Der Urknall in der Compagnie de Comedie – Rezension

Der Urknall in der Company de Comedie

Das Stück „Der Urknall“ ein Comedy-Musical für zwei singende Schauspieler, von Boyd Graham, ist aktuell in der Compagnie de Comedy, in der Bühne 602 in Rostock, aktuell erneut wieder angelaufen, es ist eine geniale Mischung aus Tiefsinn und Slapstick, die sich ganz auf die Wandlungsfähigkeit der Schauspieler verlässt. Mit Witz und tieferer Bedeutung, werden markante Punkte der Weltgeschichte herausgearbeitet, die mit Hilfe des Humors das Wesen des Menschen durch die Jahrtausende deutlich machen. Das Stück ist ein genialer Wurf mit einer genialen Umsetzung! Die drei, die beiden Spieler, Markus Möller und Peer Roggendorf, sowie der Pianist Philipp Kratzer, spielen dabei um ihr Leben. Dazu wirkt es so, als würden sie es im Moment improvisieren, und dabei ist alles trotzdem perfekt komponiert, wie es für eine gut strukturiert-verdichtete Komödie sein soll! 

Die Bühne mit ihren kleinbürgerlich- wohnzimmerartigen Utensilien soll ein Zufallsort sein, eine geniale Umsetzung des Brecht’schen Minimalismus. Die Utensilien zur Bebilderung der Weltgeschichte werden jeweils aus den Tischdeckchen, Lampen und Kleinsachen dieses Wohnzimmers genommen. Wo der Text Schwächen zeigt, überzeugt die Körpersprache. Ein guter Einfall ist, dass der Pianist schauspielerisch einbezogen wird und dabei in eine Art dialektische Einheit mit den beiden Spielenden geht.

Zum Inhalt

Die beiden wollen eigentlich ein von ihnen ausgedachtes Musical vorstellen und das Publikum soll abstimmen, was gut und nicht so gut ist. Die beiden Schauspieler spielen eigentlich ganz biederbürgerliche Typen, deshalb auch der Ort, ein kleinbürgerliches Wohnzimmer. Sie sind in einer Villa, wo das Ehepaar verreist ist und wollen sich an einem Musical – Wettbewerb beteiligen, wofür sie die größenwahnsinnige Idee hatten, die ganze Weltgeschichte locker darzustellen. Das beginnen sie dann auch, aber das Ehepaar kommt zu früh wieder und es kommt nicht mehr zur Abstimmung. Sie müssen einen Teil der neueren Weltgeschichte nur noch in Abkürzungen darbieten. Die Weltgeschichte in solcher Art, per Musical, per Improvisation und Spiel, mit viel Witz und wie eine Schülerübung, im von den Eltern kurzzeitig geräumten Wohnzimmer erscheinen zu lassen, hat etwas kindlich-naives. So ist auch das Herangehen an die Geschichte naiv und kindlich. Es werden die schönen Dinge herausgehoben, die witzigen. Die schrecklichen Momente, die ja meist überwiegen, wenn man sich die Geschichte so anschaut, die scheinen eher nur in Andeutungen durch, in Absurditäten. Autor und die Protagonisten werden aus dem Stück herausgehoben, eindeutig ist, dass sie spielen und nur Bruchstücke mikroskopischer Teile aus der großen Geschichte der Menschheit zeigen. Sie treten damit näher an das Publikum heran. Sie spielen ganz normale Menschen, die in die Geschichte greifen, wie in eine Verkleidungskiste. Aber sie spielen es durchaus so, dass auch etwas weh tut. Wer Spaß am Spiel mit historischen Persönlichkeiten, von Nofretete bis Eva Braun hat, wer über Absurditäten und Witz zum nachdenken und zu Erkenntnissen kommen will, der kommt an diesem Abend voll auf seine Kosten! 

Die beiden Schauspieler sind sich wirklich absolut ebenbürtig, sie harmonieren dermaßen gut, dass man in dieses Stück geht, nur um dieses Schauspieler – Pärchen immer wieder neu zu erleben! Köstlich wie sie sich gegenseitig an und ausziehen, köstlich, wie sie Männer und Frauen in Abwechslung spielen, köstlich, wie sie sowohl heutige Menschen als auch Menschen von vor Tausenden von Jahren nachspielen und auf die Schippe nehmen können, ein super Wurf und ein unglaublicher Körpereinsatz!  Das Publikum scheint ganz derselben Meinung zu sein, denn es gibt Lachsalven zum Teil schon vor den Szenen. Hier sitzen offenbar Fans, am Ende Standing Ovations, ein begeistertes Publikum im ausverkauften Haus brüllt, jubelt, kann sich kaum auf den Stühlen halten, die Sache ist aufgegangen: Unterhalten und zum Nachdenken angeregt, geht man nach Hause! Und kommt wieder her!

Es lohnt sich, dass die Bühne 602 dieses Stück wieder ins Reportoire wahrgenommen hat, weil man sich dieses Stück sehr gerne mehrfach anschaut! 

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