Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Kurt Weill

Die  Kurt Weill Oper im Rostocker Theater”Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny”, unter der musikalischen Leitung von Robin Engelen, in der Inszenierung von Johanna Schall, ist sehr gelungen! Das Thema passt perfekt zur aktuellen Situation in Rostock: Geld “reguliert” alle menschlichen Beziehungen in einer Stadt. Meist ist ja zuwenig davon da, jedenfalls das wird immer gesagt. In diesem Fall gibt es zuviel.

Mahagonny wird von kleinen Kriminellen im Goldrausch in einer Wüste gegründet. Sie soll den Jungs das Gold aus der Tasche zu ziehen, das sie zuvor mühsam aus dem Fluss gewaschen haben. Eine Stadt, in dem jedem die Todesstrafe droht, der kein Geld hat, wo man aber ansonsten alles dürfen darf, sämtliche Verbrechen, die Geld einbringen, sind erlaubt. Mahagonny ist Brechts und Weills Gegenstück zur Dreigroschenoper, vom Text ebenso kapitalismuskritisch, von der Musik her aber statt Chansons, anspruchsvolle neue Musik mit Jazz-Elementen, modern, getragen, aufrüttelnd.

Johanna Schall an die Bühne zurückgekehrt

Die Regisseurin Johanna Schall  steht für wundervoll typische Brecht-Inszenierungen. Sie ist für diese Inszenierung an die Bühne zurückgekehrt, an der sie bis 2007 fünf Jahre lang Schauspieldirektorin war. Ein schwarzer Bühnenhintergrund betont gekonnt die Farbigkeit der Figuren, auf ihn werden  Zwischentexte aus dem Libretto und Videos projiziert. Hier hätten eventuell auch Übertitel durchlaufen können, denn die Sänger waren manchmal über den Orchestergraben hinweg etwas schwer zu verstehen, auch weil die Musik eben Klassik war und nicht leicht eingängige Chansonmusik.

Liebe für Geld. Maskieren gegen den Ekel

Wunderbar die Kostüme und das Gehabe der Frauen aus Mahagonny. Sie müssen Liebe für Geld liefern und das tun sie. Dafür haben sie sich kostümiert, zum Teil grotesk, aber dafür wollen sie eben nicht sich selbst hergeben. Sie maskieren sich gegen den Ekel. Sie laufen und flanieren und dabei geben sie sich in Gestik und Mimik stolz, wütend, hasserfüllt auf ihre Benutzer und Kunden. Einmal mehr begreift man, was Liebe zu kaufen für einen Hass gebiert. Themen des Stückes sind: Geldgier, Liebesgier, Fressgier, Hass- und Kampfgier. Zusammen bringt das die Leute um. Der Goldgräber aus Alaska Jakob (Daniel Philipp Witte) frisst sich an zwei Kälbern zu Tode, Sparbüchsenheinrich (Maciej Idziorek) wird im Ring zu Tode geprügelt wird, Paul Ackermann (Daniel Ohlmann) erliegt einen eigenen Gesetzen (wird auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet, da er eines Tages plötzlich kein Geld mehr hat.

Assoziationen zu Guantanamo

Das Bühnenbild (Horst Vogelgesang) entfaltet sich besonders stark nach der Pause. Mit zwei stählernen Treppen und farbigen Blitzlicht-Lampen kommen Assoziationen zu Guantanamo auf. Paule Ackermann auf dem elektrischen Stuhl wird in Beinahe-Realismus mit Stromstößen gequält, die ihm am Ende eine Art Heiligenschein verpassen und nach seiner  “Abnahme” wird Paule wie Jesus zwischen die Trauernden gebracht. Dazu erlebt er eine Art Auferstehung. Trotz Farbenspiel und Lichterkranz nicht kitschig. Die Weill-Musik wird sehr klar, sehr deutlich, sehr gut gespielt. Neben der Orchestermusik spielt ein Volksmusik-Duo  mit Akkordeon und Zither und eine Ballhaus-Kapelle.

Nur im Vierspartenhaus möglich

Die Mahagonny-Inszenierung in dieser Art kann es nur als ein Vierspartenhaus geben: Der Opernchor (Einstudierung: Stefan Bilz) ist dauerhaft auf der Bühne präsent, kommt stimmlich und tänzerisch stark heraus, das Tanztheater (Choreografie: Katja Taranu) ist ebenfalls immer dabei. Absolut lohnenswert!

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