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	<title>Anja Röhl</title>
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	<title>Anja Röhl</title>
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	<item>
		<title>Die Kiebitzsteiner &#8211; Ein Kabarettbesuch in Halle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 10:38:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein wunderbares Kabarett mit langer Geschichte kennen- und lieben gelernt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bis vor kurzem nicht einmal wusste, ob Halle ein eigenes Kabarett besitzt, und freute mich darum umso mehr, als ich von den im Internet von den Kiebitzsteiner las. Im Kabarett <strong>&#8222;<a href="https://www.kiebitzensteiner.de/">Kiebitzsteiner</a>&#8220; </strong>das Programm <strong><a href="https://www.kiebitzensteiner.de/events/im-freibad-grenzenloser-spass-11/">&#8222;Im Freibad&#8220; </a></strong>versprach die unterschiedlichsten menschlichen Begegnungen zu Wasser und zu Lande.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir allerdings da waren, war uns weniger nach Freibad, sondern nach warmer Bude, da wir durchgefroren waren, von einem langen Weg von fünf Kilometern, den wir zurücklegen mussten, weil wir mit einem Rolli-Fahrer unterwegs waren, der bei der Tram leider bei der entsprechenden Haltestelle nicht aussteigen durfte, sondern bis zur Endhaltestelle mitfahren musste, da es vorher keinen geeigneten Ausstieg gegeben hat und dort eine Rampe nicht bekannt war. Nun mussten wir also von dort wieder zurücklaufen und rollern, über zahllose nicht abgeschrägte Bordsteinkanten. Der Weg als Rolli &#8211; Fahrer in dieses &#8222;Freibad&#8220;, war also etwas beschwerlich, der Aufenthalt dort bot dafür reichlich Unterhaltung, von komödiantisch bis gesellschaftskritisch. So ging es nicht nur um die Befindlichkeiten der Gattung Mensch, sondern auch um die Probleme die verschiedene Insekten, Mücken und Wespen mit uns Menschen haben.&nbsp;Die Mücken beklagten sich z.B. darüber, was sie mit unserem Blut alles zu schlucken hätten, von Quecksilber bis Plastikteilchen, ein ungewöhnlicher satirischer Seitenhieb auf die Umweltverschmutzung, die also über uns sogar den Mücken schadet.&nbsp;Die Szene mit den zwei Wespen hatte mehrere Ebenen, zunächst die direkte, es handelte sich um eine dominante Wespe, die Donald Trump verdächtig ähnlich war, und eine Wespe, die dadurch sehr albern wirkte, dass sie alles nachplapperte, was ihr großes angehimmeltes Vorbild so alles an Angeberischem und Überheblichem&nbsp;von sich gab. Dabei waren ihre Augen halb durch ein Käppi verdeckt, was den Vorteil hatte, dass sie ihr Vorbild gar nicht richtig ansehen brauchte, sie konnte blindlings folgen. Diese Szene war köstlich witzig, der ganze Saal tobte. Zweifelsohne, weil hier die satirische und die politische Ebene 1A zusammentrafen, ohne dass es aufdringlich war oder in Agitprop ausartete.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="787" height="1024" src="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-787x1024.jpg" alt="" class="wp-image-7566" style="width:325px;height:auto" srcset="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-787x1024.jpg 787w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-231x300.jpg 231w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-768x1000.jpg 768w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-1180x1536.jpg 1180w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2-1574x2048.jpg 1574w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/09/Silvester-1-scaled-2.jpg 1967w" sizes="(max-width: 787px) 100vw, 787px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Später in einem Gespräch erzählten die Schauspieler ausführlich von ihrer langen Tradition, das <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kiebitzensteiner" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kiebitzensteiner">Kabarett gibt es in Halle schon seit 1967</a></strong>, was uns sehr zum Staunen brachte! Und dass ihre Arbeitsweise immer so war, nämlich schon durch 20 Jahre DDR -Zeit hindurch, dass sie die politischen Erkenntnisse satirisch so gut verpackt, geschickt, immer so etwas &#8222;versteckt&#8220; gegeben hätten, was sie als ihre besondere literarische und künstlerische Herausforderung angesehen haben und das Publikum dies immer sehr zu schätzen wusste, dann auch weiterhin, in den so genannten &#8222;Westzeiten&#8220;.&nbsp;Diese eher poetische Art des Kabaretts hätten Sie also nach der Wende beibehalten, beziehungsweise inzwischen weiterentwickelt und zu einem gewissen Markenzeichen gemacht. Sie seien ein kleines Privattheater ohne Subventionen, die jeweils eng mit den Autoren zusammenarbeiten, und ihr Spiel auf der Bühne in einem gemeinsamen Arbeits- und Entdeckungsprozess mit dem gesamten Spielteam erst entwickeln.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr witzig war auch, dass durch das ganze Stück ein Runninggag führte, nämlich der, dass man einfach nie einen Handwerker kriegt, und wenn, dann nur zu bestimmten Bedingungen, die immer absurder wurden, sowie zu astronomischen Preisen. Konkret war es so, dass die Protagonistin, wie spielte sich angeblich selbst, als Leiterin des Theaters, dringend für dessen Renovierung Handwerker brauchte, diese Dringlichkeit ließ sie jede Bedingung annehmen, aber die Bedingungen wurden immer unerfüllbarer und darin bestand der Witz, der durch das ganze Stück führte. Das Lachen im Saal bewies, dass mindestens jeder zweite ähnliche Erfahrung mit den immer seltener werdenden Handwerkern gemacht hat. Kunststück, alle wollen ja heute nur noch im IT Bereich arbeiten oder im KI Bereich, aber wer macht dann die echte Arbeit, die man mit zwei Händen tun muss? Das bleibt offen.&nbsp;Dies eröffnet nun der Generation 75+ einen interessanten Markt, da sie früher noch ein Handwerk gelernt haben, nun besteht ganz wunderbar die Chance, die Preise und Bedingungen ins Absurde zu steigern.&nbsp;Am Ende hatten sie dann zwar einen Termin mit einem Handwerker, dafür gehörte Ihnen aber das Theater nicht mehr.&nbsp; Noch eine Szene ist besonders erwähnenswert, weil sie ein bisschen philosophisch war, sie beschäftigte sich mit dem Phänomen des Loches. In Anleihe an Kurt Tucholsky, machte sich dort ein Mensch Gedanken über den Inhalt eines Loches, im Verhältnis zum Nicht-Loch, das war hoch philosophisch und eine Verneigung vor dem großen Satiriker, den heute kaum noch jemand auf die Bühne bringt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><a href="https://www.kiebitzensteiner.de/ueber-uns/" data-type="link" data-id="https://www.kiebitzensteiner.de/ueber-uns/">Das Ensemble</a></strong> hat jeden Witz, jede Anspielung, jede Gestik und Mimik hochprofessionell gegeben, es war eine wirkliche Freude, die politischen Anspielungen waren feinfühlig und treffsicher gesetzt, ohne sich aufzudrängen. Ganz besonders herausragend waren diese drei: Stefanie Hottinger, Micha Kost und Malte Georgi. Tolles Kabarett, sehr zu empfehlen!!!</p>
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		<item>
		<title>Sommersaison 2026 im Rostocker Volkstheater &#8211; zwei Musicals</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 16:19:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Sommersaison im Volkstheater Rostock hatte zwei spannende Musicals, die das Publikum begeisterten, weil beide zum Thema hatten, aus dem Gewöhnlichen auszubrechen. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Sommersaison in Rostock spielt sich seit Jahren in der ehemaligen Neptunwerft ab. Um 1910 war die Neptunwerft mit rund 1.500 Beschäftigten der größte Industriebetrieb Mecklenburgs. Die Halle 207, die 1911 als Schiffsschlosserei errichtet wurde, ist eine großartige Kulisse für Glitzer und Glimmer, Musik und Spiel an hellen und lauen Sommerabenden. An diesem Ort ist die Geschichte der Werft spürbar geblieben und gleichzeitig kann hier künstlerische Vielfalt aufblühen. &#8222;Genietete Stahlstützen, historische Hebetechnik und patiniertes Mauerwerk schaffen eine Atmosphäre&#8220;, die die schwere Arbeit, die hier einst geleistet wurde, noch immer sichtbar macht.</strong> <strong>Ich sah hier im Sommer zwei amerikanisch betitelte Musicals, einmal &#8222;The adams family&#8220;, die Dramatisierung eines morbiden Comics aus den 1930er Jahren, in dem alle böse sind und am Ende doch die Liebe siegt, und &#8222;The time is now&#8220;, eine Art Ost-Variante der Linie eins, in der ein 18-jähriges Mädchen aus Bad Sülze in die große Stadt Berlin reist, von ihrem Freund mit Hinweis, er hätte &#8222;jemanden anderen kennengelernt&#8220; aus der Wohnung gewiesen wird und nachher in einer WG Abenteuer erlebt.  </strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>The addams family</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beim ersten handelt es sich um ein Musical in zwei Akten*, in der eine unkonventionelle Familie, erfunden von <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Addams">Charles Addams</a></strong>, (ein amerikanischer Kartoonist, der einst seine Biofamilie in einem Comic karikierte) im Mittelpunlkt steht. Die zwei Kinder, der etwa zwölfjährige Sohn und seine vielleicht 17-jährige Schwester Wednesday leben mit ihrer Familie mitten im Central Park in New York.  Aber nicht in einem normalen Haus, sondern in irgend etwas Unterirdisch-morbidem, wo Gift gemischt wird, geschimpft und gehasst, und gequält wird. Dort läuft alles der Spießbürgermoral entgegengesetzt. Themen wie Tod, Schmerz, Dunkelheit, sind jedenfalls positiv konotiert. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-7554" style="width:628px;height:auto" srcset="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich-1024x683.jpg 1024w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich-300x200.jpg 300w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich-768x512.jpg 768w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/02_the_addams_family_foto_thomas_ulrich.jpg 1080w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Der kleine Bruder wundert sich also sehr, das ihn eines Tages die große Schwester nicht mehr mit Elektroschocks quält. Diese hat sich verliebt, was dem morbiden Charakter der Familie, die immer hassen muss, eigentlich widerspricht und noch dazu in Lucas, einen attraktiven jungen Mann aus bester Familie. Plötzlich ist der bitterbösen Schwester Wednesday das Leben ihrer Familie peinlich. Aber, wie es so kommt, die Eltern des Gutbürgerlichen sind auch nicht ohne Geheimnisse und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Der Stoff scheint derart berühmt zu sein, das das Publikum bereits den gesamten Inhalt kannte. Die wilde Musik, die schwarzen Kostüme, die an die Gotics erinnerten, das Kontertkarieren jeglicher Form von Sitte und Anstand, geben dem Stoff seinen Pepp. <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Addams">Charles Addams</a></strong>, ein berühmter Comiczeichner der 1930er Jahre, hat in seinen Figuren (the Addams Family), offenbar seine eigene Kindheit verarbeitet, er soll schon als Schüler in der Schule diese Comicfiguren gemalt und geschaffen haben. Die Comics haben mehrere TV-Serien inspiriert nd sind noch heute berühmt und lebendig, obgleich sich alles um Tod, Schmerz und Bosheit dreht. Von dort aus trotzdem auf Werte wie Liebe, Vertrauen und Zuneigung zu kommen, ist die Kunst des Stückes. Der Komponist Andrew Lippa und seine beiden Tony-prämierten Autoren Marshall Brickman und Rick Elice haben daraus nun eine rabenschwarze Comedy für die Bühne geschaffen, die zu standing ovations führte und auch nach dem  Volkstheatersommer noch im Großen Haus zu sehen ist. Ganz großartig und sehr frei und frech, die Hauptdarstellerin Wednesday ( Kirsten Scott) sowie ihre Mutter (Martha Luise Urbanik), aber auch die Tanzcompagnie des Theaters, alle haben mitreißend und wild gespielt, und das Publikum mitgenommen. Eine Sonderrolle hat ein Onkel Fester gespielt, (hier gegeben vom Urgestein Frank Buchwald, großartig in Mimik und Gestik, wie der Teufel persönlich) sein Spiel war sehr skuril, oft unerklärlich, etwas surrealistisch und sehr eigenwillig. Handelt es sich um eine heinmliche Vorbildfigur des Autors? Für Menschen wie mich, die ich noch nie etwas von der &#8222;Addams family&#8220; gehört hatte, da ich kein TV schaue, war dieses Musical eine interessante, meinen Musik- und Sehgeschmack bereichernde Erfahrung. * The addams family: Buch von Marshall Brickman und Rick Elice / Musik und Songtexte von Andrew Lippa / Basierend auf den Figuren erfunden von Charles Addams / Deutsch von Anja Hauptmann</p>



<h2 class="wp-block-heading">The time is now</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beim zweiten Musical handelt es sich um Teil einer Serie, die seit einigen Jahren im Sommertheater Rostock von der dortigen Dramaturgie ausgedacht, entwickelt und mit Musik-, Spiel- und Tanzensembles auf die Bühne gebracht wird. In den einzelnen Stücken wird jeweils einem vergangenen Jahrzehnt musikalisch und szenisch nachgespürt. Es liefen schon die 80er, und die 90er Jahre. Nun die Nuller. Das Ganze wird mit Schlagern aus dem Jahrzehnt unterfüttert. Diesmal geht es um das 2000er Jahrzehnt*. Nach dem Aufbruch in den 90ern, die die Eltern des Mädchens Johanna, Gabriele und Andreas (super gespielt von Katrin Heller und Bernd Färber), einstmals mitgemacht haben, der dann aber irgendwo steckenblieb und rückwärts lief, will die Tochter vorwärts laufen, raus aus Bad Sülze, rein nach Berlin, in die Weltmetropole.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kannte keinen von den Schlagern, die das Ganze begleiteten, weil ich mehr auf Liedermacher stehe, aber das Publikum sprang auf und konnte teilweise mitsingen. Die Eltern, das Mädchen, der ungetreue Freund, die WG-Mitglieder spielten alle köstlich echt und überzeugend, sie waren wunderbar typisch gestaltet, auch die Geschichte war nett. Sie zeigte eine Generation to go, die immer auf dem Sprung ist, sich entwickeln will. An ein Vorwärtskommen glaubt. Sie zeigt Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensformen, auch andersgeschlechtliche Liebe wurde damals etwas Normales. Liebevoll wurden auch die Eltern beschrieben, sie ließen sich mitziehen, besuchten ihre Tochter und erlebten selbst auch nochmal einen kleinen Aufbruch in die Welt ihrer verborgenen Sehnsüchte. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-7555" style="width:606px;height:auto" srcset="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02-1024x683.jpg 1024w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02-300x200.jpg 300w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02-768x512.jpg 768w, https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2027/09/vtr_the_time_is_now_ensemble_foto_thomas_ulrich_02.jpg 1080w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Fasziniert hat mich das Punkymädchen Sandra, gespielt durch Malin Steitz. Diese hat sie derart fassettenreich gespielt, es war absolut herausragend! Allein ihre Körperpräsenz, aber auch ihre Gestik, Mimik, Sprache, alles stimmte, als wäre sie selbst nie etwas anderes gewesen, als dieses kleine Punkymädchen, einsam, und doch Trost spendend, aufreizend und doch auch schüchtern, mutig, wild, spielerisch und doch auch moralisch. Ich musste über längere Passagen immer wieder nur ihr zuschauen, wunderbare, faszinierende Bühnenpräsenz! Malin Steitz hat gespielt, als ginge es um ihr Leben, und doch leicht, gleichsam schwebend, sprang sie von Szene zu Szene, kreuz und quer über die Bühne. Aber auch Katharina Otte als Johanna war sehr gut. Die perfekte Gegenfigur, neu in Berlin, scheu, etwas traurig, aber langsam freier werdend, glücklicher, aber auch nachdenklich. Auch sie gab ihrer Figur viel Wahrhaftiges, es hat Spaß gemacht und war toll anzuschauen! Musik und Tanz war wild und laut und hat auf jeden Fall viele angeregt zum Mitsingen. Ein gelungener Abend in der alten Werfthalle, wo man in der Pause mal eben an den mit rotglühender Sonne übergossenen Rostocker Hafen schlendern konnte.  * The time is now, Dramaturgie: Arne Bloch, Musikalische Leitung: Cindy Weinhold, Inszenierung: Catharina Fillers, Choreografie: Keith Chin plus Tanzcompagnie, Bühne: Olaf, Kostüme: Andrea Eisensee, Video: Marc Willenberg. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Die Haspler &#8211; Improtheater &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 11:52:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Sehr spannendes Programm im Impro-Theater: Die Haspler in Rostock]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Improvisationstheatergruppe in Rostock und MV: Die Haspler</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2007 steht die Improvisationstheatergruppe <strong><a href="https://www.haspler.net/" data-type="link" data-id="https://www.haspler.net/">„Die Haspler“</a></strong> für spontane Geschichten, überraschende Wendungen und die Freude am gemeinsamen Spiel. Mit zwölf Ensemblemitgliedern bringen sie Erstaunliches auf die Bühne: Keine Texte, kein vorher festgelegter Ablauf. Alles entsteht irgendwie live auf der Bühne. An diesem Tag sind die Haspler im Peter-Weiß-Haus zu Gast, und hat ein anderes Impro-Ensemble zu Gast, es soll ein imaginäres Wettspiel werden, welches Team &#8222;das Bessere&#8220; ist. Das Ganze ist natürlich ironisch gemeint, und das imaginäre Wettspiel wird zur Kritik an sportlichen Wettkämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Peter-Weiß-Haus ist ein Kulturzentrum Rostocks, mit schönem Außenbereich, in der KTV, dem Studentenviertel von Rostock, gelegen, in dem sich viele freie Gruppen treffen, es eine freie Lebensmittelausgabestelle gibt und auch das Literaturzentrum Rostocks seit langem schon zuhause ist. Ich habe noch nie ein solches Spiel gesehen. Eine Moderatorin, verkleidet als Richterin, gibt ein Stichwort, fragt das Publikum und tut so, als ob sie sehr streng mit ihren spielenden Gruppen sein wird. In kleinen 2er und 3er-Gruppen treten nun, wie in einem Sportwettkampf, die aus Greifswald gegen die aus Rostock an. Die Lacher, die sie im Publikum hervorrufen, sowie das Erstaunen über ihr Impro-Talent bestimmen die Bewertung. Mit mehrfach ironischen Brüchen begeistern und erhellen sie die Gemühter des Publikums. Nichts kann geübt werden, alles muss sich im Moment entwickeln, ich staune. Es ist äußerst amüsant und auch lehrreich. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spielenden schauen zu Beginn in gespielter Angst auf die Richterin und müssen zu jedem Begriff, den die Richterin vom Publikum erfragt, Szenen entwickeln, die möglichst spannend sind. Das Talent beider Gruppen ist wirklich groß, es kommt einem schier unmöglich vor, was die da machen. Wie schaffen sie, so schnell auf interessante Ideen zu kommen? Man lernt auch erstaunliche Techniken kennen, z.B. die eine Gruppe spielt etwas pantomimisch, dazu muss die andere Gruppe den Text improvisieren. Es war keine Minute langweilig, es ging immer um Substantielles, und man geht nach Hause voller Ehrfurcht über diese außergewöhnlichen Talente.</p>
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		<title>Aufsätze</title>
		<link>https://anjaroehl.de/aufsaetze/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2026 04:21:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Hier finden Sie einige aktuelle Aufsätze in wissenschaftlichen und literarischen Fachzeitschriften.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aufsätze</strong>, <strong>sozialwissenschaftliche:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Röhl, Anja (2022) in Sozialgeschichte offline, Heft 31/2022, S.61-100: Kindererholungsheime als Forschungsgegenstand. Erwachsene Zeitzeugenschaft am Beispiel eines Beschwerdebriefes im Adolfinenheim auf Borkum, SGO, Köln</li>



<li>Röhl, Anja: Vorwort (S. 5-13) in: <em><a href="https://verschickungsheime.de/fuers-leben-gezeichnet/">Verschickungskinder vom Leben gezeichnet</a> von Jari Bana</em>s(2023), Münster, UNRAST Verlag</li>



<li>Röhl, Anja (2022): <em><a href="https://sozialgeschichteonline.files.wordpress.com/2022/04/rocc88hl_verschickungskinder_vorverocc88ffentlichung.pdf">Kindererholungsheime als Forschungsgegenstand. Erwachsene Zeitzeug*innenschaft am Beispiel eines Beschwerdebriefes im Adolfinenheim auf Borkum</a>,</em>in: Sozial.Geschichte.Online 31 (2022), S. 1–39 (https://sozialgeschichte-online.org)</li>



<li>Röhl, Anja (2022,2): <a href="https://www.aufarbeitungskommission.de/wp-content/uploads/Das-Schweigen-beenden_Beitraege-zur-Aufarbeitung-sexuellen-Kindesmissbrauchs_BF.pdf"><em>Das vergessene Leid der Verschickungskinder</em>,</a> in: Sabine Andresen, Daniel Deckers, Kirsti Kriegel: Das Schweigen beenden-Beiträge zur Aufarbeitung sexuellen Kindessmissbrauchs, Hrsg: Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbruchs,, S. 40-45</li>



<li>Röhl, Anja (2022): Das vergessene Leid der Verschickungskinder, S. 112 u.113 in GENERATION TRANSMISSION, PICTURED, von Nana Dix, Anja Frers, Uschi Siebauer, im Haendehoch Verlag, München</li>



<li>Röhl, Anja ( 2022,3): <em><a href="https://anjaroehl.de/wp-content/uploads/2026/01/pe_roehl-1.pdf">Verschickung in Kinderkur- und Erholungsheime</a></em>, in: <a href="https://www.mattes.de/autoren/reiss_heinrich_j.html">Heinrich J. Reiß</a> / <a href="https://www.mattes.de/autoren/janus_ludwig.html">Ludwig Janus</a> / <a href="https://www.mattes.de/autoren/kurth_winfried.html">Winfried Kurth</a>(Hg.): Erziehung der Angst – Transgenerationale Weitergabe einer kinderfeindlichen Haltung (Jahrbuch für psychohistorische Forschung Band 22), 2022, kt., 324 S., 24,00 € [D], ISBN 978-3-86809-193-9, Blick ins <a href="https://www.mattes.de/buecher/psychohistorie/978-3-86809-193-9_vorwort.pdf">Vorwort</a>, und ins <a href="https://www.mattes.de/buecher/psychohistorie/978-3-86809-193-9_inhaltsverzeichnis.pdf">Inhaltsverzeichnis</a></li>



<li>Röhl, Anja (2015): <em>Sie werden nicht mehr frei, ihr ganzes Leben lang nicht</em>, im Jahrbuch für psychohistorische Forschung, Band 15 (2015) – ›Entwurzelung – Bindung – Transformation‹, Hrsg: Nielsen, Bernd; Kurth, Winfried; Reiß, Heinrich, Mattes Verlag, Heidelberg</li>



<li>Röhl, Anja (2012): <em>Immer noch Krieg</em>, in: Die Kinder der Kriegskinder und die späten Folgen des NS-Terrors, Hrsg.: Heike Knoch, Winfried Kurth, Heinrich J. Reiß, Götz Egloff, Mattes Verlag, Heidelberg</li>



<li>Röhl, Anja: Die Zeit ist reif, Stern Nr. 19 / Mai 2010: <a href="https://www.anjaroehl.de/wp-content/uploads/2010/05/sternartikel1.pdf">https://www.anjaroehl.de/wp-content/uploads/2010/05/sternartikel1.pdf</a></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aufsätze literaturwissenschaftliche:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Röhl, Anja (2015) im Salatgarten 1/2015, S. 31-34: „Der verkehrte Tag“. Eine Geschichte mit Hintersinn</li>



<li>Röhl, Anja (2026) im Salatgarten 2/2016, S. 30-33: Erstaunlich offen für seine Zeit. Der Kaninchenmord in Falladas Roman „Der junge Goedeschal“</li>



<li>Röhl, Anja (2015) im Salatgarten 2/2015, S.57-60: „Christkind verkehrt“. Weihnachtsgeschichten</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Weltuntergang in Rostock &#8211; Rezension</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 07:29:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Theatergruppe "Bühnenschipper" spielt den Welteruntergang von Jura Soyfer beeindruckend gut]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Weltuntergang von der Theatergruppe Bühnenschipper</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses großartige, prophethische Stück von<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jura_Soyfer" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Jura_Soyfer"> <strong>Jura Soyfer</strong></a> aus dem Jahr <strong>1936</strong> habe ich in Rostock in einer Kunstschule wirklich erstaunlich gut gegeben gesehen, die Laien spielten es mit großer Überzeugungskraft und äußerst professionell. Es war am 5. Juli 2026, im Laien-Theater der <strong><a href="https://www.sarah-bansemer.de/">Sarah Bansemer</a></strong> in der Jugendkunstschule Artus in Rostock Reutershagen. Ich erwartete nichts Besonderes, aber der Titel hatte mich neugierig gemacht. Ging es nicht um ein hochaktuelles Thema? Erst nachher las ich, dass der Autor es schon 1936 geschrieben hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn sieht man die Planeten des Weltalls um die Sonne herum als Figuren zusammenkommen und beraten. Es sind Spielerinnen mit Planetenköpfen- und Bäuchen. Etwas stimmt mit der Erde nicht, „sie entzieht sich der Vollkommenheit der Schöpfung“. Etwas ist dissonant. Die Sonne bestellt den Mond, er soll Auskunft geben. Die Erde ist krank, sagt er, sie hat die Menschen! Die Planeten beraten, wie sie helfen können. Da spaziert ein Komet herein, er will zu einer von ihm heftig geliebten Sternschnuppe, deshalb hat er sich auf den Weg gemacht. Die Planeten und die Sonne sagen, er soll bitteschön einen kleinen Umweg machen und die Erde „ein bißchen anstupsen“, damit sie sich von den Menschen befreit und wieder gesundet. Der Komet mag nicht so recht, aber gut, wenn es nicht lange dauert…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Erde passiert danach Folgendes:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Professor hat es berechnet und ist sich sicher: „Ein Komet rast auf die Erde zu!“ Er verlautbart der Menschheit ihr bevorstehendes Ende. Er besucht den Präsidenten: „In nur wenigen Tagen wird ein Komet auf der Erde einschlagen und diese vernichten“. Der Präsident nimmt ihn nicht ernst. Ab da folgt man ihm und seiner vergeblichen Odyssee, die er, erst durch die Behörden und schließlich durch die Länder der ganzen Welt antritt. Denn: Niemand will seine Warnungen anhören. Aber schlimmer noch, alle wollen Profit aus der Katastrophe herausholen. Denn die Leute kaufen mehr, wenn der Weltuntergang vor der Tür steht, sie konsumieren eifriger, sie verkaufen und kaufen neu und beleben die Wirtschaft und sein Interesse daran, dass die Menschheit überlebt, interessiert sie überhaupt nicht. Die Paralelen zu heute sind unübersehbar. Das Ensemble spielt mit großem Ernst, mit Leidenschaft und Galgenhumor. 1936 schrieb Jura Soyfer dieses Stück, das aktueller nicht sein könnte: Eine wissenschaftliche Erkenntnis hält der Menschheit ihre Handlungen vor. Man könne den Kometen noch „umlenken“, erklärt der Professor, aber keiner hört ihm zu, lächelnd wird er verabschiedet, stattdessen wendet sich das Interesse der Mächtigen den Aktienkursen, den Profiten und dem eigenen Wohl zu.  Allerdings nimmt das Ganze ein unerwartetes Ende, das hier nicht veraten wird!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Abgesehen vom Inhalt, der erschreckend in unsere heutige Zeit passt, und hier sehr gut dramaturgisch verdichtet war, haben auch die Spielerinnen sehr überzeugt. Man merkte ihnen an, dass sie das Thema etwas anging, dass es sie berührte, was sie da spielten, dass es nicht nur &#8222;ein Spiel&#8220; für sie war, sondern ihnen aus der Seele sprach und sie eine Botschaft transportieren wollten.  Sarah Bansemer ist mit ihrem Ensemble ein wirklich großer Wurf gelungen!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Die Dreigroschenoper im Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin sehr im Sinne Brechts inszeniert &#8211; Rezension</title>
		<link>https://anjaroehl.de/die-dreigroschenoper-in-schwerin-rezension/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jun 2026 10:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Wunderbare Polly im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin - Rezension]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Man weiß es, aber nur selten findet es eine extra Erwähnung im Titel, dass an diesem Stück im wesentlichen Elisabeth Hauptmann mitgeschrieben hat. Nicht nur das, es gab auch ein Originalstück und das war von ganz jemand anderem, nämlich von John Gay, nämlich: <em>Beggar’s Opera</em>  aus dem Jahre 1728, eine im Bettlermilieu spielende Satire, die bei ihrer Erstaufführung 1728 in London Stadtgespräch war und seit 1920 erneut in London und anderen englischen Städten erfolgreich wiederaufgeführt wurde, mit fast 1500 Aufführungen hatten die grade alle Rekorde gebrochen. Schnell übersetzte Elisabeth Hauptmann und Brecht und Weill bearbeiteten sie dann. Brecht ist einer, der gern kollektiv arbeitet. Warum nicht? Aber dann bitte auch mit Nennung der kollektiven Urheberschaft. Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin hat jetzt sowohl Elisabeth Hauptmann, gleich im Titel mitgenannt, als auch wurde das Stück inhaltlich und durch Kostümierung, ein wenig auf das englische Vorbildstück zurückgeführt. So hat man die Dreigroschenoper noch nie gesehen, in Kostümen, die gemischt waren aus den 20er Jahren des 20. und des 18. Jahrhunderts. Das wirkte originell und ein wenig clownesk, aber sehr gut zum Stück passend. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Theater-Zelt im Schweriner Schlossgarten, in brütendster Hitze am 19. Juni, war am Premierentag der Dreigroschenoper, in der Regie des Patrick Wengenroth ein Orchester mit vielen Bläsern aufgefahren, was die Weill´sche Musik zu einem großen Klangerlebnis machte. Sehr gelungen war die Besetzung der Polly, ( Jennifer Sabel), sie kam einerseits puppenhaft naiv, ein wenig steif und ungelenk daher, schaffte aber andererseits eine interessante Widersprüchlichkeit zwischen ihrer Anbetung des Mackie und einer gleichzeitigen Schnoddrigkeit und Kälte zu geben. So gelang es ihr, den im Brechttheater geforderten V-Effekt wirklich hervorzurufen und eine gute Distanz zu ihrer Figur aufzubauen, das war sehr gekonnt. Die Besetzung des Meckie Messer (Rudi Klein), die Figur wurde abwechselnd lustig wie Mozart und schmierig wie ein Rocker angelegt, insgesamt etwas zu weich, oder zu jung, sein Gesang war allerdings sehr gut. Sebastian Reck und Antje Trautmann gaben Herrn und Frau Peacham mit sehr viel Kraft und Präsenz, das war von beiden höchste Schauspiel- und Gesangskunst, sie trugen das ganze Stück. Das Orchester war ebenfalls spitzenmäßig und die übrigen Frauenrollen wurden charakterstark, schön und sehr originell, vor allem so gespielt, dass jede als eine eigenständige Persönlichkeit deutlich herauskam. Herausragend die Idee, dem Moritatensänger (Jochen Fahr) etwas Besonderes zu verleihen, indem er nicht nur die Brechttexte des Stückes, sondern gleich noch alle Regieanweisungen der nächsten Szene gleich mit vortrug. Dies wirkte durch seine oft todernste Miene köstlich komisch.  In den Nebenrollen glänzte der &#8222;neue Bettler&#8220;, Filch, ( Christoph Götz) später auch Constapler, der sehr genau sämtliche Gefühle eines verlorenen und verlassenen Menschen, auf seinem Gesicht, in Mimik und Gestik, perfekt widerspiegeln konnte. Tiger Brown war mir etwas zu brav angelegt, Lucy aber wieder sehr überzeugend. Joanna Damberg als Spelunkenjenny überzeugte durch eine wunderschön glockenhelle Stimme und eine sehr gut gespielte verhaltene Tragik. Etwas redundant kam es rüber, dass nach jeder zweiten Szene der riesige Vorhang, vorher umständlich hochgezogen, plötzlich in einem Akt der Kraftmeierei in Fetzen herabgerissen wurde. Das blieb m.E. ohne Inhaltsbezug. Sehr beeindruckend war auch der Gesang der Polly, der nie ins Sentimentale abkippte, unfassbar, wie sie das hinbekommen hat, denn was selbst bei Lotte Lenya u.a. in historischen Filmen so hell und rührselig klingt, das hat sie, mit derselben Stimme, demselben Text und derselben Melodie doch selten unsentimental, klar und mit genau der richtigen Prise von Distanz bravorös hinbekommen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Ganzen wurde das Stück mit klarem Gesellschaftsbezug gegeben, die diesbezüglichen Texten in der Dreigroschenoper (&#8222;Die im Dunklen sieht man nicht&#8220;&#8230; und: &#8222;Was ist der Raub einer Bank gegen den Besitz einer Bank?!&#8220;) wurden mit großer Wärme, Ernsthaftigkeit und Leidenschaft vorgetragen. Mit glaubwürdiger Kritik auch der heutigen ungerechten Verteilung. Im Programmheft heisst es, dass die &#8222;Brutalität der Mächtigen&#8220; immer danach strebt, ihr &#8222;System der Ungerechtigkeit&#8220; zu erhalten, auch wenn es &#8222;erbarmungslos alle verschlingt!&#8220; Die Songs sind es zehnmal wert, sich dieses Stück in Schwerin anzuschauen, super gespielt, super gesungen, lohnenswert, sich diese Musik, die nun selbst schon wieder 100 jahre alt ist und immer wieder neu aktuell, immer wieder anzuhören. Ich habe sie als kleines Kind immerzu angehört, da meine Eltern ein Studententheater betrieben, wo Brecht, Borchert und Villion mit einer Prise Peter Rümkorf gemischt wurden. Brecht/Weill-Songs, gesungen von Ernst Busch, gehörten zu meinen ersten Kindheitsliedern, ich kann sie fast alle auswendig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was noch dazu zu sagen wäre: </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Brecht benutzte für &#8222;seine&#8220; Bettler- Oper, in der die ungeheure Kälte des Menschen, wie sie sich im Wirtschaftssystem zeigt, am Pranger steht, u.a. etliche Balladen von Francois Villion, dann von Richard Kipling, die Ballade: Svrew-guns, die Brecht zum Kanonen-Song anregte. Karl Kraus steuerte die 2. Strophe des Eifersuchtslieds bei, dazu dichtete Brecht, und Weill vertonte. Und noch in der letzten Nacht vor der Premiere, wurde der Auftakt, der Meckie Messer-Song ergänzt, der zum größten Renner des ganzen Stückes wurde, nur weil der Hauptdarsteller seine Figur zu wenig in das Stück eingeführt fand. Also man muss sagen, mit der Kollektivarbeit, das hat Bert Brecht ernst genommen. Die Dreigroschenoper wurde seinerzeit der größte Publikums-Erfolg der Weimarer Republik. Die Straßen hallten wieder von den Liedern aus dieser Oper, sie wurden überall gesungen. Leider hat auch das den Faschismus nicht verhindert. Auch in Schwerin tagten am Tag der Premiere der Dreigroschenoper die Enkel der NS-Großväter, die für ihre Taten nie ernsthaft zur Verantwortung gezogen wurden, ich begegnete ihnen zufällig, da ich im Schlosscafe zur Toilette gehen wollte. Weiß livrierte Kellner traten mir in den Weg, geschlossene Veranstaltung. Fast nur Männer: Der Landes-Parteitag einer Partei, die man schon vor mindestens 10 Jahren hätte verbieten müssen und die sich nun erneut wieder aufmacht, sich demokratisch wählen zu lassen, um erneut eine Diktatur zu errichten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <strong><a href="https://www.mecklenburgisches-staatstheater.de/programm/die-dreigroschenoper.html" data-type="link" data-id="https://www.mecklenburgisches-staatstheater.de/programm/die-dreigroschenoper.html">Dreigroschenoper im Schweriner Theaterzelt</a></strong>, am <strong>12.7.26 zum letzten Mal!</strong></p>
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		<title>Caligula &#8211; vom Freiluftgefangenentheater in der JVA Tegel &#8211; Rezension</title>
		<link>https://anjaroehl.de/caligula-vom-gefaengnistheater-rezension/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 09:42:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Ungeheuer dicht und wirkungsvoll gespielt: Die Geschichte des Gewaltherrschers Caligula mit Dante´schen Elementen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Schon lange kennt die Menschheit den Typus Tyrann: Kalt, machtbesessen, mörderisch. Völker scheinen hilflos, ob dieser Heimsuchung. Menschen lassen sich mitziehen von seiner Blutrunst. Das<strong> Gefängnistheater AufBruch </strong>wählte ein antikes Vorbild um etwas darzustellen, was uns auch heute wieder aktuell bedroht: Gewaltherrschaft einzelner Männer, die die Welt an den Abgrund führen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Caligula ist ein junger römischer Kaiser.</strong> Nach dem Tod seiner geliebten Schwester darf er keine Trauer zeigen, denn das Verhältnis war ein verbotener Inzest. Seine Trauer wendet sich in Hass und Menschenfeindschaft. Er entlässt alle Sklaven und macht sie sich damit zu gefälligen Untertanen und enteignet alle Besitzenden und quält ihre Frauen. Gerechtigkeit, sagt er, Gleichheit, aber in Wahrheit tobt sich hier nur Sadismus aus. Die Macht berauscht ihn, warum tut sie das? Bald füllt sich hinter ihm ein sichtbarer Keller mit Leichen, sie winden sich in Krämpfen und Schmerzen, die Dante,sche Hölle, am Ende wird er von seinen eigenen Toten erstickt. Das Gefängnistheater bringt diesen Stoff auf die Freiluft-Bühne in Tegel, in der hintersten Ecke des historischen Gefängnistrakts, in dem schon vor mehr als hundert Jahren die Gefangenen der ersten missglückten Revolution in Deutschland einsaßen, danach die Hitleropfer, später die 68er-Studenten, dazu Mörder, Räuber, Diebe zu allen zeiten, Menschen, denen die Welt keine goldenen Brücken baute. Heute dienen die alten Mauern mit den überdimensionalen Zahlen nur noch als Theaterkulisse. Genial die Idee, Dante und Camus zu mischen, die sich beide mit dem Thema SCHULD beschäftigt haben. Welche Kreise der Hölle muss solch ein Herrscher durchwandeln, bevor auch er die seiner Schuld gemäßen Strafe findet? Dieser wird von seinen Toten zerrissen, die er selbst freilässt. Die Hölle, das sind die anderen, schrieb Sartre, sie liegt mitten unter den Menschen, und &#8222;zwischen Willkür und Gesetz taumelt der Mensch&#8220; (Zitiert nach dem sehr ausführlichen Programmheft: <em>Ein bleierner Zustand, im Hier und Jetzt.</em>)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch heutige Tyrannen taumeln, wir kennen sie gut: An einem Tag wollen sie ein ganzes Land vernichten, am anderen Tag Frieden stiften, dazwischen kassieren sie an der dazu passend taumelnden Börse ab und lachen sich eins. Tyrannen taumeln zwischen ihren Launen, dem einen schmeicheln sie, den anderen demütigen sie, den nächsten töten sie. Wir kennen die Namen, sie versetzen uns in Angst und Schrecken. Es ist so leicht, mit Gewalt zu herrschen. Heute und damals und immer war es das. Und doch stürzt die Gewalt eines Tages. Das zu wissen, ist wichtig! Hier und leider, wie so oft, stürzt der Tyrann erst ganz zum Schluss. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Caligula ist eine Charakterstudie: Er probiert aus, was erlaubt ist und lernt: Es ist alles erlaubt. Der Tyrann stellt seine Untertanen auf die Probe: Wie weit lassen sie sich treiben, und wie viel können sie erdulden, bevor sie sich widersetzen? Er demütigt, er enteignet, er mordet. er weidet sich in der Angst seiner Gegner. Jeder kann es werden, wenn man ihn lässt. Die Welt muss Zügel entwickeln für solche Tendenzen im Menschlichen. Sonst geht es schief. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spieler sind ungeheuerlich, sie schaffen es, diese Abgründe auf die Bühne zu bringen, dass einem der Atem stockt. Sie, die Eingeschlossenen, die von aller Welt verlassenen, in einer Knaststadt hinter Mauern einsitzenden, vielfach schuldig an der Welt gewordenen, sie schaffen das Spiel von Gewaltherrschaft, die sich ins Unermessliche dehnt, authentisch zu geben. Und sie machen es auf eine ganz besondere Weise. Sie zeigen wie ein Gewaltherrscher auch immer etwas von Rebellentum an sich hat, darauf beruht seine Faszination. Rebellen können sich leicht zu Gewaltherrschern entwickeln, sie kehren ins Gegenteil, was sie einst forderten. Und sie zeigen es gut: Die Hölle beginnt da, &#8222;wo der Mensch glaubt, alles zu dürfen&#8220;.  Hölle als &#8222;Erfindung der Menschheit&#8220;, wo die Verdammten, wie Dante es zeigte, gefangen sind im Echo ihrer Taten. &#8222;Schuld ist eingeschrieben in ihre Körper&#8220;, Strafe als &#8222;immerwährende Wiederholung&#8220;. <strong>Starkes Stück, starke Regie, starkes Spiel! </strong>Jeder der Spieler überzeugt, wirklich, jeder! Das Ensemble tritt hier in großer Besetzung auf, und doch verschwimmen in den Volkszenen die Personen nicht, sie sind alle, jeder auf seine Weise, noch einzeln sichtbar, als besondere Charaktere.  Und die Hauptdarsteller? Besser hätte man es nicht treffen können! Wie immer übertreffen sie alle Charakterdarsteller, die ich je auf bürgerlichen Bühnen sah! Ein Jammer, dass die Stücke des Gefangenentheaters AufBruch nicht länger als einige wenige Wochen zu sehen sind.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Begleitet wurden die Spieler durch Musiker der Berliner Band 17 HIPPIES, auch deren Einsatz war großartig, sehr originell, mit sehr viel Anklang an die neue Musik, ungeheuer passend zu den Szenen, das Gefangenenensemble der JVA Tegel hat wirklich Großartiges geleistet. Diesen Abend vergisst man so leicht nicht. Er sitzt einem in den Knochen, fährt einem in die Seele, verstört und gibt zum Nachdenken Anlass. Wie können wir die Welt ändern? Können wir es, wir müssen! Das ist der Apell dieses Stückes aus dem Knast in Berlin. Man fragt sich: Warum kann es nicht Theaterspiel als Dauereinrichtung in jedem Gefängnis geben? Ich kann mir nichts Wirkungsvolleres zur Aufarbeitung der Schuld von Gefangenen und von uns allen, vorstellen. Danke an den Regisseur und alle Beteiligten!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CALIGULA. INFERNO.</strong> nach Camus und Dante vom <strong>Freiluftgefangenentheater in der JVA Tegel</strong>, in der Regie von <strong>Peter Atanassow</strong>, <em>(Die Gefangenen sagen, sie haben alles, was sie können, allein ihm zu verdanken, der Regisseur sagt dasselbe über seine Spieler) </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Premiere war am:</strong> 9. Juni 2026, <strong>Noch weitere Vorstellungen:</strong> 23., 24., 29. und 30. Juni sowie 2. Juli 2026 jeweils um 17.30 Uhr, <strong><a href="https://www.gefaengnistheater.de/karten" data-type="link" data-id="https://www.gefaengnistheater.de/karten">anmelden!</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Danke an alle Spieler des Gefangenenensemble der JVA Tegel<br></strong>Adrian Zajac, Alex, André S., Atak, Baris Can, Eddy A., Fabi, H. Peter Maier C.d.F., Horst Grimm, Jan M., Marco, Muhammet, Norman, Paco, Paul E., Rico, Robert, Robin, Ronny B., Senad, Sven, Taui.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Begleitet durch Musiker der 17 HIPPIES</strong><br>Benjamin Ostarek (Klarinette), Reinhard „Koma“ Lüderitz (Schlagwerk, Sackpfeife), Volker „Kruisko“ Rettmann (Akkordeon), Michael &#8222;Moe&#8220; Jaksch (Kontrabass, Zither)<br><strong>sowie</strong> <strong>am Klavier</strong> Vsevolod Silkin</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Regie</strong> Peter Atanassow <strong>Bühne</strong> Holger Syrbe <strong>Kostüme</strong> Anne Schartmann <strong>Dramaturgie</strong> Franziska Kuhn <strong>Musikalisches Konzept und Arrangements </strong>Christopher Blenkinsop (17 HIPPIES) <strong>Musikalische Einstudierung Gesang</strong> Vsevolod Silkin <strong>Choreographie</strong> Suzann Bolick <strong>Produktionsleitung</strong> Sibylle Arndt <strong>Regieassistenz</strong> Marlene Zuz <strong>Kostümassistenz</strong> Elena Chant <strong>Technik</strong> Mo Koulaghassi, Lukas Maser <strong>Grafik</strong> Dirk Trageser</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das Rostocker Volkstheater hat ein sehr hohes Niveau</title>
		<link>https://anjaroehl.de/das-rostocker-volkstheater-hat-ein-sehr-hohes-niveau/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 06:40:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theaterkritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Volkstheater Rostock kann sich sehen lassen, sieben großartige Aufführungen im letzten Halbjahr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rostock – mon amour!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe in der letzten Zeit sieben großartige Theateraufführungen im <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Volkstheater Rostock</a></strong> angesehen, das Volkstheater ist ein Vierspartentheater mit Anbindung an die HMT, der Hochschule für Musik, Theater und Tanz, die dort in der Altstadt, in einem alten Kloster ansässig ist. Ich hatte dort zu tun und gelangte nur in Abständen in die Aufführungen, zuerst im November, da sah ich: <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/die-ratten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Ratten</a></strong>, sehr gut inszeniertes und gespieltes Sozialstück von Gerhard Hauptmann, die Parallelen zu heute berühren einen tief, es wurde mit sehr viel Einfühlung in den heutigen Pauperismus und die unter ihm leidenden Personen gegeben, die man sich, erschreckend aktuell, sehr gut vorstellen konnte.  Ist es wahr, dachte man, dass die Abtreibungsfreiheit für Frauen immer noch nicht erreicht hat, ganz im Gegenteil, immer mehr eingeschränkt wird?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann sah ich im Januar das Vierspartenstück <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/amadeus/" data-type="link" data-id="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/amadeus/">Amadeus</a></strong>, über den Mythos der Mozartvergiftung durch Salieri, ein wunderbares Kostümtheater mit einem verzweifelten Salieri und einem lustigen Mozart, auch sehr tiefgründig gespielt, vor allem, weil Neid, Missgunst und Rachsucht allgemein menschliche Probleme sind, und diese hier sehr gründlich ausgeleuchtet wurden. Im Februar sah ich die wunderbare Komödie von <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ben_Jonson" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Ben_Jonson">Ben Johnson,</a></strong> einem völlig unbekannten Shakespeare-Zeitgenossen, <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/volpone-oder-der-fuchs/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Volporone, oder der Fuchs</a></strong>, über Geld, Geiz und Gier, unfassbar gut gespielt, wo die Charaktere durch Tiere symbolisiert wurden, einzigartig gut gespielt, die Spieler haben wirklich alle Charaktereigenschaften, die durch Aussicht auf Geld ausgelöst werden können, in ihren Figuren ausgedrückt, außerordentlich! Leider wurde es nur sehr kurz gespielt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann im März sah ich das <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/anatevka-fiddler-on-the-roof/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Musical Anatevka</a></strong>, werkgetreu und tragisch gegeben, mit einer großen Verbeugung vor den osteuropäisch-jüdischen Dorfgemeinschaften, die immer wieder vertrieben und schließlich im Holocaust für immer vernichtet wurden, mit einer berührenden, ganz kurzen Versöhnungsszene zwischen den jüdische Dörflern und den russischen Soldaten im gemeinsamen Tanz. Ausgesprochen gut besetzt, mit einem nachdenklichen, weichen, seine eigenen Maximen immer wieder infrage stellenden <strong>Tevje</strong>, wunderbar kraftvoll gespielt von <strong><a href="https://www.facebook.com/volkstheater.rostock/videos/vorgestellt-frederic-b%C3%B6hle/978858224622193/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frederic Böhle</a></strong>, der wie geschaffen für seine Rolle war, sogar mit eigenen Beziehungen zur Klezmer-Musik, genial die Ausgestaltung seines Zweifelns, seiner Gedankenspiele, seiner Worte, die er mit Gott spricht, sein Mut, der sich immer wieder aufrichtet, aber auch seine Trauer, sehr unsentimental inszeniert, eine einzige Verbeugung vor der Geschichte und dialektischen Debattenkultur des jüdischen Volkes. Auch sehr genial wurde hier <strong>Jente</strong> gegeben, die Heiratsvermittlerin, <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/anatevka-fiddler-on-the-roof/katrin-heller/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Katrin Heller</a></strong> verlieh ihrer Figur etwas köstlich Hexenhaftes, was trotzdem etwas Humoristisches hatte, sie war im Grunde die Gegenspielerin von Tejve, die die alte Zeit in aller Starrsinnigkeit verkörperte und trotzdem liebevollgestaltet wurde. Die Vielschichtigkeit und Widerspräcuhlichkeit, die ein Spielender in seiner Figur ausdrücken kann, macht die Qualität aus, denn das kommt dem Menschlichen am nächsten, hier ist es wunderbar gelungen! </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war ich im April auf der kleinen Bühne im Ateliertheater, bei <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/fischer-fritz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fischers Fritz</a></strong>, einem Kammerstück, in dem das brisante Thema der häuslichen Pflege komödiantisch, mit viel ernstem Witz, sehr realitätsnah, auf die Bühne gebracht wurde und im Mai war ich in der <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/spielplan/a-z/tschick/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Road Opera“ Tschick</a></strong>, wo Ludger Vollmer schwere, an Schönberg angelehnte Musik, in der Adaptation eines Jugendfilms, tatsächlich schafft, 14-jährigen nahezubringen. Dazu wurde das Medium Video-Installation äußerst feinfühlig und originell in die Theaterszenen, sozusagen „eingewebt“. Denn es wurden nicht irgendwo hinten oder seitlich, flimmernde Filmszenen laufen gelassen, &nbsp;die Filmszenen traten in die Szene ein, gingen aus ihr hervor, die Schauspieler wanderten durch die Leinwand, wie durch einen Nebel, es war ein ästhetischer Hochgenuss, den die Jugendlichen auch staunend bewunderten. (Man merkte es daran, wie still sie wurden) &nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich da zufällig und nur in einem kleinen Ausschnitt ansah, denn es gibt 20 Premieren in jeder Spielzeit, war einfach umwerfend. Die Stücke, Opern, Komödien, Dramen werden nicht nur toll gespielt, inszeniert, musikalisch und künstlerisch begleitet, sondern auch passend zur Tagespolitik und gesellschaftlichen Situation ausgesucht, immer mit einem sozialkritischen Blick, immer mit einem Anreiz zum Nachdenken, zur vertiefenden Erkenntnisgewinnung gegeben, so dass die Stücke wirklich zu einem Hochgenuss des Denkens und Empfindens werden. Die Schauspieler, die dort arbeiten, sind legendär, es sind einzigartige Charakterschauspieler unter ihnen, wie <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/katharina-paul/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Katharina Paul</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/bernd-faerber/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bernd Färber</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/frank-buchwald/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frank Buchwald</a>, <a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/malin-steitz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Malin Steitz</a>, </strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/ulrich-k-mueller/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Ulrich K. Müller</strong></a> und <strong><a href="https://www.volkstheater-rostock.de/ensemble-und-mitarbeiter_innen/hagen-ritschel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hagen Ritschel</a></strong>, um nur einige wenige zu nennen, die absolut herausstechen, sie tragen die Stücke mit ungeheurer Professionalität, mit Einfallsreichtum, Witz, Dramatik, Ernsthaftigkeit, mit so viel Würde, geistiger und körperlicher Präsenz, so viel Kompetenz, dass es für jeden Regisseur eine Freude sein muss, hier zu arbeiten. Man gewinnt sie lieb, sie bekommen standing-ovations bei jeder Aufführung. Sie wechseln die Dialekte, die Sprachen, die Typen, die sie spielen, sie können auf der Klaviatur der Gefühle wirklich alles ausdrücken, und schaffen es, ihre Figuren mit scheinbarer Leichtigkeit, und trotzdem Tiefe und Authentizität zu geben, eine große Kunst!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rostock lohnt sich!</strong> Das ist die einzige Empfehlung, die ich jedem Kulturinteressierten geben kann! Das Volkstheater mit seiner großen, und mit seinen kleinen Bühnen, Ateliertheater und Warnemünde, aber auch die Bühne 602, mit ihrem vielfältigen Angebot, ihren Winter- und Sommerstücken im Klostergarten und mit dem ungeheuer vielfältigen Musikangebot steht dem in nichts nach, dann gibt es noch drei Kabarettbühnen in Rostock und weitere Veranstaltungsstätten mit Schauspiel, Musik und Kunst über das ganze Jahr verteilt, einfach eine wunderbare Kulturstadt!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anja Röhl</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Foto: Volkstheater: Frederic Böhle als Tevje, großartig in Anatevka</p>
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		<title>Über die Birne-Bücher des Günter Herburger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 00:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Literaturwissenschaftliche Einordnung der Kinderbücher des Schriftstellers Günter Herburger]]></description>
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		<title>Kinder der Kriegs- und Führerkinder</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anja Röhl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 22:31:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pädagogik]]></category>
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					<description><![CDATA[Kriegs- und Führerkinder nennen wir die  Kinder, die von 1938 bis 1945 in der Zwangsorganisation der Hitlerjugend sein mussten und davon traumatisch geprägt wurden]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vortragsauszug, gehalten am 30.3. 12, auf dem 26. Jahreskongress der GPPP:</strong></p>
<p><strong>Aus: Die Wohlgesinnten, Littell</strong>: <em>„Man hat in Russland nie von den KZs in Lublin oder Schlesien gehört, aber der einfache Straßenbahnschaffner in Berlin oder Düsseldorf  weiß, dass dort Menschen verbrannt werden. Ganz Deutschland ist ein riesiges Gespinst von Gerüchten…. Ermutigend ist,  dass die Menschen trotzdem die Partei und den Staat unterstützen, sie glauben noch an den Führer und den Endsieg. Und was beweist das? Das der nationalsozialistische Geist zu <strong>der Wahrheit</strong> im Alltag unseres Volkes geworden ist, &#8230; bis in den letzten Winkel vorgedrungen. Daher wird er überdauern, selbst wenn wir den Krieg verlieren. (Littell, S. 768)</em></p>
<p><strong>Immer noch Krieg – Eine biografische Sicht</strong></p>
<p><strong>Ich bin ein Kind von Kriegs- und Führerkindern, meine Eltern pflegten zu sagen, dass der Krieg ihnen die Jugend genommen hätte. Meine Kindheit verlief unmittelbar und unbedingt unter dem von meinen Eltern erlebten Faschismus- und Kriegsvorkommnissen, ohne die Erziehung zum Krieg meiner Eltern und ihrer Zwangs-Organisierung von 1939-1945 in der Hitlerjugend wäre meine Kindheit anders verlaufen. </strong></p>
<p>Ich werde ihnen jetzt hier etwas von meinen Eltern erzählen. Keineswegs will ich diese damit bloß und als schlechte Menschen hinstellen. Sie sollen hier nur Beispiel sein. Sie stehen hier stellvertretend.  Ich nehme sie und mich als Studienobjekte, da ich sie und mich in den ersten 15 Jahren meines Lebens besser als alle anderen Menschen der Welt kennengelernt habe.</p>
<p>Ich nehme sie als Studienobjekte für das, was Erika Mann in ihrer Untersuchung: „10 Millionen Kinder“ vorausgesagt hat, nämlich die unglaublichste Charakterverbiegung der Kinder durch <a href="_wp_link_placeholder" data-wplink-edit="true"><strong>die besondere Nazi-Erziehung zum Hass und zum Krieg</strong></a>. Ich will ihnen etwas davon erzählen, wie das im Konkreten entstanden sein mag und beleuchte dann kurz, wie es sich ausgewirkt hat. Zum ersten berufe ich mich auf meine persönlichen Erkundungen, Schlussfolgerungen und Vermutungen, zum zweiten nehme ich mich selbst als Studienobjekt. Sie sehen, ein durch und durch subjektiver Bericht, der keine Allgemeingültigkeit behauptet.</p>
<p>Meine Eltern, das ist mein Fazit, handelten durchaus folgerichtig, ihrer Zeit, ihren Einflüssen und ihren Erlebnissen entsprechend. Sie gingen den Weg einer unbewussten Verarbeitungsstrategie. Sie stehen hier stellvertretend für eine Generation, die eine Kindheit im prosperierenden Nazi-System verlebte, in die ein lange vorausgesagter Krieg wie etwas Selbstverständliches einfiel, der sich zu einer zunehmenden Katastrophe mit unvorhersehbaren Folgen für sie auswuchs. Ihre Namen sind austauschbar, und doch ist es eine ganz persönliche, ganz private und ganz konkrete Geschichte.* Nicht der Krieg mit seinen Bomben hat das Leben meiner Eltern bestimmt, von ihnen waren sie sogar  weitestgehend verschont geblieben, sondern der Krieg als Einstellung, als Lebenshaltung, als Ziel, als Sinn, als Pflicht, als Angst, als die Vorstellung von grässlichen Feinden, die ihre Familie, ihr Land und ihr Zuhause bedrohen, als Vorstellung, dass man unbedingt „siegen“ müsse, als etwas die gesamte Gesellschaft sozial Durchziehendes, als etwas, mit dem sie schon in den ersten Schuljahren aufwuchsen, eng mit der Ideologie von Stärke und Kampf, Waffen und Sieg verknüpft, mit dem Gefühl einer unbedingten Notwendigkeit für die Obrigkeit einzutreten, da diese schon wisse, was sie täte und mit wachsamem Misstrauen, imaginären Feinden gegenüber, verbunden mit der Bereitschaft, in jedem Feind, wie verlangt, übermenschliche Bösartigkeiten zu entdecken. Unklar vernebelt hat sich dies mit dem immer gegenwärtigen, aber abstrakt gebliebenen Gefühl des Sterbens verbunden, sowohl des eigenen, als heldenhafte Tat, für etwas unklar Wichtiges, als auch das des Feindes, das man als „notwendig“, als erleichternden Ausweg aus einer Bedrohung phantasierte.</p>
<p><strong>Beide wuchsen sie seit ihrem Kindergartenalter im Gefüge der Nazi-Kriegspropaganda heran und die Werte der Nazis, sowie die ständige Propaganda für einen Krieg wurde ihnen zum dauerhaften Kindheitsbegleiter. Erst als ständige Bedrohung, gegen die man sich wappnen müsse, dann als real eingetretener Ernstfall, der nun immer und überall herrschte&#8230;</strong></p>
<p><em>Der vollständige Text (33.000 Zeichen) im Tagungsband:  26. Jahrestagung der </em><a href="http://www.psychohistorie.de/">Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie, GPPP</a><em> </em></p>
<p><em>Kontaktadresse: Prof. Dr. Winfried Kurth und Dipl.-Soz. Heike Knoch Georg-August-Universität Göttingen Büsgeninstitut – Abteilung Ökoinformatik Büsgenweg 4, 37077 Göttingen Telefon (0551) 39-9715, (0172) 5664458, Fax (0551) 39-3465 E-Mail: wk@informatik.uni-goettingen.de Internet: www.uni-goettingen.de/de/72781.html</em></p>
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