So heiß gegessen wie gekocht – Rezension

Die Berliner Compagnie ist wieder auf Tour, ihr neuestes Stück beschäftigt sich mit der dringend notwendigen Energiewende im Sinne von Hermann Scheer und ist auch diesem gewidmet.

Der setzte sich ein für dezentrale Energiegewinnung und Ablieferung gleich vor Ort ein und verriet auch gleich, wie das gehen könnte. Dann widmen sie sich den nun überall aus dem Boden schießenden Vorhaben, die Profitraten mit dem nächsten Umweltausbeuter, den Kohlekraftwerken, zu Ungunsten der Menschen zu akkumulieren, dazu beschreiben sie in ihrem Agit-Prop-Stück Politiker und Betreiber als korrupten Haufen verantwortungsloser Machthaber, gegen die man sich klein fühlt, aber doch gewinnen kann. Das Ganze wird in Nachfolge von „Die Küche der Reichen“ (Vasif Öngören) und anderen Stücken gestaltet, die die Welt draußen aus dem verborgenen Blickwinkel des Küchenpersonals aus reflektieren und in deren Küche die Klassenwidersprüche der Gesellschaft quasi von unten aus kommentiert und angegangen werden. Symbol für die verborgene Entfaltung der revolutionären Kräfte von Abhängigen, die noch dazu die Welt am Leben erhalten.

Familienrestaurant wird zum “Widerstandsnest”

In diesem Fall handelt es sich um ein kleines Familien-Restaurant, das irgendwo in Deutschland durch den geplanten Bau eines Kohlekraftwerks vor ihrer Haustür, vielfältigen Schwankungen ausgesetzt ist. Zunächst wird der Chefin eine Million dafür geboten, dass sie das Restaurant aufgibt, doch sie lässt sich davon abbringen, dann wird es Treffpunkt der Bauplatzbesetzer, später ist es tränengasumnebelt und eine Protagonistin wird zusammengeprügelt. Wichtig ist, was man alles vom Küchenpersonal lernt: Sich informieren, sich engagieren, sich wehren, sich beteiligen und nicht aufgeben. In Liedern, witzigen Gesprächen und gegenseitigen Erklärungen werden dem Zuschauer viele Argumente beigebracht, ganz im Sinne eines Straßentheaters brauchen sie dazu keine aufwendige Bühne, es reichen vier rollende Aluwannen, Geschirr und Küchengeräte, Schürzen und einfallsreiche Kochrezepte inclusive, die man nebenbei auch noch lernt, besonders auf vegetarischem Gebiet, wo man sich vielleicht noch nicht so auskannte, in staunenswerter Vielfalt übrigens.

Lehrreiches Begleitheft und Gastspiele
Das Schönste immer in der Berliner Comapgnie: Ein dickes, äußerst lehrreiches Begleitheft mit allen wichtigen Dafür- und Dagegen-Argumenten für die politische Basisarbeit vor Ort, und eine reisefertige Truppe, die nur darauf wartet, eingeladen zu werden. Für Demos, Veranstaltungen, Bürgerbegehren und sonstige vorrevolutionäre Veranstaltungen sehr gut geeignet. Hat Pfeffer, Überzeugungskraft und Witz. „Hundert haben wir erwartet, mehr als tausend sind gekommen, aus Vernetzung wird Besetzung,…wenn die oben nicht mehr können, weil die unten nicht mehr wollen, schwanken endlich die Drecksgeschäfte – first they ignore you, then they lough at you, then they fight you, then you will win“

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