäßig erfolgreicher Architekt mit Frau und Baby, lädt seine Mutter und seinen besten Freund, mit dem er in einem Start-up arbeitet, zum Abendessen ein. Nachdem das Publikum die Protagonisten etwas kennengelernt hat, die Mutter ist von köstlicher Komik, sie erzählt von ihren lustigen Versuchen, Liebhaber zu treffen, über den Arbeitsfreund vermuten sie, kurz bevor er kommt, dass er schwul sei, weil man bei ihm nie eine Frau sieht, seine junge Frau, erfährt man, ist Lehrerin mit festem Gehalt, die das risikoreiche Architektur-Unternehmen der beiden haushaltsmäßig stützt, druckst er herum, er wolle etwas erzählen. Er windet sich dabei und wirkt seltsam, er wolle sein Verhalten während der letzten zwei Monate erklären, sagt er, er liebe sie alle drei und wolle seinen liebsten Menschen etwas Wichtiges mitteilen, er redet und redet, um den heißen Brei. Die anderen stutzen. Was ist passiert? Die Mutter ruft aus: Hast du einen Menschen totgefahren? Endlich soll er reden. Nun sagt er, er habe im Lotto gewonnen. Waas? Wieviel? Und es werden schließlich nur noch Zahlen gerufen: 500? 1000? 10.000? Eine Million? Immer lächelt der junge Mann und zeigt mit den Fingern nach oben. Die drei werden zunehmend nervös und springen auf. Als feststeht, dass er 167 Millionen gewonnen hat, beginnen alle zu schreien, zu brüllen, zu kreischen. Richard als einziger bleibt ruhig, lächelt… Ihr habt vergessen, zu Ende zuzuhören, sagt er, ich habe den Preis nicht angenommen. Die anderen erstarren.</p>



<p>Von hier aus entspinnt sich ein köstliches Feuerwerk spannender Dialoge und Szenen, diese sind voller Überraschungen und Dramatik. Dabei stimmt alles: Dramatisch perfekt verdichtet, spannende, ungeheuer gut passende Dialoge voller Authentizität und Lebendigkeit, unglaubliche Situationskomik und dabei mit tiefernster, wertvoller Botschaft und super gespielt!</p>



<p>Das Besondere, das Publikum kann sich sehr in die drei Erstaunten, Erbosten und zunehmend Entsetzen einfühlen! Denen ist bald jeder Appetit vergangen, die wollen kein Fest mehr feiern, sie haben keine ruhige Minute mehr, und vor Wut auf den Mann, der den Gewinn ablehnen will, geraten sie immer mehr in Raserei. Richard, die Hauptperson, der immer wieder betont, er habe das aus Liebe zu ihnen gemacht, wird dabei zunehmend als verspinnert, verblendet und verrückt wahrgenommen, er gerät ins Abseits. Er beteuert: Ich habe mir alle Lottogewinner der letzten 30 Jahre angeschaut, sie sind alle wahnsinnig geworden, ich will nicht, dass ihr so werdet! Blödsinn, sagt die Mutter, nachdem sie sich von einem Anfall erholt hat: Du hättest an Wohltätigkeitsorganisationen spenden können! Unsere Firma sanieren, sagt der Freund, dem Kind eine gute Schule ermöglichen, sagt die Frau. Und wütend finden alle drei: Keiner lehnt sowas ab!!! <em>„Früher war Geld nur ein Tauschmittel, heute verleiht Geld Macht über alle Menschen. Ich will das nicht! Nicht für mich und nicht für euch! Weil ich euch liebe!“</em> Richard bleibt auch dann stark, als sich herausstellt, dass noch drei Stunden bleiben, um den Schein doch noch einzulösen.</p>



<p>Man denkt, diese Story ist einfach, aber das ist sie nicht, denn in ihr wickelt sich eine böse Methapher ab, etwas passiert, was genau dem entspricht, was Richard voraussah. Es gibt am Ende keine Freundschaft mehr. Und das Publikum wird mitgerissen, zuerst im Lachen, dann im entsetzten Erkennen einer der bittersten Realitäten unserer Zeit. Das kleine Kammerspiel mit vier Spielern ist ein echtes Highlight und unbedingt zu empfehlen! Nach Hause geht man mit Zwerchfellmuskelkater durchs Lachen und einer erfrischend deutlichen Erkenntnisklarheit über das Wesen des Geldes.</p>



<p>Nach der letzten Szene hält das Premierenpublikum zunächst inne, denn der Schluss ist allzu überraschend, aber dann gibt es Standing ovations, immer wieder müssen die Spieler auf die Bühne. Das Publikum nimmt das Stück nun nicht mehr als einfaches Mittelstandsdrama, sondern als Lehre, als Bild über den Wahnsinn unserer Zeit wahr, denn es hat etwas Seltsames erlebt, man konnte sich einfühlen in die drei Menschen, denen plötzlich 167 Millionen über alles gingen. Man hat verstanden, warum sie auf ihren Freund wütend waren, sich von ihm hintergangen fühlten, ihre Freundschaft sich verabschiedet hat. Dabei ist die Besetzung, in der Compagnie de Comedie, die im Sommer eines der besten Freilufttheater Deutschlands im Rostocker Klostergarten anbietet, bestens: Die beiden männlichen Schauspieler, Marcus Müller, der den Richard so herrlich hibbelig, verplant und naiv spielt und Peer Roggendorf, der hier erstaunlich ruhig den typischen Franzosen gibt, geben ihre Figuren super passend, ebenso auch die beiden Frauen Angela Schlabinger als Mutter und Lydia Wilke, als Richards Frau Claire, die mit ungeheuer viel Witz und Echtheit ihre Figuren spielen.  Alle sind dabei sehr aufgeregt, temperamentvoll, aber durchaus dem Gegenstand angemessen, denn, ehrlich gesagt, wem ginge es nicht so, dass er ausrasten würde, wenn ein enger Freund, Mann oder Sohn 167 Millionen gewinnen würde? Die Gefühle der drei sind keineswegs übertrieben, sondern realitätsnah und authentisch getroffen, es geht ja nicht um 100 oder 1000 Euro. Man kann ihnen lange folgen und gefühlsmäßig mitgehen.</p>



<p>Und als dann alles kippt, da wird plötzlich das Stück zur politischen Parabel. Aus dem privaten Kammerspiel wird Ernst. Etwas, was uns alle angeht. Da wird einem klar, es geht nicht mehr nur um den Gewinn des Richard und die Verzweiflung seiner Liebsten, es geht &nbsp;um die Menschheit und ihren Fortbestand, um das, was Geld mit uns macht. Und das letzte Lachen bleibt einem schmerzhaft im Halse stecken. &nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Unbedingt hingehen, lohnt sich. Nicht abhalten lassen. Es gab ungeheuren Applaus bei der Premiere, als die Hände müde wurde, wurde getrampelt. Das Publikum war mehr als amüsiert, es war bewegt worden. Großartig! &nbsp;</p>



<p>Reservierungen: 0381/ 203 60 84<br>Kartenvorverkauf in der BÜHNE 602<br>Warnowufer 55, 18057 Rostock<br>Mo – Fr von 10:00 – 12:00 Uhr<br>Fr von 14:00 – 18:00 Uhr<br>(Keine Kartenzahlung möglich)</p>



<p>oder Online:<br><a href="http://www.mvticket.de/b602shop">http://www.mvticket.de/b602shop</a></p>



<p>NEIN ZUM GELD!<br>Komödie von Flavia Coste<br>Aus dem Französischen von Michael Raab<br>Regie: Angelika Zacek<br>Mit ANGELA SCHLABINGER, LYDIA WILKE, MARCUS MÖLLER und PEER ROGGENDORF</p>
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		<title>Don Quijote im Volkstheater Rostock &#8211; etwas vergaloppiert &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2026 06:28:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Don Quijote in Rostock - Bis auf Malin Steitz als Sancho, im Ganzen etwas wenig überzeugend ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Komödie von Peter Jordan / Sehr frei nach Miguel de Cervantes</p>



<p>Schon länger läuft in Rostock das Stück Don Quijote in einer freien bearbeitung von Peter Jordan im Ateliertheater der großen Bühne. Sancho Panza tritt dort als Clown auf und will von seinem Herrn weg, weil ihm der ein Fall für den Psychiater zu sein scheint. Mit wunderbarer Körpersprache gewinnt hier Malin Steitz zunächst die Herzen der Zuschauer. Aber das Stück verliert durch eine wenig stringente Handlung und Dramaturgie, Dulcinea als auseinandernehmbares Pferd, Spanientänzerin und strenge in einer roten Phantasie-Uniform steckenden Beamtin tanzt zwar schön, wirkt aber puppenhaft künstlich und der Don als verwirrter Spinner ist nicht mal lustig, die Weltrettungsphantasie glaubt man ihm nicht.<br><br>Peter Jordan hat sich hier in seiner frei nach Cervantes-Bearbeitung des historischen Stoffes mE vergaloppiert. Die drei Spieler:innen, besonders Malin Steitz als Sancho, versuchen durch ihr wunderbar clowneskes Körperspiel alles herauszuholen, was geht, so dass man durchaus interessante Momente hat, denn sie ist eine wirklich begnadete Schauspielerin, aber im Ganzen ist es vergeblich, das Stück berührt nicht, es packt einen nicht, es verwirrt nur und besonders die Bezüge von damals zu heute wirken gewollt, wie angeklebt.</p>



<p>Im Ateliertehater des Volkstheaters Rostock: Inszenierung: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/simon-jensen/">Simon Jensen</a>, Bühne und Kostüme: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/isabelle-kaiser/">Isabelle Kaiser</a>, Dramaturgie: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/arne-bloch/">Arne Bloch</a>, Regieassistenz und Inspizienz: Karla Prager, Spielende: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/hagen-ritschel/">Hagen Ritschel</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/malin-steitz/">Malin Steitz</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/don-quijote/anouk-warter/">Anouk Warter</a></p>
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		<title>Volpone oder der Fuchs im Volkstheater Rostock</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Feb 2026 09:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Volpone im Rostocker Theater: Tolle Komödie mit 400 Jahre alter Kritik an der Anbetung des Mammons und menschlicher Abgründe]]></description>
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<p>Was passiert, wenn man reich ist, umgeben von feinen Freunden, und man plötzlich sterbenskrank wird und jeder dieser Freunde plötzlich nur noch an das Geld denkt, dass man möglicherweise erben könnte? Ein uralter Theaterstoff. Besonders, wenn derjenige, über dessen Besitz die Aasgeier herfallen, noch am Leben ist und alles miterleben muss, wie King Lear zum Beispiel oder andere. Das Stück eines Shakespeare-Zeitgenossen, des zu Unrecht vergessenen Dichters Ben Johnson (1562), hat dieses Thema sehr originell aufbereitet und die Regisseurin Jule Kracht hat diesen Stoff in einer superben Besetzung am Volkstheater Rostock grandios inszeniert. Da stimmt wirklich alles, jeder Witz sitzt, jede Geste, jedes Minenspiel. Und  alles dreht sich um die uralte Geißel der Menschheit, das Geld und seine ungeheure Macht, die über Leichen geht. </p>



<p>Die Hauptperson, der reiche Volpone, als Fuchs charakterisiert, gibt vor, sterbenskrank zu sein, und muss erleben, wie aus Freunden plötzlich habgierige Raubvögel werden, die auf sein Erbe schielen. Sie überhäufen ihn mit großzügigen Geschenken, schmeicheln ihm, tun so, als wären sie um seine Gesundheit besorgt, aber werden durch einen Trick, den sich Volpone und sein Diener Moska ausgedacht haben, auf entlarvende Weise an der Nase herumgeführt.  Während des Spiels im Spiel verwandeln sich Menschen in fabelartige Tiere, was ihren Charakter noch deutlicher sichtbar macht. Die Hauptperson ist der Fuchs, (sehr gut gegeben von Hagen Ritschel), sein Diener Mosca ist einer Schmeißfliege nachempfunden, die sich jedem Dreck anhaftet, man behält sie noch lange im Gedächtnis! Sie wiegt jeden der &#8222;Freunde&#8220; des angeblich sterbenden Hausherrn in dem Glauben, dass derjenige nun schon als Hauptbegünstigter ausgewählt wurde, macht Hoffnungen, kassiert Geschenke ein, verspricht, umschmeichelt, stachelt die Gier der Bewerber immer mehr an, wunderbar verschlagen und galant, mit starkem Körpereinsatz, gespielt, ein großes Bravo für Katharina Paul.  Der Charakter einer Schmeißfliege, die alles für seinen Herrn und dessen Vorteil zu tun bereit ist, und sich dabei an jeden anderen ebenso manipulativ anschmeicheln kann, ist wunderbar getroffen. Und auch die  Erbschleicher und betrogenen Betrüger Voltore (Geier), super durch Ulrich K. Müller gespielt, Corbaccio (Rabe), perfekt durch den Charakterdarsteller Frank Buchwald, und Corvino (Krähe), durch Joshua Walton gegeben, wurden mit viel Leidenschaft, Können und echtem Engagement gespielt. Auch die Kostüme waren wunderbar originell konzipiert, mein besonderes Lob geht dabei auch an die Kostümbildnerin Nora Lau.</p>



<p>Während nun diese &#8222;Vögel&#8220; alle moralischen Prinzipien aufgeben, haben Volpone und sein Diener Mosca auch viel Spaß. Am Ausplündern und auch an der ungeheuren Macht, die das Geld verleiht. Rabe, Geier, Krähe, Fuchs, Fliege, wunderbar gut getroffene Typen von Raffgier. Am Ende verheddern sich alle im Netz der ausgespannten Lügen und Versprechungen und keiner &#8222;kann mehr vor seinen eigenen Begierden sicher sein&#8220;, wie es im Programmheft dazu heißt. Der Trick, den sich das Betrügerpaar Volpone und Mosca ausgedacht hat, wendet sich am Ende gegen sie selbst, lässt am Ende alle kläglich scheitern. </p>



<p>Eine starke Botschaft gegen die Grundfesten, auch unseres heutigen Wirtschaftssystems, des kapitalistischen, dem angeblichen Sieger in der Geschichte, wo alles nur auf das schiere Anhäufen von Geld, Macht und Besitz ankommt, und das Menschliche auf der Strecke bleibt. Das Stück hält so, auch 400 Jahre nach seiner Uraufführung noch immer der Gesellschaft den Spiegel vor, ist die Idee des Anhäufens von Geld und Macht doch offenbar auch heute noch aktueller als je!</p>



<p>Eine tolle Idee, sehr gute Umsetzung am Rostock Volkstheater, großes Lob an Jule Kracht! Leider viel zu früh abgespielt! </p>



<p><strong>Hintergrund: </strong></p>



<p>Das Stück Volpone ist ein satirisches Stück von Ben Jonson aus dem Jahr 1606. Dieser war einer der bedeutendste Dichter der Renaissance. Der nur 8 Jahre jüngere Benjamin Johnson, überlebte Wiliam Shakespeare, zu dem er einen berühmten Nekrolog geschrieben hat, um mehr als 21 Jahre und sah sich stets eher als einen Gelehrten an, dem griechische und römische Vorbilder heilig waren und der neben Dramen vor allem Lyrik hinterließ, legte großen Wert auf eine Klarheit der Form und Schlichtheit des Ausdrucks. Dadurch trug er maßgeblich zu der Entstehung des Ideals eines schlichten Stils <em>(plain style)</em> bei. Ausgehend von der römischen Komödie begründete er eine neue Form der satirischen Sittenkomödie, die bis in das 18. Jahrhundert bestehen blieb. In seinem wichtigsten Stück Volpone kritisiert er menschliche Gier und Täuschung. Es erzählt die Geschichte von Volpone, einem Venezianer, der seinen eigenen Tod vortäuscht, um gierige Anwärter mit Hilfe seines Dieners Mosca um ihr Geld zu betrügen. Durch ihre Machenschaften satirisiert das Stück die korrupten Bürger Venedigs und deren Besessenheit mit Geld und Überfluss. Am Ende führt Volpones Mangel an Selbstbeherrschung dazu, dass er von Mosca überlistet wird. Er wird ins Gefängnis geschickt, während die gierigen Anwärter öffentlich gedemütigt werden. Das Stück gilt als eines von Benjamin Jonsons besten Werken und bleibt eines der besten Beispiele für die Jakobäische Komödie.</p>
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		<title>Fischer Fritz im Volkstheater Rostock &#8211; Rezension</title>
		<link>https://anjaroehl.de/fischer-fritz-im-volkstheater-rostock-rezension/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Feb 2026 08:57:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Fischer Fritz im Volkstheater Rostock - ein Kammerspiel mit Tiefgang. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>3245 € muss man neuerdings monatlich zahlen, wenn man das Unglück hat, länger als 3-4 Tage zum Auskurieren seiner Krankheit zu brauchen, über 70 Jahre alt, und möglicherweise danach dauerhaft auf Pflege angewiesen zu sein. So schmelzen schwer verdiente Vermögen kleiner Leute weg, so verliert eine Familie in der nächsten Generation Haus und Hof derjenigen, deren ganze Kraft im Leben in dieses Haus gegangen ist, und verdienen tun dabei nicht etwa die Pflegekräfte, sondern diejenigen, die in der Pflege hilfloser ältere Menschen nichts als eine lukrative Geldanlage sehen.</p>



<p>Passend zu diesem Thema läuft im Rostocker Atelier Theater das Kammerspiel: &#8222;Fischers Fritze&#8220; von Raphaela Bardutzky. Gleich zu Beginn wird eine wunderbare Brecht´sche Distanz hergestellt, man sieht eine Pflegefachkraft, Krankenschwester, einen Patienten im Bett, einen älteren Mann, und eine männliche Person, wer sie ist, bleibt noch unklar, aber auch: Hier übt eine Schauspieltruppe. Sie schneiden Fratzen, trainieren ihre Gesichtsmuskeln, üben Zungenbrecher: „Fischers Fritze fischt frische Fische“ . Das Publikum findet das komisch. In der Tat sind die Gesichter, die die drei Hauptdarsteller, Bernd Färber, Lisa Moskalenko, David Stancu, schneiden, urkomisch anzusehen. So bekommen wir einen leichten Einstieg in das traurige Thema des Abends.</p>



<p>Ein Mann in Bayern ist so alt und krank, dass er in ein Pflegeheim muss, aber er weigert sich, der Sohn holt eine Pflegeperson aus der Ukraine, Pauline, und der nicht unproblematische Alltag zwischen Pauline und Fritz, dem früheren Fischer, beginnt.  Der weitere Verlauf des Stückes zeigt auf humorvoll-tragische Weise, wie einsam und problematisch solch eine Pflege-Zwangs-Beziehung ist. Ab und zu kommt auch der Sohn, aber zwischen Sohn und Vater schwelt der Konflikt, dass ersterer das Handwerk des Vaters nicht weitermachen wollte und auch nicht konnte, da die Fischerei umweltbedingt, mit samt ihren Fischen, am Aussterben ist. Der Sohn Franz sollte, nach Meinung des Vaters, die Generation der Fischer von den Urgroßeltern bis zu den Enkeln weiterführen, nun ist er Friseur geworden, unverzeihlich. Jahrzehntealte Aggressionen und Kränkungen vergiften die Kommunikation, die nach jahrelanger Funkstille zwischen Vater und Sohn, nun notgedrungen, wieder aufgenommen werden muss. </p>



<p>Sehr typische Generationenprobleme der Boomer-Generation mit ihren zunehmend betagter werdenden Eltern, werden hier, sowohl ernsthaft, als auch komisch in einzigartiger Weise, spannend, mit spritzigen Dialogen, dramaturgisch gut verdichtet, als ein Feuerwerk an Situationskomik, Gesellschaftskritik und des Mitgefühls dargeboten. Bernd Färber gibt den alten Fischer herausragend, alles stimmt in seinem Spiel, man ist wirklich angefasst davon, wie er den hilfosen Greis ernsthaft und komisch zugleich, ohne jede Überhebung auf die Bühne bringt. Aber auch die junge Lisa Moskalenko versteht ihr Handwerk, manchmal puppenhaft, manchmal automatenhaft, oft auch verzweifelt, schafft sie die verschiedenen Gefühle  wirklich mit ihrer eigenen Person zu verschmelzen und dann wieder nur Spielerin zu sein. Alles wirkt typisch, exemplarisch und daher dient es dem kritischen Blick: Die an Einsamkeit fast erstickende, aus Osteuropa kommende Pflegeperson, die am Ende trotz aller Bemühungen scheitert, der Vater, wütend über die Zerstörung der Welt, der als Fischer, eng mit der Natur verbunden, an dem Leid über die sterbenden Fische zerbricht und der Friseur-Sohn, der seinem Vater durch dessen Unverständnis nicht näher kommen kann, ergeben ein hochexpolsives Gemisch an gegenseitigem Missverstehen, dass aber dann doch teilweise liebevoll durchbrochen wird.</p>



<p>Dieser einfache Inhalt, ist hier durch erstklassige Schauspielkunst und Regie zu einem eindrucksvollen &#8222;Sprechstück&#8220;, zu einem hochsensiblen und trotzdem spielerisch leicht wirkendem Stück, mit tiefem Erkenntniswert geworden, dass man wie festgenagelt auf seinem Stuhl sitzt und fasziniert ist von dem inhalt und dem Minen- und Körperspiel der Darsteller.</p>



<p>Dabei wechseln die beiden ostereuropäischen Darsteller locker die Sprachen, alle drei die Dialekte, dazu die Sprachlosigkeit des Patienten, die die Pflegekraft zu überwinden trachtet, das ist sehr gut auf den Punkt gebracht worden. Dramaturgisch geht es immer hin und her zwischen Spiel-Realität und Reflexionsebene, was dem Spiel eine ganz besondere Note gibt. Der alte Fischer spricht erst in unverständlichem bayrisch, dann kommentiert er im normalen Hochdeutsch seine Rolle, es ist faszinierend, was die kleine Gruppe hier auf die Bühne bringt. Auch die schon lange üblichen Video Bühnenbilder, die, da allzu oft Masche, manchmal zu Tode langweilen, waren diesmal sehr gut gewählt, denn es ging in ihnen um eine andere Bewusstseinsebene. Gedanken, Albträume, das Unbewusste wurde in ihnen ausgedrückt, ein Aquarellbild mit Fischen lag über der Szene, die in doppelter Ausführung als Video über der realen Szene lag. Dazu wurde Wasser geplätschert in einer kleinen Schüssel was sichtbar blieb, einfach, aber genial in der Wirkung. Das Publikum hat entsprechend reagiert, nicht nur das Händeklatschen, sondern auch das Füßetrampeln wurde wirklich lange durchgehalten. Ach, wie viel Kraft kann doch Humor, verbunden mit Tiefgründigkeit hervorbringen, wenn man an einem eiskalten Abend mit trüben Wetter in ein Theater geht, ganz ohne etwas Großes zu erwarten, und dann dermaßen erfüllt und erfreut, nach einigen Stunden wieder auf die Straße tritt!</p>



<p>Die Autorin <strong><a href="https://www.staatstheater-nuernberg.de/kuenstler/raphaela-bardutzky" data-type="link" data-id="https://www.staatstheater-nuernberg.de/kuenstler/raphaela-bardutzky">Raphaela Bardutzky</a></strong> sollte man sich merken, ihre Stücke werden grade an mehreren deutschen Bühnen gespielt, schon gibt es polnische und französiche Übersetzungen, ein großes Talent, und trifft offenbar den Nerv der Zeit.</p>



<p>Inszenierung: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/fischer-fritz/annette-mueller/">Annette Müller</a>, Bühne und Kostüme: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/fischer-fritz/oliver-kostecka/">Oliver Kostecka</a>, Dramaturgie: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/fischer-fritz/sophia-lungwitz/">Sophia Lungwitz</a>, Regieassistenz und Inspizienz: Martha Helms: Schauspieler: <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/fischer-fritz/bernd-faerber/">Bernd Färber</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/fischer-fritz/lisa-moskalenko/">Lisa Moskalenko</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/fischer-fritz/david-stancu/">David Stancu</a></p>
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		<title>Weitemeier &#8211; Salon: Gedichte gegen den Krieg &#8211; Lesung + Klaviermusik  &#8211; Matineé am 26.4.26</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Feb 2026 19:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Herbert Weitemeier]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Sonntag, den 26. April 2026 um 11 Uhr lädt der Weitemeier Freundeskreis in den &#8222;Weitemeier-Salon&#8220; ins Atelier Kiehlufer 43, 12059 Berlin zu einer Gedichtlesung mit Klaviermusik ein. Die Bilder von Weitemeier anschauen, den Gedichten lauschen, und über den schon 1998, viel zu früh verstorbenen Künstler sprechen, der als 10-Jähriger, zusammen mit seinem kleinen Bruder,...]]></description>
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<p><strong>Am Sonntag,  den 26. April 2026 um 11 Uhr lädt der Weitemeier Freundeskreis in den &#8222;Weitemeier-Salon&#8220; ins Atelier Kiehlufer 43, 12059 Berlin zu einer Gedichtlesung mit Klaviermusik ein. </strong></p>



<p>Die Bilder von Weitemeier anschauen, den Gedichten lauschen, und über den schon 1998, viel zu früh verstorbenen Künstler sprechen, der als 10-Jähriger, zusammen mit seinem kleinen Bruder, nach Monaten einer entsetzlichen Flucht durch die Kriegsfronten, in ein Berlin schwarzer Ruinen zurückkam und die große sterbende Stadt, so schrecklich sie auch aussah, doch das einzige Zuhause darstellte, das er hatte. Inmitten von Kreuzberg, in einem schmutzigen, halb zerstörten Haus, fand er seine Mutter und seine Geschwister wieder. Sie hatten überlebt.  </p>



<p>Monatelang saß er danach traumatisiert auf ausgebrannten Dachböden und malte. Er malte die Häuser, deren schwarze, leere Fensterhöhlen, die gleichsam Wunden der Menschen zu sein schienen. Häuser, die leer, verlassen und zerstört oder halb zerstört waren, Häuser, von deren Dächern man sich herunterstürzen möchte, Häuser, die Fluchtburgen und Gräber sind. Seine Zeichnungen und Ölgemälde von Häuser- und Altbaufronten Berlins scheinen lebendig zu sein, sie scheinen aus den Bildern gradezu herauszutreten. </p>



<p>So wie Käthe Kollwitz Menschen, so malt Weitemeier seine Häuser, sie scheinen zu weinen, sie stoßen stumme Schreie aus, sie stehen allein und zusammen, einsam und gemeinsam, aber immer als Mahnung gegen den Krieg und als Aufschrei gegen das, was Menschen und deren Höllen-Maschinen ihnen hatten antun können.  Das bedeutenste Werk Weitemeiers: <strong>&#8222;Wer Bunker baut, wirft auch Bomben&#8220;</strong> in 1,90 x 1,80 cm, Mittelpunkt des kleinen Salons am Kiehlufer 43, wird ab jetzt regelmäßg im &#8222;Weitemeier-Salon&#8220; im Kiehlufer 43, 12059 Berlin gezeigt, dazu sind weitere Weitemeier &#8211; Bilder aus einem Nachlass zu sehen und viele von ihnen auch käuflich zu erwerben.</p>



<p><strong>Kommt alle, am 26. April 2024 um 11 Uhr, ins Kiehlufer 43, 12059 Berlin, nahe Wildenbruchplatz, Vh, 4. Stock</strong></p>



<p><strong>Die nächsten Weitemeier-Salon-Termine sind die folgenden: </strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Soireé zum Antikriegstag</strong>, Dienstag, den 1.September um 17 Uhr</li>



<li><strong>Matineé im November</strong>, Sonntag, den 29. November um 11 Uhr </li>
</ul>
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