Das Gefängnistheater aufBruch inszeniert einen Macbeth, der im Berliner Untergrund spielen könnte

Das Jugendgefängnis frappiert durch einen netten Direktor, freundliches Personal und eine lockere Atmosphäre, befindet sich aber doch hinter riesigen Mauern mit Natodraht. „Wir haben hier auch einen Erziehungsauftrag“, erzählt der Direktor in seinem Grußwort, „dementsprechend sind wir froh, mit dem Team des Gefängnistheaters zusammenzuarbeiten.“ Die Männer, die auf der Bühne kommen, wirken älter. Sie geben ihren eigenen Macbeth. So hat es der Regisseur Sven Daniel Bühler mittels der Übersetzung von Werner Buhss sehr passend auf sie zugeschnitten und mit ihnen zusammen konzipiert. Und so donnern die feierlichen Dialoge im schönsten kreuzköllner Straßenslang ( Isch disch Urban!) ins erstaunte Publikum. Das Thema des blutigen Königsdramas wird dabei ganz ohne Blut gegeben, was sehr sympathisch ist. Die Übertragung des shakespaere’schen Stoffes in den Berliner Untergrund ist dazu vor allem körpersprachlich gelungen. Da werden die muskelgestärkten Männer-Körper gegeneinander in Szene gesetzt, da wird sich gespreizt, da wird gedroht, da wird sich unterworfen, da wird sich aufeinander geworfen. Sehr gut die Reduktion aller Mittel, sowohl die Kostüme, wie auch das Bühnenbild, sind ganz in schwarz gehalten, elegant zunächst, auf Geschäftsmann-Niveau, dann immer Neuzeit-militärischer, mit Kampfwesten. Ein einziger Farbfleck in rot, stellt das Kostüm dar, das nur ein glitzerndes Hemd ist, was sich ein sehr kräftiger Mann, wie zufällig, umgeworfen hat, dazu unten kleine rote Frauenschuhe, die ihn als Lady Macbeth zu erkennen geben. Er scheint, wie es die Rolle vorschreibt, zu Beginn der Mächtigste, während der erste Schauspieler als Macbeth-König der allerkleinste und schmächtigste ist. Das hat eine gewisse Komik und wirkt durch Übertreibung und Witz: „Ach, Mackie!“ ruft Lady Macbeth in Anspielung auf Brechts Mackie Messer einmal, das Publikum lacht. Der zweite Macbeth-Darsteller stellt einen feisten Machtherrn in der Blüte seiner Jahre dar, skrupellos wähnt er sich unbesiegbar, bis sein Stern sinkt. Das Publikum sieht kein Königshaus, es sieht den Machtkampf von Männer-Gruppen im Berliner Untergrund. Das ist das Ziel gewesen, aber mE nur zum Teil gelungen. Es fehlte dazu irgendetwas, ich kann es nicht sagen. Es war viel los auf der Bühne, aber es fehlte an echter Tragik. Es ist auch so, als hätte sich die Regie nicht entscheiden können, wie weit man sich von der historischen Vorlage hätte entfernen dürfen. Super gut waren die auflockernden RAP-Songs, wirklich originell, und in der Premiere ohne Hintergrundmusik sollen sie sogar noch besser gewesen sein, wie ich hörte. Die Akustik im Raum ließ leider ganz klein wenig zu wünschen übrig. Manchmal war der Sprechgesang nur schwer verständlich. Sehr schade. Dafür war die Körpersprache überzeugend!

Es spielt das Gefangenenensemble von aufBruch in der JSA Berlin: 
Batek, Brian, Dominik, Hamudi, Heidar, Kerim K., Jaden, Maxim R., Mert, Özcan, Philipp B.

Regie Sven Daniel Bühler Rap-Erarbeitung und -coaching Aisha Madarati Dramaturgie Franziska Kuhn Bühne Holger Syrbe Kostüme Isabella Caiati Musikalische Einstudierung Vsevolod Silkin Produktionsleitung Sibylle Arndt Pädagogische Assistenz Berenice Fisk, Isabella Caiati Grafik Dirk Trageser

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