Anja Röhl

Ich arbeite seit 2020 nur noch als Buchautorin und Vortragende, Buchung von Vorträgen und Buchvorstellungen per mailanfrage über den Verlag 

Das neue Buch, grade herausgekommen, Lesungstermine ab sofort, auch kurzfristig möglich, über den Verlag verabreden: oral history, ein Lesebuch: Heimweh- Verschickungskinder erzählenHier

Januar 2021 erschienen:

Grundsatzwerk: Das Elend der Verschickungskinder – Psychosozialverlag

Komme zu Vorträgen zum Thema Verschickungskinder in jede Orts-, Regional- und Landesgruppe. Dazu eine ausführliche Rezension:
https://www.socialnet.de/rezensionen/28163.php

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Artikel in der FAZ hier

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Auszug aus Rezensionen zum Buch: Das Elend der Verschickungskinder: 

Süddeutsche Zeitung Nr. 48, Samstag/Sonntag, 27./28. Februar 2021:

Rezension von Edeltraud Rattenhuber: 

»Ausgerechnet Erholungsheime für Kinder waren in der frühen Bundesrepublik Orte der Gewalt. Dank der Autorin Anja Röhl wird diese dunkle Geschichte jetzt entdeckt…«

der Freitag Nr. 5, 4. Februar 2021: 

Rezension von Alexandra Senfft

»Anja Röhls grundlegendes Buch geht mitunter an die Schmerzgrenze, doch wer begreifen will, wie die NS-Hinterlassenschaften bis heute auch auf diese Weise in den Menschen weiterwirken, sollte es sich zur Pflichtlektüre machen…«

Der Spiegel, 27. Januar 2021:

Rezension von Christoph Gunkel

»Millionen Kinder wurden ab den Fünfzigerjahren in Erholungsheime verschickt. Viele kehrten schwer traumatisiert zurück. Ein Buch schildert nun schlimme Misshandlungen…«

neues deutschland, 14. April 2021:

Rezension von Mira Landwehr

»Die rigiden Strafen und die Erziehung durch Angst in den Kurheimen waren keine Einzelfälle. Stattdessen wiesen diese Berichte aus allen Landesteilen darauf hin, dass es sich um systematische Gewalt handelte. Knapp die Hälfte des Buches widmet Röhl daher den Berichten der Verschickten, von denen viele bis heute unter schweren Traumata leiden. Wie so oft blieben die meisten Täter*innen verschont, viele der Verantwortlichen sind inzwischen gestorben. Es ist Zeit, den Opfern zuzuhören…«

HilLa, Zeitung für Kundinnen und Kunden der Buchhandlung Hilberath & Lange und alle, die es werden wollen, 44,Frühjahr/Sommer 2021: 

Rezension von Ursula Hilberath

»Das größte Trauma meiner Kindheit war ein sechswöchiger ›Kur‹-Aufenthalt im Kinderheim Bad Rothenfelde, als Sechsjährige, im Sommer vor meiner Einschulung. Das Heimweh und die Ängste spüre ich heute noch. Offensichtlich ging es nicht nur mir so. (…) Inzwischen sind schon viele Zeuginnenberichte zusammengekommen: die 2019 von Anja Röhl gegründete Initiative ›Kinderverschickung‹ bearbeitet das Thema aus wissenschaftlicher Sicht unter Beteiligung von Betroffenen. (…) Das Buch von Röhl versucht wissenschaftliche Grundlagen zu erarbeiten…«

Scharf links. Die ›neue‹ linke online Zeitung, 27. März 2021: 

Rezension von Michael Lausberg

»Das Buch bricht mit einem Tabu der westdeutschen Nachkriegsgeschichte und bringt die grausamen Erziehungsmethoden und die Phänomene an das Tageslicht und in einen Zusammenhang. Es ist eine gute Mischung zwischen Hintergrundaufarbeitung und Erlebnissen von Zeitzeugen, deren grausame Berichte teilweise erschüttern…«

Deutsches Ärzteblatt PP, Heft 2, März 2021: 

Rezension von Norbert Jachertz

»Anja Röhls Ausarbeitung beeindruckt nicht zuletzt deshalb, weil sie vom persönlichen Engagement der Autorin getragen ist. Sie hat zum einen ihre eigenen Erfahrungen als Verschickungskind im Jahr 1961: Ihr wurde wegen Schwatzens der Mund mit Leukoplast zugeklebt, man hat sie geschlagen, weil sie über den Tisch erbrochen hatte und man hat sie trotz prall gefüllter Blase nicht zur Toilette gehen lassen. Anja Röhl (66) knüpft zum anderen mit ihrer Untersuchung auch an Familiäres an…«

Abendschau des BR:

»Anja Röhl sprach am 30. April 2021 live in der Abendschau des Bayrischen Rundfunks über ›Das Elend der Verschickungskinder‹…« [mehr]

junge welt, 25. März 2021: 

Rezension von Jürgen Heiser

»Röhls Grundlagenwerk steht für den Beginn einer Auseinandersetzung mit einem verschwiegenen Stück Elend der Kinder der Westrepublik. Es analysiert anhand der Betroffenenberichte den bislang von der Wissenschaft ignorierten Forschungsgegenstand, geht bis in die ›Kinderheilkunde‹ des Nazifaschismus zurück und belegt, dass sich in den BRD-Kinderkurheimen das Unheil der ›strafenden Pädagogik‹ der ›NS-Schwesternschaft‹ fortsetzte. Es untersucht auch das lukrative Geschäftsmodell ›Kinderkuren‹. Aber es macht vor allem Mut, weil es davon zeugt, wie die früheren ›Verschickungskinder‹ das individuelle Unglück heute in ein kollektives Erkenntnisprojekt verwandeln, um sich von diesem Trauma zu befreien…«

Unsere Jugend 3/21: 

Rezension von Reinhard Joachim Wabnitz

»Anja Röhl unterstreicht nochmals, wie tief das Gift der NS-Gedankenwelt auch in die deutsche Medizin und Kinderpflege eingedrungen war und wie lange es noch nach 1945 nachgewirkt hat. Die Autorin schließt mit dem Hinweis: ›Ich wünsche mir, dass dieses Buch vielen Menschen Mut macht, sich für eine Aufarbeitung stark zu machen und Kraft daraus zu ziehen, dass sie nicht allein waren. Eine Aufarbeitung wird auch immer damit verbunden sein, sich für eine humanistische, einfühlsame Erziehung einzusetzen, in der eine strafende Pädagogik keine Chance mehr hat.‹ Dem kann man sich nur anschließen und wünschen, dass das Werk von Anja Röhl weite Verbreitung findet…«

Socialnet.de am 9. März 2021: 

Rezension von Peter-Ulrich Wendt

»Es wird Zeit, sich auch der ›Verschickungskinder‹ anzunehmen. Mit der Aufarbeitung dieses Themas ›wird auch immer verbunden sein, sich für eine humanistische, einfühlsame Erziehung einzusetzen, in der eine strafende Pädagogik keine Chance mehr hat‹ (S. 294). Dazu leistet dieses sehr empfehlenswerte (in seiner Diktion auch für Zwecke der Lehre in und zur Sozialen Arbeit und zur anschaulichen Bearbeitung von Menschenrechtsthemen und -verletzungen sehr gut geeignete) Buch einen wichtigen Beitrag!…«

Buch-Magazin, Nr. 140, 03.2021: 

»Das Buch ist ein erster großer Schritt zur Aufarbeitung eines bisher unerforschten Bereichs westdeutscher Nachkriegsgeschichte und zur Anerkennung des Leids Betroffener…«

Cellesche Zeitung, 27. Februar 2021: 

Rezension von Andreas Babel

»Nun hat Anja Röhl, selbst früheres Verschickungskind und Initiatorin der Verschickungskinder-Bewegung, ein Buch herausgebracht, in dem sie versucht, die Praxis der Kinderverschickung in die Tradition der ›Kinderlandverschickung‹ zu stellen, die schon unter den Nazis praktiziert worden ist. Die Sonderpädagogin legt ein Grundlagenwerk vor, dem sicher weitere Regionalstudien folgen werden…«

Kirche+Leben Nr. 8, 28. Februar 2021:

Rezension von Norbert Ortmanns

»Mit dem ausführlichen Grundlagenbuch kann es gelingen, heute Licht in den Nebel von kollektiver Misshandlung zu bringen. Für die heute erwachsenen Betroffenen an sich schon hilfreich. Zudem können sie Kraft daraus ziehen, dass sie nicht allein waren und der Kampf für ihre Rechte gegenwärtig ist…«

www.blog-der-republik.de, 23. Februar 2021:

Rezension von Joke Frerichs

»Hinter blumigen Namen wie Bergfreude, Haus Glückauf oder Kinderparadies verbargen sich oft sadistische Verwahrungsanstalten. Es gab unrechtmäßige Medikamentenabgaben; medizinische Versuche; Sedierungen durch Contergan und sogar unaufgeklärte Todesfälle in diesen Heimen…«

Pharmazeutische Zeitung, 18. Februar 2021:

Rezension von Angela Kalisch

»Der Umgang mit den Kindern war geprägt von Gefühlskälte, unerbittlicher Strenge und willkürlichen Strafen, die die Betroffenen bis heute nicht vergessen haben. Anja Röhl geht den Ursachen für diese Formen institutioneller Gewalt auf den Grund und recherchiert dabei auch zur Geschichte der Kurheime und ihres Personals…«

Schleswig lebt! Magazin, 7. Februar 2020:

Rezension von Karin Diestel

»Als Betroffene habe ich das Buch von Anja Röhl mit Schmerz und großem Interesse gelesen. Auch bei mir holte ein Bericht die Erinnerungen aus der Tiefe hervor. Meine eigene Aufarbeitung ist, wie bei allen Verschickungskindern, noch nicht beendet. Doch dank Anja Röhls Buch bin ich ein großes Stück weitergekommen, und so meinem Ziel, irgendwann in Ruhe und Gelassenheit zurückblicken zu dürfen, näher…«

Der Tagesspiegel am 5. Februar 2021:

Rezension von Carolin Fetscher

»Millionen westdeutscher Kinder wurden ab den 50ern in Kurheime verschickt. Ein Gespräch über ihre traumatischen Erfahrungen.…« [mehr]

 

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Rezension von Prof. Dr. Silke Birgitta Gahleitner

»Anja Röhl hat gewagt, in ihrem beeindruckenden Grundlagenwerk ein heißes Eisen anzufassen. Kur- und Heilverschickung, als Aufpäppelung für Kinder angepriesen, hat manchmal die Kinder noch kränker gemacht. Viele Kinder haben auf diesen Reisen entlang der in den Kurheimen praktizierten Erziehungsideologie schweren Schaden genommen, den sie bis heute verspüren und mehr und mehr offen thematisieren. In einer umfassenden Recherche wird das Thema von ihr erstmals ausführlich unter die Lupe genommen und öffentlich zur Diskussion gestellt…«

Rezension von Peter Wensierski, Buchautor und Dokumentarfilmer, langjähriger SPIEGEL-Autor

»Eigentlich sollte Millionen Kindern mit einer Kur, zu der sie ›verschickt‹ wurden, geholfen werden. Doch sie wurden einer Maschinerie ausgeliefert – gequält, erniedrigt, gedemütigt. ›Verschickungskinder‹ waren späte Opfer des Nazigeistes im Nachkriegsdeutschland. Unbedingt lesen!…«

Rezension von Ulrich Neumann, ARD/Report Mainz

»Anja Röhl hat als erste in der Bundesrepublik das Thema Kur– und Verschickungskinder thematisiert. Ihre über zehnjährigen Recherchen fördern groteskes zu Tage: Millionen Kinder, die durch die Kur eigentlich gesünder werden sollten, kehrten seelisch schwer verletzt und vielfach traumatisiert in ihr Zuhause zurück. Für Eltern und Pädagogen ist das Buch ein Muss – über ein besonders dunkles Kapitel in Deutschland…«

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Seit 2004/9 beschäftige ich mich  mit dem Thema traumatischer Kurverschickungen.

Schon 2004 schrieb ich unter dem Titel: „Tante Anneliese“ in der Literaturzeitschrift „Risse“ (Heft 13, S.47/2004) einen literarischen Beitrag zu meinen traumatischen Erinnerungen an eine der Tanten mit Namen: Tante Anneliese. Im Sommer 20o9 habe ich einen weiteren Text zu diesem Thema in der Zeitung junge welt veröffentlicht (9.9.2009, S.13). Daraufhin bekam ich Hunderte von Zuschriften mit bestätigenden Berichten. Seitdem haben sich weitere Berichte von Betroffenen angesammelt, zu denen ich seit 2016 Kontakt suchte. Im Sommer 2019 bekam ich eine Bundes-Drucksache in die Hände, aus der hervorgeht, dass es 839 solcher Kindererholungsheime und -heilstätten gab, mit ca. 57.000 Betten Kapazität, die 6-wöchig neu belegt wurden. Später fand ich in einem historischen Buch von 1964, 1143 solcher Heime aufgelistet. Nach neusten Erkenntnissen sind es wahrscheinlich noch um 20 % mehr.

Ich habe mit Mitstreitern 2019 am 2.11.19 den Verein „Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung e.V.“ gegründet (Berlin Charlottenburg, Amtsgericht 2.7.20) und anschließend auf Sylt einen ersten Kongress zum Thema organisiert, mit 80 Betroffenen haben wir dort die  „Initiative Verschickungskinder“ ins Leben gerufen, sowie dem bundesweit wirkenden Verein einen Auftrag zur Aufarbeitung in Form der Sylter Erklärung gegeben.  WissenschaftlerInnen haben sich uns angeschlossen. Auch ein historisches Buch haben wir gefunden, in dem deutlich wurde, dass die angewandten pädagogischen Methoden systematisch Grausamkeit und Kälte propagierten.  Politiker aller Länder haben inzwischen das Leid der Verschickungskinder anerkannt.

Erste Träger haben mit Entschuldigungen reagiert. Das reicht aber nicht! Wir brauchen Unterstützung bei der persönlichen und öffentlichen Aufarbeitung! Die muss von Trägern und Politik in Bund und Ländern gleichermaßen geleistet werden. Dafür setzt sich die „ Initiative Verschickungskinder“ ein, die sich im November 2019 auf Sylt gegründet hat. Dieser Erfolg ist der unermüdlichen Arbeit vieler Betroffener zu verdanken. Danke an all diese Menschen!!!

Ein zweiter Kongress hat coronabedingt am 21.11.20 erfolgreich, als Videokonferenz mit über 150 Interessierten stattgefunden. Erste Recherchen liegen jetzt vor. Kongressbeiträge beider Kongresse können bei mir angefordert werden, auch hier: 

Mir als Autorin und dem Verein Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung (AEKV e.V.) wurden über die Webseite: www.verschickungsheime.de  (Stand Dezember 2020) und über den anonymen FRAGEBOGEN, der im Nexus-institut gehostet ist, mehr als 6000 Berichte mit traumatischen Erinnerungen zugeschickt.

Noch nie hat ein Sozialwissenschaftler sich dieses Themas angenommen, in keiner Universität wurde bisher zu diesem Thema geforscht. Auf der Webseite: www.verschickungsheime.de bündeln wir alle Informationen.

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Vorträge zum Thema „Das Elend der Verschickungskinder“:  In Volkshochschulen, Fachhochschulen, Fachschulen und Universitäten. (Ab Januar 2021). Zu buchen unter: anjairinaroehl@gmail.com

Webseite der „Initiative Verschickungskinder“: www.verschickungsheime.de

In den 50-90er Jahren wurden insgesamt ca. 8 – 12 Millionen Kinder aus der BRD und Westberlin, für 6-12 Wochen allein, ohne ihre Eltern, in Kinderheilstätten weit entfernter Kurorte der See, der Mittel- und Hochgebirge “verschickt“, in nächtlichen “Sonderkinderzügen“, bevorzugt vor dem Schuleintritt, im Alter von 4-6 Jahren. Dies geschah in Verantwortung der kinderärztlichen Gesundheitsinstitutionen, die das Ganze als heilsame Klimatherapie für Großstadtkinder propagierten. Weiterlesen demnächst hier: https://www.psychosozial-verlag.de/3053

Buchveröffentlichung:  hier

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61 Antworten auf “Anja Röhl – Autorin

  1. Guten Morgen Anja,
    Ferien – Kurheim, 1962-65 habe ich mein Anerkennungsjahr im Schwarzwald abgeleistet, meistens mit Kindern von 7-11 Jahren. Die Kinder waren sicher gut versorgt und aufgehoben, auch wenn die “Überzeugungsmethoden” mancher Gruppenleiterinnen zum Essen fragwürdig waren. Immerhin wurde der Erfolg am Ende des Aufenthalts auch in Zunahme des Körpergewichts gemessen!
    Mir persönlich ist nur noch im Kopf, wie sehr mir die wenigen, aber oft tottraurigen Dreijährigen leid taten!

  2. //Die ist kein Kommentar sondern ein kurzer Brief, eine Kontakt aufnahme//

    Hallo, Anja Roehl – ich habe den Link zu Ihnen bekommen von Frau Dettinger (Verein Heimkinder) Ich bin Autor und bin bei Recherchen für einen Roman, der sich mit ermittlungen in SH befasst, die plötzlich ins 3.reich reichen, auf ein Kinderheim auf Amrum gestoßen, das es schon damals gab. Frau D. meinte Sie koennte mir dazu
    etwas sagen. Vielleicht schreiben Sie mir kurz eine e mail? Vielleicht können wir telefonieren? )Ich werde auch zu Recherchen bald nach SH und Dänemark kommen, und könnte Sie evtl. auch treffen, wen Ihnen das behagt….
    Herzliche Grüße von Hartwig Nissen

  3. ich habe ihre Seite heute entdeckt…. über die Kinderverschickungen (Hessen-Kinder) in den 60er Jahren . Leider gehöre ich dazu. Sie sammeln Berichte darüber und ich habe vor einigen Jahren angefangen, Informationen zu suchen. Ich war sehr froh, als ich vor einigen Jahren die Seite Küstenforum entdeckte, auf der Menschen schrieben, die dort waren, im Heim Köhlbrand und im Heim Ehlers, St.-Peter-Ording. Da haben viele Menschen geschrieben, die das gleiche erlebt haben wie ich, die heute, im Alter von über 50, immer noch an dieser Zeit und diesen Erlebnissen leiden. Es tröstet mich, dass etliche Köhlbrand-Geschädigte auch nach 40 Jahren wie ich in einer psychosomatischen Klinik waren. Ich war 6. Und wurde von meinen Eltern für 6 Wochen dorthin geschickt. Es war die grausamste Zeit meines Lebens. Ich habe mich, nachdem ich wieder zu Hause war, immer im Bad eingeschlossen, wenn ich mich wusch. Ich konnte keine Berührungen meiner Eltern ertragen, jegliche Art von Nähe ertrage ich auch heute nicht, ich hatte und habe eine ausgeprägte Abneigung gegen Frauen. Meine Briefe wurden zensiert, wenn meine Eltern anriefen, stand ein weiblicher Drachen neben mir, die Päckchen, die mir meine Eltern sandten, wurden konfisziert. Wenn einem das Essen nicht schmeckte, wurde man gezwungen, es zu essen. Erbrochenes bekam man wieder auf den Teller. Wenn man nicht sofort den Befehlen gehorchte, wurde man geschlagen, wer nachts ins Bett machte, musste in den Keller. Wir waren am Meer und in den 6 Wochen 2 mal am Strand. Wir wurden 6 Wochen lang indoktriniert, von Frauen, die früher in SS-Lagern Dienst taten, wie ich vor einigen Jahren erfuhr. Ich traute mich erst nicht, meinen Eltern etwas davon zu erzählen, aber eigentlich wollten sie es auch nicht wissen. Meine Mutter fragte mal bei der KK nach, weil ich so verwahrlost und gestört aussah, gab sich aber mit deren Erklärung zufrieden. Ich habe dort viele gräßliche Situationen erlebt, über die ich auch heute noch nicht reden kann. Ich habe mir Bilder dieses Kinderheims angesehen, ist inzwischen ein Mutter-Kind-Heim……..ich habe es bis heute nicht geschafft, dorthin zu fahren, noch nicht mal in die Nähe. Aber ich hoffe, dass ich es irgendwann schaffen werde und dann damit abschließen kann.

    Mit freundlichen Grüßen

    Belinda Glock

  4. Hallo Frau Roehl,

    ich bin zum Thema “Kinderverschickung” auf Sie gestoßen. Bin Betroffener des Seehospizes Norderney Ende der 50er Jahre. Habe an dem Thema schon länger gearbeitet und vor 3 Jahren ein Betroffenenmeeting in Bremen veranstaltet. Im Augenblick stehe ich im Kontakt mit dem Mutterhaus in Bad Harzburg um eine öffentliche Entschuldigung für die entsprechenden Straftaten und Traumatisierungen in der Einrichtung auf Norderney zu erreichen. Habe mich bislang mehr oder weniger als Einzelkämpfer um eine öffentliche Aufarbeitung gesehen und bin an der Tagung auf Sylt interessiert und ggfs auch bereit daran mitzuwirken. Ich würde mich um eine Kontaktaufnahme ihrerseits freuen. Tel: 0421 554841 oder georgbergmann@arcor.de

    Herzlicher Gruß

    Georg Bergmann

  5. Hallo Frau Röhl, ich würde mich gerne in diese Thematik einreihen. Ich war in den 60er Jahren in Bad Reichenhall in einem Kinderheim für Asthma. Das würde ich gerne mit einbringen. Wie kann ich mich an Ihrer Arbeit beteiligen, benötige ich einen zugangscode?

    Ich freue mich auf Ihre Nachricht und wünsche ein schönes Wochenende.
    Armin Prauser

    1. Sie können hier ihre Erlebnisse beschreiben, wenn Sie sie anderen mitteilen wollen, ich bin dabei alle Kommentierenden nach Heim-Orten zu sortieren und nach Jahren, gut wäre also, wenn vorkäme, wann sie wie lange und in welchem Alter waren, was ihre Erlebnisse waren und wie es sie veränderte, als sie zurückkamen. Wenn Sie wollen, schreiben sie aber auch ganz spontan, was Ihnen einfällt. Ich schreibe ab und an eine Sammelmail an alle, es wäre gut, wenn sich alle auch gegenseitig erreichen könnten, um sich jetzt schon was fragen zu können, ich versuche das im Forum Romanum anzulegen, aber es klappt noch nicht, wie ich möchte. Auf dem Kongress, den wir planen, können sich die Kommentierenden erstmalig kennenlernen und dann in Gruppen den jeweiligen Verschickungsheimen zuordnen. Es wäre dann auch gut, wenn alle Bilder und Briefe mitbrächten, als wertvolle Belege und einen Anfang zur aktiven Aufarbeitung. Ich gehe hier alle paar Tage rein und schalte die Kommentare frei, danke, dass Sie Interesse zeigen, es ist Tausenden Kindern so gegangen wie uns damals, davon bin ich überzeugt,
      Grüße
      Anja Röhl

  6. Ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen und da kam die Erinnerung. Ich bin Jahrgang 1955 und wurde im Jahr 1965 von der DAK verschickt.Wir sind mit dem Zug *nachts* in den Schwarzwald gefahren . Von Hamburg aus schon eine lange Fahrt mit Kindern verscihiedener Altersgruppen.Geschlafen wurde in den Abteilwagen wohl kaum, denn ich war bei d der Ankunft in Freiburg hundemüde. Von dort ging es mit einem Kleinbus nach Fal

  7. Hallo Frau Röhl, ich bin heute zufällig auf diese Seite gestossen. Ich war im Sep. 1966 – Mrz. 1967 in der Kinderheilstätte Stieg in Unteralpfen. Ich hatte eine Erkrankung der Bronchien und eine offene TB. Ich war dort in Quarantäne. Ich hatte dort eine schöne Zeit und konnte mich über die Erzieher nicht beschweren. Eine Bekannte von mir war in der gleichen Zeit, eine Etage tiefer und hat sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Sie wurde in dieser Zeit regelrecht gemästet und hat bis heute damit zu kämpfen.
    Liebe Grüße
    Michael Sch.

    1. Ja, das war manchmal sehr unterschiedlich, am schlimmsten haben die kleineren Kinder gelitten, so kann man es dem bisherigen Material zweifelsfrei entnehmen. Daher gibt es durchaus unterschiedliche Erfahrungen, bei uns überwiegen die negativen Kommentare bei weitem, Güße, Anja Röhl

  8. Guten Morgen, Frau Röhl! Ich habe gerade einen Bericht über Ihr neues Buch im Radio gehört und kann Ihnen nur danken für diese Arbeit. Endlich.
    Hoffentlich folgen daraus positive Veränderungen für alle Betroffenen und für die Zukunft.

    Beste Grüße
    Sibylle Bauser

    1. Danke zurück, ohne die vielen Menschen, die mich immer wieder ermutigt und deren Geschichten mich immer wieder erschüttert haben, hätte ich nie die Kraft gefunden, mich 10 Stunden täglich an den Schreibvtsich zu setzen, und dieses Buch innerhalb von drei Monaten zu schreiben, liebe Grüße, Anja

  9. Liebe Frau Röhl, ich bin über den Artikel im Spiegel auf das Thema gestoßen. Ich bin keine Betroffene (JG 1981, glückliches DDR-Kind mit tollen Ferienlageraufenthalten), möchte aber an dieser Stelle meine Betroffenheit zum Ausdruck bringen. Ich wünsche allen Mitstreitern viel Erfolg mit der Aufarbeitung! Auf das ihr und Ihr Schicksal viel Gehör findet. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ein einziges Erlebnis mit 4 Jahren in einem Kindergarten dazu führte, dass meine Mutter mich sofort in einen viel freundlicheren angemeldet hat. In der alten Stätte wurde ich gezwungen, stundenlang vor der Milch zu sitzen, bis ich sie ausgetrunken hatte.

  10. Weil ich seit fast 15 Jahren nicht mehr in Deutschland wohne, hab ich das erst heute mitbekommen. Ich musste 4x auf solch eine Kinderkur bzw. Kindererholung, wie man das nannte. Die erste war 1965 in Berchtesgaden, für die 2.-4. “Kur” musste ich nach Bad Salzuflen. Ich habe heute noch immer diese Bilder vor Augen. Und die Schlafsäle, die mir Angst machten. Vor dem Schlafen gehen die Unterhose runterziehen und beweisen, dass man nicht in die Hose gepieselt hatte. Ich bin heute 61, hab zwar keine Albträume, aber diese Bilder kommen automatisch in den Sinn, wenn ich auch nur annähernd irgendetwas triggert. Diese Kuren wurden auch von der Deutsche Bahn mit unterstützt, Wir mussten jede Woche Karten schreiben, dass es uns gut geht, dass wir viele gute Sachen zu Essen bekommen und dass das Wetter toll ist. Dass wir einen Ausflug gemacht haben. Was ehrliches durften wir nicht schreiben, denn dann könnten sich unsere Eltern ja Gedanken machen, dass es uns nicht gut ginge. Diese jeweils 6 Wochen waren jedes Mal ein Albtraum. Ob wir Beruhigungsmittel bekommen haben, kann ich nicht sagen, Aber bestimmt, sonst hätten wir jeden Tag 24 Stunden vor Heimweh geheult. Ich hoffe, ich kann ihr Buch irgendwann lesen. Danke jetzt schon dafür, dass sie das in Angriff genommen haben und darüber berichten, wie unsere Kindheit zerstört und Narben hinterlassen hat, die heute noch nachwirken.

  11. Guten Morgen Frau Roehl.
    Es ist sehr gut,dass Sie dieses Thema aufgreifen, auch ich habe furchtbares in einem Kinderheim im Schwarzwald erlebt.Es zeichnet sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben.Ich war 5 Jahre und kann mich nur an einm Bett erinnern indem ich lange gelegen habe.Es war ein Schlafsaal und abends kamen die anderen Kinder ins Bett.Ostern war ich dann wohl ‘gesund’ und durfte aufstehen.In meinem Heimwehschmerz bekam ich dann endlich eine Nachricht von zuhause.Einen Brief und ein Päckchen,welches liebevoll gefüllt war.Als man mir dann den Brief meiner Mutter vorlas begann ich fürchterlich zu weinen.Daraufhin nahm man mir das Paket weg und gab es den anderen Kindern mit der Äußerung:Wer weint bekommt kein Geschenk.Es war so unerträglich und hat mein ganzes Leben total beeinflußt.Alles dort war nur Qual und Schmerz für mich.

  12. Hallo Frau Röhl!

    Ich (geb.1954) wurde als Stuttgarter Kind mit 7 und 8 Jahren mit unerkannter TB (kam erst bei der Reihenuntersuchung mit 10 raus) nach Klappholttal auf Sylt verschickt. Der Ton dort war straff, aber der Umgang durchaus freundlich und gelegentlich auch liebevoll. Das Essen war einfach aber ok, ohne jeden Zwang und wer nicht mochte konnte Stulle essen. Für mich war es eine in Summe sehr positive Erfahrung. Besser als zu Hause, und die Luft tat mir sehr gut. Schwierig war die Verschickung in einer riesigen Kindermasse, die großen Schlafsäle und eben sehr viel Ungewohntes ohne Erklärung.
    Insofern gab es eben auch positive Situationen oder Einrichtungen. Diese mail nur als Ergänzung zu Ihren Erhebungen, die ich keinesfalls bezweifle.

    Eberhard Holstein

    1. Positive Erinnerungen sind leider sehr selten bisher, aber ich freue mich für Sie, dass es für Sie so schön war. Vom Klappholtal haben ich schon viele andere Berichte gelesen. Es hängt wahrscheinlich vom Alter, den Umständen und natürlich den Mitarbeiterinnen ab. Schauen Sie, es waren Millionen Kinder und bisher haben wir vielleicht mehrere Tausend erschreckende negativ kontierte Berichte. Sie können nun sagen, dass ist nur eine Minderheit. Ich denke aber, auch so eine Minderheit und deren Erinnerungen muss man ernst nehmen. Und viele berichten auch von dem, was sie bei anderen mit angesehen haben. Schauen Sie mal auf: http://www.versschickungsheime.de. Erst die weitere Forschung kann Licht ins Dunkel bringen. Hier muss noch viel mehr und viel tiefer nachgeforscht werden.

  13. Wenn ich hier von den Erfahrungen anderer lese, bin ich dankbar, dass ich anscheinend dreimal Glück gehabt habe. Ich war 1959 auf Langeoog, 1962 in Cuxhaven und 1965 noch einmal in einem anderen Heim auf Langeoog (ich war und bin noch heute ein echter “Hungerhaken”). Ich kann mich nicht an ein einziges negatives Erlebnis erinnern. Nicht weil ich diese verdrängt habe, sondern weil es diese nicht gab. Um so wichtiger ist es, denen Gehör zu verleihen, die nicht so viel Glück wie ich hatten.

  14. Liebe Anja, als Vetter Deiner Mutter muss ich Dir mitteilen, dass Du wenig über die Familie Deines Grossvater weißt. Auch über die Vorfahren Deiner Familie Mütterlicherseits. Lg Grüsse von dem Vetter Deiner Mutter

    1. Lieber Hans-Peter Mundt, ich würde gern mehr erfahren über diese, meine Familie, die mütterliche Familie interessiert mich besonders, weil ich von der Seite aus, über meine Großmutter, Erna Fiebing, die meiste Liebe erfahren habe, wie können wir in Kontakt treten? Ich bin über meine Emailadresse hier im Impressum jederzeit gut zu erreichen, mit lieben Grüßen, Anja Röhl

  15. Guten Tag Frau Röhl,

    ich habe über ihr Buch gelesen, dazu auf der Website des Verlages das Inhaltsverzeichnis angeschaut. Vor einigen Wochen gab es in den Westfälischen Nachrichten (Münster) auch einen Artikel zu der Initiative, mit einem Bericht einer Betroffenen.
    Die meisten, nein, alle mir bekannten Berichte klammern die damaligen Heime zur “Heilung”, bzw. Nachheilung von Krankheiten aus, dort waren die Zustände oft nicht oder nur wenig besser, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.
    Wissen sie über mögliche Publikationen/Aufarbeitungen dieses Bereiches ?

    Mit freundlichen Grüßen

    Norbert Nowotsch

    1. Das sind tatsächlich dieselben, es handelt sich um Kindererholungsheime und Kinderheilstätten, diese Einrichtungen haben sowohl Kinder zu 6-Wochenkuren, als auch Kinder nach Krankheiten zu Kuren aufgenommen. Die Menschen, die auf unserer Seite (www.verschickungsheime.de) kommentieren, sind meist die Verschickungskinder, die zu 6-Wochenkuren verschickt wurden, allerdings haben wir auch genauso welche, die nach Krankheiten zum Nachheilen in diese Stätten kamen. Melden Sie sich bei Erstinfo@verchickungssheime.de und Sie bekommen dort eine Heimliste aller Einrichtungen, da können Sie nachschauen, ob Ihre Einrichtung auch darunter ist.

  16. Liebe Frau Röhl, ich habe im Fernsehen Ihren Bericht gesehen und gestern im Tagesspiegel den Artikel gelesen. Ich war mit 7 Jahren im Jahr 1966 in Wyk auf Föhr. Laut Auskunft meiner Mutter in einem Heim der Inneren Mission. Die Erinnerungen daran sind nur bruchstückhaft vorhanden, so dass ich glaube, dass der Aufenthalt schrecklich gewesen sein muss. Sicherlich hat dies mein weiteres Leben stark beeinflusst. Ich würde gern Kontakt mit weitern Betroffenen aufnehmen. Vielleicht kommt die Erinnerung zurück und ich kann dies besser verarbeiten.
    Wunderbar, dass Sie sich mit diesem Thema beschäftigen.
    Herzliche Grüße
    Heike Seltmann

  17. Hallo Frau Röhl,
    ich habe negative Erfahrungen bei meinem Kuraufenthalt, ich nehme an, dass es im Jahre 1964 war, in einem Kurheim in Donaueschingen gemacht.
    In den 6 Wochen wurde ich regelmäßig gequält, körperlich und seelisch misshandelt.
    Diese Erfahrungen sind immer noch gegenwärtig, weil sie so einschneidend in meinem Leben waren und eventuell auch noch sind.
    Viele Grüße Lothar

  18. Hallo, Frau Röhl ,im Gespräch mit Ihnen im “Tagesspiegel” vom 5.Februar 2021:„Schläge, Herabwürdigungen, Strafen“ nennen Sie die Zahl derer, die „auch gute Erinnerungen, glücklichere“ haben als „ Leider extrem selten, jedenfalls in unseren Kommentaren.” Ich zähle zu ihnen, denn ich hatte das große Glück, dreimal verschickt zu werden. Als schmächtiges, untergewichtiges Flüchtlingskind war ich zum ersten Mal in Bad Sachsa. Das größte Unglück war, daß mein Koffer erst nach zwei Tagen ankam. Mein Zimmer hatte den Namen „Enzian“. Seitdem ist das meine Lieblingspflanze und Lieblingsfarbe. Mit Langeoog verbinde ich besonders die Dünen, den Strand und den Flugplatz mit der langen Rollbahn. Anfang der 50er Jahre wurde ich in ein Erholungsheim in Naersnes am Oslofjord eingeladen, das der norwegische CVJM für Flüchtlingskinder aus Deutschland, Litauen, Lettland und Polen eingerichtet hatte. Alle drei Aufenthalte von je 6 Wochen habe ich nur in guter Erinnerung. Neben dem guten Essen, auch mit Nachschlag, waren es die Ausflüge in die Umgebung, der Sport und die Betreuung, die ich nie vergessen werde. Ich danke noch heute allen, die uns damals diese besonderen Erlebnisse ermöglichten.

    1. Das ist wunderschön, dass Sie solche Erinnerungen haben, das hätten wir auch so gern gehabt und unsere Eltern haben sich genau das für uns alle gewünscht. Mein Eindruck ist, dass es in den Jahren direkt nach 45 noch manchmal schön war und dass es die älteren schöner hatten, das stimmt aber ach nicht immer, es wird wohl von den einzelnen Heimbetreiberinnen und Tanten abhängig gewesen sein, gern können Sie auch Ihre Erfahrungen bei unserer Forschung einbringen, zb im FRAGEBOGEN, mit freundlichen grüßen, Anja Röhl

  19. Sehr geehrte Frau Röhl,

    der Bericht ist erschütternd. Viel deutlicher müßte werden, wer verantwortlich ist.
    Igrendwie scheint es was mit der katholischen Kirche zu tun zu haben.
    Heute lässt Herr Woelki grüßen. Wenn es etwas mit der Kirche zu tun hat, bleibt nur: AUSTRETEN. Das ist das Einzige, was diese Institution versteht, weil es dann ums Geld geht.
    Sagen Sie es, wenn es Verantwortlichkeit der Kirchen gibt. Das wird in dem Bericxht nicht wirklich deutlich.
    Die Erzählungen sind sehr bedrückend. Aber es fehlt dien Zuordnung der Verantwortlichkeit. Der Hinweis auf eine Untersuchung von Report macht es nicht deutlich. Dann wird noch mal die Diakonie genannt.
    Sagen Sie, wer verantwortlich ist!!!!

    Es reicht nicht, zu sagen. “Das beschämt uns” Und wir machen deutlich, dass wir das wahr nehmen, was geschehen ist und das wir das bedauern”.

    Soll es das gewesen sein. Das kann doch nicht wahr sein

    Es hilft nur AUSTRETEN!

    Ich freue mich auf Ihre Antwort

    beste Grüße

    H. Koch

  20. Sehr geehrte Frau Röhl,

    ich bin erschüttert ob all dieser Berichte und habe 1963 als 6-jähriger auf Anraten des Schul- und auch HausArztes in einem Erholungsheim in Bad Lippspringe zum “Aufpäppeln” eine 6-wöchige “Kur” verbracht, in der ich ähnliches erlebte. Das Sanatorium lag im Grünen, aber Name und Träger weiss ich nicht mehr.
    Es begann schon traumatisch, in dem meine Eltern es als Ausflug getarnt haben und mich dan dort alleine ließen. Strenge, beinahe militärische Disziplin, schreckliches Essen, vor dem Teller sitzen und alles aufessen müssen, warme Schokoladensuppe, wenn nicht “willfährig” zur Strafe nackt ausziehen und mit dem Schlauch und kaltem Wasser abgespritzt werden, ……
    Den Namen und Träger des Sanatoriums in Bad Lippspringe weiss ich nicht, aber vielleicht gibt es in Ihrem “Pool” andere, die mir diesbezüglich weiterhelfen können?
    Den Befragungsbogen “Verschickungskinder” habe ich ausgfüllt.

    Liebe Grüße und Danke, daß sie sich des Thema´s angenommen haben, ich hatte es weitgehend abgehakt und als erledigt betrachtet, weil es mir – alles in allem – gut gelungen ist, mein Leben lebenswert zu leben und zu gestalten.

    Dr. Hans-Friedrich Hicks-Monreal

  21. Ganz, ganz schlimm diese Berichte hier zulesen….Es schnürt mir echt die Kehle zu..da auch meine eigenen Erinnerungen wieder da sind.Sie kommen wieder ans Tageslicht…sonst unter großer Kraftanstrengung möglichst gut vergraben..Im Okt/Nov 1980 wurde ich als 10 Jährige in den Nachtzug gesetzt und fuhr von Süddeutschland rund 12 Stunden nach Sylt zur Kur.Dies war schon der Anfang vom Leid..ein schreiendes, an die Mutter sich klammerndes Kind wird in den Zug gezerrt..Das große Heimweh kam und wurde immer immer größer..Krank vor Heimweh . Buchstäblich.So wurde ich in ein Krankenzimmer dort verlegt und war noch einsamer. Mir ging es immer schlechter.Ob mal ein Arzt nach mir schaute , daran kann ich mich nicht erinnern. Ich dämmerte vor mich hin.Ich kann es nicht genau sagen..es schaute selten jemand ins Zimmer. Ich konnte auch keine Hilfe holen.Ich war zu schwach, um Aufzustehen, lag nur im Bett.Eine Verlegung in ein Krankenhaus oder Kurabbruch fand nicht statt. Nach Beendigung der Kur fuhr ich wieder krank nach Hause.Das es mir zu Hause so schlecht ging, wurde mir auch nicht geglaubtvon denEltern, da ich ja schließlich 6 Wochen zur Kur war…Es vergingen aber keine 2 Wochen, da konnte ich mich nicht mehr auf den Beinen halten und wurde umgehend ins Krankenhaus eingeliefert..und blieb dort erstmal weitere 4 Wochen..Diagnose Diabetes Typ 1, Blutzucker über 600 mg/dl. Dann begann sofort das Lernen des Insulinspritzens 4 x am Tag und strenge “Zuckerdiät”. Inwischen ist das alles über 40 Jahre her. Insulinpflichtiger Diabetiker bin ich ja immer noch und vermutete schon lange, daß ich damals krank wurde und auch blieb..vor lauter Heimweh..den Zusammenhang glaubt bis jetzt niemand so ganz. Aber ich bin mir ganz sicher..obwohl ich nicht körperlich o psych im kurheim mißhandelt wurde..wurde ich krank vor Heimweh.
    Un das zieht weite Kreise..auch ich habe starke Verlassensängste, schwaches Selbstwertgefühl , Depressionen ect.Mein gesamtes Leben bin ich verfolgt von diesen Erinnerungen. ..Letztes Jahr ist meine Mutter verstorben,Ich hatte immer ein distanziertes Verhätnis zu ihr..da ich ihr die Schuld gab, ihr eigenes Kind allein zur Kur hat gehen lassen.Sie war auch immer auf Distanz zu mir.Aber ich denke im nachhinein, daß sie auch große Schuldgefühle hatte, ihr eigenes Kind wegzuschicken. Leider haben wir darüber nie mehr gespochen.
    ..Jetzt ist es doch viel Text hier geworden.Vielleicht findet sichin diesem Forum das Mädchen, welches dann mit mir im Krankenzimmer lag…was wohl aus ihr geworden ist?!
    Liebe Frau Röhl, besten Dank , daß Sie das Thema aufgegriffen und öffentlich gemacht haben. Das Elend in vielen Kurheimen kann ja nicht ungeschehen gemacht werden, aber mit der Benennung können Verantwortliche gefunden werden, neues Leid hoffentlich verhindert werden und auch gibt es den Betroffenen einen kleinen Trost..die Sichtbarkeit und die Glaubwürdigkeit. Liebe Grüße Kristin

  22. Liebe Frau Roehl !
    Das ist der zweite Versuch, der erste ist verloren gegangen.
    Von 1958-59 war ich mit 4 Jahren in einer Lungenheilstätte in der Nähe von Hofgeismar, eventuell hieß sie Gesundbrunnen. Seit sehr vielen Jahren werde ich von Erinnerungen überfallen, die mit diesem Aufenthalt zu tun haben müssen, ich war ja fast ein Jahr dort.
    Riesige Schlafsäle, mit sehr vielen Kindern, immer nur liegen, liegen, nie laut sein dürfen auch am Tag in Liegehallen, nur alle 6 Wochen Besuch für einen Nachmittag. Ein Besinnungszimmer, eng, mit einer Holzpritsche und einem kleinen Fenster so weit oben, dass ich nicht herausschauen konnte, wenn man irgendetwas gemacht hatte. Wenn mal ein Kind ins Bett gemacht hatte wurde es mit Mullbinden festgebunden, kein Spielzeug. Verhasste Esssäle mit Essverpflichtung, reinstopfen, nicht nachdenken dürfen. Es gab zumindest eine sadistische Schwester, sie hieß Eva, da getraute man sich fast nicht zu atmen. Alle Kinder hatten große Angst vor ihr.
    Vielleicht trügt ja meine Erinnerung, aber wenn ich meine Mutter, auch sehr viel später, auf Missbrauch dort ansprach, sagte sie immer ganz harsch „nein.“ Einmal bin ich weggelaufen von einer Untersuchung, die mit „untenrum“ zutun hatte, die sehr merkwürdig war, ich lief ohne Hose weg, andere Ärzte müssen das auch mitbekommen haben.
    Zu viele Erinnerungen…
    Übrig geblieben ist davon ein Gefühl, dass ich irgendwie an etwas Schuld hatte, ich konnte mich erst spät davon befreien.
    Wenn es andere Menschen gibt, die auch dort waren, würde ich mich gern mit ihnen austauschen.
    Liebe Frau Roehl, danke, dass Sie sich darum kümmern!!!
    Mit ganz herzlichen Grüßen
    Cornelia Kempers

  23. S.g. fru Röhl,
    falls Sie Kontakt aufnehmen wollen, ich war 1970/71 als Kindergärtnerin in einem Heim auf Föhr, nach der Weiterbildung zur Soz.päd. noch zwei Jahre soz. päd. Leitung eines Kurheimes im Allgäu, kann aus der Zeit noch einiges berichten. Danach war ich in anderen Positionen tätig, ich bin jetzt 78 . Falls Sie mich kontaktieren wollen, schicke ich über meine Email – Anschrift die Telefonnummer. Vorhin habe ich bei Hugendubel Ihr Buch bestellt, leider ist es als E-book noch nicht zu bekommen. Das Buch von Frau Hilpert habe ich gelesen, die Akte- Verschickungskinder sowie die Fernsehberichte in Betrifft und der Landesschau gesehen. Die geschilderten Methoden in den Heimen sind grausam, das haben wir in der Kiga -Ausbildung in Stuttgart anders gelernt, Das waren auch nicht meine Methoden.

    Freundlichen Gruß aus Isny
    Heiderose Betz

  24. Hallo und guten Tag habe heute erstmals ihre Dokumentation gesehenvom südwestrundfunk bin zutiefst entsetzt gerne Rückruf 01762 0639411 bin freier Journalist und Jahrgang 52 MFG Rolf Schmid

  25. Hallo Frau Röhl,
    Ich bin durch die FB Gruppe hierher gelangt. Ich war 1963 in Westerland in dem Kinderheim der Arbeiterwohlfahrt. Ich war 8 Jahre alt. Es war so schrecklich und ich träume heute noch davon. Ich wurde dort gebrochen und kam kränker zurück
    Als vorher. Uns wurden auch tabletten gegeben. Wir wurden gedemütigt und geschlagen. Einmal habe ich mich beim Mittagsschlaf bewegt.., daraufhin musste ich mich nackt in den Waschraum der Jungen stellen. Ich verkroch mich in die hinterste
    Ecke und hatte große Angst. Dann kamen die Jungen zum Duschen usch

    Und sie lachten mich aus und verspottet mich. Durch eine frühere Gelbsucht, ekelte ich mich vor Essen und gerüchen und ich konnte z.B.keine Milch trinken egal ob heiß oder kalt. Ein Mädchen trank morgens dann immer meine Milch und ich hatte nichts zu trinken. Dann musste ich mal stundenlang in einem Raum vor meinem Essen sitzen. Ich konnte keinen Fisch essen. Ich sehe ihn noch vor mir mug Kopf und Augen. Eine nette Putzfrauen hat dann mein mittlerweile kaltes Essen gegessen.

    Ich könnte noch viel mehr erzählen, aber das würde den Rahmen sprengen. Ich hatte mein Leben lang Angst vor Veränderungen, Ärzten, Krankenhäusern oder überhaupt vir Krankheiten.
    Ich finde es toll, dass Sie das ins Leben gerufen haben.

    Liebe Grüße

    Inge Spachmann

    1. Liebe Inge Spachmann, danke für Ihren erschütternden Bericht, schauen Sie mal auf unsere Webseite, dort finden Sie viele AnsprechpartnerInnen, darunter auch die Heimortverantwortliche von Sylt, Gabriele (unter VERNETZUNG und dann den Unterpunkt HEIMORTKOORDINATION anklicken. Da finden Sie Ihre mailadresse. Die sammelt Betroffene aus Sylt und freut sich über eine Kontaktaufnahme. Stöbern Sie einfach etwas auf: http://www.verschickungsheime.de, damit Sie sich klarmachen können: Sie sind heute nicht mehr allein! Ihr Bericht ist so traurig, wenn Sie mich anrufen möchten, können Sie mich gern anschreiben: info@verschickungsheime.de, es kann etwas dauern, aber ich antworte auf jeden Fall!
      Liebe Grüße
      Anja

  26. Hallo, Frau Röhl, ich bin auch eine Betroffene und suche ein (ehem.) Kinderheim im Schwarzwald bei Freudenstadt. Können Sie mir helfen, die Adresse herauszufinden? Es lag direkt an einem Waldrand. MfG Gaby

  27. Hallo Frau Röhl
    Können Sie mir bitte weiterhelfen
    Kontaktperson in Süddeutschland
    zufinden Die ab Stuttgart weggeschickt
    wurden Barmer Ersatzkasse.

  28. Ich war mehrfach in Verschickung Anfang der sechziger Jahre, zweimal im Hamburger Kinderheim in Niendorf und zweimal in Wessobrunn. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich über diesen Weg andere Verschickungskinder finden würde, die ebenfalls in einem der beiden Heime waren.

  29. Sehr geehrte Frau Röhl,
    ich habe gerade durch Zufall in Youtube den Bericht Verschickungskinder gesehen, und mir kamen die Tränen der Erinnerung. Ich war mit 7 Jahren in Bad Rehburg, er hieß irgenendwie Heilstätte Liebrechtsborn in Bad Rehburg, bei Hannover.
    1970 glaube ich. So vieles was beschrieben wurde habe ich auch erlebt.
    Gibt es wissen über die Heilstätte in Bad Rehburg?
    Ganz liebe Grüße
    Birgitt

  30. Sehr geehrte Frau Röhl,
    im Kölner Stadtanzeiger habe ich von Ihrem Projekt und Buch gelesen und finde nun, daß Sie auch noch weiter Erfahrungsberichte sammeln. Die meinen weichen etwas ab von allen, die ich hier lese, also:
    Ich bin Jahrgang 1937 und die Kinderlandverschickung, an der ich teilgenommen habe war wohl vor 1950 (mindestens vermittelt, wenn nicht organisiert vom DRK). Da meine Erfahrungen keinesfalls traumatisch waren, sind sie ziemlich nebelhaft. Das Ziel der Kinderlandverschickung war ein Zeltlager auf einem Stück Land nahe bei Travemünde, nach meiner Erinnerung irgendwie dreieckig. Die Begrenzung auf der Landseite war die Grenze zur Ostzone, auf einer der anderen Seiten Meer und auf der dritten ein breiter Fluß (wohl die Trave); auf der anderen Seite sah man Travemünde liegen. Meine Erinnerungen betreffen kein eigentliches Heim, sondern ein Zeltlager, mit großen Zelten, in denen schätzungsweise 8-12 Mädchen wohnten, und es gab eine ganze Gruppe solcher Zelte. Es gab eigentlich überhaupt nichts anderes, die Wohnzelte, eine Stelle mit Toiletten (an die ich mich nicht erinnere), eine Stelle mit langen Tischen und großen Kübeln, an denen man sich zu bestimmten Zeiten anstellte, um Essen zu bekommen, und zwar in Gefäße, die jedes Kind von zu Hause mitgebracht hatte. An einer weiteren Stelle, nah der Meerseite und parallel zu ihr gelegen, gab es Wasserleitungen auf Ständern, etwa kniehoch über dem Boden, und mit einem Wasserhahn ungefähr im 1m-Abstand. Dort wusch man sich und sein Eßgeschirr, ohne weitere Hilfsmittel als die von zu Hause mitgebrachten Handtücher. Der Rest der Fläche war Gras, soweit da noch welches wuchs. Der Aufenthalt dort dauerte mehrere Wochen, es gab nach meiner Erinnerung kaum Aufsicht, weglaufen ging ja nicht; die einzige Möglichkeit war die Fähre nach Travemünde, und dafür brauchte man einen Fahrschein und eine Erlaubnis. Nach meiner Erinnerung waren wir vollständig uns selbst überlassen – ich nehme aber mal an daß es wohl Spiele oder Sport gab, für die ich mich aber damals nicht interessierte; und für das, worüber die anderen Mädchen redeten, interessierte ich mich auch nicht; ich war unauffällig, und man hat mich in Ruhe gelassen. Nur an Langeweile erinnere ich mich, und daß ich es bedauerte, die fremden Orte nicht anschauen zu können. Ich hätte zwar nach Travemünde hinüber fahren dürfen, aber dazu fehlte mir das Geld. Zweimal in der Zeit habe ich das Zeltlager verlassen: einmal wurden alle Insassen des Zeltlagers auf ein großes Schiff verfrachtet und einen (leider nebligen) Tag lang herumgefahren; das andere Mal bin ich nach Lübeck gefahren; dazu mußten sich mindestens drei zusammenfinden und versprechen, immer zusammen zu bleiben. Die anderen beiden waren aber einverstanden, daß ich mich sofort nach der Ankunft in Lübeck von ihnen getrennt habe, denn ich war damals nur an der Betrachtung von Kirchen (innen und außen), alten Häusern und Stadtmauern, Figuren an den Häusern, Altarbildern interessiert, und überhaupt nicht an Geschäften und Süßigkeiten und normaler Unterhaltung. Sonst war ich wohl unauffällig, und da ich auch nichts Verbotenes tat, hat man mich in Ruhe gelassen. Mich und mein Geschirr habe ich nur gewaschen, wenn niemand anderes es tat; ich habe überhaupt keine Erinnerung an Kinder und Erwachsene dort, außer daß es viele waren. Am deutlichsten aus der ganzen Zeit ist mir im Gedächtnis, wie es war, im Lübecker Dom zu sitzen, in diesem riesigen halbdunklen Raum, mit den Gewölben über mir und den Säulen, es gingen wenige Leute herum und redeten nur ganz leise; nach allen Seiten gab es etwas zu betrachten, aber ich konnte auch einfach so sitzen und den Raum fühlen.
    Die Reise nach Norden (ich kam aus Franken und aus einem Dorf) ging mit einem Sonderzug der Bahn; Eisenbahnfahren war schon für sich ein aufregendes Erlebnis, und dann einen ganzen Tag lang; trotzdem fällt mir dazu, außer daß meine Mutter mich in die Stadt bis zum Zug gebracht hat und daß der Abschied aufgeregt freudig war, nichts mehr ein. Der Grund für die ganze Unternehmung war meine ewige Kränklichkeit und Appetitlosigkeit; ich habe aber die ganze Zeit im Krieg und danach, nie Mangel an Fürsorge gehabt; deswegen wohl auch hatte ich allein nie Angst. Auch an Heimweh kann ich mich nicht erinnern, ich wußte ja daß ich nach der vorgesehenen Zeit wieder zurück käme, das allein gab vollkommene Sicherheit.
    Übrigens weiß ich von einem erst zu Kriegsende geborenen Jungen, der hatte schon mehrmals Lungenentzündung gehabt; er bekam deshalb einen Kuraufenthalt in einem Kinderheim, in der Nähe von Neuschwanstein, als er noch klein war, wahrscheinlich noch nicht mal in der Schule. Der hat die Reise ungern gemacht und sich dort zwischen den vielen anderen Kindern nicht wohl gefühlt. Am Tag nach der Ankunft (hat er mir viel später erzählt, damals hat er das nach selner Rückkehr nicht so genau gesagt) ist er krank geworden, mit Fieber, das nicht gewichen ist bis zum Tag vor der Heimreise. So hat er die ganze Zeit auf der Krankenstation verbracht, wo man nett zu ihm war. Für ihn war das Ereignis wohl durchaus traumatisch, obwohl vermutlich alle Beteiligten die besten Absichten hatten.
    Ich denke, daß viele, die als Kinder in durchschnittliche Heime verschickt wurden und weder besonders glücklich noch unglücklich waren, sich einfach kaum an mehr erinnern als an das Faktum, und des öfteren nach so vielen Jahrzehnten nicht einmal an das.
    Ihre Bemühungen um Berichte von solchen Erfahrungen finde ich sehr verdienstvoll und wünsche Ihnen viele Zuschriften; schließlich ist es dafür höchste Zeit; mit zunehmendem Alter schwindet das Gedächtnis, vor 10 Jahren habe auch ich sicher noch Einzelheiten gewußt, die heute weg sind. Noch findet man, wenigstens für die 50er und 60er Jahre eventuell auch noch Berichte von Betreuern oder Heimleitern, die das Bild vervollständigen. Natürlich werden die Sadisten oder zum Verständnis von Kindern Unfähigen sich kaum melden, Wenn man aber mehr “Normal”berichte erlangen kann, gewinnt man wohl einen Rahmen, in den man die Erlebnisse der traumatisierten Kinder einordnen kann.

    1. Ich zensiere, lösche, oder ergänze hier nie selbst, dh. es sammeln sich Berichte von Menschen bei mir an, die ich nur dann nicht freischalte, wenn sie beleidigende Inhalte haben, was so gut wie nie vorkommt. Ich kann also nicht entscheiden, ob hier Traumatisches erzählt wird, oder „Normales“. Meist wird einfach erzählt, was derjenige oder diejenige erlebt hat, einfach aus dem Bedürfnis heraus, es mir mitzuteilen als Reaktion auf meine und andere Veröffentlichungen. Das Gefühl mit traurigen Erlebnissen nicht allein gewesen zu sein, was dabei alle erleben, gibt ein Gefühl der Solidarität und Kraft. Von Zeltlagern als Verschickungsaufenthalte hatte ich noch nie gehört, ist interessant. Kannte ich nur als Ferienaufenthaltsmöglichkeit, meist später, 70/80 er Jahre

  31. Habe heute einen Artikel in unserer Tageszeitung gelesen. Ich kann mich nur noch wenig an die Zeit im Kinderheim erinnern. Muss Anfang der 60er Jahre gewesen. Freudenstadt im Schwarzwald habe ich in Erinnerung. Woran ich mich erinnern kann, ist die Gemeinschaftsdusche. Anschließend würden wir mit einem Wasserschlauch mit kaltem Wasser abgespritzt. Dabei wurde darauf geachtet, dass niemand ” entkommt”. Als bleibende Erinnerung habe ich zurück behalten, dass ich bis zum heutigen Tag keine Tomaten essen kann, weil ich in diesem heim so lange vor Kartoffelsalat mit Tomaten sitzen müsste, bis ich alles gegessen hatte. Es ist mir auch nach Jahrzehnten nicht möglich Tomaten zu essen, so stark ist die Abwehr noch nach mehr als 5 Jahrzehnten. Später war ich in einem katholischen Internat. Hier würde ich zum Glück nie gezwungen, etwas zu essen, das ich nie mochte

  32. Guten Tag Frau Röhl, Ihr Engagement zum Thema Verschickungskinder hat bei mir viel Erinnerungsarbeit angestoßen, auch im Kontext transgenerationaler Traumaübertragung, und dafür bin ich auch Ihnen dankbar. Ich war 1965 im Alter von 5 Jahren für drei Wintermonate im Seehospiz Kaiserin Friedrich auf Norderney. Dieser Aufenthalt hat mich nachhaltig traumatisiert. Unlängst fand ich im Forum Verschickungsheime eine Seehospiz-Gruppe und entdeckte mich auf dem Gruppenfoto. Ich möchte nun mehr über diese Zeit in Erfahrung bringen und hoffe auf Erinnerungsanstöße durch Fotos und Informationen und natürlich auch auf weiteren Austausch mit anderen ehemaligen Verschickungskindern des Seehospizes. In dem Zusammenhang wüsste ich gerne, ob die auf der o.g. Homepage angekündigte Dokumention der Diakonie Niedersachsen – die unter anderem das Seehospiz betrifft und die Ende März veröffentlicht werden sollte – nun einsehbar ist – und wo? Wenn Sie Informationen dazu haben, bitte ich um Weitergabe – hier und auf der Homepage. Danke vorab, und herzliche Grüße, Anna Engeln

    1. Liebe Anna, und auch an alle Norderneyer: Ich habe noch nichts gehört von der Studie, wir kümmern uns. Sobald wir was wissen, kommt das auf die Homepage und in die Norderneyer Heimortgruppe

  33. Guten Tag Frau Röhl!
    Ihr Buch hat auch bei mir Erinnerungen an meine frühe Kindheit ausgelöst. Ich war 1955 5 Jahre alt, als ich mit meinen 6 und 8 Jahre älteren Geschwistern (Schwester und Bruder) in ein Heim in Todtnauberg im Schwarzwald geschickt wurde. Insgesamt sind meine Erinnerungen, Gott sei Dank, stark verblasst. Einige Dinge blieben natürlich haften. So wurden wir Geschwister dort getrennt und durften während der gesamten Zeit nichts gemeinsam unternehmen. Meine älteren Geschwister waren jeweils in einer größeren Mädchen- bzw. Jungengruppe, während in meinem Alter keine Spielkameraden da waren. Die fremde Umgebung und die Einsamkeit führten schnell dazu, dass ich ein Bettnässer wurde, womit ich jeden Morgen vor versammelter Mannschaft vorgeführt wurde. Zum Frühstück gab es einen gesalzenen Haferbrei, und eine Scheibe Brot mit Marmelade gab es nur pro geleerten Teller Haferbrei. Am Schlimmsten war aber die Einsamkeit, die nur einmalig durch eine Dampferfahrt auf dem Titisee durchbrochen wurde.
    Danke für Ihr Buch und Ihr Bemühen um die Geschädigten Menschen aus dieser Zeit und Vereinnahmung.

  34. Hallo Frau Röhl,

    ich beschäftige mich schon länger mit dieser Thematik, weil ich selbst betroffen bin und versuche das aufzuarbeiten. Ich habe gerade noch einen ARD Bericht gesehen, dort wurde immer nur von den 60er und 70er Jahren gesprochen………….es ging bis in die 80er Jahre rein. Ich war Anfang der 80er Jahre mit 8 Jahren im Adolfinenheim auf Borkum. Auch ich kann sagen, ich habe einen Blick in die Hölle “gewonnen”. Sicherlich war es den Berichten nach, nicht mehr ganz so schlimm aber ich habe die Ausläufer deutlich zu spüren bekommen. Wenn wir geschlagen wurden, kann ich mich nicht mehr daran erinnern aber auch bei uns war Heimweh verboten. Ich musste mal eine ganze Nacht im Aufenthaltsraum verbringen. Auch das Essen war grausam, auch wir mussten so lange sitzen bleiben, bis alles aufgegessen wurde. Allerdings war das Essen nicht so schlimm, dass jemand erbrochen hat und es dann auf essen musste oder ich habe es verdrängt. An solche Situationen kann ich mich nicht erinnern.
    Wir hatten bei uns einen im Zimmer, der jede Nacht ins Bett gemacht hat und dafür bestraft wurde. Ein mal ist mehr in die Hose und ins Bett gegangen als nur Flüssigkeit. Der arme Kerl wurde an einem Bein aus dem Zimmer geschleift und eiskalt abgeduscht und wir Kinder standen drum herum und lachten. Ob wir dazu animiert wurden, weiß ich nicht mehr aber man hatte uns auch nicht weggeschickt, um ihm die Peinlichkeit zu ersparen. Der Junge hatte geschrien wie am Spieß, ich höre es heute noch.
    Auch durften wir unsere Briefe nicht selber schreiben, mit 8 Jahren konnte ich allerdings schon schreiben. Die Briefe waren alle gleich, es wurde geschrieben, was wir alles erlebt hatten und wie schön es doch ist auch wurden die erhaltenen Briefe gelesen, bevor wir sie bekamen. Pakete wurden geöffnet und Süßigkeiten herausgenommen und an alle verteilt.

    Ich habe seit ein paar Jahren immer mal wieder recherchiert und versuche das ganze aufzuarbeiten. Jetzt habe ich die Kraft, nach 38 Jahren, die Insel wieder zu besuchen. Ich werde am 26.6.21 zum Ort meiner eigenen Hölle zurückkehren. Das Heim ist mittlerweile abgebrannt (Ein Schelm der Böses dabei denkt 🙂 )
    Einerseits leider, denn ich hätte es gern noch mal gesehen andererseits ist dieser Ort des Schreckens weg.

    5 Jahre danach habe ich geschwiegen und bin mit meiner Pein allein gewesen. Ich kann nicht einmal sagen, warum ich geschwiegen habe, vielleicht aus Scham oder dass man mir nicht glaubt.

    Ich hoffe Ihre Bemühungen bringt in der Politik etwas. Mir geht es hierbei nicht um Entschädigung sondern genau wie Ihnen um Anerkennung dieser Machenschaften.

    Wie gesagt, für mich war es ein Blick in die Hölle.

    Einerseits freue ich mich auf meinen Besuch auf Borkum andererseits habe ich angst, dass vielleicht Verdrängtes wieder zum vorscheinen kommt. Ich bin gespannt aber ich bin sicher, dass mir dieser Besuch hilft, meinen Seelenfrieden zu finden und das Thema vielleicht zu einem einigermaßen befriedigendem Abschluss zu bringen.

    Viele Grüße aus Bremen
    Andreas

  35. Hallo Frau Röhl,
    vielen Dank für Ihr sehr aufschlussreiches Buch, dass nicht nur die einzelnen Berichte von Betroffenen enthält, sondern auch einen Einblick in die Strukturen, die all diese Grausamkeiten erst ermöglichten. Mir ist nicht nur einmal die Luft vor Entsetzen weggeblieben. Vor allem, weil ich selber zu den Betroffenen zähle.
    Ich selber war im Jahr 1976 in Bad Wörishofen für 6 Wochen in „Kur“. Ich war zu dem Zeitpunkt 7 Jahre alt. Die Hausärztin unserer Eltern war der Ansicht, dass der Aufenthalt gut für meinen (älteren) Bruder wäre, da er damals einige Mal an grippalen Infekten erkrankt war (völlig normal in dem Alter, wie man heute weiß). Ansonsten war er kerngesund. Angeblich sei ich mitgeschickt worden, damit mein Bruder nicht alleine reisen muss. Außerdem planten unsere Eltern zu dem Zeitpunkt gerade den Hausbau. Ist dann natürlich praktisch, wenn 2 Kinder von 3 nicht da sind. Allerdings wurden wir, wie überall, direkt nach Ankunft in Bad Wörishofen voneinander getrennt und in unterschiedlichen Etagen (nach Jungen und Mädchen getrennt) untergebracht. An vieles, wie die Hinfahrt, kann ich mich nicht erinnern. Ich habe aber einige detaillierte Erinnerung an diese wirklich furchtbare Zeit. Es gab dort, wie in anderen Kinderkurheimen auch, viele lieblose und unsensible Nonnen, die wie es scheint, die Erziehungs- und Behandlungsmethoden “nach J. Haarer” und anderen ähnlichen ausübten. Dieses Erziehungsbuch fand ich auch vor ein paar Jahren noch in der Bibliothek meiner Eltern, die selbst auch nach diesen Methoden erwachsen wurden. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass diese Erziehungsmaßnahmen in Ermangelung anderer Methoden (antiautoritär wurde abgelehnt und ist natürlich auch nicht wirklich eine Alternative) bei uns zu Hause auch stattfanden. In der Historie unserer Eltern findet man natürlich auch sehr viele dieser Erziehungsmaßnahmen und deren Auswirkungen, die auch wir zu spüren bekamen.
    Ich kann mich noch sehr genau erinnern, dass ich in der Kur Tabletten schlucken musste. Tabletten oder Pillen schlucken fiel mir als Kind schon immer schwer. Ich weiß nicht, welcher Wirkstoff es war (nach Ihren Recherchen vermute ich heute ein Sedativum, da ich eher zu den lebhaften Kindern zählte) und kann mich nur daran erinnern, dass ich sie wie vorher erwähnt, schwer schlucken konnte. Allerdings kontrollierten die Nonnen immer, ob ich sie auch wirklich schluckte und nicht irgendwie verschwinden lies (Mund aufmachen und unter Zunge schauen, etc). Ich kann mich erinnern, dass die kleinen orangen Pillen ganz bitter wurden, weil ich sie nicht herunterbekam. Ich kann mich auch daran erinnern, dass Kindern der Mund am Telefon zugehalten wurde, wenn man versucht hatte den Eltern zu berichten, dass es so furchtbar dort ist und man nach Hause möchte. Ohne Aufsicht konnte nicht telefoniert werden. In Ihren Berichten las ich, dass eine Kontaktaufnahme eher immer aus fadenscheinigen Gründen untersagt wurde. Ich weiß allerdings nicht, ob ich diese Situation beobachtet habe, oder ob ich es selber war, der der Mund beim Reden zugehalten wurde. Aus Sicht der Traumaforschung weiß man ja heute, dass man sich bei bestimmten Erlebnissen als Überlebensstrategie vom Erlebten abspaltet. Ich weiß nicht, ob dies bei mir auch passiert ist. Ggf. wurde es mir nach dem Unfall meines Bruders ausnahmsweise erlaubt (siehe weitere Beschreibung unten), mit meinen Eltern zu telefonieren.
    Ich kann mich auch erinnern, dass das Fieberthermometer tief in den After bis es schmerzte eingeführt wurden. Und an Essen unter Zwang. Ich musste immer einen Löffel Honig essen, vermutlich weil ich eher zu den “zu dünnen” Kindern zählte. Ich habe viele Jahre danach keinen Honig essen können und wollen. Viele Erinnerungen sind aber wie vernebelt. Ich kann mich an kaum positiven Vorkommnisse erinnern. Höchsten der seltene Ausgang in den Garten, u.a. für das Kneippsche Wassertreten. Mein Bruder beschreibt die Atmosphäre dort in dem Kurheim als “Knast” oder “Gefängnis” ähnlich. Aber an Details kann er sich nicht erinnern. Wohl nicht überraschend. Denn was besonders tragisch war, ist, dass mein Bruder eine Querschnittslähmung im Kuraufenthalt in Bad Wörishofen erlitten hatte, deren Ursache nie wirklich geklärt wurde. Er ist seit diesem Sommer 1976 im Rollstuhl, meistert zwar in einer bewundernswerten Art sein Leben, aber ich frage mich nach all diesen Berichten (auch nach der Erwähnungen der Medikamententests, Lumbalpunktionen, etc.) was dort wirklich passiert ist. Mein Bruder ist dem nie weiter auf den Grund gegangen, weil er sagt, dass es ja an seinem Zustand nichts ändert, was natürlich so ist. Er schaut lieber nach vorne und das finde ich auch sehr wichtig. Ich kann mich erinnern, dass ich die restlichen Wochen in der Kur, nachdem mein Bruder mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde, alleine dort verbringen musste. Nachdem mir auf eine sehr unsensible Art und Weise dieser “Unfall“ meines Bruders übermittelt wurde (als wir abends vor dem Kreuz zu Gebet standen sagte man in die große Runde “…heute beten wir für Heikes Bruder, der nicht mehr laufen kann…”). Ich kann mich noch heute an meine Erstarrung und Sprachlosigkeit erinnern. Vielleicht war es auch eine Hilflosigkeit der Nonnen geschuldet, weil sie selber nicht wussten, wie damit umzugehen ist. Meine Eltern kamen auf einen kurzen Besuch vorbei, ich wurde aus dem Kurgebäude herausgeführt, denn Besuche waren ja grundsätzlich nicht erlaubt. Vor dem Kurhaus informierten mich meine Eltern, dass ich dort bleibe und ich Verständnis haben müsse, da sie ja nun ins Krankenhaus zu meinem Bruder müssten. Natürlich hatte ich Verständnis, war aber sehr verstört und fühlte mich allein und zurückgelassen bei diesen sehr strengen Nonnen. Anschließend wurde ich krank und war einige Tage in der isolierten Krankenstation. An die Rückfahrt erinnere ich mich wie an die Hinfahrt nicht. Bei meinem Vater konnte ich kurz vor seinem Tod noch einige Information abfragen. Aber den genauen Ursachen für diesen “Unfall” konnte vor Ort nie im Detail auf den Grund gegangen werden. Er sagte, dass dem Heim nie eine Schuld nachgewiesen werden konnte. Ich weiß aber nicht, wer recherchiert hat und wie genau dies erfolgte. “Offizielle” Version ist, dass mein Bruder nach Leibesübungen (Brücken, Kerzen) Rückenschmerzen bekam und nach der Mittagsruhe nicht mehr Aufstehen konnte. Damals gab es noch kein CT oder MRT, aber festgestellt wurde, dass Blut ins Rückenmark gelaufen war, was für die Zerstörung und die Lähmung verantwortlich war. Da unsere Familie danach eher damit beschäftigt war, dass Leben auf diese massive Veränderung neu auszurichten, wurde über mögliches Verschulden nicht weiter gesprochen. Aber ich kann mich sehr genau erinnern, dass unsere Erzählungen, dass es dort so furchtbar war, nie ernst genommen, sondern eher belächelt wurde. Erst sehr spät äußerten sich unsere Eltern, dass sie uns nicht dort hingeschickt hätten, wenn sie gewusst hätten, dass es dort solche brutalten Vorkommnisse gegeben hätte (wenn unsere Erzählungen wirklich wahr seien!),. Zweifel an unseren Aussagen gab es also bis zum Schluss. Es war ja damals quasi „üblich“ einen Mantel des Schweigens über viele Ereignisse zu legen. Aus Angst, Scham, Entsetzen, fehlender Einsicht oder was auch immer. Wohl auch ein Resultat der strengen Erziehung. Auch ich traue mich kam über diese Ereignisse zu erzählen. Vielleicht weil Drohungen von damals immer noch unbewusst wirken. Aber ich denke, dass es wichtig ist, dass all diese Vertuschungen, die Ihren Recherchen nach erfolgen, nicht länger gedeckt werden dürfen. Mir geht es noch nicht mal um die Bestrafung der Täter. Mir geht es vor allem um eine Stimme für all die Betroffenen und darum, dass diese Schwarze Pädagogik, die sich immer noch durch die Erziehung von Kindern durchzieht, aufgedeckt wird. Wir müssen uns bewusst machen, was falsch läuft, damit sich etwas ändert. Das wird vermutlich noch Jahrzehnte dauern, aber es ist wichtig, hinzuschauen. Gleiches gilt natürlich auch für die Erziehungsmethoden in der ehemaligen DDR.
    Interessant ist für Sie ggf. auch der Erlebensbericht von Alice Millers Sohn „Das wahre Drama des begabten Kindes“ von Martin Miller. Denn auch Alice Miller hatte einige blinde Flecken, was die Erziehung oder Beziehung zu anderen Mensch anging. Es muss sich wohl jeder Einzelne fragen, welche blinde Flecken man selber hat. Und dafür ist eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sehr hilfreich und notwendig, ohne darin hängen zu bleiben.
    Ich habe vor 2 Jahren Bad Wörishofen erneut besucht. In das Gebäude kommt man heute nicht mehr rein, da es ein Schwesternheim für kath. Nonnen ist. Ich habe bei diesem Besuch versucht, diesem Ort neben den vielen negativen Erinnerungen schöne Eindruck entgegen zu setzen. Das ist mir gelungen, auch wenn das Vergangene dadurch nicht verschwindet oder an Schrecken verliert.
    Ich mache meinen Eltern keinen Vorwurf (beide sind inzwischen verstorben), denn gerade im Alter konnten wir erkennen, dass sie auch nur Opfer dieser grausamen Erziehungsmethoden verbunden mit den fürchterlichen Kriegs- und Nachkriegserlebnissen waren. Transgenerationale Übertragungen fanden und finden in vielen Familien statt. Nur wissen das viele noch nicht. Daher ist eine Öffentlichkeitsarbeit hierzu sehr wichtig.
    Die Ereignisse habe mein Leben radikal verändert und sehr beeinflusst und tun es wohl immer noch, wie viele andere Aspekte auch.
    Ein offener Umgang mit dieser dunklen Vergangenheit würde ggf. einiges ähnliches in Zukunft verhindern.
    Ich hoffe, dass durch die Bearbeitung auf politischer Ebene dazu einiges in Gang kommt.

    Viele Grüße
    H.R.W.

  36. Sehr geehrte Frau Röhl,

    ich schreibe Ihnen als Pressesprecherin der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs und würde gern per E-Mail-Adresse zu Ihnen Kontakt aufnehmen und von einer Aktivität der Kommission berichten, zu der wir Sie gern einladen möchten. Wäre es möglich, dass Sie mir Ihre Mail-Adresse schicken?

    Freundliche Grüße
    Kirsti Kriegel

  37. Im Jahr 1965 war ich, 9 Jahre alt, im Kinderheim Südstrand ,Westerland Sylt,für 6 Wochen zur Kinderkur,weil ich sehr dünn war. Ich würde dort förmlich gemästet,musste mich demzufolge ständig übergeben und das Resultat daraus war,das ich dann geschlagen wurde. Nach der Kur haben meine Eltern mir kein Wort geglaubt.Diese furchtbare Zeit konnte ich nie vergessen und ich konnte nie mehr viel auf einmal essen, nur kleine Portionen.

  38. Sehr geehrte Frau Röhl, ich bin Ihnen wirklich sehr, sehr Dankbar. Endlich bekommen die Traumatisierten Menschen eine Gelegenheit sich hier auszutauschen und vielleicht den Schmerz des Erlittenen etwas abzumildern. Ich war nicht in einer Kinderkur, habe aber während meiner Schulzeit unter Schwarzer Pädagogik leiden müssen. Schlagen war normal für eine Lehrerin. Unglaublich demütigend für uns Kinder.
    Und bin heilfroh, heute dürfen und müssen wir laut werden. Und zuhören, damit das Leid aufhört…….
    M. Selzer-Metzger

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